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Archive for the ‘Geschichte’ Category


„27 Werst von Wladimir steht zwischen an einem Weiher und an Brunnen…“ So die Wegbeschreibung zum Kirchdorf Nikulskoje in einer Urkunde des Moskauer Neujungfrauenklosters aus dem Jahr 1662. Zar Alexej Michajlowitsch bestätigt darin den Eingang von Spenden aus dem Ort im Kreis Susdal. Gesiedelt haben Menschen hier sicher auch schon früher, aber dies ist der erste schriftliche Nachweis. Aus der Zeit stammen auch Berichte über eine Nikolaus dem Wundertäter geweihte Holzkirche, die 1729 wegen Baufälligkeit abgerissen und hundert Jahre später durch ein steinernes Gotteshaus im Empirestil ersetzt wurde. Sogar eine kleine Schule gab es hier. Aber all das endete mit der Schließung der Kirche und den Abriß des Glockenturms im Jahr 1935 durch die Sowjetmacht. Übrigens durchaus gegen den Willen der Einheimischen. Aber was sollte man machen? Seither verfällt das Gebäude und bleibt sich selbst überlassen, allen Liebhabern der „Lost Places“ zur Freude. Dank an Olga Redina für die Photoreportage.

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Eine vierköpfige Gruppe hatte sich in der Region Wladimir mit Metalldetektoren auf illegale Schatzsuche gemacht und reiche Beute nach Hause gebracht. Doch da wartete schon die Polizei auf die Plünderer. Gottlob, denn andernfalls wären unschätzbare Werte für die Wissenschaft und nationale Erbe verloren.

Die Fundstücke – von Münzen über Schmuckstücke bis hin zu Lanzenspitzen – stammen alle aus der Zeit vor dem Eintreffen der Slawen, lange vor der Gründung der Rus, also aus dem achten und neunten Jahrhundert, als hier noch finno-ugrische Stämme wie die Merja und Murom siedelten, bevor sie von den Russen assimiliert wurden. Heute zeugen von ihrer Existenz nur noch Orts- und Gewässernamen wie Kljasma oder Nerl, Murom oder Kidekscha.

Finno-ugrische Völker leben übrigens in der Russischen Föderation bis heute. Die bekanntesten sind wohl die Udmurten, Karelier, Wepsen, Mordwinen oder Komi. Die Esten haben ja mit den Finnen und Ungarn sogar einen eigenen Staat.

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Wie schon im Vorjahr, so beging man auch gestern in Wladimir den Tag des Sieges unter den Bedingungen der Pandemie: keine Parade und Umzüge, nur stille Kranzniederlegungen und Erinnerungsveranstaltungen im Internet, eher ein familiäres Gedenken der Opfer. Mehr als 300.000 Mann stellte die Region Wladimir für den Kampf gegen die Wehrmacht, weniger als die Hälfte von ihnen kehrte von der Front zurück. Hundert von ihnen wurden als Helden der Sowjetunion ausgezeichnet, zwanzig von ihnen sogar mit dem Kavaliersorden des Ruhms. Heute leben in der Partnerstadt noch 62 Frontkämpfer.

„Wenn man den Krieg vergißt, beginnt ein neuer. Die Erinnerung ist der größte Feind des Krieges.“ Dieser Spruch von Aristoteles gilt bis heute. Und so gab es denn auch in Erlangen gestern auf dem Zentralfriedhof eine Zeremonie im kleinsten Kreis, der sich unerwartet öffnete. Als wäre es abgesprochen, wartete um die MIttagszeit an den Russengräbern, wo 271 Kriegsgefangene aus dem Ersten Weltkrieg ihre letzte Ruhestätte fanden, Raisa Woite und erklärte sich spontan bereit, ihre ohnehin mitgebrachten Blumen mit Amil Scharifow und dem Ehepaar Nadja und Peter Steger niederzulegen.

Amil Scharifow, Peter Steger und Raisa Woite

Raisa Woite stammt aus Kasan und lebt seit Mitte der 90er Jahre in Erlangen. Doch von den Russengräbern erfuhr sie erst unlängst durch Heinrich Hirschfelder, einem ausgewiesenen Kenner der Erlanger Stadtgeschichte und des hiesigen Kriegsgefangenenlagers aus dem Ersten Weltkrieg. „Es gibt gute Menschen, und es gibt andere Menschen“, lautet ihr Motto. Und hier in Erlangen seien gute Menschen am Werk, so die Botschaft nach Wladimir, die über all die Jahre die Gedenkstätte so pflegen und immer wieder neu bepflanzen. Mögen vom Himmel nie mehr Bomben fallen, so ihr Wunsch.

Den lieben Mitkämpfern, den von ihren Angehörigen unbeweinten Opfern der Pflicht. Von ihren Kameraden 1914 – 19..

Eine bewegende Begegnung – wie eine Fügung, festgehalten von TV Мы. Auch wenn es eines Tages keine Augenzeugen mehr geben wird, die Erinnerung wird bleiben. Wir werden den Krieg nicht vergessen, damit nie mehr ein neuer beginne.

Anatolij Mitrofanow, 9. Mai an der Ewigen Flamme in Wladimir

Mehr zu den Russengräbern finden Sie hier: https://is.gd/E3XACT

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In diesen Tagen vor 80 Jahren liefen in Berlin die Vorbereitungen auf den Überfall der Wehrmacht auf die UdSSR auf Hochtouren. Geheim natürlich und doch von der sowjetischen Aufklärung beobachtet, deren Berichte im Kreml auf Unglauben stießen. Man war ja mit dem ideolischen Feind durch einen Nicht-Angriffs-Pakt verbündet und hatte untereinander bereits Polen und das Baltikum aufgeteilt. Doch es kam zum Wortbruch, es begann am 22. Juni 1941 das verheerende Unternehmen Barbarossa, das im Russischen bald Großer Vaterländischer Krieg genannt werden sollte. Wie es dazu kommen konnte, was geschah, wie hier wie dort die Erinnerungskultur dieses Feldzugs der Vernichtung gedenkt, diskutiert am 12. Mai ab 17.30 Uhr auf Initiative des Deutsch-Russischen Forums eine Runde, der u.a. Swetlana Alexijewitsch, Schriftstellerin und Trägerin des Nobelpreises für Literatur 2015, angehört. Lesen Sie mehr dazu und melden Sie sich an unter:

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Die Eröffnung fand bereits am 22. April statt, digital natürlich in diesen Zeiten, und ob man bis zu ihrem Ende die Wechselausstellung überhaupt vor Ort betrachten kann, hängt von der Corona-Inzidenz ab. Dennoch darf der Hinweis hier nicht auf eine bemerkenswerte Werkschau im Memorium Nürnberger Prozesse fehlen, wo 30 Photographien des zweifellos bekanntesten sowjetischen Kriegsberichterstatters, Jewgenij Chaldej, zu sehen sind. Vor dem Hintergrund des anstehenden 76. Jahrestags der Befreiung vom Nationalsozialismus gelang es der Stadt Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation, Bilder an den Ort zu holen, wo die Alliierten die Kriegsverbrecher des untergegangenen Dritten Reiches anklagten und verurteilten: https://is.gd/TxyZzA

Jewgenij Chaldej, Berlin, 2. Mai 1945

Weltruhm erlangte Jewenij Chaldej mit seiner Aufnahme vom Hissen der sowjetischen Flagge auf dem Reichstag am 2. Mai 1945; viel weniger bekannt ist das Material, das er als Beobachter der Nürnberger Prozesse hinterließ, wovon dieser Artikel mit einer digitalen Führung berichtet: https://is.gd/3mWf1U

Jewgenij Chaldej, Nürnberg, 1945/46

So wie es aussieht, dürfte die Pandemie den Besuch der Ausstellungsräume verhindern; bleibt die Hoffnung auf ein zumindest digital verfügbares umfassendes Angebot. Nürnbergs berühmtester Sohn, Albrecht Dürer, ist derzeit übrigens eine Ausstellung in Moskau gewidmet, für das Publikum geöffnet und von begeisterten Gästen aus Wladimir auch schon besucht.

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Wer heute 50 Jahre und älter ist, erinnert sich noch genau an diesen Tag vor 35 Jahren, als die ersten Nachrichten vom Super-GAU in der Sowjetunion um die Welt gingen. Zunächst mehr gerüchtehalber und nicht überprüfbar, später zunächst von westlichen Quellen, noch später auch durch erste Angaben aus der UdSSR verifiziert. Eine Katastrophe, die indirekt auch Wladimir betraf, zwar nicht durch die Folgen der Strahlung, wohl aber wegen der aus der Partnerstadt und der ganzen Region entsandten 663 „Liquidatoren“, die bis heute, sofern noch am Leben, in einem Verein organisiert sind.

Einer der bekanntesten deutschen Berichterstatter aus der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten, Johannes Grotzky, veröffentlichte 2018 einen schmalen Band zum Thema, der es freilich in sich hat. Wer die wesentlichen Fakten noch einmal nachlesen will aus einer Zeit, als es weder E-Mail noch Facebook oder Blog gab, ist bei dem Buch bestens aufgehoben. Und – ebenso empfohlen – die amerikanische Serie zum Thema ist nun auch auf Deutsch http://www.prosieben.de/tv/chernobyl zu sehen.

P.S.: Übrigens wurde Hans Geiger, dessen Zähler damals in aller Munde war, in Erlangen promoviert.

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Alljährlich begeht man überall auf der Welt am 12. April den Tag der Raumfahrt. In Rußland hat dieses Fest eine besondere Tradition, die natürlich mit Begriffen wie „Sputnik“ und dem Namen Jurij Gagarin in Zusammenhang stehen Am 12. April 1961 war es, daß Jurij Gagarin als erster Mensch vom Weltraumbahnhof Baikonur aus ins All flog und in eindreiviertel Stunden die Erde umkreiste, bevor er wohlbehalten in der Region Saratow an der Wolga am Fallschirm landete.

Jurij Gagarin

Schon Ende April des gleichen Jahres trat Jurij Gagarin seine „Friedensmission“ an, in deren Verlauf er von Präsidenten und gekrönten Häuptern der ganzen Welt empfangen wurde. Doch der „Botschafter“ der sowjetischen Raumfahrt arbeitete auch konsequent weiter an der Vorbereitung weiterer Expeditionen in den Orbit und wurde Ende 1963 zum stellvertretenden Leiter des Ausbildungszentrums für Kosmonauten ernannt.

Am 27. März 1968 dann die Tragödie: Über dem Himmel des Gouvernements Wladimir spielt sich etwas ab, das bis heute nicht eindeutig geklärt ist und zum Absturz des gerade einmal 34jährigen Jurij Gagarin führt, der sich mit Wladimir Serjogin auf einem Übungsflug mit einer MiG-15 befindet.

Die Aufklärung des Unglücks wurde wie ein Staatsgeheimnis gehandhabt und brachte doch kaum viel mehr als unterschiedliche Versionen über den Hergang des Absturzes ans Licht: eine Explosion in der Luft, ein Druckabfall in der Kabine, ein Fremdkörper im Motor. Alles so wenig überzeugend, daß die Spekulationen und Gerüchte ins Kraut schossen.

Eine kleine Auswahl:

–     Jurij Gagarin, inzwischen Volksdeputierter geworden, sei der Sowjetmacht zu gefährlich geworden, weshalb man ihn mittels Sabotage beseitigt habe.

–     Der Volksheld sei betrunken am Steuerknüppel gesessen, während sein Fluglehrer im kritischen Moment ein akutes Nierenversagen erlitten habe.

–     Der erste Mann im All habe sich bei seinen vielen Auslandsreisen von fremden Geheimdiensten anwerben lassen und nun bemerkt, daß ihm der KGB schon auf der Spur war. Da sei der Übungsflug gerade rechtzeitig gekommen, um die Gelegenheit zum Selbstmord zu geben und einer Enttarnung und all der folgenden Schmach zu entgehen.

–     Natürlich darf auch die UFO-Variante nicht fehlen, wonach die Besucher von einem fremden Stern Jurij Gagarin mit ihren telepathischen Kräften gelähmt und in den Tod gestürzt oder auch lebend entführt haben.

–     Manche Gerüchte wollen sogar wissen, Jurij Gagarin habe überlebt, sei aber als Geheimnisträger in die Psychiatrie eingewiesen worden und friste dort bis heute das Leben eines unrechtmäßig Inhaftierten.

Erst Mitte der 80er Jahre machte man sich wieder an eine ernsthafte Untersuchung der Unglücksursache, eine Untersuchung, die zwar vor kurzem wieder abgeschlossen wurde, aber trotz aufwendiger technischer Experimente bis heute kein klares Bild der Abläufe liefert.

Die Absturzmaschine in Nowosjolowo

Sergej Belozerkowskij, der Chefermittler dieser Causa, kommt zu dem Schluß, daß es weder Alkohol, noch Vogelschlag oder, wie häufig gemutmaßt, der schlechte Gesundheitszustand des Fluglehrers sein können, die zur Katastrophe führten. Vielmehr sieht er eine Verkettung unglücklicher Umstände, die für sich alleine genommen keine Gefahr dargestellt hätten. Seiner Meinung nach geriet der Kampfjet Jurij Gagarins in die Bahn eines anderen Flugzeuges, das nach einer Reparatur in der Nachbarzone unterwegs war. Dessen Turbulenzen brachten die MiG ins Trudeln. Die Reaktionen der Piloten waren zwar richtig, sie wollten die Maschine hochziehen, doch falsche Angaben der Wetterstation und die schlechten Sichtverhältnisse ließen sie nicht hoch genug steigen, und am Ende fehlten wohl 250 bis 300 Meter Höhe, die den Absturz hätten verhindern können. Schuld hatte nach diesem Ergebnis also der Pilot der SU-11, der außerhalb seines Korridors unterwegs war. Diese Version des Hergangs gilt heute, wo auch die letzten noch geheimgehaltenen Unterlagen zugänglich sind, als gesichert.

In jedem Fall genießt seit dem 27. März 1968 der Ort Nowosjolowo im Gouvernement Wladimir, schon fast an die Moskauer Region angrenzend, traurige Berühmtheit.

Jurij Gagarin

Die bemannte Raumfahrt hat in der Sowjetunion mit Jurij Gagarin ihren ersten Helden. Doch schon im August 1961 folgte ihm German Titow, und ein Jahr darauf startete die erste Weltraummannschaft im „Wostok 4“. Ein knappes Jahr später umkreiste mit Walentina Tereschkowa die erste Frau die Erde, und im März 1965 unternahm Alexej Leonow für zwölf Minuten den ersten Ausstieg aus dem Raumschiff im All. Lang ist die Erfolgsgeschichte der sowjetisch-russischen Raumfahrt, die bis heute anhält, wo die NASA bald die Shuttle-Flüge einstellt und die internationale Raumstation wohl hauptsächlich von russischen Raketen versorgt wird.

Überschattet werden diese buchstäblichen Höhenflüge der russischen Raumfahrt von bisher nur zwei Unglücksfällen, bei denen Kosmonauten zu Tode kamen: Am 24. April 1967 versagte bei der Sojus 1 der Fallschirm, und der Astronaut Wladimir Komarow kam ums Leben. Vier Jahre später ereignete sich bei der Landung von Sojus 11 ein Druckabfall, den die drei Astronauten Georgij Dobrowolskij, Wladislaw Wolkow und Wiktor Pazajew nicht überleben sollten.

Das erste Lebewesen, das die Erdatmosphäre verließ und im Kosmos starb, war freilich Lajka, ein Hund, der mit Sputnik 2 am 3. November 1957 mit Proviant für sieben Tage abhob. Eine Rückkehr war nicht vorgesehen; wann genau den Hund die Kräfte verließen, ist nicht bekannt, aber länger als drei Tage wird er nicht gelebt haben. Allerdings leistete er unfreiwillige Pionierarbeit, die erst all die späteren Erfolge ermöglichte. Schon die nächsten beiden Hunde, Belka und Strelka, kehren zusammen mit den Mäusen und Fliegen, die ihnen Gesellschaft geleistet hatten, wohlbehalten zur Erde zurück. 15 Jahre experimentierte man in der Sowjetunion mit insgesamt 50 Hunden im Kosmos, von denen 18 ums Leben kamen. Ein richtiges Hundeleben im All.

Noch im Jubiläumsjahr – voraussichtlich diesen Sommer – ist nun in Nowosjolowo die Eröffnung eines Parks zum Gedenken an Jurij Gagarin und den Unfall geplant. Alles in Erweiterung des bereits bestehenden Denkmals.

Bis dahin soll dann auch die seit 2017 hier eingemottete Unglücksmaschine repräsentabel sein und dem Publikum vorgestellt werden. Die sterblichen Überreste des ersten Raumfahrers wird man hier allerdings vergeblich suchen. Der Held der Sowjetunion wurde an der Kremlmauer auf dem Roten Platz in Moskau beigesetzt, eine Ehre, die ansonsten den Mitgliedern des Politbüros vorbehalten blieb.

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Der erste urkundlich verbürgte Auftragsmord in der russischen Geschichte trug sich in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1174 in Bogoljubowo vor den Toren von Wladimir zu. Aller Wahrscheinlichkeit dingte damals eine Gruppe von Bojaren, die sich gegen Andrej Bogoljubskij wegen seiner Bestrebungen, die Selbstherrschaft zu festigen und die Rolle der Adligen zu schwächen, verschworen hatte, etwa 20 Mann, die den Fürsten töten sollten. Bis vor kurzem waren nur drei der Meuchelmörder namentlich bekannt, doch nun – ganz wie beim biblischen Menetekel – gelang es, mit Hilfe von 3D-Technik die Inschriften an einer Wand in der Christi-Verklärungskirche von Perslawl-Saleskij die Inschriften einer Wand zu entziffern und damit das Geheimnis der Bluttat zu lüften.

Der Treppenturm (links), ein Fragment des Palastes von Andrej Bogoljubskij, wo der Großfürst ermordet wurde.

Die Einritzungen, wahrscheinlich entstanden 1175/76 während der Herrschaft von Fürst Wsewolod, dem jüngeren Bruder von Andrej Bogoljubskij, und erst 2015 bei Restaurierungen entdeckt, sprechen ein klares Urteil:

Christi-Verklärungskirche in Pereslawl-Saleskij

Im Monat Juni, am 29. wurde Fürst Andrej von seinen Dienern getötet. Jenem ein ewiges Gedenken, denen ewige Qual.

Auch der Aufzählung der Täter ist am Ende ein Fluch angefügt: „Das sind die Mörder des Großfürsten Andrej. Verdammt seien sie in Ewigkeit.“

Freigelegtes Mauerstück mit den Namen der Mörder

Die Wissenschaftler meinen, auf Grund der Namen – und besonders der Patronyme – auf die Abstammung einiger der Killer aus dem Raum Nischnij Nowgorod und dem wolga-bulgarischen Raum schließen zu können.

Mauerstück in der 3D-Darstellung

Der Legende nach haben sich die Attentäter zunächst Mut angetrunken und dann den Herrscher geweckt, wobei sich einer von ihnen als dessen Lieblingsdiener ausgab. Andrej ließ sich nicht täuschen, ahnte den Verrat, wollte zu seinem Schwert greifen, doch das war bereits vorher entwendet worden. Die Verschwörer drangen ein und schlugen den Fürsten, der sich nach Kräften zur Wehr setzte, nach einem Handgemenge nieder. Sie glaubten ihn tot, ließen ihn liegen und tranken weiter. Andrej allerdings kam wieder zu sich und suchte sich zu verstecken. Die Blutspur verriet ihn aber, die Mörder brachten ihr grausames Werk zu Ende, ließen den Leichnam im Hof liegen, die Fürstengemächer wurden geplündert… Beigesetzt hat man Andrej Bogoljubskij später in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale von Wladimir.

Mehr zur Bedeutung des Adligen für die Geschichte Wladimirs und der Rus finden Sie hier: https://is.gd/1A78mH

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Wer neben sein Geschichtsbuch eine Landkarte legt, weiß, daß der Winterfeldzug, der im brennenden Moskau schmählich endete, Napoleon ebensowenig bis nach Wladimir führte wie fast 150 Jahre später die Wehrmacht mit ihrem gescheiterten Blitzkrieg gegen die UdSSR. Dabei hätte alles ganz anders kommen können, wenn der Korse die Bedingungen des Wladimirer Generalgouverneurs, Iwan Saborowskij, angenommen hätte. Eine Geschichte, die das Zeug hatte, die Geschichte nicht nur Frankreichs und des Russischen Reichs, sondern ganz Europas ganz anders zu schreiben, erzählt vom Internetportal Prisyw.

Napoleon als französischer Leutnant

1787 schickte Kaiserin Katharina II den polnischstämmigen Iwan Saborowskij, der sich militärisch u.a. im Krieg gegen die Preußen und Türken ausgezeichnet und in der Politik als fähiger Statthalter und Exarch ausgezeichnet hatte, auf die lange Reise nach Italien, wo der Emissär der Zarin, begleitet von seinem Wladimirer Adjutanten, Michail Benediktow, Rom, Florenz, Neapel und Sizilien besuchte, um Freiwillige anzuwerben, die helfen sollten, die Türken aus Griechenland, Montenegro und Albanien zu vertreiben. Interessiert am Dienst in der russischen Armee zeigte sich auch ein Leutnant aus Korsika, den höhere Sold lockte. Doch mehr als Geld bedeuteten dem späteren Feldherrn und Kaiser Stolz und Ehre, die es ihm verbaten, das Angebot des 42jährigen Russen anzunehmen, das, den Vorschriften folgend, von Ausländern verlangte, zunächst einen Rang tiefer eingestellt zu werden. Die beiden wurden sich also nicht einig: Der Leutnant forderte, den Dienst als Major antreten zu können und wollte sich nicht darauf einlassen, zunächst als Unterleutnant Dienst zu tun.

Iwan Saborowskij

Die Demütigung vergaß der Franzose dem Russen wohl nie. Der freilich dürfte sich auch über das starre Reglement der eigenen Armee geärgert haben. Gemerkt jedenfalls hatte sich Iwan Saborowskij, der nach dem Tod von Katharina II nach Moskau versetzt wurde, diesen Vorfall. Viel später nämlich fragte ihn Zar Alexander I während seiner Krönung, ob denn Bonaparte tatsächlich einmal gewillt gewesen sei, in der russischen Armee zu dienen und dafür den Majorsrang gefordert habe. Verbürgt ist dieses Gespräch im Aufsatz „Die Wahrheit über den Brand Moskaus“ von Graf Fjodor Rostoptschin. Der Mann, der Europas Geschichte hätte umschreiben können, verstarb, kinderlos verheiratet mit einer Großnichte der ersten Frau von Peter I, 1817 im Alter von 82 Jahren und wurde in Andronikow-Kloster zu Moskau beigesetzt.

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Euronews berichtete im Januar über eines der noch verbliebenen etwa 1.500 „Gulag-Kinder“, die nun zu ihrem Recht kommen sollen, an den ursprünglichen Wohnort ihrer Eltern zurückzukehren. Wie schwierig das sein kann, lesen Sie hier https://is.gd/z9LrXz exemplarisch am Fall von Jelisaweta Michajlowa aus Solotkowskij Rasesd im Landkreis Gus-Chrustalnyj, Region Wladimir. Übrigens lebte und arbeitete hier, ganz in der Nähe, als Mathematiklehrer an einer Dorfschule 1957 ein halbes Jahr lang nach seiner Rückkehr aus der Verbannung in Zentralasien einer der bekanntesten Gulag-Häftlinge, Alexander Solschenizyn. Seine Erzählung „Matrjonas Hof“ nimmt auf seine Zeit in der Region Wladimir Bezug. Siehe hierzu: https://is.gd/29v9Bx

Ehemaliges Wohnhaus Alexander Solschenizyn, Photo: Wiktor Stochalskij

Zur Einordnung: Am 25. Februar 1956, vor 65 Jahren, rechnet Nikita Chruschtschow auf dem 20. Parteitag der KPdSU in einer fast fünfstündigen Rede mit seinem Vorgänger, Josef Stalin, und dessen Terrorregime ab – der Beginn der Tauwetterperiode im eigenen Land und zwischen Ost und West. Seine eigene Rolle erwähnt Chruschtschow nicht. Lt. Londoner „Daily Mail“ bekam er nach der Rede einen Zettel hinaufgereicht, auf dem stand: „Was hast du getan, als Stalin diese Verbrechen beging?“ Chruschtschow soll die Frage laut vorgelesen und gebeten haben, der Fragesteller solle aufstehen. Nachdem sich niemand rührte, habe er gesagt: „Das ist genau das, was ich getan habe, während Stalin an der Macht war.“

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