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Archive for the ‘Geschichte’ Category


Beim heutigen Festakt zum dreißigjährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Erlangen – Jena um 18.00 Uhr im Redoutensaal mit Roland Jahn, dem Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen – herzliche Einladung an alle! – wird die Dokumentation „Wege zueinander“ vorgestellt. Enthalten darin ist auch ein Artikel des Professors für Politologie, Autors und Bloggers Roman Jewstifejew aus Wladimir, der mit seinem subjektiven Blick auf die Wiedervereinigung Deutschlands hier sein Podium findet:

Roman Jewstifejew

Als jemand, der 25 Jahre in der UdSSR und 25 Jahre in Rußland lebte, insgesamt also mehr als ein halbes Jahrhundert, habe ich die Möglichkeit, darauf zurückzublicken, wie die russische Gesellschaft den Prozeß der Vereinigung der beiden Deutschlands aufnahm. Dabei kann man, wie ich meine, mindestens drei Etappen definieren, wie dieses so außerordentlich wichtige, gesamteuropäische Ereignis aus russischer Sicht gewertet wird.

Die erste Etappe von 1988 bis 1998 kann man als Übergang vom Gefühl des Mitwirkens an einem großen Ereignis hin zu einer gewissen Enttäuschung bezeichnen. Ende der 80er Jahre glaubte man in der UdSSR, die Geschehnisse in Deutschland seien nur der Auftakt zu noch bedeutenderen Ereignissen im eigenen Land. Der Glaube war groß, die Träume, die sich für die europäischen Nachbarn erfüllt haben, müßten auch zur Verwirklichung aller Sehnsüchte der Sowjetmenschen führen. Dabei träumte man von ebenso einfachen wie widersprüchlichen Dingen: Leben und Konsum sollten so sein wie im „idealen Westen“. Damals meinten die Leute, man brauche sich nur vom planwirtschaftlichen Parteisystem befreien, und dann werde sich alles von selbst ergeben. Der geheimnisvolle und unbekannte Markt werde es schon richten, wie das einst Adam Smith postuliert hatte.

Eben deshalb zeigten die Sowjetbürger Ende der 80er Jahre nicht nur viel Anteilnahme, sondern freuten sich aufrichtig mit den Deutschen über die Möglichkeit, ihren langgehegten Traum von einer geeinten Nation zu verwirklichen. Darüber hinaus konnte man diese Vereinigung für sich genommen als mächtigen außenpolitischen Schlag ins Kontor des sowjetkommunistischen Systems verstehen, dessen längst alle schon überdrüssig waren. Es bedurfte scheinbar nur noch eines Schlags von innen, um das Modell zum Einsturz zu bringen und zu erleben, wie an seiner Stelle auf wunderbare Weise eine neue staunenswerte Welt entsteht.

Bekanntermaßen vereinten sich die beiden Deutschlands, während die UdSSR zerfiel, ohne daß diese neue staunenswerte Welt entstanden wäre. Im Gegenteil: Anfang der 90er Jahre erlebte Rußland eine der tragischsten Perioden seiner Geschichte, als die Wirtschaft ebenso zusammenbrach wie das Sozialsystem oder die Bereiche Bildung und Wissenschaft. Eine gewisse Zeit verlor denn auch das Thema der Wiedervereinigung Deutschlands an Bedeutung, an seine Stelle traten die inneren Probleme des Überlebens. Doch Mitte der 90er Jahre hatten sich die Menschen ein wenig von den Erschütterungen erholt und begriffen nun, daß man die Wiedervereinigung Deutschlands insgesamt als großen Erfolg der deutschen Nation zu betrachten hatte, während es um das neue, unabhängige Rußland viel schwieriger stand. Dessen ungeachtet entwickelten sich die Beziehungen zu Deutschland damals recht freundschaftlich. Der Umstand, dass Rußland und seine Regionen Unterstützung seitens des deutschen Volks erhielten, ließ in der zweiten Hälfte der 90er Jahre in der russischen Gesellschaft ein Gefühl der Enttäuschung und sogar Verärgerung mit Blick auf die eigenen Probleme und Mißerfolge aufkommen, gerade auch vor dem Hintergrund dessen, was die europäischen Nachbarn erfolgreich zuwege brachten.

In der zweiten Etappe von 1999 bis 2008 sucht sich diese Frustration einen Ausweg und Lösungsansatz in den Bereichen Politik, Kultur und Ideologie. Allmählich – und nicht nur unter dem Einfluß der Staatsmacht – nehmen die Russen gegenüber der sie umgebenden Welt einen aggressiveren und feindseligeren Standpunkt ein. In der Gesellschaft reift ein greifbares Unbehagen wegen der Stellung, die Rußland nach der Transformation einnimmt, die doch ihrem Wesen nach den Übergang vom kommunistischen System zum demokratischen Modell hätte leisten sollen. Doch die Ergebnisse dieses Transits hatten sich für die Mehrheit der Russen als ganz unkenntlich erwiesen. In dieser Situation entwickelten sich nun bei einem Teil der Bevölkerung nicht nur eine UdSSR-Nostalgie, sondern auch recht starke Gefühle des Ressentiments an der Schwelle zum Revanchismus bei den extremen Anhängern der Wiedergeburt des Großmachtdenkens.

In diese Etappe fallen zwei bedeutende Erklärungen des Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin. 2005 charakterisierte der den Zerfall der UdSSR als die „größte geopolitische Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts“. Zwei Jahr später hielt er auf der Sicherheitskonferenz in München eine scharfe Rede, voller Vorwürfe an die westlichen Partner und mit der Definierung der neuen Position Rußlands in der Welt als Großmacht, die danach strebt, in dieser Welt zu einem Machtzentrum zu werden. Diese Worte gründeten nicht nur in der persönlichen Sicht des Präsidenten, sondern er brachte damit die bei einem großen Teil der Russen wiedergeborenen Großmachtgefühle zum Ausdruck.

Die dritte Etappe ab 2009 beschreitet dann festen Schrittes den Weg des Ressentiments. Dabei ist es schwierig zu sagen, wer voranging und wer den Anstoß gab: Putin der Gesellschaft oder die Gesellschaft Putin. Ihren Höhepunkt fand diese Entwicklung jedenfalls in den Ereignissen von 2014 auf der Krim. Durchaus möglich, daß eines der Motive der Kremlstrategen darin zu finden ist, eine eigene erfolgreiche „Wiedervereinigung“ zu erreichen, wie das Deutschland Ende der 80er Jahre gelungen war. Es ist dies auch die Zeit, wo die Idee vom russischen Volk als dem „zerstreutesten“ Volk dieser Welt aufkommt. Sprich, dieses durch Staatsgrenzen geteilte und zerstreute Volk müsse man im Rahmen eines Landes wiedervereinen. Und zur Lösung dieses Problems seien fast alle Mittel recht. Ich halte mir hier mit dem „fast“ ein Hintertürchen offen, denn auf offizieller Ebene beschreibt sich die Politik Rußlands als voll und ganz übereinstimmend mit dem internationalen Recht. Doch die tatsächliche Umsetzung dieser Politik versteht ebensowenig wie die die öffentliche Mehrheitsmeinung das internationale Recht als eine Instanz, die in Fragen der nationalen Wiedergeburt / Revanche eine übergeordnete Rolle spielt.

So kommt es, daß die Vereinigung einer Nation, die in der Politik Deutschlands in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine so große Rolle spielte, Anfang des 21. Jahrhunderts ihre russische Spezifik zu gewinnen beginnt. Diese Prozesse sind natürlich überlagert von wirtschaftlichen und politischen Besonderheiten Rußlands, von den eigenen Schwächen und einigen unangenehmen Zügen. Insgesamt, kann man sagen, verfestigt sich in den Köpfen der Russen in dieser Etappe die Frage danach, warum es den Deutschen – und das auch noch mit voller Rückendeckung der UdSSR – möglich war, sich zu vereinen, während dem russischen Volk dies verwehrt bleibe.

Ich weise darauf hin, daß diese Frage so noch nirgendwo formuliert wurde, vielmehr leite ich sie ab aus der gegenwärtigen Atmosphäre in der Gesellschaft, wie ich sie empfinde. Deshalb auch mein Hinweis im Titel auf den subjektiven Charakter meiner Gedanken, die keinen wissenschaftlichen Anspruch erheben. Doch eine ähnliche Idee äußerte Putin in dem Interview, das er kürzlich Oliver Stone gab: „Die Hauptsache liegt darin, daß sich nach dem Zerfall der Sowjetunion 25 Millionen Russen über Nacht im Ausland wiederfanden, und das ist wirklich eine der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts.“

Es ist offensichtlich, wie der Staatspräsident auf die Ereignisse am Ende des 20. Jahrhunderts abhebt, als eine Nation wieder zusammenfand, während die andere zu einem „zerstreuten“ Volk wurde. Diese Logik Putins kommt in großen Teilen einer Bevölkerung entgegen, die jene Katastrophe, die Suche nach neuer Orientierung, die Enttäuschungen, das Ressentiment und neue, bisher ganz unbestimmte Hoffnungen auf die Entstehung einer russischen Nation durchlebt hat.

Das moderne Rußland betrachtet Deutschland natürlich schon lange nicht mehr als Feind, als potentiellen Gegner, vielmehr blickt Rußland auf seiner Suche nach einem würdigen Leben unentwegt nach Westen und vergleicht seine neueste Geschichte mit den Entwicklungen der europäischen Staaten. Dabei sind die Russen sehr empfänglich für alle Fälle, die sie als Phänomene historischer Ungerechtigkeit empfinden. Ich hoffe, daß das Zusammenleben auf dem europäischen Kontinent und die aktive Zusammenarbeit uns ein besseres Verständnis füreinander und die Lösung aller schwierigen Probleme zwischen unseren Ländern ermöglichen.

Roman Jewstifejew, aus dem Russischen von Peter Steger

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Immer wieder erstaunlich, was die Archäologen von der Russischen Akademie der Wissenschaften in der Region Wladimir so alles aus der Zeit vom 9. bis 11. Jahrhundert ans Tageslicht bringen. Vor allem Belege dafür, welch engen Austausch die Wladimirer Rus mit Byzanz, dem Nahen Osten und dem damals noch weitgehend von finno-ugrischen Stämmen besiedelten Wolgaraum pflegte. Bei den jüngsten Grabungen etwa fanden sich bei einer regelrecht „kosmopolitischen“ Frau, die im Alter zwischen 20 und 29 Jahren verstorben war, insgesamt 140 Objekte, Schmuck und Bestandteile ihrer Kleidung: Ringe aus Silber, Bronze und Glas, Halsketten aus Glasperlen, Anhänger aus Münzen, Armreife, Kopfgeschmeide. Im Kniebereich entdeckte man zwei bogenförmige Anhänger mit Voluten, an den Fersen mutmaßliche Accessoires der Schuhe in Form von rechteckigen Platten mit Anhängern – und im Leichenkleid ornamentale Fragmente aus dem slawischen wie finno-ugrischen Kulturkreis.

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Die weiten Hügellandschaft um Susdal und Wladimir bildete im Mittelalter den „Kern“ der Kern der Rus, bevor das Machtzentrum sich nach Moskau verlagerte. Deshalb nahm man hier unter Leitung von Graf Alexej Uwarow bereits im 19. Jahrhundert Grabungen vor, und seit 2011 untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Archäologie diese Stätten, vor allem solche, die seinerzeit noch unberührt geblieben waren. Erschwert werden die Arbeiten dadurch, daß 1852 noch 244 Kurgane gezählt wurden, während heute wegen der intensiven Landwirtschaft keine Grabhügel mehr auf den Feldern zu erkennen sind. Man muß diese unsichtbaren Nekropolen also mit Hilfe moderner Technik, mit elektrotomographischen Aufnahmen, suchen. So fand man tatsächlich in diesem Sommer fünf bis dato unbekannte Kurgane mit einem Ausmaß von bis zu 600 qm mit insgesamt vier Begräbnisstätten.

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Bemerkenswert die Grabbeigaben der jungen Frau in Form von drei Münzen in der Halskette: zwei aus dem Nahen Osten, die in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts in Umlauf waren, und eine aus Byzanz, geprägt unter Kaiser Konstantin VII und seinem Sohn und Mitregenten, Roman II. Ein seltener Fund, wie die Forscher vermerken, denn gerade aus dem einstigen Konstantinopel hatte man bisher nur vier dieser Miliarensia zu Tage gefördert.

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In einem anderen Grab dann wieder eine Münze, ein arabischer Dirham aus dem späten 10. Jahrhundert, die man einem Mann in seinen Zwanzigern offenbar als Obolus mitgegeben hatte, gewissermaßen als Passierschein für den Übertritt ins Jenseits. Ein Zeugnis für die fruchtbare gegenseitige Durchdringung der Kulturen, lange bevor die krude Phobie vor „Mischvölkern“ entstand…

Material bearbeitet nach Zebra-TV

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Es ist jetzt genau 155 Jahre her, seit es die Bahnstrecke Moskau – Nischnij Nowgorod gibt, an der Wladimir liegt. Der „Gußeiserne“, wie man den Zug nannte, ratterte freilich schon Jahrzehnte vor dem Verlegen von Gleisen und Schwellen in der Vorstellung von Visionären von der heutigen Hauptstadt in die „Tasche Rußlands“, wie man die Handelsmetropole am Zusammenfluß von Oka und Wolga nannte. Sogar von Alexander Puschkin, dem Großfürsten der russischen Literatur, ist überliefert, er hielte eine solche Verbindung für wichtiger als die Strecke von Sankt Petersburg nach Moskau. Fast hätte ihm die Geschichte recht gegeben, denn nach der Trasse zwischen dem Zarendorf Zarskoje Selo und Sankt Petersburg sowie von der Hauptstadt nach Moskau baute man als die dritte landesweit eine solche Verbindung zwischen Moskau und Nischnij Nowgorod.

Zarenzug aus dem Hause Stevenson mit dem Waggon „Berlin“

Ein Jahr vorher, 1851, hatte man bereits die Strecke von Moskau bis Wladimir freigegeben. Der berühmte Historiker, Wassilij Kljutschewskij, bestieg just in Wladimir zum ersten Mal in seinem Leben einen Zug und schrieb darüber seinem Vetter:

Ich bekam Gänsehaut, als ich mich in den Waggon setzte und die Maschine, dem Abfahrtssignal gehorsam, zunächst langsam, dann immer schneller und schneller Fahrt aufnahm, bis der Zug schließlich so eilig dahinsauste, daß es schwer war, die vorbeieilenden Gegenstände in den Blick zu nehmen. Ungeachtet dieser Geschwindigkeit (bis zu 30 Werst pro Stunde) ruckelt es gar nicht, die Räder rollen ohne Stöße über die Gleise.

Die Eisenbahnverwaltung freilich hatte vorsichtshalber die Warnung herausgegeben, man könne eine absolute Gleichförmigkeit der Bewegung der Lokomotive nicht garantieren. Gemeint war damit vor allem das starke Ruckeln vor allem beim Anfahren.

Interessant auch, was der Augenzeuge über die Mitreisenden zu berichten weiß:

Im Waggon herrscht ein Stimmengewirr: Man kommt ungezwungen miteinander ins Gespräch, raucht, hält einen Schwatz, stärkt sich mit einem Imbiß, schläft – jeder nach seinem Belieben. Die Maschine zieht in aller Ruhe ein ganzes Dorf hinter sich her. Und dabei kann man sich begeistert den Geräuschen hingeben, die von der unablässigen mechanischen Arbeit all der Hebel künden, die über die gußeisernen Gleise rattern und hämmern… Kurzum bekommt man hier nicht von ungefähr Gänsehaut, nicht vor Furcht – sie kommt einem gar nicht in den Sinn -, sondern vor Begeisterung.

Gebaut wurde die zunächst eingleisige Strecke mit Privatkapital, freilich unter Aufsicht des Staates, der denn auch die Firma wechselte, als das Projekt drohte, ins Stocken zu geraten. Am 13. August 1862 machte sich dann um 15.00 Uhr mit dem Segen des Bischofs der erste Zug von Nischnij Nowgorod nach Moskau auf den 400 km langen Weg. Lokomotive und Waggons mußte man damals noch importieren, der Maschinist kam aus Deutschland. Zugestiegen bei der Jungfernfahrt sind die Honoratioren und reiche Kaufleute, doch sie erlebten einen richtigen Schreck. Bei Kowrow, 60 km vor Wladimir, war nämlich eine Weiche falsch gestellt, so daß der Zug auf das Abstellgleis geriet. Da half kein Bremsen mehr, der Aufprall war unvermeidlich, Lokomotive nebst Kohlenwagen entgleisten, der Begleitingenieur mußte mit gebrochenen Beinen nach Moskau gebracht werden, wo er wenig später seinen Verletzungen erlag.

Der Fehlstart hielt aber den Siegeszug der Eisenbahn nicht auf. Schon 1864 fuhren zwei Paare Personenzüge die Strecke Moskau – Wladimir und Moskau – Nischnij Nowgorod. Im Sommer dauerte die Reise vierzehneinhalb Stunden, im Winter mehr als fünfzehn Stunden, der Güterzug brauchte fast einen ganzen Tag.

Blick auf die Kljasma und die Bahnstrecke, die in Wladimir am Fluß entlang verläuft

Klagen gab es auch damals schon: Ein Fahrgast klagt über den schlechten Service, die ständige Kontrolle des Billets, die vielen Zwischenhalte, den Zwang, das Gepäck gesondert befördern lassen zu müssen. Nirgendwo sonst herrsche eine derartig bösartige Willkür, der Reisende werde vom Personal wie ein Intimfeind behandelt. Nach all den – sogar polizeilichen – Kontrollen beim Einsteigen, werde man ständig geweckt, um die Fahrkarte gelocht zu bekommen. Das hatte freilich auch mit der Konstruktion der übrigens ganz bunten Waggons zu tun, die so in Abteile ohne Gang separiert waren, daß die Schaffner nur von außen über kleine Stufen hereinkamen. Nur so konnte es am 9. Juli 1864 zu einem Vorfall kommen, der wie folgt aktenkundig ist:

Gegen 17.00 Uhr saß ein General im Zug Nr. 3 von Moskau nach Nischnij Nowgorod in einem Waggon der 1. Klasse. Auf der Höhe von Petuschki schlief er ein. Doch da hört er plötzlich einen Ruf: „Den Fahrschein, bitte!“. Der Militär, zum ersten Mal auf der Strecke unterwegs, schreckte auf, warf seinen Mantel ab, ruderte mit den Armen und zerbrach dabei das Glas in der Abteiltür. Am nächsten Bahnhof fordert man vom General, den Schaden zu bezahlen, doch der erklärt, er werde gern für alles aufkommen, was er durch Unachtsamkeit oder eigenes Verschulden beschädigt habe, nicht aber in einem Fall wie diesem, wo er vom Schaffner nachgerade mutwillig erschreckt worden sei. Und so gab er seinen Namen zu Protokoll und fuhr weiter – mit gültigem Billet.

Blick auf den Bahnhof und die Kathedralen von Wladimir

Klagen gab es natürlich auch hin und wieder wegen überteuerten Reiseproviants. So erschienen einem Fahrgast am Bahnhof Wladimir die – nota bene – auf Französisch angebotenen Pfirsiche alles andere als wohlfeil, kosteten sie doch zehn Kopeken mehr als auf dem Markt. Da hat wohl schon damals jemand die Marktwirtschaft nicht recht verstanden.

Heute ist man auf der Strecke – je nach Wahl des Zuges – zwischen vier und sechs Stunden unterwegs, und im nächsten Jahr soll der Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke beginnen. Eines ist aber bei allen Erweiterungen und Verbesserungen der Angebote geblieben: Die Fahrkarten kontrolliert man bereits beim Einsteigen, vergleicht die Daten mit dem Paß, und während der Fahrt auf dem reservierten Platz darf man das Billet dann nochmals knipsen und sich zu diesem Behufe sanft wecken lassen. Sicher ist sicher auf der russischen Eisenbahn, damals wie heute.

Zusammengestellt nach einem Artikel von Alexander Iswestow, der hier im Original nachzulesen ist: https://is.gd/VeT5dG

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Die Wladimirer Archäologie kann schon auf so manchen Fund verweisen, der in der Fachwelt für Aufsehen sorgte. Doch die Ausgrabungen, die schon seit zwei Jahren im Patriarchengarten mit Blick auf die Mariä-Entschlafens-Kathedrale im Gange sind, überbieten alle berechtigten Erwartungen, geben völlig neue Einblicke in das städtische Leben des Mittelalters in Wladimir.

2016 hatte man bereits an verschiedenen Stellen die sterblichen Überreste von Menschen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert entdeckt, insgesamt 80 Skelette. Von besonderem Interesse dabei die vier Begräbnisstätten aus dem 12. Jahrhundert mit Fragmenten von byzantinischen Seidenkrägen mit einer Maria orans und heidnischen Greifen, gestickt mit Goldfaden. Doch mehr als die prächtigen Stoffe aus der Ferne, in die sich die prämongolische Gesellschaft Wladimirs gewandet hatte, faszinierte die Wissenschaftler Besonderheiten der Beisetzungskultur im mittelalterlichen Wladimir.

Unmittelbar über den Gräbern aus dem 12. Jahrhundert hatte man 50 Jahre später Erde aufgeschüttet und den Friedhof in einen Befestigungswall verwandelt, der entweder an die bereits bestehende Erdmauer im Westen zum Goldenen Tor hin anschließen oder eine Verteidigungsanlage zur Kljasma hin bilden sollte. Wieder einige Zeit später, im 14. und 15. Jahrhundert, also nach dem Mongolensturm, nahm man hier wieder die Bestattungen auf, ein bis zwei Schichten über den Toten aus dem 12. Jahrhundert. Über sieben Gräbern kamen nämlich behauene Platten zum Vorschein, wie sie für das 15. und 16. Jahrhundert charakteristisch sind. All diese Beisetzungen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert weisen auf christliches Brauchtum hin, wonach die Toten mit über der Brust gekreuzen Händen in Ost-West-Richtung im Sarg liegen.

Nur wenige Meter entfernt vom „Wallfriedhof“ entdeckte man nun aber eine ganz andere Bestattungsweise. In einer Tiefe von mehr als drei Metern lagen in einem engen, 20 Meter langen Graben in mehreren Reihen zehn Särge mit Toten in Nord-Süd-Richtung, was zu der Vermutung Anlaß gibt, es habe sich dabei um Fremde, um Andersgläubige gehandelt.

Im Juni nun ein neuer Fund: wieder unter den dichten Schichten aus dem 14. bis 15. und dem 12. bis 13. Jahrhundert die sterblichen Überreste eines in Bast eingewickelten Menschen. Wie sich später herausstellte, war nicht nur die Leiche, sondern auch der Sarg mit Bast umhüllt, etwas, das einigen finno-ugrischen Stämmen eigen war, das man so aber in Wladimir noch nie ausgegraben hatte, ein Hinweis auf einen gemischten Kult. Der Leichnam nämlich liegt nach christlicher Tradition von Ost nach West, tritt aber den Weg ins Jenseits in Bast gekleidet an, also nach heidnischem Brauch der finno-ugrischen Kultur, auf die heute fast nur noch Toponyme wie Susdal oder Hydronyme wie Kljasma hinweisen.

Dann aber die wirkliche Überraschung unter drei Schichten von Bestattungen aus dem 12. bis 15. Jahrhundert die Umrisse einer Schale, die bei näherer Untersuchung eine echte Sensation bietet: verbrannte Überreste von Menschenknochen, nichts anderes als der Beweis für eine Feuerbestattung nach heidnischem Brauch. Ein ähnliches Behältnis hatte man schon im Vorjahr entdeckt, doch ohne Inhalt. Es müssen also im mittelalterlichen Wladimir verschiedene Kulturen friedlich miteinander zusammengelebt haben, die Assimilierung der finno-ugrischen Stämme war noch nicht abgeschlossen, die Slawen definierten sich wohl auch noch nicht eindeutig als Ethnie, kurzum es herrschte ein tolerantes Klima, das, was wir heute „Multi-Kulti“ nennen. Anders ist es nicht zu erklären, daß heidnische und christliche Kulte ausgerechnet dort zusammentreffen, wo es um das Allerheiligste des Menschen geht, um das Leben nach dem Tod. Schön zu sehen, daß schon damals in Wladimir jeder nach seiner Façon glücklich, nach seinem Glauben selig werden durfte.

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„Aber höher als ihr, Zaren, sind die Glocken“, lautet eine Mahung an die Mächtigen aus der Feder von Marina Zwetajewa, jener Lyrikerin, die für sich in den despotischen Jahren des Stalinismus den Ausweg im Freitod fand. Ausgerechnet in Alexandrow, der Stadt in der Region Wladimir, wo die mit Rainer Maria Rilke seelenverbundene und vom Leben zutiefst verwundete Dichterin sich von 1915 bis 1917 niedergelassen hatte und wo 1991 das erste ihr gewidmete Museum eröffnet wurde, ausgerechnet hier, wo sie mit einem weiteren Opfer der kommunistischen Tyrannei, mit dem Schriftsteller Ossip Mandelstam, zusammengetroffen war, ausgerechnet hier sollte Iwan dem Schrecklichen, jenem Altmeister des Terrors gegen das eigene Volk, ein Denkmal errichtet werden. Das zweite seiner Art landesweit nach einem ähnlichen Monument der Apotheose des Menschenschinders auf dem Zarenthron in Orjol im Herbst vergangenen Jahres.

Nicht ganz von ungefähr, denn jener Moskauer Großfürst, der sich einen Stammbaum andichten ließ, der bis zurück zu den römischen Kaisern reichte, hatte in Alexandrow von 1564 bis 1581 seine Residenz eingerichtet, um, wie er selbst sagte, jenseits von Moskau Gott näher sein zu können, was ihn freilich nicht hinderte, gegen Nowgorod ins Feld zu ziehen. Immerhin aber wurde hierher 1571 auch die landesweit einzige Druckerei – nach einem Brand in Moskau – verlegt, wo 1577 eines der seltensten Bücher der russischen Literatur entstand, ein Gebetsbuch, von dem es vermeintlich nur noch 24 Exemplare gab, bis unlängst auf einer Auktion Nummer 25 auftauchte und nun für eine wahrscheinlich nicht geringe Summe in die Heimat zurückkehrte.

Doch zurück zum Denkmal für Zar Iwan IV. Die Skulptur hatte ein Künstler in Moskau geschaffen, das Projekt wurde von einer privaten Gruppe betrieben, aber die örtlichen Behörden zeigten sich nicht allzu enthusiastisch von dem Vorhaben, das immer wieder verschoben wurde. Schließlich wurde der Bildhauer der Sache überdrüssig und kündigte an, sein Werk andernorts zu präsentieren.

Kulturell sicher ein zu verschmerzender Verlust, in jedem Fall mehr als aufgewogen durch eine Gedenktafel für Marina Zwetajewa an dem Haus, wo sie seinerzeit mit ihrer Schwester Anastasia wohnte und dichtete. Jahre später, 1925, schrieb die Vertreterin einer Weltliteratur auf Deutsch, das sie perfekt beherrschte, an Rainer Maria Rilke:

Dichten ist schon Übertragen, aus der Muttersprache in eine andere, ob Französisch oder Deutsch wird wohl gleich sein. Keine Sprache ist Muttersprache. Dichten ist Nachdichten. Darum versteh ich nicht, wenn man von französischen und russischen etc. Dichtern redet. Ein Dichter kann Französisch schreiben, er kann nicht ein französischer Dichter sein. Das ist lächerlich. Ich bin kein russischer Dichter und staune immer, wenn man mich für einen solchen hält und als solchen betrachtet. Orpheus sprengt die Nationalität, oder dehnt sie so weit und breit, daß alle (gewesenen und seienden) eingeschlossen sind.

Wie schön, sie in Alexandrow, 130 km nordwestlich von Wladimir, geehrt zu wissen, wo es im Juni alljährlich ein Zwetajewa-Lyrik-Festival gibt. Die Glocken der Dichtung sind eben doch höher als die Macht der Zaren…

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Das russische Generalkonsulat in München hatte zum feierlichen Empfang geladen. Der Nationalfeiertag heißt „Tag Russlands“. Der 12. Juni erinnert an die staatliche Unabhängigkeit und wird seit 1994 begangen. In vielen Städten des Landes feiert man der Tag parallel zum Stadtfest, so auch in Nischnij Nowgorod, wo die neue Bürgermeisterin, Jelisaweta Solomon, mich zu den Feierlichkeiten einlud, als ich vor kurzem meinem Vater dort einen Besuch abstattete.

Elisabeth Preuß in Nischnij Nowgorod im Mai 2017

Vielerlei Vergnügungen wurden geplant, so auch ein Auftritt des Theaters der Gehörlosenschule „Piano“. Wir trafen die talentierten Protagonisten bei einer Probe auf der Bühne hoch über der sommerlichen, in der Sonne glitzernden Wolga. Leider konnte ich diese Einladung nicht annehmen, da ich zu dem Zeitpunkt schon wieder seit zwei Tage zuhause im Rathaus sein würde.

Pantomimentheater „Piano“

Die Bevölkerung allerdings begeht mit viel mehr Herzblut den 9. Mai, den Tag des Sieges, jedes Jahr ein großes Fest. Zurecht gedenkt man der mehr als 50 Millionen Toten, die der von den Nationalsozialisten über die Welt gebrachte Krieg allein in der Sowjetunion kostete.

Irina Chasowa und Elisabeth Preuß, die beiden Botschafterinnen der Partnerschaft im Dezember 2015, Bahnhof Wladimir

Am 13. Juni folgten die Vertreter vieler Nationen der Einladung von Generalkonsul Sergej Ganscha nach München in den „Bayrischen Hof“, und ich nutzte diese Gelegenheit, um dem Generalkonsul von dem beeindruckenden Unterfangen „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ zu erzählen. Das Werk von Peter Steger liegt ja seit einigen Monaten auch in russischer Übersetzung vor, der Blog hat über die Präsentation in Wladimir berichtet. Die Erzählungen, Interviews und Bilder der Veteranen unserer beider Völker, die sich einst als Feinde gegenüber standen und sich jetzt im Rahmen der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir treffen: Dieses Buch ist ein Jahrhundertwerk. Ich weiß nicht, ob mir als Laie in Sachen Literatur dieses Wort zusteht, für mein Gefühl aber greift jedes andere Wort zu kurz.

Elisabeth Preuß und Sergej Ganscha

Glücklicherweise (aber nicht zufälligerweise) hatte ich bei meiner Fahrt nach München sogar je ein Exemplar der deutschen und der russischen Ausgabe dabei und konnte dies dem Generalkonsul als Geschenk überreichen. Es ging ihm wie vielen, denen ich von diesem Werk erzähle: Zuerst Staunen, dann Freude steht in den Augen des Beschenkten. Wer dieses Buch liest und verinnerlicht, für den ist Krieg zur Unmöglichkeit geworden.

Elisabeth Preuß

Wjatscheslaw Gadalow

Erlangens Botschafterin in Wladimir, Irina Chasowa, vertrat unterdessen am gestrigen Tag der Erinnerung und Trauer die deutsche Seite, als einige wenige Zeitzeugen zusammen mit vielen Kindern des Überfalls der Hitlertruppen auf die Sowjetunion vor 76 Jahren gedachten.

Gedenkstein

Ort des Gedenkens: der Freundschaftsbaum, ganz in der Nähe vom Platz des Sieges am 22. Juni 2011 im Beisein von Elisabeth Preuß und Wolfgang Morell auf Initiative von Wjatscheslaw Gadalow gepflanzt, der sich bis heute um die kleine Eiche kümmert, dem Frieden zwischen Deutschen und Russen gewidmet. Siehe: https://is.gd/QTIWH5.

22. Juni 3

Gedenken an der Friedenseiche

Hier zumindest und mit diesen Menschen ist Krieg wirklich zur Unmöglichkeit geworden.

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Der heutige Nationalfeiertag, zu dem hier nähere Angaben zu finden sind: https://is.gd/0K0ixh, bietet Gelegenheit einmal über die Namensgebung nachzudenken. Rußland hieß nämlich nicht immer Rußland. Vielmehr gab es die unterschiedlichsten Bezeichnungen, unter denen das Kontinentalreich auf den Landkarten der Welt auftauchte. Eine Auswahl davon wollen wir uns heute ansehen:

Ich liebe dich, Rußland, meine liebe Rus!

  1. Hyperborea, das von den alten Griechen ganz in den hohen Norden, in die Gegend um das heutige Murmansk oder Archangelsk verlegte Land der Mythen, wo laut Diodor von Sizilien Günstlinge Apolls lebten, so erfüllt vom Glück und Wohlergehen, daß die Menschen den Tod als Erlösung vom Überfluß des Lebens erfahren und sich selbst ins Meer stürzen müssen, weil sie sonst nie sterben würden.
  2. Sarmatien, ein Reich, das sich vom Schwarzen Meer bis zum Ural erstreckte, nach Ansicht einiger Geschichtsschreiber besiedelt von Abkömmlingen der Hyperboräer, die den Skythen die Macht entrissen hatten. Viele Geschlechter der polnischen Szlachta führen ihren adligen Stammbaum auf die Sarmaten zurück, und der erste russische Universalgelehrte, Michail Lomonosow, nach dem die Moskauer Universität benannt ist, meinte sogar, die russische Staatlichkeit gehe auf dieses Reich zwischen Weichsel und Wolga zurück. Tatsächlich gelten unter Sprachforschern und Ethnologen die Osseten im Nordkaukasus, der heute zur Russischen Föderation gehört, als direkte Nachfahren der Alanen, eines Stammes der Sarmaten.
  3. Tartarien nannte man im Mittelalter – bis ins 14. Jahrhundert – Zentraleurasien vom Dnjepr im Westen bis zum Japanischen Meer im Osten, eine Bezeichnung, die weniger mit den Tataren zu tun haben dürfte, als vielmehr mit dem Tartarus zu tun hat, mit jenem Abgrund des Hades, in dem Chronos und die anderen Titanen hausen. Lokalisiert hatten die Unterwelt just in den russischen Landen Astrologen, nach deren Berechnungen dieses Gebiet vom Planeten Saturn beherrscht werde – mit allen meist unerfreulichen Folgen. Nostradamus allerdings hatte den Untertanen Saturns prophezeit, sie erwarte am Ende das Goldene Zeitalter.
  4. Gardarike nennen die altnordischen Sagas aus Island das Land, das später als Kiewer Rus bekannt wurde. Sprachgeschichtlich ein hochinteressanter Name, bedeutet der Begriff doch so viel wie „Reich der Städte“, wobei „Städte“ immer als umfriedete Orte verstanden wurden. Aus dem indogermanischen „gard“ entwickelten sich schließlich u.a. das deutsche „Garten“ und das slawische „grad“ und „gorod“, die für „Burg“ und „Stadt“ stehen.
  5. Groß-Schweden: Der isländische Skalde Snorri Sturluson prägte Anfang des 13. Jahrhunderts diesen Begriff für die Landmasse zwischen dem Schwarzen und dem Weißen Meer, wo der Sagendichter viele verschiedene Völker und Sprachen, aber auch Riesen und Zwerge sowie blaue Menschen vermutete. Vielleicht einen Mann wie Nikolaj Stawrogin aus den „Dämonen“ von Fjodor Dostojewskij, die wohl rätselhafteste Figur der russischen Literatur, die behauptete, im Land der Geysire gewesen zu sein?
  6. As-Slawia tauften die arabischen Geographen Al Farsi und Ibn Hauqal im 10. Jahrhundert das heutige Rußland und bezogen sich damit ganz auf das slawische Element. Die Hauptstadt des Reiches versetzten sie nach Salau, nahe dem legendären Slowensk, das man heute mit Nowgorod gleichsetzt. Weitere arabische Bezeichnungen lauteten Artanien und Kujawa, wohl bezogen auf die Regionen um Rjasan und Kiew.
  7. Moskowien, ab dem 14. Jahrhundert in Westeuropa gebräuchlich als inoffizielle Bezeichung des Landes der Großfürsten von Moskau. Dabei führen einige Historiker den Begriff auf Meschech, einen Enkel von Noah, zurück, der dank allerlei Lautumwandlung zum Urvater der Moskowiter geworden sein soll. Auch wenn diese Theorie in der „Synopsis oder kurzen Beschreibung des Anfangs des russischen Volkes“ vertreten wird, die 1674 im Kiewer Höhlenkloster entstand, darf man diese Herleitung getrost zum Schatz der Apokryphen zählen.

Als gesichert darf aber gelten, daß sich Ruthenien oder Reußen, wie das Zarenreich auch genannt wurde, von einem altgermanischen Wort für „Ruderer“ herleitet. Nicht von ungefähr, denn diese auch Waräger genannten Nordmänner in Ruderbooten waren es, die auf Bitten der uneinigen Slawen – hierzu die Nestorchronik: „Unser Land ist groß und reich, doch es ist keine Ordnung in ihm; so kommt über uns herrschen und gebieten.“ – ihr Fürstengeschlecht der Rurikiden begründeten, das erst mit Iwan dem Schrecklichen erlosch und von den Romanows abgelöst wurde.

Die Zeiten, wo die Kiewer Rus nach Fremdherrschaft rief, sind vorüber. Die Russische Föderation hat in ihrer mehr als tausendjährigen Geschichte viel an Einmischung von außen erleben müssen – und überstanden. Nun feiert sie ihre Unabhängigkeit, ihre Verfassung, sich selbst – und dazu unser aller Glückwunsch!

Hier noch eine kleine Lektüreempfehlung eines Rußlandbegeisterten: https://is.gd/Kad3s4

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