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Archive for the ‘Essen und Trinken’ Category


Noch ist es in Deutschland nicht so weit wie in den USA, wo gesetzlich vorgeschrieben sein soll, die Hexen darauf hinzuweisen, ein Besenstiel könne während eines nächtlichen Ausritts unter der Last des Hinterteils brechen. Aber die Klageritis greift auch hier um sich und ergreift nun offenbar auch die weiten russischen Lande.

Und so trug sich denn folgendes zu: Ein Leckermaul aus Jekaterinburg verklagte die Firma Mondelez, die in Pokrow, Region Wladimir, Milka-Schokolade für den russischen Markt herstellt – recht erfolgreich übrigens -, man verwende im Werk nicht, wie auf der Packung angegeben Alpenmilch. Nach zehnjährigem Konsum der Süßigkeit fühle er sich um seinen Genuß betrogen, weil er erst jetzt auf der Packung entdeckt habe, das Naschwerke werde in Kowrow, also in der osteuropäischen Ebene und nicht in den Bergen produziert. Wie, so der vermeintlich Geschädigte, könne es sein, daß „diese Milch von Kühen gegeben wird, die ihr ganzes Leben die frische Gebirgsluft, fette Wiesen und warmes Sonnenlicht genießen“? Und weiter auf der Packung: „Die Zauberwelt der Alpen hilft nicht nur, eine ganz zarte Schokolade herzustellen, sondern auch die Zartheit in jedem zu wecken, wer wenigstens einmal unsere Schokolade versucht hat.“

Diese Werbelyrik hielt der Kläger für eine Lüge und verlangte von der Firma nicht nur die Rückzahlung von 5.000 Rubeln für die von ihm gekauften Tafeln. Mehr noch, er forderte Schmerzensgeld in Höhe von einer halben Million Rubeln und eine Strafe von zweieinhalb Millionen Rubeln. Außerdem solle der Hersteller künftig den Hinweis auf die fiktive Herkunft der Milch weglassen.

Schokolade aus Pokrow

Aber siehe da: Der Hersteller konnte mit Hilfe der Mutterkonzerne  nachweisen HOCHDORF Swiss Nutrition AG und Emmi Schwiez AG nachweisen, daß die Schokolade sehr wohl Alpenmilch enthalte, freilich in pulverisierter Form aus der Schweiz. Somit hat also alles seine Richtigkeit und die Klage wurde abgewiesen, in erster Instanz. Der Fall ging dann auch noch in die Berufung, weil der rechthaberische Herr aus dem Ural meinte, auf der Packung müsse angegeben sein, daß lt. der Anwendung des technischen Reglements der Zollunion zwischen Minsk und Moskau auf die Unschädlichkeit der Milch und des Milchprodukts hinzuweisen sei. Womit wir wieder beim Besenstiel und den Hexen wären. Es ist leider nicht überliefert, womit der Kläger nach seinem Scheitern auch in der zweiten Instanz seinen Appetit auf Süßes stillt. Die Gerichts- und Anwaltskosten dürften ihn in nächster Zeit eher saure Milch schlürfen lassen.

P.S.: Hier noch Artikel im Blog aus dem Jahr 2010, der zwar noch zu aktualisieren wäre, aber Pokrow von seiner Schokoladenseite zeigt: https://is.gd/3yhhby

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In einem Wladimirer Haushalt wird nichts weggeworfen. Schon gleich gar kein Brot. Bleibt einmal etwas übrig, wird daraus im Handumdrehen ein warmes Frühstück oder, wenn Gäste da sind, eine Süßspeise feinster Güte. Nennen wir sie Armer Ritter aus Wladimir.

Man nehme gern schon älteres Weißbrot, Brötchen oder Hefezopf und schneide Scheiben mit einer Dicke von einem bis eineinhalb Zentimeter Stärke, die in einem Suppenteller kurz von beiden Seiten in Milche getaucht werden. Betonung auf „kurz“, damit es keinen Brei ergebe. In einem zweiten Teller dreht und wendet man die angefeuchteten Scheiben in Zucker und brät sie dann in zerlassener Butter bei mittlerer Hitze an, bis sich eine goldbraune Kruste gebildet hat. Wichtig: Die Temperatur darf nicht zu hoch sein, weil der Zucker sonst anbrennt und das Brot nicht aufgebacken wird. Ist es andererseits nicht heiß genug, könnte das Ergebnis eher matschig ausfallen.

Für zehn Portionen braucht man 800 g Aprikosen oder Zwetschen und Pflaumen, denen man, entkernt, 50 bis 100 g Zucker beigibt – zur Abrundung des Geschmacks auch eine Prise Zimt – und dann fünf bis sieben Minuten bei mittlerer Hitze aufkocht und abkühlen läßt.

Serviert wird der heiße Arme Ritter – zum köstlichen Abschluß eines Gastmahls – mit den Früchten, einer Kugel Eis, bestreut mit gemahlenem Mohn.

Soll es freilich zum Frühstück schnell gehen, schmeckt der Arme Ritter auch weniger aufwendig, sprich ohne all die Zutaten. „Probieren und genießen“, kann man da raten!

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Geht es nach Marga Güthlein und Fjodor Lawrow, wird im Gasthof und Hotel „Zur Einkehr“ nach längerer Pause schon bald wieder für einige Wochen eine Studentin der Akademie für Tourismus hospitieren. Darauf jedenfalls einigten sich gestern die Erlanger Wirtin und der Wladimirer Hochschulprofessor. Denn die Gastronomin war zufrieden mit den bisherigen angehenden Fachkräften aus der Partnerstadt und bietet nun die Fortsetzung des schon vor längerem von den Rotarieren erfolgreich initiierten Austauschprogramms an.

Marga Güthlein und Fjodor Lawrow

Diese Art der Zusammenarbeit macht übrigens bereits Schule. Fjodor Lawrow kam nämlich, bevor er heute wieder zurückreist, direkt aus Rothenburg o.d.T., wohin er zwei seiner Studentinnen begleitet hatte, die nun, vermittelt via Erlangen, erstmals auch dort hospitieren. Wieder so ein Projekt, mit dem die Partnerschaft über sich selbst hinauswächst.

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Kaufen kann man derartige Leckereien ohnehin kaum, jedenfalls nicht in Deutschland. Und ohnehin schmeckt alles, was man selbst eingelegt, eingeweckt oder eingekocht hat so viel besser. Besonders wenn es sich um Warenje handelt, diese typisch osteuropäische und kaukasische Köstlichkeit, vergleichbar mit einer Marmelade, in der die Früchte unzerkleinert bleiben und nur mit Zucker versetzt sind. Ungewöhnlich, aber durchaus schmackhaft, ist dieser süße Stoff mit – Gurken, eine Spezialität aus Susdal, wo man sich gerade auf das Gurkenfest vorbereitet.

Igor Kechter und sein Rezept

Man nehme dazu ein Kilogramm knackiger Bauerngurken, wasche und schneide sie in etwa ein Zentimeter große Stücke, gebe sie in ein Gefäß und streue 600 Gramm Zucker darüber (die russische Zunge liebt es möglichst süß, weshalb da für den deutschen Gaumen etwas gespart werden kann). Dann gibt man den Gurkenstücken ein paar Stunden Zeit, um ihren Saft austreten zu lassen, worauf man sie, abgeschmeckt mit dem Saft einer Zitrone, etwa zehn Minuten bei schwacher Hitze kochen läßt. Danach sollte die künftige Warenje ein wenig abkühlen und wieder für zehn Minuten kochen. Es folgt die gleiche Prozedur ein drittes und letztes Mal, wonach – wenn man es nicht gleich gekühlt für ungeduldige Gäste auf den Tisch bringen will – alles in sterilisierte Gläser abgefüllt und in die Speisekammer gebracht wird – für künftige Festtafeln. Das Rezept funktioniert übrigens auch, wenn man den Gurken Limette mit Pfefferminze oder Apfelstücke mit etwas Zimt beigibt.

Wie das dann im Herbst auch mit Kürbis geht, ist hier nachzulesen: https://is.gd/1LvDKV

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„Wladimirskij Standart“, ein nach eigener Darstellung junges und sich dynamisch entwickelndes Unternehmen, das im „ökologisch unbedenklichen Landkreis Raduga“ ganz in der Nähe der Partnerstadt angesiedelt ist, spezialisiert sich auf die Produktion von Wurstwaren und Tiefkühlkost. Im Angebot nun auch „Bayerische Würstchen“.

Auch wenn die Verpackung eher auf knackende Wienerle schließen läßt und hierzulande niemand etwas mit dem Begriff „bayerische Würstchen“ anzufangen weiß, wäre die Sache doch einmal einen Selbstversuch wert. Zu haben sind die Würstchen jedenfalls in allen Supermärkten der Partnerstadt, denn der Hersteller wirbt ja auch einehmend noch mit „dem Echten und Eigenen“. Im Kulinarischen ist das ja mit der nationalen Zuordnung immer so eine Sache. So wird man zum Beispiel auf keiner Speisekarte zwischen Samara und Surgut „russische Eier“ finden. Also lassen wir auch den Wladimirern ihre „bayerischen Würstchen“, obwohl es schon überlegenswert wäre, in der Partnerstadt auch einmal Bratwürste nach einem Erlanger Rezept anzubieten.

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Die Agentur Tour-Stat befragte unlängst russische Touristen, wohin sie am liebsten innerhalb des Landes reisen, um dort die Gastronomie zu genießen. Drei Prozent davon nannten Susdal. Die Stadt am Goldenen Ring belegte damit gemeinsam mit Sotschi den zehnten Platz. Ganz vorne liegt mit 16% der Stimmen Sankt Petersburg, gefolgt von Kasan und Moskau. Gefragt wurde übrigens auch nach den Lieblingszielen für russische Feinschmecker im Ausland. Da favorisierte man Weißrußland vor Georgien, Italien, Armenien und Frankreich. Deutschland folgt unter ferner liefen, obwohl zumindest die Gäste aus Wladimir doch vor allem die fränkischen Wurstwaren und das hiesige Bier schätzen. Das hat sich wohl noch nicht landesweit herumgesprochen. Wie auch immer: Für alle Topfgucker der Hinweis darauf, daß heute in Susdal der Tag der nachhaltigen Gastronomie begangen wird – mit einer Küche aus lokalen Zutaten. Hungers dahinserbeln wird aber auch so in Rothenburgs Partnerstadt niemand, allerdings sind die Preise in den Lokalen durchaus gepfeffert und gesalzen.

Für diejenigen also, die heute Hausmannskost genießen, ein ganz einfaches Rezept, das sich nach jedem Mahl empfiehlt: Ein Café glacé à la russe, der immer gelingt, gleich ob mit Mokka, Kaffee, Muckefuck oder Kakao. Nach russischem Gusto – im Unterschied zur deutschen Variante des Eiskaffees – sollte das Getränk nur wirklich frisch aufgebrüht oder angerührt sein – und noch schön heiß. Wichtig auch, nur wirklich gutes Eis als Einlage zu nehmen. Am besten mit viel Sahne, wie im Plombir. Das erspart die Beigabe von Zucker und Milch sowie Schlagobers.

Und zum Nachtisch noch eine Sentenz von Alexander Puschkin, der meinte: „Der Magen eines gebildeten Menschen hat die besten Eigenschaften eines edlen Herzens: Sensibilität und Dankbarkeit.“ Dem Sinnspruch des russischen Dichterfürsten wollen wir uns als Genießer würdig erweisen.

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Wer sich in der zurückliegenden und in den Kartagen ihrem Höhepunkt entgegengehenden Fastenzeit einer gewissen Enthaltsamkeit befleißigte, hat jetzt allen Grund zur Vorfreude auf die sündhaft leckeren Köstlichkeiten der russischen Osterküche, auch wenn das Fest der Auferstehung erst am Sonntag in einer Woche auf dem rechtgläubigen Kalender steht. Denn es steht geschrieben: Wenn’s dem Orthodoxen schmeckt, leckt der Katholik die Lippen. Zugegeben, nicht ganz politisch korrekt und integrativ, aber es mag wohl auch für andere Konfessionen, Religionen, Häretiker, Agnostiker und – in Gottes Namen – auch Atheisten gelten, hält man sich denn an die strenge Regel, das folgende Rezept, entnommen dem formidablen Kochbuch von Anna Schukowa, der Wladimirer Großmeisterin der Gastronomie, erst am Karsamstag anzuwenden und die Paßcha dann an Ostern zu genießen. Wie das anzufangen sei, heute schon im Blog, damit morgen die notwendigen Einkäufe getätigt werden können. Man braucht nämlich:

450 g Butter, fünf bis sechs Eidotter, 500 g Zucker, ein Kilo Topfen (z.B. handgeschöpfter Bio-Topfen von Andechser Natur), 300 ml Sahne (am besten mit 30% Fettstufe im Glas aus dem Bioladen), je 100 g Rosinen, Mandeln und Zitronat / Orangeat sowie je einen halben Teelöffel Kardamom und Vanillepulver.

Die Zubereitung der Paßcha erfolgt in drei Schritten:

  1. Die warme Butter mit dem Zucker aufquirlen, die Dotter einzeln hinzugeben und die Masse weiter rühren, bis sich die Zuckerkristalle ganz aufgelöst haben, damit die Paßcha eine cremig-zarte Konsistenz erhalte.
  2. Aromatisieren läßt sich die Paßcha am besten durch die Beigabe von Kardamom und Vanillepulver.
  3. Nun kommt der Topfen an die Reihe – und mit ihm die Rosinen, die kleingeschnittenen Mandelstifte und das Zitronat. Alles gut umrühren und dann die geschlagene Sahne dazugeben. Wiederum alles sorgfältig vermischen, von unten nach oben und von oben nach unten, und dann in eine mit einem angefeuchteten Tuch ausgelegte Form füllen, oben mit einem Teller abschließen (er sorgt für den nötigen leichten Druck) und für zwölf Stunden in den Kühlschrank stellen.

Vor dem Servieren kommt noch das Verzieren mit Beeren oder Gummibären (für die Kleinen), gottgefällig mit dem orthodoxen Zeichen XB, das als Христос Воскрес, Christ ist erstanden, zu lesen ist. Dann gibt es kein Halten mehr, zumal die Speise wegen der rohen Eier als leicht verderblich-sterblich gilt.

Paßcha 1

Hinweis zur Güte: Diese Paßcha ist aus der Hälfte der o.g. Zutatenmenge entstanden.

P.S.: Der Jourdienst des Blogs begeht die hoffentlich nur läßliche Sünde des vorgezogenen Fastenbrechens natürlich einzig um der geneigten Leserschaft willen.

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