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Archive for the ‘Essen und Trinken’ Category


Nähert man sich derzeit dem Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde, lassen sich von außen keine großen Unterschiede zum letzten Ortstermin im Frühjahr erkennen.

Außenansicht Pilgerzentrum Wladimir

Ganz anders das Bild aber, wenn man sich den Bau von innen ansieht.

Heizungsraum Pilgerzentrum Wladimir mit deutscher Technik

Da, von innen, ist das Objekt nämlich zum Leben erweckt; von Winterstarre keine Rede.

Heizungsraum Pilgerzentrum Wladimir

In den nächsten Tagen schon wird das Gas strömen, um das Gebäude über den Winter zu beheizen.

Kabelbahnen im Heizungsraum Pilgerzentrum Wladimir

Unbedingt verhindern nämlich will die Bauleitung Frostschäden, die auftreten könnten, wenn das Haus einen zweiten Winter ohne Heizung bliebe.

Schaltschränke Pilgerzentrum Wladimir

Die Wladimirer Firma ist dafür sogar in Vorleistung gegangen, hat die notwendigen Arbeiten und Einbauten vorab auf eigene Rechnung finanziert, um das Projekt nicht ingesamt zu gefährden.

Blick auf das Stadion mit Heizkörper Pilgerzentrum Wladimir

Alle Räume haben mittlerweile die notwendigen Anschlüsse – von Strom über Wasser bis zu Heizung.

Fenster mit „deutscher Qualität“ Pilgerzentrum Wladimir

Und im Keller unten sammeln sich die Verteiler und Rohre, u.a. für die Kanalisation.

Anschlüsse im Keller Pilgerzentrum Wladimir

Wichtig natürlich auch die Feuerleiter, bei aller Funktionalität stilistisch mit dem Gesamtensemble abgestimmt.

Feuertreppe Pilgerzentrum Wladimir

Überhaupt die Abstimmung: Die neugotische Bauweise von Pfarrhaus und Kirche sind auch stilprägend für das Pilgerzentrum.

Pfarrhaus Rosenkranzgemeinde Wladimir

Auf diese Weise entsteht sogar beim Blick zurück auf das im Kessel liegende Stadion der Eindruck, das Pilgerzentrum, dessen Eröffnung für Januar 2019 vorgesehen ist, habe schon immer dazugehört.

Dachansicht Pilgerzentrum Wladimir

Zur Partnerschaft gehört aber auch der Euroklub, der unter der Leitung von Jelena Guskowa bereit 2003 die ersten Kontakte zu Jena und Erlangen aufbaute.

Axel Just zu Gast beim Euroklub mit dessen Leiterin, Jelena Guskowa (ganz rechts im Bild) und Mathilda Wenzel (2. v.l., 1. Reihe)

Nun wird sich zeigen, wie Axel Just und das Erlanger Jugendparlament helfen können, den Austausch weiter voranzubringen, so wie das Mathilda Wenzel aus Saalfeld im Rahmen eines Europäischen Freiwilligenjahrs mit ihren Bemühungen um eine neue Schulpartnerschaft mit Jena derzeit vormacht.

Witalij Gurinowitsch und seine Kräutermischung

Und schließlich gehört zur Partnerschaft die Sorge um erkrankte Gäste. Keine Bange also, wenn man mit einer Erkältung im Gepäck in Wladimir ankommt.

Herbarium auf dem Winterbalkon

Witalij Gurinowitsch ist mit seinem Herbarium auf dem Winterbalkon jedenfalls für derartige Notfälle bestens gerüstet und setzt auch gleich seinen Sud an, für den es freilich keine feste Rezeptur gibt. „Ich bin immer für Experimente zu haben!“ erklärt er seinen Therapieansatz, dem man sich bedenkenlos anvertrauen darf. Es sind – garantiert – freundschaftliche Menschenversuche.

Die Ordnung der Kräuter

Die individuell zu variierende Mixtur sollte nur eine Minute ziehen und zumindest folgende Kräuter enthalten: Melisse, Oregano, Pfefferminze, Estragon, Rosmarin, Thymian, Salbei und Johanniskraut. Ganz zufrieden mit seinem Elexier war der Gastgeber übrigens nicht nach der Verkostung: „Etwas mehr Estragon hätte nicht geschadet.“ Womit wir schon fast beim „non nocere“ des Hippokratischen Eides wären.

Erlangen-Haus bei Nacht

Ob der Zaubertrank auch die gewünschte Wirkung zeigt, wird die Nacht erweisen. Ein gesunder und fester Schlaf im Erlangen-Haus hat da schon manches Wunder gewirkt.

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Der Besucher aus Wladimir, der unlängst meinte, es gebe eine Reihe von Wörtern, die man nicht in Fremdsprachen übersetzen könne, hat wohl recht. Zum Beweis seiner These führte er den Begriff „подстаканник“ an, der sich etwas umständlich mit „Glasuntersetzer“ verdeutschen ließe. Aber versteht man so, was der Gegenstand darstellt? Wohl kaum. „Wikipedia“ transliteriert denn auch einfach aus dem kyrillischen ins lateinische Alphabet und schafft in der Not mit „Podstakannik“ einen Terminus technicus, vergleichbar mit „Perestrojka“.

Gleichviel, wer schon einmal mit der russischen Eisenbahn durchs weite Land gefahren ist, kennt diese Glashalter aus einer Nickel-Kupfer-Zink-Legierung, in der Erste-Klasse-Ausführung auch versilbert oder vergoldet, die nicht nur ein sicheres Abstellen des obligatorisch gereichten Tees ermöglichen, sondern auch die Finger vor Verbrennungen der unterschiedlichsten Grade bewahren. Hergestellt werden diese ornamental-praktischen Utensilien in der Region Wladimir, in Koltschugino, etwa 80 km nordwestlich von der Partnerstadt gelegen und in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts vom Moskauer Kaufmann, Alexander Koltschugin, als Siedlung für die Arbeiter seiner Haushaltswarenwerke gegründet.

An diese Tradition knüpft nun etwa die Firma „Koltschugmelchior“ an, die ein breites Angebot dieser nützlichen Kunstwerke im Sortiment führt. Freilich hat auch hier längst die Hochtechnologie Einzug gehalten, die Verzierungen graviert heute der Laser, nicht Menschenhand. Und zum Einkaufen braucht man nicht unbedingt über Land zu fahren, es genügen ein paar Klicks hier auf dieser Seite:  http://kolchugino-melhior.ru/podstakanniki, der freilich noch ein englisches Menu fehlt, ebenso wie ein eigenes Wort, denn auch in der Weltsprache gibt „Wikipedia“ den „подстаканник“ mit „Podstakannik“ wieder. Wie gesagt, der Besucher aus Wladimir hat wohl recht.

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Kennen Sie den schwarzen Peter? Den „schiebt man“ in der Regel jemandem zu, um Unannehmlichkeiten, ein unliebsames Problem, eine Schuld oder die Verantwortung auf diese andere Person abzuwälzen. Mögen Sie schwarzen Humor? Oder steht jemand auf Ihrer schwarzen Liste? Haben Sie in der Familie ein schwarzes Schaf? Oder redet manchmal einer mit Ihnen, bis Sie schwarz werden?

Heute treffen wir im Blog einmal ins Schwarze und geben für einen Moment das Schwarz-Weiß-Denken auf, denn wir widmen uns jetzt etwas Köstlichem und ausnahmsweise nicht schwarz auf weiß, sondern schwarz auf rot! Und es geht nicht um die abgewählte Große Koalition im Bundestag, sondern wir hängen eine neue Delikatesse aus Wladimir ans schwarze Brett: Haben Sie schon einmal schwarzen Rettich probiert?

In Wladimir gehört das Wurzelgemüse zum Standardrepertoire der Winterkost. Wir nennen ihn auch „König des Gemüses“, denn der schwarze Rettich gilt bei uns  – gleich ob für ein Festmahl oder in den schwierigen Stunden einer Erkältung –  als ausgezeichnetes Mittel für Wohlbefinden und Genuß.

Der schwarze Rettich trägt seinen Beinamen nicht einfach so. Es ist leider nicht genau bekannt, seit wann wir ihn kennen und verzehren. Fest steht allerdings, daß bereits die Römer dieses Gemüse sehr schätzten und es als Mittel bei Pilzvergiftung einsetzten. Man behauptet, in einem der ägyptischen Tempel sei bis heute das Relief des schwarzen Rettichs zu sehen. Auch die alten Griechen himmelten ihn an und servierten ihn angeblich auf goldenen Tabletts. Was davon wahr ist, wissen wir natürlich nicht.

Ganz genau bekannt ist allerdings, daß diese Rübe außerordentlich reich an Vitaminen ist. In ihr läßt sich eine unglaublich hohe Zahl an ätherischen Ölen und freien Organsäuren nachweisen, außerdem zahlreiche Mikroelemente, Kalium, Magnesium, Kalzium, Schwefel, Vitamine der B-Gruppe, Vitamin C etc. pp.

In der Volksmedizin werden vor allem die Rübe selbst und deren Saft verwendet. Die Ballaststoffe sollen das böse Cholesterin abbauen, gelten also als ideales Mittel gegen Arteriosklerose. Auch bei Erkältungen, Grippe, viralen Infekten oder eitrigen Wunden wird das Zaubergemüse angewandt. Im Frühjahr stärkt es das Immunsystem, im Winter erspart es den Griff in den Medikamentenschrank.

In Wladimir haben wir sogar einen sehr beliebten und leckeren Salat, der nicht nur mit schwarzem Rettich zubereitet wird, sondern auch noch den Namen der Kljasma trägt, ganz zu schweigen davon, daß die Wurzel auch als Heilmittel bei Erkältung zum Einsatz kommt s. https://is.gd/5xEz0m hier im Blog.

Aber heute gibt es schwarz auf rot! Schwarzer Rettich trifft auf rote Bete – ein Genuß, dazu noch voller Vitamine!

Schwarzer Rettich – 1 Stück; rote Bete – 1 Stück; Zwiebel – 1 Stück (groß); Öl; je 1 Prise Zucker und Salz; Pfeffer, frische Kräuter, eine kleine Handvoll Nüsse.

Rezept 6

Große Zwiebel schälen, mittelfein würfeln und in ausreichendem Öl anbraten bis sie gold-braun ist. Wer möchte, kann dazu eine kleine Prise Zucker hinzufügen.

Schwarzen Rettich und rote Bete schälen und getrennt voneinander mittelfein bzw. mittelgroß reiben.

Rezept 4

Vorsichtig Zwiebel, schwarzen Rettich und rote Bete vermischen. Salzen und pfeffern. Lassen Sie den Salat ein wenig ziehen, eine halbe Stunde vielleicht. Frische Kräuter fein schneiden, ebenso Nüsse. Den Salat damit oben dekorieren.

Das Dressing haben wir nicht vergessen – an seine Stelle treten die fantastischen Säfte vom schwarzen Rettich und der roten Bete, unterstützt vom Öl, von der Zwiebel und vom Geschmack der frischen Kräuter. So, jetzt haben wir schwarz auf weiß eine Köstlichkeit, dank der Sie garantiert schwarze Zahlen bei der Anzahl Ihrer Gäste schreiben werden! Denn: „Was man schwarz auf rot gekocht / kann man getrost dem Gast servieren“, hat schon so oder ähnlich Johann Wolfgang von Goethe als Küchenmeister gedichtet.

Nadja Steger

P.S.: In der Nachbarregion von Wladimir, in Kostroma, gibt es sogar schwarzes Salz. Kennen Sie das schon? Wenn nicht, bitte gleich nachlesen in einem Reisebericht von Hans Gruß unter: https://is.gd/jlwunU

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Deutsche Sprache, schöne Sprache. Allerdings nicht nur die deutsche. Jede Sprache ist auf ihre Weise wunderschön, so reich und lebendig, wenn man sie nur liebt und in ihr lebt! Gerade in einer Zeit, wo sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen beim Anblick eines Toten den Drehbuchschreibern kein anderer Kommentar als ein expressives Exkrement einfällt und einige Politiker meinen, sie müßten einander stilistisch unterbieten, sollten wir vielleicht vermehrt auf unsere Sprache achten, sie pflegen und respektieren. Kaum nämlich tut man das, zeigt sie sich schon von ihrer besten Seite. Sie läßt sich richtig kneten wie ein leckerer Teig, mit sich spielen wie ein Puppentheater, sie bietet in jeder Situation eine Fülle an unerschöpflichen Möglichkeiten, unseren Gedanken und Gefühlen einen Ausdruck zu verleihen, der Schiller und Goethe, die Gebrüder Grimm oder Thomas Mann sich nicht im Grab umdrehen und uns alle nicht länger fragen macht, ob denn keiner mehr auf dieser Welt wisse, was Sprache jenseits von „Sch…“, „Fresse“ oder „vor uns herjagen“ vermag.

Auch in der Kulinarik lädt die Sprache zum Spiel ein, das oft einiges auf den Kopf stellt oder zum Denken anregt. Wie zum Beispiel in diesem Fall: Die russische Küche kennt, nicht anders übrigens als die deutsche, Kohlrouladen. Diese schmecken sicherlich unterschiedlich, aber die Idee ist in beiden Kochtraditionen ähnlich. Allerdings kennt die russische Hausmannskost noch eine andere Version dieses Gerichts, nämlich eine für diejenigen, denen das Vorbereiten von Kohlblättern zu aufwendig und langwierig ist, das Einwickeln ein bißchen zu viel Geschick verlangt, ohne beim Geschmackserlebnis Abstriche machen zu wollen. Und das in einer Zeit, wo viele immer weniger selbst die Schürze binden und den Kochlöffel in die Hand nehmen. Schade drum! Für viele gilt eben: lieber gleich Fertigprodukte, am besten sogar geschnittene Zwiebeln und geschälte Kartoffeln vakuumverpackt in den Einkaufskorb werfen und dann nur noch für ein paar Minuten in die Mikrowelle schieben – fertig. Fertig ist auch der Geschmack, der bereits vom Hersteller vorgegeben wird, fertig ist die gemeinsame Zeit beim Kochen und Genießen. Alles fertig!

Nicht mit uns! Wir kochen und genießen, genießen und kochen! So auch heute.

Faule Kohlrouladen

Die erste Schwierigkeit ist gleich auch die letzte, nämlich: Wie nennen wir unser Gericht richtig. Die wörtliche (in diesem Fall unpassende) Übersetzung wird wohl einiges auf den Kopf stellen und dem einen oder der anderen, die Lust auf ein diese Leckerbissen vielleicht gleich wieder verderben. Denn es geht heute um … „faule“ Kohlrouladen oder besser Faulenzer-Kohlrouladen, sollten wir den Funktionalisten der Übersetzungswissenschaft folgen, eine Speise also für alle, die Kohlrouladen zwar sehr gern essen, aber die aufwendige Zubereitung meiden möchten. Und wenn wir sie bei ihrem russischen Namen nennen, also wörtlich „faule Kohlrouladen“, denken vielleicht einige, da sei etwas faul mit dem Rezept. Nein!!! Sie sind einfach fantastisch leicht zuzubereiten, gerade richtig für Faulenzer, die trotzdem gerne kochen, aber gerade heute nicht eben die große Lust zu all dem haben, was die Kohlrouladen einem ansonsten abverlangen. Also, machen wir es anders, und dieses Mal sogar ohne Kohl:

Faule Kohlrouladen

Man nehme ein paar Handvoll zarter Haferflocken, dazu eine kleine Karotte, die wir mittelfein reiben. Dasselbe mache man mit einer halben Zucchini. Zwei bis drei getrocknete Tomaten fein schneiden. Nicht vergessen: eine Zwiebel, ebenfalls fein oder mittelfein geschnitten. All das mit ca. 100 ml heißem Wasser übergießen und quellen lassen. In der Zwischenzeit koche man ca. 100 g Reis gar. Und dann alles zusammengeben mit zwei Eiern, abgeschmeckt mit Salz und Pfeffer und für alle, die Kräuter mögen, mit je einen halben Bund Petersilie und Dill, fein gehackt. Fehlt noch eine Handvoll fein gehackter Nüßchen, egal welche, oder Körner, und schon kommt alles in eine gut eingefettete Pfanne. Dann mit ca. 50 g geriebenem Käse bestreuen und bei ca. 200 g etwa 30 Minuten überbacken. Mit saurer Sahne schmecken die Kohlrouladen (ohne Kohl) für Faulenzer (und deren noch faulere Kostgänger!) einfach köstlich.

Faule Kohlrouladen

Gerne aber kann man auch Faulenzer-KOHLrouladen zubereiten. Dann los: 50 bis 100 g Weißkraut fein reiben, per Hand gut durchkneten und zur Masse hinzufügen. Für diejenigen, die etwas fleißiger sein wollen, ein Tip – machen Sie daraus kleine Bratlinge oder Buletten oder Frikadellen oder wie auch immer Sie diese rundlichen Gestalten in der wunderschönen und so reichen deutschen Sprache nennen möchten; wichtig ist nur, daß sie Ihnen munden, so oder so – trotz der in letzter Zeit so vielfachen Zumutungen an die Anmut des Deutschen und all die Anschläge auf Anstand und Geschmack. Guten Appetit und приятного апетита!

Nadja Steger, Dipl.-Philologin, staatl. geprüfte Dolmetscherin

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Während sich die russische Wirtschaft insgesamt erholt, müssen die durchschnittlichen Familien in Wladimir zurückstecken, wenn man den jüngsten Angaben des Amtes für Statistik für den Zeitraum 2011 bis 2016 folgt. Zwar sind Löhne und Gehälter um den Faktor 1,6 von 15.500 Rubel auf 23.700 Rubel gestiegen, rechnet man aber auch nur die offiziell fixierte Inflation ein, kommt man auf ein Minus beim Einkommen von drei Prozent. Dabei gibt man offenbar immer mehr für Nahrungsmittel aus: von 35% ein Anstieg auf 38%. Bei den Mieten das gleiche Bild: 2011 veranschlagte man dafür noch 25%, fünf Jahre später sind es schon 28%.

Damit folgt die Region Wladimir einem landesweiten Trend, wonach mehr als ein Drittel der Mittel für Lebensmittel im Budget reserviert sind. Angaben, die das Amt gleich selbst kommentiert: „Überall auf der Welt legt man in der statistischen und ökonomischen Praxis den Anteil der Ausgaben für Lebensmittel in der Struktur des Konsumverhaltens als verallgemeinernden Faktor für den Wohlstand der Bevölkerung zugrunde. Je höher dieser Anteil, desto niedriger der Wohlstand der Menschen.“

Mit Auswirkungen auf das übrige Kaufverhalten: wenn vor fünf Jahren noch 39% übrig blieben für sonstige Anschaffungen, auch langlebiger Waren, so sind es jetzt nur noch 33%. Nur ein Prozent der befragten Familien gaben an, über genug Einkommen zu verfügen, um nicht nur den täglichen Bedarf zu decken, sondern auch etwas übrig zu haben für ein neues Auto oder eine Wohnung.

Profit schlagen daraus die Produzenten von billigen Fleisch- und Wurstwaren, deren Absatz in der untersuchten Zeitspanne um 15% angestiegen ist. Allein von 2015 bis 2016 ist der Ausstoß von Wurstwaren – getreu dem Motto „Fleisch muß sein, beiß rein!“ – um 22% und der von Fertiggerichten mit tierischem Anteil um fast ein Viertel gestiegen. Eine Tendenz, die ungebrochen anhält: Im ersten Halbjahr 2017 nahm im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Produktion von Wurstwaren und Fertigprodukten in der Region Wladimir noch einmal um 12% bzw. 15,5%. Weniger stark der Zuwachs bei Fisch, Milchprodukten und Eiern.

Bleibt zu hoffen, daß die Wladimirer Kochkunst unter der Entwicklung zum billigen und vorgefertigten Essen nicht dauerhaft leidet. Hierzulande hat man ja da schon seine traurigen kulinarischen Erfahrungen gemacht, die man den Russen gern ersparen würde. Aber aus Fehlern lernt man ja meist zu spät, besonders aus denen anderer. Bleibt nur, hier im Blog bald einmal wieder ein leckeres Rezept aus einer Wladimirer Küche vorzustellen – ohne Anleitung von der Packung.

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Die sibirischen Zedernnüsse mit all ihren mutmaßlichen Heilkräften und einem verhaltenen Waldgeschmack gehören zur feinen russischen Küche wie kaukasische Kräuter. Natürlich kann man die Früchte der Taiga hierzulande auch durch Pinienkerne ersetzen, aber das verhält sich dann wie Muckefuck zu Kaffee.

Man nehme also, schäle und reibe gar fein einen Kohlrabi sowie zwei Karotten und gebe eine Handvoll Kerne darüber, garniert mit einem gehackten Büschel Petersilie. Angemacht wird der Salat entweder mit Mayonnaise oder mit selbstgemachter Sauce, anzurühren mit zwei bis drei Eßlöffeln Joghurt oder saurer Sahne, einem Eßlöffel Essig, zwei Eßlöffeln Olivienöl, Salz und Pfeffer. Fertig ist die sommerleichte Zwischenmahlzeit.

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Zum gelungenen Urlaub gehört – nicht nur für russische Touristen – gutes Essen. Laut einer Umfrage legen sogar zwei Drittel aller Gäste größten Wert auf die kulinarische Qualität ihres Reiseziels. Ganz oben in der Gunst der russischen Urlauber, auf dem zweiten Platz landesweit, liegt Susdal mit seiner Hausmannskost und der Medowucha, einem Honigtrunk, vergleichbar mit Met. Leckerer essen kann man aus Reisen – dank den frischen Gaben des Meeres und einer „panasiatischen“ Küche – nur noch in Wladiwostok. Den dritten Platz auf der Beliebtheitsskala nimmt wegen seiner schmackhaften Käsesorten eine weitere Nachbarstadt von Wladimir ein, Kostroma. Gefolgt wird die Troika von Kaliningrad mit geräuchertem Fisch als Spezialität und Sotschi wegen der dort zubereiteten Okroschka, einer kalten Schale, die im subtropischen Klima zwischen Schwarzem Meer und Kaukasus für köstliche Kühlung sorgt. Zuzubereiten ist sie übrigens auch in unseren Breiten ganz einfach:

Grundlage der Suppe sind Kräuter, von denen man gar nicht genug beigeben kann. Ansonsten nehme man fünf gekochte Eier, drei gekochte Kartoffeln, eine gekochte Mohrrübe, vier Gurken, einen Bund Radieschen und Frühlingszwiebeln, eineinhalb Liter Kefir (gern auch mit Buttermilch gemischt), Salz und Pfeffer. Die Eidotter trennt man vom Eiweiß, die Karotte und Kartoffeln werden nach dem Kochen in kleine Stücke geschnitten, ebenso die frischen Kräuter (Dill, Frühlingszwiebeln, Petersilie u.a.), die man mit dem Eidotter vermischt. Dann kommen die Gurken und Radieschen unters Messer und werden in feinen Scheiben vorsichtig mit dem ebenfalls geschnittenen Eiweiß untergehoben. Jetzt erst, wenn alles beisammen ist, kommt mit einer Prise Salz und Pfeffer der Kefir dazu. Nach einigem Umrühren läßt man die Okroscha für eine Viertelstunde im Kühlschrank ruhen, bevor die Suppe, mit Dill verziert, serviert wird. Schmeckt immer und überall und in allen denkbaren Varianten, gleich ob in Susdal, in Sotschi oder in Erlangen – auch wenn der Urlaub noch weit oder eben erst vergangen sein mag.

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