Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Essen und Trinken’ Category


Hätten Sie Zeit und Lust, lieber Herr Koppmann, einen kleinen Bericht über Ihre Begegnungen in Wladimir für meinen Blog zu schreiben? Ich würde mich sehr freuen – und meine Leser sicher nicht minder!

Hallo, Herr Steger, werde ich gerne machen, vor allem weil mir die Reise und auch die Gastfreundschaft im Erlangen-Haus und auch der ganzen Stadt noch in bester Erinnerung ist.

Diese beiden Nachrichten gingen gestern per Facebook hin und her, nachdem Georg Koppmann Bilder aus Wladimir mit einem Kurztext zu Hausbier in der Partnerstadt veröffentlicht hatte. Und flugs landete auch schon der gewünschte Bericht in der Redaktion.


Der Aufenthalt im Erlangen-Haus der Stadt Wladimir wirkt noch immer nach, obwohl seither bereits mehr als vier Jahr vergangen sind. Noch immer denke ich mit einer Menge an Fernweh an diese zwei Wochen in Erlangens Partnerstadt zurück. Empfang, Betreuung, Unterricht in Russisch und vor allem die Geduld und Gastfreundschaft unserer Gastgeber im Erlangen-Haus sind noch heute fest in meiner Erinnerung verankert.

Georg Koppmann und die Wirtin

Da ich seit Jahrzehnten Hausbrauer bin und ich mich als Bewunderer der fränkischen Brauvielfalt betrachte, stelle ich mir überall auf der Welt dieselbe Frage:

KÖNNEN DIE HIER IM „AUSLAND“ AUCH BIER BRAUEN?

Vom Erlangen-Haus aus machte ich mich schließlich auf den Weg, um diese Frage zu klären. Im Stadtzentrum stieß ich tatsächlich auf eine Kneipe, die Biere der Brauerei Wladimir ausschenkte. IPA, Porter, Weizen, ob ober- und untergärige Biere: Ich konnte gar nicht aufhören, die ganze Palette an feinen Sorten durchzuprobieren. So verbrachte ich dort einige Stunden und lernte bei Bierverkostungen und guter Bierlaune Leute kennen. Wir sprachen nur etwas Russisch, Englisch oder Deutsch, aber wir sprachen. Auch wenn wir in manchen Dingen, vor allem politischen Aspekten, unterschiedlicher Meinung waren, überraschte mich so manches Argument, das ich bislang noch nicht mal auf dem Schirm hatte.

Georg Koppmann

In Abwandlung eines Ausspruchs des Nobelpreisträgers für Literatur, Paul Heyse, ließe sich da sagen: „Die Gleichheit vor dem Bier mildert den Druck der politischen Gegensätze.“

Read Full Post »


Die Zeit der Weihnachtsmärkte geht hierzulande ihrem Ende entgegen, während sie in Wladimir gerade erst beginnt. Übrigens auch schneefrei. Wem nun die sündhaft überteuerte Plörre, die an den Buden die Kassen süßer nie klingeln lassen, über hat, mache sich und seinen Lieben zum Christfest eine besondere Freude.

Man nehme – im Feinkosthandel oder in russischen Läden erhältlich, wenn man sie sich nicht aus Wladimir mitbringt oder von dort schicken lassen kann – frisch aufgetaute Moosbeeren (im Notfall andere Waldfrüchte, ersatzweise am besten Peiselbeeren, denen aber das säuerliche Aroma fehlt), gebe sie in ein hohes Gefäß mit zwei bis drei Eßlöffeln Zucker und ein wenig Wasser. Dann so pürieren, daß noch Fruchtfleisch und damit der Geschmack erhalten bleiben, ab in einen Topf, wieder mit etwas Wasser und Zucker vermengt, vor allem aber mit trübem Apfelsaft im Verhältnis von knapp der Hälfte zu den Beeren abgeschmeckt. Aufkochen, nach Gusto mit Nelken, Zimt und allem, was das weihnachtliche Gewürzbord hergibt, verfeinern und servieren.

Bei diesem Glückspunsch nach Wladimirer Rezept kommt garantiert Stimmung auf, ganz ohne den Ungeist der Brühe Glühwein. In diesem Sinne allen Frohe Weihnachten!

Read Full Post »


Strenggläubige Christen in Ost und West unterziehen sich ja im Advent dem „kleinen Fasten“, das eine weniger strikte Observanz als in der Passionszeit fordert. Doch längst hat hier wie dort die Säkularisierung Einzug gehalten und fährt zumindest vor Weihnachten schwere kulinarische Geschütze auf. Da bietet die Pirogge in ihrer vegetarischen Variante einen Ausgleich zwischen festlichem Genuß und asketischer Zurückhaltung. Aber versuchen Sie es selbst mit diesem Rezept aus Wladimir:

Für den Teig benötigen wir: 500 g Mehl, 40 g Zucker, 250 g Milch, 1 Eßlöffel Sonnenblumenöl, 1 Eigelb, 1/2 Päckchen trockene Hefe, 1/2 Teelöffel Salz.

Zubereitung des Teigs: 2 gehäufte Teelöffel des vorher gesiebte Mehl in eine kleine Schüssel geben, 125 ml warme Milch, 1 Eßlöffel Zucker und Hefe dazu. Alles gut durchmischen, verrühren und 10-15 Minuten stehen lassen. Danach in das restliche Mehl 125 ml warme Milch, den restlichen Zucker, Eigelb, Salz und Hefemischung geben. Alles gut und lang von Hand oder mit der Küchenmaschine kneten und warmes Sonnenblumenöl dazugeben. Aus dem Teig macht man dann eine Kugel und stellt sie in einer Schüssel an einem warmen Ort, abgedeckt mit einem Küchentuch, wo man sie eine Stunde gehen lassen sollte.

Zubereitung der Füllung: Am beliebtesten und berühmtesten sind in der russischen Küche folgende Piroggenfüllungen:

– Weißkohl mit gekochten Eiern;

– gekochte Eier mit Frühlingszwiebeln;

– Kartoffeln mit gerösteten Zwiebeln und Pilzen;

– Reis mit Frühlingszwiebeln und Eiern.

Zu unserer Füllung benötigen wir ca. 1 kg Kartoffeln, die wir schälen, garkochen und mit Milch sowie einem Stückchen Butter pürieren. Der Brei darf nicht zu flüssig, aber auch nicht zu hart sein. Ein bis zwei Handvoll getrockneter Pilze – möglichst aus den Wladimirer Wäldern -, vorher für zwei bis drei Stunden eingeweicht. Danach Sud abgießen und Pilze fein schneiden. 3 mittelgroße Zwiebeln schälen und in Sonnenblumenöl golden anbraten. Es muß genug Öl in der Pfanne sein, aber die Zwiebeln dürfen auch nicht im Öl schwimmen. Dann die Pilze dazugeben und kurz zusammen anbraten. Kartoffelbrei unterheben, Salz und Pfeffer nach Geschmack beigeben, abkühlen lassen.

Den Teig dünn ausrollen. Auf die eine Hälfte des Teiges die Füllung verteilen, mit der zweiten Hälfte alles abdecken und Ränder festmachen. Im abdeckenden Teil des Teigs zwei Ringe ausschneiden und daraus Tannenbäumchen oder andere Dekorationen formen, um die Pirogge damit zu verzieren. Ein Ei in einer Tasse mit einem Eßlöffel Milch gut verquirlen. Mit dieser Melange die Pirogge gut von oben und an den Seiten bepinseln, damit der Kuchen danach glänze. Ein Blech mit Öl bestreichen und die Pirogge drauflegen. Im Ofen bei 170° C auf der mittleren Ebene ca. 30 Minuten backen. Wenn die Pirogge fertig ist, wird sie dünn mit Butter bestrichen und warm serviert. Guten Appetit und noch einen gesegneten Advent!

Read Full Post »


Noch ist es in Deutschland nicht so weit wie in den USA, wo gesetzlich vorgeschrieben sein soll, die Hexen darauf hinzuweisen, ein Besenstiel könne während eines nächtlichen Ausritts unter der Last des Hinterteils brechen. Aber die Klageritis greift auch hier um sich und ergreift nun offenbar auch die weiten russischen Lande.

Und so trug sich denn folgendes zu: Ein Leckermaul aus Jekaterinburg verklagte die Firma Mondelez, die in Pokrow, Region Wladimir, Milka-Schokolade für den russischen Markt herstellt – recht erfolgreich übrigens -, man verwende im Werk nicht, wie auf der Packung angegeben Alpenmilch. Nach zehnjährigem Konsum der Süßigkeit fühle er sich um seinen Genuß betrogen, weil er erst jetzt auf der Packung entdeckt habe, das Naschwerke werde in Kowrow, also in der osteuropäischen Ebene und nicht in den Bergen produziert. Wie, so der vermeintlich Geschädigte, könne es sein, daß „diese Milch von Kühen gegeben wird, die ihr ganzes Leben die frische Gebirgsluft, fette Wiesen und warmes Sonnenlicht genießen“? Und weiter auf der Packung: „Die Zauberwelt der Alpen hilft nicht nur, eine ganz zarte Schokolade herzustellen, sondern auch die Zartheit in jedem zu wecken, wer wenigstens einmal unsere Schokolade versucht hat.“

Diese Werbelyrik hielt der Kläger für eine Lüge und verlangte von der Firma nicht nur die Rückzahlung von 5.000 Rubeln für die von ihm gekauften Tafeln. Mehr noch, er forderte Schmerzensgeld in Höhe von einer halben Million Rubeln und eine Strafe von zweieinhalb Millionen Rubeln. Außerdem solle der Hersteller künftig den Hinweis auf die fiktive Herkunft der Milch weglassen.

Schokolade aus Pokrow

Aber siehe da: Der Hersteller konnte mit Hilfe der Mutterkonzerne  nachweisen HOCHDORF Swiss Nutrition AG und Emmi Schwiez AG nachweisen, daß die Schokolade sehr wohl Alpenmilch enthalte, freilich in pulverisierter Form aus der Schweiz. Somit hat also alles seine Richtigkeit und die Klage wurde abgewiesen, in erster Instanz. Der Fall ging dann auch noch in die Berufung, weil der rechthaberische Herr aus dem Ural meinte, auf der Packung müsse angegeben sein, daß lt. der Anwendung des technischen Reglements der Zollunion zwischen Minsk und Moskau auf die Unschädlichkeit der Milch und des Milchprodukts hinzuweisen sei. Womit wir wieder beim Besenstiel und den Hexen wären. Es ist leider nicht überliefert, womit der Kläger nach seinem Scheitern auch in der zweiten Instanz seinen Appetit auf Süßes stillt. Die Gerichts- und Anwaltskosten dürften ihn in nächster Zeit eher saure Milch schlürfen lassen.

P.S.: Hier noch Artikel im Blog aus dem Jahr 2010, der zwar noch zu aktualisieren wäre, aber Pokrow von seiner Schokoladenseite zeigt: https://is.gd/3yhhby

Read Full Post »


In einem Wladimirer Haushalt wird nichts weggeworfen. Schon gleich gar kein Brot. Bleibt einmal etwas übrig, wird daraus im Handumdrehen ein warmes Frühstück oder, wenn Gäste da sind, eine Süßspeise feinster Güte. Nennen wir sie Armer Ritter aus Wladimir.

Man nehme gern schon älteres Weißbrot, Brötchen oder Hefezopf und schneide Scheiben mit einer Dicke von einem bis eineinhalb Zentimeter Stärke, die in einem Suppenteller kurz von beiden Seiten in Milche getaucht werden. Betonung auf „kurz“, damit es keinen Brei ergebe. In einem zweiten Teller dreht und wendet man die angefeuchteten Scheiben in Zucker und brät sie dann in zerlassener Butter bei mittlerer Hitze an, bis sich eine goldbraune Kruste gebildet hat. Wichtig: Die Temperatur darf nicht zu hoch sein, weil der Zucker sonst anbrennt und das Brot nicht aufgebacken wird. Ist es andererseits nicht heiß genug, könnte das Ergebnis eher matschig ausfallen.

Für zehn Portionen braucht man 800 g Aprikosen oder Zwetschen und Pflaumen, denen man, entkernt, 50 bis 100 g Zucker beigibt – zur Abrundung des Geschmacks auch eine Prise Zimt – und dann fünf bis sieben Minuten bei mittlerer Hitze aufkocht und abkühlen läßt.

Serviert wird der heiße Arme Ritter – zum köstlichen Abschluß eines Gastmahls – mit den Früchten, einer Kugel Eis, bestreut mit gemahlenem Mohn.

Soll es freilich zum Frühstück schnell gehen, schmeckt der Arme Ritter auch weniger aufwendig, sprich ohne all die Zutaten. „Probieren und genießen“, kann man da raten!

Read Full Post »


Geht es nach Marga Güthlein und Fjodor Lawrow, wird im Gasthof und Hotel „Zur Einkehr“ nach längerer Pause schon bald wieder für einige Wochen eine Studentin der Akademie für Tourismus hospitieren. Darauf jedenfalls einigten sich gestern die Erlanger Wirtin und der Wladimirer Hochschulprofessor. Denn die Gastronomin war zufrieden mit den bisherigen angehenden Fachkräften aus der Partnerstadt und bietet nun die Fortsetzung des schon vor längerem von den Rotarieren erfolgreich initiierten Austauschprogramms an.

Marga Güthlein und Fjodor Lawrow

Diese Art der Zusammenarbeit macht übrigens bereits Schule. Fjodor Lawrow kam nämlich, bevor er heute wieder zurückreist, direkt aus Rothenburg o.d.T., wohin er zwei seiner Studentinnen begleitet hatte, die nun, vermittelt via Erlangen, erstmals auch dort hospitieren. Wieder so ein Projekt, mit dem die Partnerschaft über sich selbst hinauswächst.

Read Full Post »


Kaufen kann man derartige Leckereien ohnehin kaum, jedenfalls nicht in Deutschland. Und ohnehin schmeckt alles, was man selbst eingelegt, eingeweckt oder eingekocht hat so viel besser. Besonders wenn es sich um Warenje handelt, diese typisch osteuropäische und kaukasische Köstlichkeit, vergleichbar mit einer Marmelade, in der die Früchte unzerkleinert bleiben und nur mit Zucker versetzt sind. Ungewöhnlich, aber durchaus schmackhaft, ist dieser süße Stoff mit – Gurken, eine Spezialität aus Susdal, wo man sich gerade auf das Gurkenfest vorbereitet.

Igor Kechter und sein Rezept

Man nehme dazu ein Kilogramm knackiger Bauerngurken, wasche und schneide sie in etwa ein Zentimeter große Stücke, gebe sie in ein Gefäß und streue 600 Gramm Zucker darüber (die russische Zunge liebt es möglichst süß, weshalb da für den deutschen Gaumen etwas gespart werden kann). Dann gibt man den Gurkenstücken ein paar Stunden Zeit, um ihren Saft austreten zu lassen, worauf man sie, abgeschmeckt mit dem Saft einer Zitrone, etwa zehn Minuten bei schwacher Hitze kochen läßt. Danach sollte die künftige Warenje ein wenig abkühlen und wieder für zehn Minuten kochen. Es folgt die gleiche Prozedur ein drittes und letztes Mal, wonach – wenn man es nicht gleich gekühlt für ungeduldige Gäste auf den Tisch bringen will – alles in sterilisierte Gläser abgefüllt und in die Speisekammer gebracht wird – für künftige Festtafeln. Das Rezept funktioniert übrigens auch, wenn man den Gurken Limette mit Pfefferminze oder Apfelstücke mit etwas Zimt beigibt.

Wie das dann im Herbst auch mit Kürbis geht, ist hier nachzulesen: https://is.gd/1LvDKV

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: