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Archive for the ‘Essen und Trinken’ Category


Mohn gehört zur russischen Küche wie der Kaviar, freilich mit dem Unterschied, daß man „maк“, wie Pflanze und Samen, einer etymologischen Linie folgend, die bis ins Dorische „makon“ und wohl noch weiter zurückreicht, in den slawischen Sprachen heißen, auf der eigenen Datscha anbauen kann, sich damit heute allerdings häufig auch dem Verdacht aussetzt, man wolle sich mit der Produktion von Rauschgift einen Rubel dazuverdienen. Evelina Winter, der wir folgendes Rezept verdanken, folgt freilich nur ihrer Backleidenschaft, wenn sie uns teilhaben läßt an ihrer Mohnrolle, die so schon seit Generationen in ihrer Familie auf den Festtagstisch kommt, so auch gestern zur Teepause im Café Вкусно der Blog-Redaktion:

Für den Hefeteig benötigen wir: 1 Würfel Hefe, 80 g Zucker, 500 g Mehl, 250 ml Milch, 1 TL Salz, 1 Ei, 80 g zerlassene Butter; für die Mohnfüllung: 100 ml Milch, 75 g Zucker, 200 g Blaumohn, 1 Pr. Salz, 2 Eier.

Hefeteig: 250 ml Milch, 80 g Butter in einem Topf erwärmen. Lauwarm sollte es sein (nicht mehr als 70* C.). Ein bisschen von der Flüssigkeit abgießen und darin den Hefewürfel auflösen. 500 g Mehl, 75 g Zucker und 1 Prise Salz mit der Milchmischung, Hefemischung und 1 Ei gut verkneten. Zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen.

Zubereitung: 100 ml Milch aufkochen und 200 g gemahlener Mohn mit 75 g Zucker hinzufügen und kurz aufkochen lassen. Dann 20 g Butter, und 2 Eier gut unterrühren und danach abkühlen lassen. Nach Geschmack kann man noch Rosinen unterrühren. Dann Teig ausrollen, füllen und dabei einen ca. 2 cm breiten Rand lassen. Von der Längsseite aufrollen. Schließlich bei 180° C Umluft backen, bis die Rolle schön goldbraun ist.

Eine Vanillesauce dazu macht den Genuß schlichtweg traumhaft

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Die russische Küche ist ohne Rote Bete nicht vorstellbar. Wenn wir die auch noch mit Graupen kombinieren, die den Reis ersetzen, haben wir ein russisches Risotto, das auch deutschen Gaumen mundet. Wir brauchen dazu 250 g Perlgraupen, 2 mittelgroße rohe Rote Bete, 1 Zwiebel, 1 Zehe Knoblauch, frische Kräuter, 900 ml Gemüsebrühe und 100 ml Weißwein sowie 2 1/2 Eßlöffel Öl, eine Messerspitze Salz, eine Handvoll Pinienkerne und Parmesan nach Gusto.

Wir schneiden Zwiebel und Knoblauch fein, dünsten sie im Topf mit Butter an, geben die Graupen dazu, verrühren alles und überlassen die Mischung kurze Zeit sich selbst, bevor wir nach und nach die Gemüsebrühe hinzugeben und die dann, gesalzen mit den Perlgraupen eine Viertelstunde köcheln lassen. Unterdessen schälen wir die Rote Beete, reiben sie mittelfein und – ab in den Topf. Ständig gut rühren – unter Beigabe des Weins -, damit nichts anbrenne. Sobald alles schön gar ist, den Parmesan einstreuen, die feingehackten Kräuter dazu und eine Handvoll Pinienkerne darüber.

Zum Nachtisch gibt es eine weitere italienisch-russische Melange: Espresso mit eingelegten Zedernzapfen.

Dabei handelt es sich freilich um eine hierzulande schwererhältliche Leckerei aus den sibirischen Wäldern, wo man die jungen Zapfen sammelt, um sie dann in Sirup einzulegen. Sollten Sie schon einen Einkaufszettel für ihre nächste Reise nach Wladimir schreiben, sollte diese Delikatesse nicht fehlen.

Guten Appetit!

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Im Mai 2018 https://is.gd/zCzDD8 stellte der Blog eine ganz außergewöhnliche Persönlichkeit vor: Igor Kechter, deutschstämmiger Russe, vormals Bürgermeister von Susdal und nun stellvertretender Vorsitzener des „Verbands kleiner Fremdenverkehrsorte“. Seine Leidenschaft ist die Kunst, verlorengegangene Techniken der Herstellung von Getränken wiederzuleben. Und, wie verschiedenen Medien zu entnehmen, ist dem Tüftler des guten Tropfens mit dem Ansetzen eines Honigweins nach einer Rezeptur aus dem neunten Jahrhundert nun ein Coup gelungen.

Igor und Lumila Kechter

Da in den russischen Breiten keine süßen und saftigen Beeren in der Art von Weintrauben gediehen, setzte man im Mittelalter einen zünftigen Trunk mit Honig an. Eine durchaus schwierige Prozedur, wobei die Mischung aus Honig und Wasser in einem Faß für einige Jahre in mindestens zwei Meter Tiefe einzugraben war. Allein dies zu rekonstruieren, verteuert die Herstellung gegenüber der bisher in Susdal handelsüblichen Medowucha (Honigwein), dem überirdisch viel weniger Zeit zum Reifen gelassen wird. Diesem Honigwasser von einst gab man die landestypischen Früchte bei: Moos- und Preiselbeeren oder Weichselkirschen, während der Trester statt Hefe Verwendung zur Gärung fand. Eben diese Rezeptur liegt auch der wiederentdeckten Kreation mit Sauerkirschsaft zugrunde. Möglichst aus heimischen Sorten. Eine davon, die im Basiliuskloster kultiviert wurde, galt als besonders saftig und süß, doch leider ist sie so gut wie ausgestorben. Erst vor einigen Jahren begann man im Wladimirer Patriarchengarten wieder mit dem Anbau. Also mußte man sich mit „gewöhnlichem“ Sauerkirschsaft begnügen, wie Igor Kechter anmerkt, um dann darauf hinzuweisen, wie lange man gebraucht habe, um aus den alten Chroniken herauszulesen, wie die Prozesse der Herstellung genau ablaufen sollten. Freilich räumt er auch freimütig ein, er sei zwar mit dem Ergebnis, das man im Herbst 2020 erreicht habe und das man nun der Öffentlichkeit vorstelle, durchaus zufrieden, aber natürlich könne man heute nicht mehr exakt genau die gleichen Inhaltsstoffe gewährleisten, wie sie seinerzeit verwendet wurden. Andere Zeiten, anderes Material. Doch sehr nahe sei man dem Original wohl gekommen.

Der Honigwein aus Susdal mit Wladimirer Weichselkirschen

Wie auch immer, eine Degustation ist virtuell in etwa so prickelnd wie ein Kuß mit Mund- und Nasenschutz. Deshalb sollte man, sobald Reisen nach Wladimir wieder möglich sind – das Tuch von der Glaskugel wagt da freilich noch niemand aus der Blog-Redaktion zu ziehen -, eine Verkostung einplanen, zumal Igor Kechter auch schon fleißig dabei ist, Limonade für Erwachsene nach historischen Rezepten zusammenzumischen, ohne Alkohol, aber mit die Lebensgeister anregenden Kräuterextrakten. Wenn irgend möglich empfiehlt sich sogar ein Ausflug nach Gawrilow Possad, in der benachbarten Region Iwanowo, wo der Kenner gut gereifter Gaumenfreuden das landesweit erste und bisher einzige Museum für russische Nationalgetränke eingerichtet hat. Wohl bekomm’s!

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Von einem, der Weihnachten nach Hause bringt, ist heute zu erzählen. So oder ähnlich könnte es Ihnen auch ergehen. Da kommt ein zwanzigjähriger Student der Fitneßökonomie bei Eis und Schnee angeradelt, eine Sporttasche umgehängt, die voller Tüten mit der denkbar köstlichsten Duftmischung aus selbstgebackenen Plätzchen steckt. Wie kommt’s? Sehen wir uns den jungen Mann einmal näher an: Pascal Aldoais, familiär in dieser Hinsicht nach eigenem Bekunden gänzlich unbelastet, steht in dieser Jahreszeit am liebsten in der Backstube, täglich, nach dem obligatorischen Morgenlauf im Schloßgarten und wenn Eltern und Geschwister gegen 7.30 Uhr das Feld in Richtung Schule geräumt haben. Denn vor allem die Mutter will sich nicht schon in aller Früh an das Dröhnen des Rührers gewöhnen. Kaum sind die ersten Plätzchen aus dem Ofen, wandern sie in die Tüte, und sobald genug zusammengekommen sind, geht es auf die erste Bescherungstour. Wenn es gut läuft, steigt der Hobbybäcker noch mindestens zwei Mal aufs Rad, am Nachmittag und am frühen Abend, so wie gestern, als er als Weihnachtsüberraschung vor dem Rathaus auftauchte, um Waleria Lodygina und Daria Koslowa, die beiden Erasmus-Plus-Studentinnen aus Wladimir, sowie Alina Feuerabendt aus Belgorod, die als angehende Dolmetscherin am Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde ihre Feuertaufe am Montag beim virtuellen Diskussionsforum Prisma bestanden hatte, mit dem Stoff aus dem die Winterfreuden bestehen zu versorgen und danach zu weiteren Terminen zu eilen.

Waleria Lodygina, Daria Koslowa, Alina Feuerabendt und Pascal Aldoais

Ihren wundersamen Anfang nahm dieses kleine Adventswunder bereits am 1. November um Mitternacht, als Pascal mit Freunden verschiedene Backrezepte ausprobierte und ihm die Idee kam, jetzt, in Zeiten der Corona-Einschränkungen, Weihnachten in Form von Plätzchen zu den Menschen nach Hause zu bringen. Die Pandemie bescherte ihm studienfrei, also viel Zeit, und warum diese nicht nutzen, um anderen eine Freude zu machen! Mehr als 600 (in Worten: sechshundert) seiner Wundertüten sind schon verteilt, auf Bestellung vor der Haustür abgelegt, oder auch oft ganz spontan in der Stadt an wildfremde Leute mit seinem gewinnenden Lächeln verteilt. „Die schenken mir dann ihre Freude zurück, wenn sie sagen, ich habe ihren Tag schöner gemacht“, freut sich der Jungmeister der Backkunst seinerseits. Apropos Bestellung: „Manche lassen mir ihre Rezepte zukommen, und ich experimentiere dann richtig drauf los. Zu meinen Hits gehören aber Walnußplätzchen, Kardamompantöffelchen und Kokosmakronen. Letztere ohne Oblate, dafür mit einem auf der Zunge rauschhaft dahinschmelzenden Schokoboden. Achtung: Suchtgefahr! Der Bote des Genusses kennt die Gefahr. Nicht von ungefähr sind die Tüten vertackert. Er will sich ja nicht selbst in Versuchung führen!

Individualisiertes Päckchen mit Weihnachtsgebäck

Kann man das so einfach annehmen? Ja, man kann! Wie sollte man da auch ablehnen? Aber einfach so? Ja, auch einfach so. Geld nimmt der Kurier des Süßen nicht an, wohl aber Zutaten für neue Leckereien, denn so schließt sich der Kreis, sei es mit Apfelmus zur Verfeinerung, mit einer Packung Nüsse oder Mehl, gern auch mit einem halben Pfund Butter. Wenn Sie also zwischen Buckenhof und Büchenbach, zwischen Bräuningshof und Langensendelbach wohnen, brauchen sie nur der Spur des Duftes zu folgen. Sie können aber gern auch Adressen nennen, wo Menschen sich über den Plätzchenzauber freuen würden. Denn Weihnachten, Pascals Lieblingsfest, soll leben! Mehr zu seinem Wirken unter www.instagram.com/er_pascal_og, wo er schon Hunderte von Abonnenten hat (nicht weniger als verteilte Tüten, wie der aufmerksame Leser vermerkt), sowie unter dem Hashtag #savechristmas2020.

Des Bloggers Lieblingsplätzchen, Kokosmakronen mit Schokoboden vor dem Hintergrund von Weihnachtskarten aus den Werkstätten der Wladimirer „Lebenshilfe“ Swet

P.S.: Es gibt auch eine Studentengruppe unter dem Motto „Laufgelage“, die ihren geheimnisvollen Part in dieser vorweihnachtlichen Geschichte spielt. Aber davon soll Pascal Ihnen lieber selbst erzählen, wenn er bei Ihnen vorbeikommt. Frohe Weihnachten!

P.P.S.: Die Geschmäcker sind so verschieden wie das Angebot an Backwaren – bis hin zu Lebkuchen. Zu bezeugen mittlerweile vom Frauenhaus, der Tafel, der Obdachlosenhilfe und vielen anderen. Auch Ihr ganz eingenommener Verkoster oder „Plätzchen-Sommelier“ versichert hiermit an Eides Statt: Sie werden am gesamten Angebot ihre helle Freude haben, denn hier gilt, zum Mitsingen: „Süßer die Plätzchen nie schmeckten…“ Bestellungen werden gern entgegengenommen unter https://www.facebook.com/peter.steger.5492

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Unter den Blog-Lesern gibt es, wie die Aufrufe der Seite und die eine oder andere Rückmeldung zeigen, viele Frühaufsteher. Ihnen vor allem sei heute ein ebenso schlichtes wie schmackhaftes und wandlungsfähiges Rezept für ein russisches Frühstück empfohlen. Es müssen ja nicht immer Pfannkuchen oder Spiegeleier sein.

Guten Appetit: Ein Löffel für Mama, für Papa, für die Liebe, für die Gesundheit, für mehr Lohn, für das gute Gelingen

Man nehme also eine Karotte und einen Apfel – die eine wie der andre durchaus groß – und reibe beide mittelfein in das Schüsselchen hinein. Zucker kann man drüberstreuen, ein zwei Löffel saure Sahne freuen – ebenso wie Nüsse und Rosinen. Das hellt auf die Morgenmuffelmienen im Verein mit Kaffee, Milch und Tee, schmeckt wie aus der Küche einer Fee.

Natürlich steht es frei, auch Beeren oder Flocken unterzumischen, aber das ist dann schon wieder ein anderes Rezept, Ihr Rezept. Hauptsache die Zutaten reimen sich. Denn, wie soeben zu entdecken: Nur was sich reimt, will richtig schmecken.

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Hätten Sie Zeit und Lust, lieber Herr Koppmann, einen kleinen Bericht über Ihre Begegnungen in Wladimir für meinen Blog zu schreiben? Ich würde mich sehr freuen – und meine Leser sicher nicht minder!

Hallo, Herr Steger, werde ich gerne machen, vor allem weil mir die Reise und auch die Gastfreundschaft im Erlangen-Haus und auch der ganzen Stadt noch in bester Erinnerung ist.

Diese beiden Nachrichten gingen gestern per Facebook hin und her, nachdem Georg Koppmann Bilder aus Wladimir mit einem Kurztext zu Hausbier in der Partnerstadt veröffentlicht hatte. Und flugs landete auch schon der gewünschte Bericht in der Redaktion.


Der Aufenthalt im Erlangen-Haus der Stadt Wladimir wirkt noch immer nach, obwohl seither bereits mehr als vier Jahr vergangen sind. Noch immer denke ich mit einer Menge an Fernweh an diese zwei Wochen in Erlangens Partnerstadt zurück. Empfang, Betreuung, Unterricht in Russisch und vor allem die Geduld und Gastfreundschaft unserer Gastgeber im Erlangen-Haus sind noch heute fest in meiner Erinnerung verankert.

Georg Koppmann und die Wirtin

Da ich seit Jahrzehnten Hausbrauer bin und ich mich als Bewunderer der fränkischen Brauvielfalt betrachte, stelle ich mir überall auf der Welt dieselbe Frage:

KÖNNEN DIE HIER IM „AUSLAND“ AUCH BIER BRAUEN?

Vom Erlangen-Haus aus machte ich mich schließlich auf den Weg, um diese Frage zu klären. Im Stadtzentrum stieß ich tatsächlich auf eine Kneipe, die Biere der Brauerei Wladimir ausschenkte. IPA, Porter, Weizen, ob ober- und untergärige Biere: Ich konnte gar nicht aufhören, die ganze Palette an feinen Sorten durchzuprobieren. So verbrachte ich dort einige Stunden und lernte bei Bierverkostungen und guter Bierlaune Leute kennen. Wir sprachen nur etwas Russisch, Englisch oder Deutsch, aber wir sprachen. Auch wenn wir in manchen Dingen, vor allem politischen Aspekten, unterschiedlicher Meinung waren, überraschte mich so manches Argument, das ich bislang noch nicht mal auf dem Schirm hatte.

Georg Koppmann

In Abwandlung eines Ausspruchs des Nobelpreisträgers für Literatur, Paul Heyse, ließe sich da sagen: „Die Gleichheit vor dem Bier mildert den Druck der politischen Gegensätze.“

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Die Zeit der Weihnachtsmärkte geht hierzulande ihrem Ende entgegen, während sie in Wladimir gerade erst beginnt. Übrigens auch schneefrei. Wem nun die sündhaft überteuerte Plörre, die an den Buden die Kassen süßer nie klingeln lassen, über hat, mache sich und seinen Lieben zum Christfest eine besondere Freude.

Man nehme – im Feinkosthandel oder in russischen Läden erhältlich, wenn man sie sich nicht aus Wladimir mitbringt oder von dort schicken lassen kann – frisch aufgetaute Moosbeeren (im Notfall andere Waldfrüchte, ersatzweise am besten Peiselbeeren, denen aber das säuerliche Aroma fehlt), gebe sie in ein hohes Gefäß mit zwei bis drei Eßlöffeln Zucker und ein wenig Wasser. Dann so pürieren, daß noch Fruchtfleisch und damit der Geschmack erhalten bleiben, ab in einen Topf, wieder mit etwas Wasser und Zucker vermengt, vor allem aber mit trübem Apfelsaft im Verhältnis von knapp der Hälfte zu den Beeren abgeschmeckt. Aufkochen, nach Gusto mit Nelken, Zimt und allem, was das weihnachtliche Gewürzbord hergibt, verfeinern und servieren.

Bei diesem Glückspunsch nach Wladimirer Rezept kommt garantiert Stimmung auf, ganz ohne den Ungeist der Brühe Glühwein. In diesem Sinne allen Frohe Weihnachten!

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Strenggläubige Christen in Ost und West unterziehen sich ja im Advent dem „kleinen Fasten“, das eine weniger strikte Observanz als in der Passionszeit fordert. Doch längst hat hier wie dort die Säkularisierung Einzug gehalten und fährt zumindest vor Weihnachten schwere kulinarische Geschütze auf. Da bietet die Pirogge in ihrer vegetarischen Variante einen Ausgleich zwischen festlichem Genuß und asketischer Zurückhaltung. Aber versuchen Sie es selbst mit diesem Rezept aus Wladimir:

Für den Teig benötigen wir: 500 g Mehl, 40 g Zucker, 250 g Milch, 1 Eßlöffel Sonnenblumenöl, 1 Eigelb, 1/2 Päckchen trockene Hefe, 1/2 Teelöffel Salz.

Zubereitung des Teigs: 2 gehäufte Teelöffel des vorher gesiebte Mehl in eine kleine Schüssel geben, 125 ml warme Milch, 1 Eßlöffel Zucker und Hefe dazu. Alles gut durchmischen, verrühren und 10-15 Minuten stehen lassen. Danach in das restliche Mehl 125 ml warme Milch, den restlichen Zucker, Eigelb, Salz und Hefemischung geben. Alles gut und lang von Hand oder mit der Küchenmaschine kneten und warmes Sonnenblumenöl dazugeben. Aus dem Teig macht man dann eine Kugel und stellt sie in einer Schüssel an einem warmen Ort, abgedeckt mit einem Küchentuch, wo man sie eine Stunde gehen lassen sollte.

Zubereitung der Füllung: Am beliebtesten und berühmtesten sind in der russischen Küche folgende Piroggenfüllungen:

– Weißkohl mit gekochten Eiern;

– gekochte Eier mit Frühlingszwiebeln;

– Kartoffeln mit gerösteten Zwiebeln und Pilzen;

– Reis mit Frühlingszwiebeln und Eiern.

Zu unserer Füllung benötigen wir ca. 1 kg Kartoffeln, die wir schälen, garkochen und mit Milch sowie einem Stückchen Butter pürieren. Der Brei darf nicht zu flüssig, aber auch nicht zu hart sein. Ein bis zwei Handvoll getrockneter Pilze – möglichst aus den Wladimirer Wäldern -, vorher für zwei bis drei Stunden eingeweicht. Danach Sud abgießen und Pilze fein schneiden. 3 mittelgroße Zwiebeln schälen und in Sonnenblumenöl golden anbraten. Es muß genug Öl in der Pfanne sein, aber die Zwiebeln dürfen auch nicht im Öl schwimmen. Dann die Pilze dazugeben und kurz zusammen anbraten. Kartoffelbrei unterheben, Salz und Pfeffer nach Geschmack beigeben, abkühlen lassen.

Den Teig dünn ausrollen. Auf die eine Hälfte des Teiges die Füllung verteilen, mit der zweiten Hälfte alles abdecken und Ränder festmachen. Im abdeckenden Teil des Teigs zwei Ringe ausschneiden und daraus Tannenbäumchen oder andere Dekorationen formen, um die Pirogge damit zu verzieren. Ein Ei in einer Tasse mit einem Eßlöffel Milch gut verquirlen. Mit dieser Melange die Pirogge gut von oben und an den Seiten bepinseln, damit der Kuchen danach glänze. Ein Blech mit Öl bestreichen und die Pirogge drauflegen. Im Ofen bei 170° C auf der mittleren Ebene ca. 30 Minuten backen. Wenn die Pirogge fertig ist, wird sie dünn mit Butter bestrichen und warm serviert. Guten Appetit und noch einen gesegneten Advent!

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Noch ist es in Deutschland nicht so weit wie in den USA, wo gesetzlich vorgeschrieben sein soll, die Hexen darauf hinzuweisen, ein Besenstiel könne während eines nächtlichen Ausritts unter der Last des Hinterteils brechen. Aber die Klageritis greift auch hier um sich und ergreift nun offenbar auch die weiten russischen Lande.

Und so trug sich denn folgendes zu: Ein Leckermaul aus Jekaterinburg verklagte die Firma Mondelez, die in Pokrow, Region Wladimir, Milka-Schokolade für den russischen Markt herstellt – recht erfolgreich übrigens -, man verwende im Werk nicht, wie auf der Packung angegeben Alpenmilch. Nach zehnjährigem Konsum der Süßigkeit fühle er sich um seinen Genuß betrogen, weil er erst jetzt auf der Packung entdeckt habe, das Naschwerke werde in Kowrow, also in der osteuropäischen Ebene und nicht in den Bergen produziert. Wie, so der vermeintlich Geschädigte, könne es sein, daß „diese Milch von Kühen gegeben wird, die ihr ganzes Leben die frische Gebirgsluft, fette Wiesen und warmes Sonnenlicht genießen“? Und weiter auf der Packung: „Die Zauberwelt der Alpen hilft nicht nur, eine ganz zarte Schokolade herzustellen, sondern auch die Zartheit in jedem zu wecken, wer wenigstens einmal unsere Schokolade versucht hat.“

Diese Werbelyrik hielt der Kläger für eine Lüge und verlangte von der Firma nicht nur die Rückzahlung von 5.000 Rubeln für die von ihm gekauften Tafeln. Mehr noch, er forderte Schmerzensgeld in Höhe von einer halben Million Rubeln und eine Strafe von zweieinhalb Millionen Rubeln. Außerdem solle der Hersteller künftig den Hinweis auf die fiktive Herkunft der Milch weglassen.

Schokolade aus Pokrow

Aber siehe da: Der Hersteller konnte mit Hilfe der Mutterkonzerne  nachweisen HOCHDORF Swiss Nutrition AG und Emmi Schwiez AG nachweisen, daß die Schokolade sehr wohl Alpenmilch enthalte, freilich in pulverisierter Form aus der Schweiz. Somit hat also alles seine Richtigkeit und die Klage wurde abgewiesen, in erster Instanz. Der Fall ging dann auch noch in die Berufung, weil der rechthaberische Herr aus dem Ural meinte, auf der Packung müsse angegeben sein, daß lt. der Anwendung des technischen Reglements der Zollunion zwischen Minsk und Moskau auf die Unschädlichkeit der Milch und des Milchprodukts hinzuweisen sei. Womit wir wieder beim Besenstiel und den Hexen wären. Es ist leider nicht überliefert, womit der Kläger nach seinem Scheitern auch in der zweiten Instanz seinen Appetit auf Süßes stillt. Die Gerichts- und Anwaltskosten dürften ihn in nächster Zeit eher saure Milch schlürfen lassen.

P.S.: Hier noch Artikel im Blog aus dem Jahr 2010, der zwar noch zu aktualisieren wäre, aber Pokrow von seiner Schokoladenseite zeigt: https://is.gd/3yhhby

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In einem Wladimirer Haushalt wird nichts weggeworfen. Schon gleich gar kein Brot. Bleibt einmal etwas übrig, wird daraus im Handumdrehen ein warmes Frühstück oder, wenn Gäste da sind, eine Süßspeise feinster Güte. Nennen wir sie Armer Ritter aus Wladimir.

Man nehme gern schon älteres Weißbrot, Brötchen oder Hefezopf und schneide Scheiben mit einer Dicke von einem bis eineinhalb Zentimeter Stärke, die in einem Suppenteller kurz von beiden Seiten in Milche getaucht werden. Betonung auf „kurz“, damit es keinen Brei ergebe. In einem zweiten Teller dreht und wendet man die angefeuchteten Scheiben in Zucker und brät sie dann in zerlassener Butter bei mittlerer Hitze an, bis sich eine goldbraune Kruste gebildet hat. Wichtig: Die Temperatur darf nicht zu hoch sein, weil der Zucker sonst anbrennt und das Brot nicht aufgebacken wird. Ist es andererseits nicht heiß genug, könnte das Ergebnis eher matschig ausfallen.

Für zehn Portionen braucht man 800 g Aprikosen oder Zwetschen und Pflaumen, denen man, entkernt, 50 bis 100 g Zucker beigibt – zur Abrundung des Geschmacks auch eine Prise Zimt – und dann fünf bis sieben Minuten bei mittlerer Hitze aufkocht und abkühlen läßt.

Serviert wird der heiße Arme Ritter – zum köstlichen Abschluß eines Gastmahls – mit den Früchten, einer Kugel Eis, bestreut mit gemahlenem Mohn.

Soll es freilich zum Frühstück schnell gehen, schmeckt der Arme Ritter auch weniger aufwendig, sprich ohne all die Zutaten. „Probieren und genießen“, kann man da raten!

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