Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Essen und Trinken’ Category


Der Sanddorn führt in Deutschland eher ein Schattendasein und kommt in genießbarer Form fast nur auf den Regalen der Apotheken und Drogerien vor. Die Früchte sollen ja auch nicht nur bekömmlich sein, sondern vor allem Abhilfe bei so manchem Zipperlein schaffen. Zu gesalzenen Preisen, versteht sich. Die russische Küche hingegen schätzt die Beeren und verwendet sie großzügig, zumal man sie ja selbst – oft vor der Haustür oder zumindest auf der Datscha – sammeln und mit etwas Zucker gut haltbar machen kann.

Besonders gern trinkt man Sanddorntee, von dem es ungezählte Varianten gibt. Die Feinschmeckerecke im Blog empfiehlt heute, eine Handvoll Sanddorn mit ein bis zwei Eßlöffeln Zucker zu pürieren, ganz nach Gusto, denn nicht alle mögen es süß.

Mit einem halbem Liter kochenden Wassers übergießen, dazu zwei bis drei Scheiben Orange oder Zitrone, wenn man es sauer und lustig haben will. Nicht nur für das Auge schließlich wirkt eine Deko mit Minze oder Zitronenmelisse.

Dymow-Keramik, gegründet 2003, hergestellt in Susdal

Man kann sich das Getränk kalt oder heiß schmecken lassen, wobei es besonders mundet, wenn es in Tassen aus Susdal kredenzt wird.

Read Full Post »


In Wladimir erfand man die gastronomische Karte Rußlands, um zu zeigen, daß man gerade auch in Zeiten der Weltmeisterschaft nicht nur Fußball spielen kann. So vielgestaltig die Geographie des größten Landes der Erde, so vielfältig auch die kulinarischen Entdeckungen, die man selbst bei einer nur kurzen Reise machen kann, wenn man durch Straßen und Fußgängerzonen flaniert.

Gastronomische Karte Rußland

Augenblickseindrücke zumeist nur, deshalb hier auch nicht mehr als kurze Anmerkungen zu den Bildern, sofern sie nicht ganz für sich selbst sprechen.

Foodtruck aus Sotschi in Wladimir

 

Picknick à la russe in Wladimir

 

Picknick à la russe in Wladimir

Vor allem zu beachten: das sauer eingelegte Gemüse, eine echte Besonderheit der russischen Küche, die garantiert immer lustig macht.

Picknick à la Russe in Wladimir

Wer glaubt, das russische Bäckerhandwerk verstehe sich nur auf graues Kastenbrot und Baguettes, kann sich überraschen lassen.

Festtafel im Hotel „Wosnessenkaja Sloboda“, Wladimir

Unübertroffen die üppige Bewirtung bei einem Festessen. Immer dabei: Mors, ein Kompott aus Moosbeeren.

Wodka aus dem Eichenfaß

Und natürlich gehört Wodka dazu, hier in Eichenfässern aus Krasnodar gereift und in Wladimir gereicht.

Fisch zum Hauptgang

Unabdingbar: Fisch vom Aal über den Stör bis zum Zander.

Samowarsammlung in Susdal

Der Samowar als Symbol der Teekultur und der gastlichen Behaglichkeit.

Kiosk in Murom: Eingang durch die Tür.

Ein Kuriosum im Vorübergehen: Ein Kiosk in Murom, Kreisstadt in der Region Wladimir, hat wohl schon schlechte Erfahrung mit „Fensterln“ gemacht…

Wirtshaus zum Adelshof im 862 gegründeten Murom

 

Bar Dekolleté

Bei einem Tagesausflug von Wladimir nach Nischnij Nowgorod – mühelos per Bahn zu machen – entdeckt man in der herausgeputzten Fußgängerzone die internationale Note des Landes.

Familienkonditorei Mischka, Profiteroles und Fondants

Ein Café in Rußland ist übrigens in den seltensten Fällen nur ein Café; in der Regel kann man hier speisen wie in einem Gasthaus. Ein Café nach deutschen Maßstäben nennt sich hier „Konditerskaja“.

Der beschwipste Teekessel, Laden und Teestube; San-San Geschenke und Süßigkeiten

 

Jota: Café – Falafel-Restaurant

 

Café Rendezvous – Bankette und Hochzeiten

 

 

Dein Kaffee zum Mitnehmen

In jenen fernen Zeiten vor der Rundumbefriedigung der oralen Bedürfnisse des Menschen gab es in der Sowjetunion hier und dort Wasserspender, wo man gesprudelt oder still für ein paar Kopeken den Durst stillen konnte. Ohne Müll übrigens, denn die Gläser wurden vor Ort gespült.

Wasserspender aus Sowjetzeiten

Heute nur noch als Ausstellungsobjekt der Vergangenheit in einer Seitengasse der Fußgängerzone von Nischnij Nowgorod zu entdecken.

Kaffee zum Mitnehmen

 

Patisserie, Pelmeni und Wareniki

 

Schawarma und Grillspezialitäten

 

Restaurant Prag – Zum Freundschaftskrug

 

Café Mark Twain

 

 

Bars mit Tanz

 

 

Restaurant Berlusconi

 

Küche der New Yorker Großmutter in Wladimir

Im ersten vegetarischen Restaurant Wladimirs herrscht reger Andrang bei Selbstbedienung. Ansonsten eher unüblich in der russischen Gastronomie mit einer weiteren Besonderheit. Fast überall wiederholt die Bedienung die Bestellung. Freilich zumeist nur auf Russisch. Mit den Fremdsprachenkenntnissen ist es noch nicht so weit her.

Vegetarisches Café in Wladimir

Dafür übernimmt das russische Gaststättenwesen immer mehr Begriffe aus dem Englischen, wie zum Beispiel „Fresh“ für frischgepreßte Säfte.

Tageskarte im Veggie Bro: Smoothies, Freshs, Falafel, Hummus und Burger

Harter Kontrast in Moskau, wo es ein Restaurant gibt, wo garantiert nur Fleisch serviert wird.

Kein Fisch: Fleischrestaurant

 

Restaurant Bemerkenswerte Leute

 

Hungrig kommt man von so einer Reise bestimmt nicht zurück, sondern um ein Vielfaches reicher an gastronomischer Erfahrung. Probieren Sie es ruhig selbst aus.

Read Full Post »


Ein bekannter Witz geht so: Anruf beim russischen Freund: „Hör mal, bei uns ist es saukalt, bestimmt minus 40 Grad. Ich stehe an der Bushaltestelle und friere mir einen ab. Was macht ihr Russen denn bei so einem Frost, wenn man lange auf den Bus wartet?“ – „Die Männer trinken Bier, und die Kinder essen Eis.“

Plombir

Vorzugsweise „Plombir“, dieses einzigartig cremige Sahneeis ohne alle chemischen Zusätze, Geschmacks- und Aromastoffe. Eis pur, Genuß pur, der, benannt nach der Stadt Plombières-les-Bains, von Frankreich aus schon im 19. Jahrhundert den russischen Gaumen eroberte. Übrigens auch in Erlangen erhältlich – mit vielen weiteren russischen, polnischen und rumänischen Lebensmitteln im „Wesna“, Langfeldstraße 43, oder bei „Irina“ in der Dorfstraße 56. Einfach mal probieren, falls kulinarische Nostalgie nach der russischen Küche aufkommen sollte.

Read Full Post »


Zwei Amtszeiten lang leitete Igor Kechter als Bürgermeister die Geschicke von Susdal und stattete der Partnerstadt Rothenburg o.d.T. zwei Besuche ab, bei denen er viel gelernt hat. Dann kehrte der 53jährige freiwillig der Politik den Rücken, um sich ohne all die Zwänge, die öffentliche Ämter so mit sich bringen, ganz neuen, kreativen Aufgaben zuzuwenden.

Gute hundert Kilometer südwestlich von Saratow gründeten seine Vorfahren den Weiler Klein-Walter. Sie stammten aus Bayern und kamen auf Einladung von Kaiserin Katharina II an die Wolga, wo die Familie bis 1941 blieb, bis nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion die Rußland-Deutschen pauschal zu Volksfeinden erklärt und hinter den Ural verbannt wurden. Igor Kechters Vater, Erik Christianowitsch, war damals gerade einmal zwei Jahre und wuchs im sibirischen Tjumen auf, wo er später auch seine russische Frau aus Chanty-Mansijsk kennenlernte, mit der er unlängst die Goldene Hochzeit feiern konnte. In Wladimir, wo die Tochter bereits lebte und wohin auch Igor und sein älterer Bruder Wladimir zogen. Erst ab 1962 erhielten die verfemten Deutschen das Recht auf freie Niederlassung, konnten die Verbannungsorte verlassen, die Rehabilitation und Befreiung vom Etikett des „Volksfeindes“ erfolgte dann noch später, im Jahr 1991.

Igor und Ludmila Kechter

Wollte man einigermaßen unbehelligt mit einem deutschen Familiennamen leben, tat man gut daran, die Muttersprache nicht zu gebrauchen. Und so ist denn auch das Deutsche in der Familie nicht mehr präsent, nur die Großmutter beherrschte es noch, bereits Igor Kechters Vater wuchs ganz russischsprachig auf. Sechs Geschwister hatte er, von denen drei bei der Vertreibung ums Leben kamen. Und der Großvater, Christian Christianowitsch, kam nicht mehr aus der Arbeitsarmee zurück. Aber das ist für Igor Kechter Geschichte, mit der er sich versöhnt hat. Selbst hat er wegen seiner Herkunft keine Nachteile mehr erfahren, nur in der Kindheit war er beim Räuber-und-Gendarm-Spiel eben immer auf der anderen Seite. Abgesehen von einer Tante mütterlicherseits ist auch niemand ausgewandert oder nach Deutschland übergesiedelt. Der Großteil der mittlerweile vielköpfigen Familie lebt sogar weiterhin in Sibirien. Dennoch: Zu Deutschland besteht schon ein besonderer Bezug, den allerdings seine Ehefrau Ludmila herstellt: „Da fühlen wir uns immer wie daheim.“

1983 immatrikulierte sich Igor Kechter in der Militärakademie und brachte es bis zum stellvertretenden Leiter der Kommunistischen Partei. Dienst tat er lange Jahre ganz im hohen Norden Sibirien, an der Lena, u.a. in der Hafenstadt Tiksi. Derart urwirtlich war es da, und Lebensmittel gab es fast ausschließlich aus Konserven, so daß der Militär seine Frau mit den beiden Kindern immer in die „Sommerfrische“ nach Zentralrußland schickte. „Eine Zeit, in der ich lernen mußte, für mich selbst zu sorgen und mir ab und an eine Freude zu bereiten, indem ich kochte“, erinnert sich Igor Kechter. Damals ist dann wohl auch seine kulinarische Leidenschaft entstanden, angeregt auch vom Kontakt mit den einheimischen Völkerschaften und ihrer Küche aus Rentierfleisch und Fisch. Auf die Frage, ob er denn auch gut koche, reagiert er allerdings schweigend mit einem Blick auf die Frau, die dann auch mit Lob nicht sparen will. Besonders seine Schaschliks seien unschlagbar. Das wird er auch schon bald unter Beweis stellen können, denn dieser Tage nimmt der Hobbykoch an einer Schaschlik-Meisterschaft in Tschetschenien teil, wo er sich nicht kampflos ergeben, sondern die Jury mit einer Kreation überzeugen will, die mit kurz in Salz eingelegten Gurken als Beilage überraschen dürfte.

Auf der „Anrichte“ im Büro von Igor Kechter

Überhaupt die Gurke. Sein Restaurant „Ogurez“ in Susdal trägt den Namen des Gemüses, das wiederum seit den 80er Jahren für die ganze Stadt symbolisch steht, als man sich auf den Anbau spezialisierte und regelrechte Gurkenmillionäre hervorbrachte. Und dann der Tourismus: Als Igor Kechter 1993 seinem älteren Bruder nach Susdal folgte, begannen die beiden mit dem Aufbau eines holzverarbeitenden Betriebs, erkannten aber bald die Chancen im Fremdenverkehr. So gründeten sie mit zwei Kompagnons die AG „Heißen Quellen“, eine einzigartige Sauna- und Badelandschaft, die 2002 eröffnet wurde, von der sie sich dann aber 2013 wieder trennten, als Igor Kechter, der seit 2011 als Stadtrat tätig war, zum Bürgermeister gewählt wurde.

Nun, wieder in der Privatwirtschaft, fühlt er sich freier. Sieben Gebäude gehören ihm in Susdal, die er derzeit restauriert, und im nächsten Jahr soll in Gawrilow Possad in der Nachbarregion Iwanowo ein Museum für russische Nationalgetränke eingerichtet entstehen. Den Grundstock hat er schon in seinem Wladimirer Büro eingerichtet, eine Flaschen- und Krügesammlung mit einer Vielzahl von Unikaten. Überhaupt ist er immer auf der Suche nach dem Besonderen. Immer wieder entdeckt er alte Rezepte und entwickelt zu deren Wiederbelebung neue Konzepte, schreibt Bücher, hält Vorträge und brennt für den Fremdenverkehr, der auf drei Beinen steht, wie er meint: schlafen, sehen und essen. Ein Dreisatz, den er als stellvertretender Vorsitzender des Verbands der kleinen Touristenstädte Rußlands ebenso beherzigt wie als Impulsgeber für die gastronomische Entwicklung Susdals.

Igor Kechter

Seine „kulinarische Landkarte“ sorgt für Vielfalt und lokalen Bezug. 70% der Beschwerden von Touristen betrafen noch vor wenigen Jahren den „Einheitsbrei“ der Restaurants. Nun sollen die Gasthäuser zumindest zwei bis drei originell-originale Gerichte anbieten – und das in allen Fremdenverkehrsstädten des Gouvernements Wladimir – nach einem Qualitätsstandard und einer Zertifizierung. Eine Idee, die auch andere Regionen aufgreifen wollen und die Unterstützung der Politik in Moskau findet. Apropos Politik: Als es in den 80er Jahren darum ging, eine Kleinstadt touristisch „aufzurüsten“, kam Susdal zum Zug, weil jemand im Politbüro ein Faible für die Museumsstadt hatte und damit den Mitbewerber Gorochowez ausstechen konnte. So wurde damals alles zentral gesteuert, auch das Glück Susdals am Goldenen Ring. Für den galt übrigens auch eine kulinarische Planwirtschaft – und durchaus mit Verstand. Um den Touristen nämlich in jenen Zeiten der Mangelwirtschaft nicht immer und überall das gleiche Menü zu kredenzen, gab es Vorgaben für die Städte hinsichtlich der Auswahl von Gerichten.

Igor Kechter vor seiner Flaschensammlung

Dank Igor Kechter weiß man nun aber auch, daß der erste russische Malzkaffee in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts in Susdal hergestellt wurde, daß es früher für jeden Monat ein eigenes Getränk gab, daß man hier sogar Bier braute und ein Monopol auf die Herstellung und den Vertrieb von Honigwein, „Medowucha“ genannt, besaß, daß die Kartoffeln hierzulande einst – wie in Deutschland und Frankreich – „Erdäpfel“ genannt wurden, ein Begriff, der aus dem heutigen Russischen gänzlich verschwunden ist…

Für das Seine brennen

Wer also mehr erfahren will über die Eß- und Trinksitten der Russen, besuche in Susdal das Restaurant „Ogurez“, trinke dort einen Kaffee mit Gurkensirup oder einen Getreidewein, spreche mit Igor Kechter oder greife zu seinem Buch, dessen Titel frei übersetzt lauten könnte: „Für das Seine brennen“, in dem es freilich nicht nur um Selbstgebranntes geht und das in Auszügen bald auch auf Deutsch im Blog erscheinen wird. Dabei geht es mehr als um die Gurke!

Read Full Post »


Heute beenden Nicole Kobjoll-Setzer und Ehemann Marcel sowie ihr Sohn Max ihren Aufenthalt in Wladimir. Eingeladen hatte Anna Schukowa, Vorsitzende des regionalen Hotel- und Gaststättenverbands, die kurz vor Weihnachten den Schindlerhof in Boxdorf mit dem Ziel besucht hatte, Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu erkunden.

Anna Schukowa, Nicole Kobjoll mit Ehemann Marcel Setzer und Sohn Max sowie Peter Steger

Nun war es an den Gästen, die mit Klaus und Renate Kobjoll für den internationalen Erfolg des vielfach ausgezeichneten Schindlerhofs stehen, erst einmal zu sehen, in welchen Bereichen eine Kooperation mit Wladimir möglich und sinnvoll wäre. Da kann eine Besichtigung des Erlangen-Hauses nie schaden, wo schon, die Bauphase eingerechnet, seit 25 Jahren Tag für Tag bewiesen wird, wie fruchtbar ein deutsch-russisches Gemeinschaftsunternehmen wirken kann, wenn man es richtig angeht. Bleibt der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir nur zu wünschen, daß sie nun auch noch eine gastronomische Note erhält. Eine Bestnote.

Mehrzweckhalle in Susdal

Wie es gemeinsam gehen kann, sehen die Gäste auch bei einem Abstecher nach Susdal, wo nicht nur der riesige, vor 40 Jahren errichtete Hotel- und Kongreßkomplex am Rande der Stadt runderneuert wird, sondern auch mit Traumblick auf das architektonische Märchen aus dem russischen Mittelalter ein modernes Freizeitzentrum entsteht, das den bis zu 700 Gästen des Hauses ebenso wie Touristen und Einheimischen zur Verfügung stehen soll.  Geplant und projektiert in Zusammenarbeit mit dem Studio Gollwitzer, vermittelt durch die Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir.

Amphitheater in Susdal

Hinter diesem Erfolg steht Oleg Schukow, ein russischer Selfmademan, von der Art, wie man sie dem Land – gern in größerer Zahl – nur wünschen kann. Der Bauunternehmer hat bereits im Mai 2010 Kontakt zu Erlangen aufgenommen, als er sein Spaßbad zu konzipieren begann, das verschiedener bürokratischer Hemmnisse wegen erst jetzt Gestalt annimmt. Mehr dazu unter: https://is.gd/qKiKwh

Oleg und Anna Schukowa mit Familie Kobjoll-Setzer, Peter Steger sowie Max und Gleb

Ein Erfolg, der freilich nicht möglich wäre ohne die politische und administrative Unterstützung durch Sergej Sacharow, den ehemaligen Oberbürgermeister von Wladimir und jetzigen Stadtdirektor von Susdal, vor seiner politischen Karriere selbst Unternehmer. Wenn 2024 Susdal im Glanz seiner Geschichte das tausendjährige Jubiläum feiern kann, wird das ganz wesentlich diesen beiden kreativen Machermännern zu verdanken sein.

Peter Steger und Sergej Sacharow

Der Vollständigkeit halber sei nur noch vermerkt: Susdal und Rothenburg feiern heuer auch schon 30 Jahre Partnerschaft, damals vermittelt und angeregt von Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg. Dito: Eine Partnerschaft, wie man sie den Ländern – gern in größerer Zahl – nur wünschen kann.

Read Full Post »


Wladimir ist ja nie um eine gute Idee verlegen, gleich ob es um Kultur oder Sport geht. Am besten gelingen die Einfälle in der Verbindung beider Felder in der Verbindung mit dem Kulinarischen. Beispiel gefällig?

Bastschuhe ohne Stollen

Wladimir läuft sich bereits warm für die Fußballweltmeisterschaft. Und da in der Partnerstadt keines der Länderspiele der FIFA ausgetragen wird, übernimmt die einstige Kapitale der Rus die Rolle der Kulturhauptstadt. Ganz offiziell, vom Sportministerium in Moskau so beschlossen. Auch wenn die lokale Elf nur in der 2. Liga spielt und Fußball ja auch eigentlich nicht als der Nationalsport gilt, läßt man in Wladimir den Ball rollen und pfeift diese fünfte Saison in Bastschuhen an. Ein traditionelles russisches Schuhwerk ohne Stollen, in dem es sich erstaunlich bequem läuft, fast wie barfuß, das aber sicher nicht für das Kicken erdacht und gemacht wurde.

Bastschuhe am männlichen Fuß

Erst recht nicht geeignet für Füße, sollte man meinen, die vor mehr als vierzig Jahren zum letzten Mal in Ballberührung kamen, also ein wenig aus der Übung geraten sind. Und dann das: Ausgerechnet der krasse Außenseiter hat das einzige Tor seiner Mannschaft auf dem bastbeschuhten Fuß und legt den einzigen Paß vor, der dem Team die Ehre hätte retten können. Wenn da nicht… Aber davon später.

Peter Steger, Anna Schukowa und Andrej Schochin

Eingeladen hat Anna Schukowa zu dem Turnier „Foodball“, die Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes der Region Wladimir, und gekommen sind gestern am späten Vormittag nicht nur die Honoratioren der Partnerstadt wie Oberstadtdirektor Andrej Schochin, sondern Spitzenköche aus sechs Ländern: aus der Türkei, aus Aserbaidschan, aus Serbien, aus Kroatien, aus Slowenien und Wolfgang P. Menge aus Seidwitz bei Creußen in Oberfranken, umständehalber und kurzerhand für die Partnerschaft unwidersprochen eingemeindet.

Peter Steger und Wolfgang P. Menge

Der Vorsitzende der deutschen Euro-Toques, der schon für die Bundeskanzlerin kochte, kann es  sich im Ruhestand leisten, nur noch für kleine Gesellschaften bis zu zwölf Personen den Löffel zu rühren und ist ansonsten viel unterwegs, um sich in aller Welt für seine Gäste Anregungen zu holen. Nun, bei seinem ersten Besuch am Goldenen Ring, zeigt er sich voll des Lobes für die geschmacklich so vielfältige und optisch überaus ansprechende Küche der Gastgeber. „1 A ist hier alles“, so sein kurzes Fazit.

Internationales Köcheteam

Aber gemeinsam auf den Rasen? Und dann noch in derartigem Schuhwerk? Wolfgang P. Menge nimmt es gelassen, geht es ruhig an – wie die übrigen Athleten übrigens auch. Es geht ja um den Spaß an der Gaudi.

Peter Steger im Interview mit dem 1. Russischen Kanal

Ein Spektakel übrigens auch, an dem bei frischem Frühlingswetter nicht nur die lokalen Medien großes Interesse zeigten.

Peter Steger in der Grätsche

Als dann aber das Los entscheidet, daß die internationale Kochauswahl gegen die heimischen Küchenmeister gleich im ersten Spiel antreten soll, packt die Gäste doch der sportliche Ehrgeiz. Schon nach der ersten Angriffswelle wird allerdings klar, wer die Partie dominiert. Rasch fällt denn auch das erste Tor, und am Ende der beiden Halbzeiten zu zwölf Minuten ist die Sache mit 5:0 eindeutig entschieden. Zu behende und variantenreich gingen die Gastgeber zu Werke, zu erfolgreich waren sie regelmäßig im Abschluß.

Peter Steger beim Torschuß – an den Pfosten

Dabei mangelte es der wenig glorreichen Sieben weniger an Chancen als vielmehr an Fortune. Immerhin wäre in den letzten Augenblicken der Begegnung beinahe noch der Ehrentreffer gelungen, kommentiert von Wiktor Gusjew, dem bekanntesten russischen Sportkommentator, mit dem einprägsamen Stabreim „Штегер в штангу – Steger an den Pfosten“. Und dann auch noch ein Traumpaß aus Erlangen zum slowenischen Stürmer, der unglücklich vergibt.

Die glücklichen Verlierer des Turniers

Dennoch: Bei der Siegerehrung mit vier Mannschaften fühlen sich dann doch alle vier Teams als Sieger, auch wenn die Mannschaft von Metro Cash & Carry Wladimir ganz oben auf dem Treppchen zu stehen kommt. Und gesiegt haben auf jeden Fall die Gastfreundschaft und die Völkerverständigung.

Türkisch-russische Gastfreundschaft

Wer gut spielt, soll auch gut essen. Dafür war gestern im Stadion Lybjed, gleich hinter dem Erlangen-Haus gelegen, bestens gesorgt. Die Köche aus den elf Austragungsorten der Weltmeisterschaft hatten auch ihre lokalen Spezialitäten mitgebracht und damit gewissermaßen die gastronomische Karte Rußlands ausgerollt. Welch ein Genuß für Gaumen und Augen. Man kann da nur Schwelgen und Schwärmen.

Tischlein-deck-dich auf Russisch

Denn die russische Küche hat viel mehr zu bieten, als gemeinhin angenommen, bietet auch andernorts völlig unbekannte Getränke wie den vitaminreichen Birkensaft, der just in dieser Jahreszeit gesammelt wird, oder macht Lust auf eingelegte Pilze mit Backwaren, die offenbar noch ganz ohne Geschmacksverstärker auskommen.

Der Fußballhimmel über Wladimir

So war denn auch reichlich Prominenz aus Moskau vertreten, um nicht nur zu degustieren, sondern auch über die Medien zu propagieren: Die Fans können kommen, die Stadien werden rechtzeitig fertig, und es ist angerichtet, denn der Mensch lebt nicht vom Fußball allein.

Kulinarisches Stilleben mit Samowar

Was kann man Schöneres berichten am Internationalen Tag der Städtepartnerschaften – ja, auch dergleichen gibt es! -, wenn sogar das Auswärtige Amt in Berlin vermerkt, die bürgerschaftlichen Beziehungen, die Volksdiplomatie, spiele eine wichtigere Rolle denn je.

Igor Kechter, Fjodor Lawrow und Peter Steger

Da ist denn auch die Ankündigung von Fjodor Lawrow, Leiter des Instituts für Tourismus Wladimir, von Bedeutung, daß sich dieser Tage in Susdal Rotarier aus der ganzen Welt auf seine Einladung hin treffen, unterstützt von Igor Kechter, dem ehemaligen Stadtdirektor der heimlichen Hauptstadt des Goldenen Rings, der nun dort ein Restaurant betreibt. Seine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Rothenburg o.d.T.  – heuer steht übrigens das dreißigjährige Jubiläum an – hat Spuren hinterlassen.

Es ist angerichtet

Am Abend dann ein Empfang für alle Aktiven auf dem Feld und an dessen Rand – im Hotel Wosnesenskaja Sloboda. Ein Festschmaus für Augen und Zunge.

Wiktor Gusjew und Peter Steger

Mit dabei Wiktor Gusjew, die Stimme des russischen Fußballs, der sich über ein kleines Präsent, das in Erlangen entwickelte Quartett zur Fußballweltmeisterschaft, sehr freut, denn sein sechzehnjähriger Sohn sammelt ausgerechnet Kartenspiele.

Anna Schukowa

Zufrieden dann denn auch Gastgeberin Anna Schukowa, die es meisterhaft versteht, die russische Gastlichkeit zu verbreiten. Man kann ihr nur viele zufriedene Gäste aus aller Welt wünschen.

Wodka aus dem Eichenfaß

Die bekommen dann vielleicht auch einen selbstgebrauten Wodka kredenzt. Ein Jahr lang reifte er in Fässern aus einer besonderen Eiche, die nur im Raum Krasnodar wächst und dem Klaren die ungewöhnliche Farbe verleiht. Vom Aroma ganz zu schweigen.

Regenbogenhimmel über der der Auferstehungskirche

Es verwundert dann auch gar niemanden mehr groß, wenn selbst der Himmel in Feierlaune gerät und Wladimir unter seinen Regenbogen stellt. Wo sollten Himmel und Erde schöner aufeinandertreffen als hier!

Fußballtorte zum Ausklang

Es bleibt der Aufruf frei nach dem Jubilar Karl Marx: „Köche aller Länder, vereinigt euch und kommt nach Wladimir!“

Read Full Post »


Katzen sollen ja Quote machen im Internet. Mal sehen, ob folgende Meldung der Internetplattform „Pro Wladimir“ auch die Zugriffszahlen dieses Blogs in die Höhe treibt…

Am 31. März eröffnete in Wladimir das erste Katzencafé unter dem sprechenden Namen „Kotangens“, denn „kot“ (mit kurzem „o“) bedeutet im Russischen „Kater“. Neben warmen Getränken und Gebäck sowie – in der russischen Gastronomie gehört das längst zum Standard – freiem Internetzugang gibt es hier, ganz im Zentrum der Partnerstadt gelegen, immer auch etwas zum Streicheln. Dabei bezahlt man nur für die Zeit des Aufenthalts, alle Serviceleistungen inbegriffen.

20180329 котокафе 6

Die Besitzer des Cafés, Irina und Oleg Lissowskij, haben die Geschäftsidee von einer Reise nach Sankt Petersburg mitgebracht, wo es schon länger die „Katzenrepublik“ und „Soulmate“ gibt. Zwei Kredite sorgten für das nötige Gründerkapital, und Minz und Maunz, zehn an der Zahl, holte sich das Ehepaar aus dem Tierheim. Alle sterilisiert und mit einem „Gesundheitszeugnis“ ausgestattet, für Besucher zur Adoption auf Zeit freigegeben.

20180329 котокафе 14

Sollte mehr daraus werden, kann man die herrenlosen Stubentiger auch mit nach Hause nehmen. Eines der Ziele des Cafés sehen die Besitzer denn auch tatsächlich in der Vermittlung der Katzen aus dem Tierheim in ein neues Zuhause.

20180329 котокафе 7

Oleg Lissowksij

Die Vierbeiner haben sich rasch eingewöhnt, finden ihr eigenes Plätzchen, können sich frei bewegen, sitzen am Fenster oder auf dem Tisch, am liebsten natürlich auf des Hausherrn Schoß. „Wenn es den Katzen gefällt, sind auch die Kunden zufrieden“, so dessen Credo.

20180329 котокафе 4

Deshalb darf man die Tiere auch füttern, muß aber vorher die Hände desinfizieren, damit keine Krankheiten eingeschleppt werden. Katzenwohl soll man sich hier, in der Gargarinstraße 10, halt fühlen, analog wie virtuell: https://vk.com/kotangens_kafe – hereinspaziert!

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: