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Archive for the ‘Essen und Trinken’ Category


Gestern pfiff das Wladimirer Restaurant „Blackwood“ das Projekt „Foodball“ an. Was wie eine gesuchte Assonanz klingen mag, ist in Wirklichkeit gastronomisches Marketing. Erlangens Partnerstadt trägt nämlich während der Fußballweltmeisterschaft von Mitte Juni bis Mitte Juli offiziell den Titel „Kulturhauptstadt“. Wie viele Fans tatsächlich aus den Stadien in Moskau, Sankt Petersburg, Nischnij Nowgorod, Kasan, Rostow am Don, Wolgograd, Jekaterinburg, Samara, Saransk, Sotschi und Kaliningrad  eigens an den Goldenen Ring kommen, um sich beschaulich den Musen zu widmen, weiß noch niemand zu sagen. Eines ist aber schon klar: Der Mensch lebt nicht von Musik und Kunst allein, schon gar nicht von der vorgeblich „schönsten Nebensache der Welt“. Es ist denn auch das Brot, das die Römer vor die Spiele setzten, und Wladimir setzt dabei auf die eigene regionale Küche.

Cheftrainer

Und auf viel Phantasie – sowohl was die Speisekarte als auch das Ambiente angeht. Da gibt es dann Gerichte wie Waller am Spieß, der als „Cheftrainer“ firmiert, scharf angerichtete Rinderrippchen unter dem Namen „Rote Karte“, 25 geräucherte Krebse mit dem Pseudonym „Fanblock“ oder sechs Lachspelmeni, die sich als „Strafbank“ ausgeben.

Jewgenij Durnjew, Cheftrainer von Torpedo Wladimir, rechts im Bild

Auch an den Durst ist gedacht. Eine ganze Serie von Cocktails erproben derzeit die Barkeeper, und sogar ein 200-Mann-Zelt soll mitten in der Stadt aufgestellt werden, wo man sich bei jedem Wetter vor, nach und natürlich während der Spiele stärken kann bis zum Abwinken.

In jedem Fall eine große Chance für Wladimir, sich touristisch aller Welt zu präsentieren. Bleibt nur zu hoffen, daß die internationalen Medien davon Notiz nehmen und die Fans nicht nur an den Austragungsorten bleiben, die natürlich auch ihre eigenen Trümpfe ausspielen werden und ihre Gäste halten wollen. Mal sehen, noch rollen ja weder Ball noch Rubel.

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Noch gibt es nur die russische Fassung des Kochbuches „Feiern nach Rezept“ von Anna Schukowa aus Wladimir, aber Lawrentij Wkusnikow, das für das Kulinarische zuständige Mitglied der Blog-Redaktion, begab sich selbst in seine Backstube und testete zum heutigen Heiligen Abend der russisch-orthodoxen Kirche den „Weihnachtskeks“, wie ihn die Köchin aus der Partnerstadt empfiehlt. Das – es sei vorweggenommen – geglückte Ergebnis seiner Bemühungen steht nun exklusiv für die feierlich gestimmte Leserschaft des Blogs zu Verfügung:

Für vier bis sechs Portionen werden benötigt: vier Eßlöffel Brandy, je zwei Eßlöffel Rosinen, Zitronat, Nüsse, ein Eßlöffel gemahlenen Ingwer, Saft einer Zitrone, 400 g Mehl, 200 g Rohrzucker, zwei Eßlöffel Honig, 200 g Butter und vier Eier.

Man beginnt die Zubereitung damit die Rosinen und Nüsse sowie das Zitronat ungefähr 30 Minuten im Brandy und Zitronensaft einzuweichen. Unterdessen mischt man Rohrzucker, Butter und Honig, gibt das Mehl und die Eier dazu und rührt alles zu einem Teig von homogener Konsistenz. In den fertigen Teig kommen die eingeweichten Zutaten und der gemahlene Ingwer, bevor man ihn in die mit Butter ausgefetteten Förmchen gibt, wobei vor allem die Nüsse und die Rosinen nicht an die Oberfläche treten sollten, weil sie sonst leicht verbrennen. Bevor es bei einer Temperatur von 180° C für – je nach Höhe der Förmchen – 40 bis 60 Minuten in die Röhre geht, versteckt man eine Mandel im Teig. Wer diese Nuß findet, bekommt seinen Herzenswunsch erfüllt. Aber nur an Weihnachten! Genießen läßt sich das Gebäck nämlich auch noch lange nach den Feiertagen.

Der Duft freilich ist unwiderstehlich, vor allem dann, wenn er sich mit dem von frisch gekochter Schokolade mischt, von der leitmotivisch im Roman „Das achte Leben“ von Nino Haratischwili die geheimnisvolle Rede ist:

Sie war das Kind eines im ganzen Lande berühmten Konditors und an allerlei Köstlichkeiten gewöhnt, aber solch einen betörenden Duft hatte sie noch nie gerochen, geschweige denn geschmeckt. Wie hypnotisiert zählte sie die Zutaten eine nach der anderen auf, wiederholte die jeweilige Menge andächtig, spürte, wie ihr der Speichel im Mund zusammenlief. Daraufhin wurde sie vom Vater aufgefordert, alles, was sie vernommen hatte, genauestens aufzuschreiben, die Zutaten, die Zubereitungszeit und – ganz wichtig – die exakte Dosierung. Sie bekam einen Stift und einen Zettel auf den Tisch gelegt, notierte fein säuberlich in ihrer besten Schönschrift das Geheimnis ihres Vaters; sie mußte sich dabei schwer konzentrieren, wegen des berauschenden Duftes, der den Raum erfüllte. Dann bekam sie eine kleine, dünnwandige Tasse, leicht wie eine Feder, mit einer schweren schwarzen Flüssigkeit darin, die sie mit einem Silberlöffel zu schlemmen anfing. Ihr Gaumen: zu unglaublichen Freuden erwacht, ihr Kopf: berauscht von dem Geschmack, ihre Zunge: betäubt. Sie kostete, Löffel um Löffel, und vergaß für ein paar Minuten die Welt um sich herum. „Was um Gottes Willen, war das?“ fragte sie, nachdem sie wie eine hungrige Katze die Tasse leergeleckt und dann vorsichtig abgestellt hatte. „Und warum hast du uns das bisher nie gezeigt?“ – „Weil es ein Geheimrezept ist. Eine kleine Dosis meines Geheimnisses misch ich in all unsere Schokoladenwaren, aber das Rezept ist ursprünglich für diese Heiße Schokolade erfunden worden, die du nun kosten durftest. (…) Aber sie ist gefährlich. (…) Zu viel des Guten kann zu viel Schlechtes hervorbringen. Und ich habe noch keinen Menschen gesehen, der diese Schokolade gekostet und der danach nicht nach mehr verlangt und ja: nach mehr gegiert hätte. Aber Gier in Kombination mit Genuß kann zum Verhängnis werden. Merk dir das bitte!“

Was es mit dem süßen Fluch auf sich hat, der den fast 1.300 Seiten prallen Roman, dem freilich ein besseres Lektorat zugestanden hätte, lockend durchzieht, wird hier natürlich ebenso wenig verraten wie die Geheimrezeptur, aber in Zeiten der allgemeinen Teilhabe wollen wir nicht für uns behalten, welches Geschmackserlebnis sich bereiten kann, wer, am besten in schwelgerischer Gesellschaft, zu Anna Schukowas Weihnachtsgebäck eine Tasse Kakao trinkt, gekocht aus den erlesenen Zutaten der Heiligen Drei Könige: als da sind Gold in Gestalt von 400 ml Vollmilch, vorzugsweise von Demeter, Weihrauch in Form von vier gehäuften Teelöffeln Kakao (keinesfalls entölt!) und Myrrhe, eine Mischung aus je einer guten Prise Zimt, Nelke, Muskatnuß und Kardamon. Serviert im Geist von Glaube, Liebe und Hoffnung, gelingt nicht nur das Fest! Allerdings gilt auch hier die Warnung vor zu viel des Guten…

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Es war einmal in Schwabach, wo sich Iwan Sfortunatow, unser notorisch erfolgloser Anzeigenwerber des Blogs, kurz vor Weihnachten auf der desolaten Suche nach zahlungskräftiger Kundschaft in einen Geflügelmastbetrieb verirrte und sich dort – statt einen Auftrag mitzubringen – eine vorgeblich goldgefiederte Gans aufschwatzen ließ – gegen den gesamten Inhalt seiner Handkasse. Ganz aufgekratzt kam er mit dem schnatternden Federvieh auf dem Arm und meinte voll aufrichtiger Zuversicht, wir bräuchten nun nur noch auf die Mauser zu warten, um endlich unser Glück zu machen und in ein großzügig ausgestattetes Studio auf dem Burgberg ziehen und den Korrespondenten anständige Honorare zahlen zu können. „Alles schön und gut“, gurrte da unser Ornithologe, Platon Papagenow, „aber als amphib lebender Vogel braucht das Tier erst einmal ein Bad. Und daß mir nur ja niemand auf die Idee kommt, den anseris aequabis bei lebendigem Leib zu rupfen!“ Und so setzten wir denn die güldene Gans über Nacht in die Wanne und träumten in freudiger Erwartung den Dingen entgegen, die da kommen sollten. Wie groß war da die Enttäuschung, als wir Konrad – so hatten wir den Gast auf Vorschlag von Dementij Duschegub, unseres Fachmanns für Verhaltenspsychologie, genannt – am anderen Morgen friedlich schlummernd im Wäschekorb fanden, das Federkleid weiß wie unberührter Schnee, das Wasser ockerfarben getrübt… Zur schmerzlichen Betrübnis von Iwan Sfortunatow, sehr zum Verdruß von uns allen. Am schnellsten fing sich unser Chefredakteur, der beleibte Stanislaw Schirkin, der ausrief: „Dann wandert Konrad eben als Weihnachtsgans in die Röhre“, und die ehrenamtliche Küchenhilfe, Matrjona Powaricha, anwies, alle dafür notwendigen Vorkehrungen zu treffen, ohne auf das Lamentieren der lammfrommen Vegetarier und Peta-Mitglieder zu hören. Bis dahin sollten wir uns alle wieder an unsere Arbeit machen. Als wir aber gerade den ersten Schub der Inspiration in uns aufsteigen fühlten, erfüllte ein durchdringender Schrei die Redaktionsstuben: „Konrad ist weg!“ – „Wie weg?! Tür und Fenster des Badezimmers waren doch zu“, wunderten wir uns unisono. Auch spätere Recherchen unserer Investigativ-Blogger vermochten die Umstände nicht lückenlos zu klären. Nur eines scheint klar: Konrad gelangte im Wäschekorb auf den Balkon. Ob zufällig durch die halb erblindete Marfa Tschistoljubowa, unsere Haushälterin, zum Aufhängen nach draußen geschafft, oder als Kontrabanda unter dem Kaftan eines Fleischkostverächters in die Freiheit entlassen, bleibt wohl für immer offen. Nicht einmal das Eichhörnchen Belkin oder der Eichelhäher Sojka, denen im Garten nichts entging, vermochten Auskunft zu geben, und ein Bekennerschreiben ging bis dato bei der Redaktion nicht ein.

Nach der pekuniären Pleite wäre Weihnachten also auch kulinarisch zu einem Fiasko geworden, hätte da nicht unser Kreativ-Chef und Hobbykoch, Polikarp Appetitow, mit einer köstlichen Idee aufgewartet, der sie den Namen „Entfleuchte Gans“ gab. Die Feinschmecker der Redaktion raten denn auch, nicht lange zu warten, sondern dem Verlegenheitsrezept zu folgen:

Traditionell verwendet man ja in der russischen Küche gern Geflügel, gefüllt mit gekochtem Buchweizen und Bratäpfeln. Sind Gans oder Huhn aber – auf welchem Wege auch immer – abhandengekommen, geht man vor, wie folgt: Man koche 200 g Buchweizen, teile zwei Fenchelknollen in sechs Stücke mit einem Rest vom Strunk, erhitze in einer tiefen Pfanne Olivenöl und brate die Fenchelteile von beiden Seiten goldfarben an, gebe sie dann in eine Backform und schneide zwei Äpfel – ohne Kernhaus, aber mit Schale – in etwa zehn, zwei Zentimeter dünne Schnitze, die zusammen mit einer Handvoll Moosbeeren und einem „Schluck“ Wasser zum Fenchel kommen, der nun bei einer Temperatur von 180° C auf dem mittleren Fach für zwölf Minuten in den Ofen wandert. In der Zwischenzeit bereitet man die Sauce aus dem Saft – mit Fruchtfleisch! – von zwei frischgepreßten Orangen zu, denen ein Esslöffel flüssigen Honigs, eineinhalb Esslöffel Senf, zwei Esslöffel Olivenöl sowie etwas Salz und Pfeffer zugesetzt werden. Umrühren – fertig und die Fenchelstücke und Apfelschnitze mit der Sauce übergießen, bevor die „entfleuchte Gans“ weitere sieben bis zehn Minuten bei 180° C im Backrohr gart und dann mit dem Buchweizen serviert wird. Empfohlen von den Leckermäulern des Blogs nicht nur zur Weihnachtszeit!

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Wer in Wladimirs bester Lage mit Blick auf die weiten Kljasma-Auen und die schier unendlich hingebreiteten Wälder nächtigen will, kennt das Hotel, wer die russische Küche, meisterhaft zubereitet, in apart-geschmackvoller Atmosphäre genießen möchte, schätzt das Restaurant in der „Wosnesenkaja Sloboda“ – https://vsloboda.ru -, das führende Haus am Platz, gegründet und geführt von Anna Schukowa. Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann, war hier vor viereinhalb Jahren zu Gast, zuvor schon hatte Professor Heinz Gerhäuser hier Quartier bezogen, erst im November gaben sich Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg, und Erlangens Wirtschaftsreferent, Konrad Beugel, hier die Ehre, und kaum eine offizielle Delegation aus Wladimirs Partnerstadt, die nicht hier bewirtet würde. So viel sie schon in ganz Europa und natürlich auch Deutschland auf der Suche nach guten Weinen oder kulinarischen Anregungen unterwegs war, nach Erlangen hatte es die Mutter von vier Söhnen noch nie geschafft.

Willkommen, Anna Schukowa!

Nun also endlich von Donnerstag bis zum Heiligen Abend die Premiere, die – das darf man jetzt schon sagen, ohne zu viel zu verraten – bei aller Kürze der Zeit den vielversprechenden Auftakt zu einer „Nouvelle Cuisine“ der Partnerschaft macht. Anna Schukowa firmiert nicht nur als Besitzerin und Geschäftsführerin der „Wosnesenskaja Sloboda“, sie leitet auch ein weiteres Feinschmecker-Restaurant in Susdal und sitzt dem Hotel- und Gaststättenverband der Region Wladimir vor. Gerade erst ist aus ihrer Feder das Buch „Ein Fest nach Rezept – Ihre Lieblingsspeisen von Köchen des Goldenen Rings“ in einer Auflage von 4.000 Exemplaren im Moskauer Verlag „Э“, ISBN 978-5-699-97473-3, erschienen.

Klaus Kobjoll mit Tochter Nicole und Anna Schukowa

Viel zu besprechen gab es da denn auch im „Schindlerhof“ zu Boxdorf, dessen Gründer, Klaus Kobjoll, dank seinen zahlreichen Publikationen auf Russisch und all den von ihm abgehaltenen Seminaren von Moskau über Nischnij Nowgorod bis Irkutsk natürlich schon lange auch Anna Schukowa als Leitstern gilt. Noch gibt es nur handschriftliche Notizen zu den Gesprächen, der Entwurf einer Rezeptur der Zusammenarbeit bleibt noch unter Verschluß, aber das Päckchen unter dem Christbaum der Partnerschaft verspricht allen Gourmets der deutsch-russischen Küche für das kommende Jahr viele köstliche Überraschungen. Es ist angerichtet!

Roadhouse Blues aus der Jukebox von Klaus Kobjoll

Anna Schukowa, gelernte Köchin mit einem Studienabschluß der Betriebswirtschaft in Moskau und einem Diplom der „Akademie für Tourismus“ in Wladimir, genießt übrigens bei aller Liebe zur Raffinesse und ihrem „kulinarischen Gen“ die bodenständige Küche, tradiert von Mutter und Großmutter noch aus der Kinderzeit in Orenburg, südlich des Urals, wo es keine Fertiggerichte gab, die bei der Hausfrau aus Passion übrigens bis heute nicht in den Topf kommen.

Guten Appetit, Anna Schukowa!

Ein weiteres Prinzip der Besucherin: Alles essen, gern auch Butter, Sahne, Fett, alles, was schmeckt. Nur eben in Maßen. „Vom Guten nur wenig“, wie das russische Sprichwort sagt. Das gilt auch für die Bratwurst, von der eine im Weckla zum genußvollen Mittagessen vollauf genügt. Bei der Diät versagt man sich keine Freude, ohne die Figur aus der Form geraten zu lassen.

Anna Schukowa und Benjamin Förtsch

Viel Wert legt Anna Schukowa, die mit ihrem Team schon den Titel „Chef a la Russe“ gewonnen hat, auf Nachhaltigkeit bei den Lebensmitteln, ihre Lieferanten kennt sie persönlich; weniger hatte sie bisher dieses Thema beim Betrieb ihres 22-Zimmer-Hotels im Auge. Doch da will sie nun vom Kreativ-Hotel „Luise“ lernen, dem Flaggschiff für ökologisches Wirtschaften in Erlangen: Einsparen von Müll und Energie, Einbeziehung von Natur in das Gastgewerbe, Verwendung von biologisch unbedenklichen und wiederverwertbaren Materialien, aber auch ein sozialer Umgang mit dem Personal, von der persönlichen Betreuung der Kunden ganz zu schweigen.

Frohe Weihnachten: Oberbürgermeister Florian Janik und Anna Schukowa

Erst zum Ausklang der Waldweihnacht dann findet Anna Schukowa Zeit, die Partnerstadt zu erkunden, die ihr ältester Sohn bereits mit der Schwimmschule und ihr Mann auf Geschäftsreise besucht haben, und trifft prompt auf einen verblüfften Oberbürgermeister, der zwar weiß, wie intensiv die Kontakte sind, sich dann aber doch wundert: „Sogar über die Feiertage noch Besuch aus Wladimir hier?“

Erlanger Waldweihnacht: Innenminister Joachim Herrmann, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Anna Schukowa und Peter Steger

Und Anna Schukowa, wie schafft sie das alles? Im Vorwort zu ihrem Buch versucht sie eine ehrliche Antwort:

Wie ich das alles schaffe, weiß ich selbst nicht. Ich lebe einfach, arbeite, beschäftige mich mit den Kindern und im Haushalt, kümmere mich um meinen Mann, tue, was ich gerne tue und was mir besonderes Vergnügen bereitet – kochen.

Anna Schukowa 8

Weihnachtsbaum „Jolka“, gebastelt von Anna Schukowa

Aber das ist natürlich längst nicht alles: Die Frau des guten Geschmacks bastelt auch noch gern für Freunde, besonders zu Weihnachten. Sie selbst ist gestern wieder nach Wladimir abgereist, aber ihr süßer Gruß bleibt zurück – und das Versprechen, bald, im Frühling, wiederzukommen mit dem deutsch-russischen Rezept für die „Nouvelle Cuisine“ der Partnerschaft.

Bis dahin tröste uns der Roadhouse Blues von den Doors aus der Jukebox von Klaus Kobjoll: https://is.gd/Ff4LiC

 

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Nähert man sich derzeit dem Pilgerzentrum der Rosenkranzgemeinde, lassen sich von außen keine großen Unterschiede zum letzten Ortstermin im Frühjahr erkennen.

Außenansicht Pilgerzentrum Wladimir

Ganz anders das Bild aber, wenn man sich den Bau von innen ansieht.

Heizungsraum Pilgerzentrum Wladimir mit deutscher Technik

Da, von innen, ist das Objekt nämlich zum Leben erweckt; von Winterstarre keine Rede.

Heizungsraum Pilgerzentrum Wladimir

In den nächsten Tagen schon wird das Gas strömen, um das Gebäude über den Winter zu beheizen.

Kabelbahnen im Heizungsraum Pilgerzentrum Wladimir

Unbedingt verhindern nämlich will die Bauleitung Frostschäden, die auftreten könnten, wenn das Haus einen zweiten Winter ohne Heizung bliebe.

Schaltschränke Pilgerzentrum Wladimir

Die Wladimirer Firma ist dafür sogar in Vorleistung gegangen, hat die notwendigen Arbeiten und Einbauten vorab auf eigene Rechnung finanziert, um das Projekt nicht ingesamt zu gefährden.

Blick auf das Stadion mit Heizkörper Pilgerzentrum Wladimir

Alle Räume haben mittlerweile die notwendigen Anschlüsse – von Strom über Wasser bis zu Heizung.

Fenster mit „deutscher Qualität“ Pilgerzentrum Wladimir

Und im Keller unten sammeln sich die Verteiler und Rohre, u.a. für die Kanalisation.

Anschlüsse im Keller Pilgerzentrum Wladimir

Wichtig natürlich auch die Feuerleiter, bei aller Funktionalität stilistisch mit dem Gesamtensemble abgestimmt.

Feuertreppe Pilgerzentrum Wladimir

Überhaupt die Abstimmung: Die neugotische Bauweise von Pfarrhaus und Kirche sind auch stilprägend für das Pilgerzentrum.

Pfarrhaus Rosenkranzgemeinde Wladimir

Auf diese Weise entsteht sogar beim Blick zurück auf das im Kessel liegende Stadion der Eindruck, das Pilgerzentrum, dessen Eröffnung für Januar 2019 vorgesehen ist, habe schon immer dazugehört.

Dachansicht Pilgerzentrum Wladimir

Zur Partnerschaft gehört aber auch der Euroklub, der unter der Leitung von Jelena Guskowa bereit 2003 die ersten Kontakte zu Jena und Erlangen aufbaute.

Axel Just zu Gast beim Euroklub mit dessen Leiterin, Jelena Guskowa (ganz rechts im Bild) und Mathilda Wenzel (2. v.l., 1. Reihe)

Nun wird sich zeigen, wie Axel Just und das Erlanger Jugendparlament helfen können, den Austausch weiter voranzubringen, so wie das Mathilda Wenzel aus Saalfeld im Rahmen eines Europäischen Freiwilligenjahrs mit ihren Bemühungen um eine neue Schulpartnerschaft mit Jena derzeit vormacht.

Witalij Gurinowitsch und seine Kräutermischung

Und schließlich gehört zur Partnerschaft die Sorge um erkrankte Gäste. Keine Bange also, wenn man mit einer Erkältung im Gepäck in Wladimir ankommt.

Herbarium auf dem Winterbalkon

Witalij Gurinowitsch ist mit seinem Herbarium auf dem Winterbalkon jedenfalls für derartige Notfälle bestens gerüstet und setzt auch gleich seinen Sud an, für den es freilich keine feste Rezeptur gibt. „Ich bin immer für Experimente zu haben!“ erklärt er seinen Therapieansatz, dem man sich bedenkenlos anvertrauen darf. Es sind – garantiert – freundschaftliche Menschenversuche.

Die Ordnung der Kräuter

Die individuell zu variierende Mixtur sollte nur eine Minute ziehen und zumindest folgende Kräuter enthalten: Melisse, Oregano, Pfefferminze, Estragon, Rosmarin, Thymian, Salbei und Johanniskraut. Ganz zufrieden mit seinem Elexier war der Gastgeber übrigens nicht nach der Verkostung: „Etwas mehr Estragon hätte nicht geschadet.“ Womit wir schon fast beim „non nocere“ des Hippokratischen Eides wären.

Erlangen-Haus bei Nacht

Ob der Zaubertrank auch die gewünschte Wirkung zeigt, wird die Nacht erweisen. Ein gesunder und fester Schlaf im Erlangen-Haus hat da schon manches Wunder gewirkt.

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Der Besucher aus Wladimir, der unlängst meinte, es gebe eine Reihe von Wörtern, die man nicht in Fremdsprachen übersetzen könne, hat wohl recht. Zum Beweis seiner These führte er den Begriff „подстаканник“ an, der sich etwas umständlich mit „Glasuntersetzer“ verdeutschen ließe. Aber versteht man so, was der Gegenstand darstellt? Wohl kaum. „Wikipedia“ transliteriert denn auch einfach aus dem kyrillischen ins lateinische Alphabet und schafft in der Not mit „Podstakannik“ einen Terminus technicus, vergleichbar mit „Perestrojka“.

Gleichviel, wer schon einmal mit der russischen Eisenbahn durchs weite Land gefahren ist, kennt diese Glashalter aus einer Nickel-Kupfer-Zink-Legierung, in der Erste-Klasse-Ausführung auch versilbert oder vergoldet, die nicht nur ein sicheres Abstellen des obligatorisch gereichten Tees ermöglichen, sondern auch die Finger vor Verbrennungen der unterschiedlichsten Grade bewahren. Hergestellt werden diese ornamental-praktischen Utensilien in der Region Wladimir, in Koltschugino, etwa 80 km nordwestlich von der Partnerstadt gelegen und in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts vom Moskauer Kaufmann, Alexander Koltschugin, als Siedlung für die Arbeiter seiner Haushaltswarenwerke gegründet.

An diese Tradition knüpft nun etwa die Firma „Koltschugmelchior“ an, die ein breites Angebot dieser nützlichen Kunstwerke im Sortiment führt. Freilich hat auch hier längst die Hochtechnologie Einzug gehalten, die Verzierungen graviert heute der Laser, nicht Menschenhand. Und zum Einkaufen braucht man nicht unbedingt über Land zu fahren, es genügen ein paar Klicks hier auf dieser Seite:  http://kolchugino-melhior.ru/podstakanniki, der freilich noch ein englisches Menu fehlt, ebenso wie ein eigenes Wort, denn auch in der Weltsprache gibt „Wikipedia“ den „подстаканник“ mit „Podstakannik“ wieder. Wie gesagt, der Besucher aus Wladimir hat wohl recht.

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Kennen Sie den schwarzen Peter? Den „schiebt man“ in der Regel jemandem zu, um Unannehmlichkeiten, ein unliebsames Problem, eine Schuld oder die Verantwortung auf diese andere Person abzuwälzen. Mögen Sie schwarzen Humor? Oder steht jemand auf Ihrer schwarzen Liste? Haben Sie in der Familie ein schwarzes Schaf? Oder redet manchmal einer mit Ihnen, bis Sie schwarz werden?

Heute treffen wir im Blog einmal ins Schwarze und geben für einen Moment das Schwarz-Weiß-Denken auf, denn wir widmen uns jetzt etwas Köstlichem und ausnahmsweise nicht schwarz auf weiß, sondern schwarz auf rot! Und es geht nicht um die abgewählte Große Koalition im Bundestag, sondern wir hängen eine neue Delikatesse aus Wladimir ans schwarze Brett: Haben Sie schon einmal schwarzen Rettich probiert?

In Wladimir gehört das Wurzelgemüse zum Standardrepertoire der Winterkost. Wir nennen ihn auch „König des Gemüses“, denn der schwarze Rettich gilt bei uns  – gleich ob für ein Festmahl oder in den schwierigen Stunden einer Erkältung –  als ausgezeichnetes Mittel für Wohlbefinden und Genuß.

Der schwarze Rettich trägt seinen Beinamen nicht einfach so. Es ist leider nicht genau bekannt, seit wann wir ihn kennen und verzehren. Fest steht allerdings, daß bereits die Römer dieses Gemüse sehr schätzten und es als Mittel bei Pilzvergiftung einsetzten. Man behauptet, in einem der ägyptischen Tempel sei bis heute das Relief des schwarzen Rettichs zu sehen. Auch die alten Griechen himmelten ihn an und servierten ihn angeblich auf goldenen Tabletts. Was davon wahr ist, wissen wir natürlich nicht.

Ganz genau bekannt ist allerdings, daß diese Rübe außerordentlich reich an Vitaminen ist. In ihr läßt sich eine unglaublich hohe Zahl an ätherischen Ölen und freien Organsäuren nachweisen, außerdem zahlreiche Mikroelemente, Kalium, Magnesium, Kalzium, Schwefel, Vitamine der B-Gruppe, Vitamin C etc. pp.

In der Volksmedizin werden vor allem die Rübe selbst und deren Saft verwendet. Die Ballaststoffe sollen das böse Cholesterin abbauen, gelten also als ideales Mittel gegen Arteriosklerose. Auch bei Erkältungen, Grippe, viralen Infekten oder eitrigen Wunden wird das Zaubergemüse angewandt. Im Frühjahr stärkt es das Immunsystem, im Winter erspart es den Griff in den Medikamentenschrank.

In Wladimir haben wir sogar einen sehr beliebten und leckeren Salat, der nicht nur mit schwarzem Rettich zubereitet wird, sondern auch noch den Namen der Kljasma trägt, ganz zu schweigen davon, daß die Wurzel auch als Heilmittel bei Erkältung zum Einsatz kommt s. https://is.gd/5xEz0m hier im Blog.

Aber heute gibt es schwarz auf rot! Schwarzer Rettich trifft auf rote Bete – ein Genuß, dazu noch voller Vitamine!

Schwarzer Rettich – 1 Stück; rote Bete – 1 Stück; Zwiebel – 1 Stück (groß); Öl; je 1 Prise Zucker und Salz; Pfeffer, frische Kräuter, eine kleine Handvoll Nüsse.

Rezept 6

Große Zwiebel schälen, mittelfein würfeln und in ausreichendem Öl anbraten bis sie gold-braun ist. Wer möchte, kann dazu eine kleine Prise Zucker hinzufügen.

Schwarzen Rettich und rote Bete schälen und getrennt voneinander mittelfein bzw. mittelgroß reiben.

Rezept 4

Vorsichtig Zwiebel, schwarzen Rettich und rote Bete vermischen. Salzen und pfeffern. Lassen Sie den Salat ein wenig ziehen, eine halbe Stunde vielleicht. Frische Kräuter fein schneiden, ebenso Nüsse. Den Salat damit oben dekorieren.

Das Dressing haben wir nicht vergessen – an seine Stelle treten die fantastischen Säfte vom schwarzen Rettich und der roten Bete, unterstützt vom Öl, von der Zwiebel und vom Geschmack der frischen Kräuter. So, jetzt haben wir schwarz auf weiß eine Köstlichkeit, dank der Sie garantiert schwarze Zahlen bei der Anzahl Ihrer Gäste schreiben werden! Denn: „Was man schwarz auf rot gekocht / kann man getrost dem Gast servieren“, hat schon so oder ähnlich Johann Wolfgang von Goethe als Küchenmeister gedichtet.

Nadja Steger

P.S.: In der Nachbarregion von Wladimir, in Kostroma, gibt es sogar schwarzes Salz. Kennen Sie das schon? Wenn nicht, bitte gleich nachlesen in einem Reisebericht von Hans Gruß unter: https://is.gd/jlwunU

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