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Archive for the ‘Erlangen-Haus’ Category


Wer schickt in Zeiten von Mail und Messenger noch wem Nachrichten mit der Schneckenpost in Form von Postkarten? Wohl nur, wer andere überraschen, wer anderen eine unerwartete Freude machen will. In Abwandlung eines Bonmots von Denis Diderot besteht nämlich die Kunst des Kartenschreibens in nichts anderem als in der „Kunst die Arme zu verlängern, um die Lieben in der Ferne zu umarmen. Dieser Gedanke steht hinter einer Initiative des Teams für Städtepartnerschaften und Internationale Kontakte im Erlanger Rathaus, die mit Hilfe der Graphikerin Ina Meillan Gestalt annahm und in alle Welt verschickt werden kann: https://is.gd/XsNywV

Wer nun also noch nicht im Besitz einer solchen Karte ist oder glaubt, sie komme ohnehin nicht an, lasse sich eines Besseren belehren und das Bild betrachten, das Swetlana Schelesowa, stellv. Leiterin des Erlangen-Hauses, gestern ohne Worte – zugegeben digital – schickte, nur mit einem glücklichen Lächeln angesichts des Grußes aus der Stadt an der Regnitz, die seit Anfang März keinen einzigen Gast mehr entsandt hat.

Swetlana Schelesowa

Sie fragen noch, wie lange die Karte unterwegs war? Gegenfrage: Was spielt das für eine Rolle bei dem Lächeln? Warum also lange warten? Greifen Sie zu Stift und Karten!

Erlangen-Haus 2

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Das Erlangen-Haus in Wladimir, immer wieder das Erlangen-Haus als Drehscheibe, Kopfbahnhof und Heimathafen der Partnerschaft. Oder, wie vor 25 Jahren bei der Einweihung der Regionalbeauftragte der Deutschen Botschaft Moskau, Frank Hoffer, im Interview mit Axel Mölkner meinte, „in diesem Sinne sicher ein Vorbild für viele andere.“

Damals, vor einem Vierteljahrhundert, mit dabei auch Hans Zahn, der den Besuch in Wladimir nutzte, um als Gast seines Künstlerfreunds, Pjotr Dik, verschiedene Arbeiten vor allem in Susdal zu schaffen. Darunter auch ein Aquarell des Erlangen-Hauses, das er der Stadt Erlangen schenkte.

Hans Zahn: Erlangen-Haus 1995

Und dann, fünf Jahre später, reiste er wieder mit in die Partnerstadt und machte dort erneut eine Skizze vom Erlangen-Haus. Das daraus entstandene Aquarell stellte er auf den Tag genau vor zwanzig Jahren, am 27. Mai 2000, fertig.

Hans Zahn: Erlangen-Haus 2000

Mehr zu Hans Zahn, der am 1. Januar 2019 verstarb, unter diesem Link: https://is.gd/SO9O0J

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„Gar nicht so schwer“, meint Koch Dmitrij Sablin, „eine Schwarzwälder Kirschtorte à la Wladimir zu backen“, sicher nicht nur weil ja die dafür notwendige Schattenmorelle vor der Haustür des Park-Hotels Wosnesenkaja Sloboda am Sonnenhang der Partnerstadt wächst, sondern wohl vor allem, weil ihm seine charmant kommentierende und parlierende Chefin, Anna Schukowa, die Präsidentin des Regionalen Hotel- und Gaststättenverbands der Region, kundig zur Hand geht. Was im Video eine geraffte und kurzweile Viertelstunde dauert, braucht in Echtzeit zwei Stunden. Etwas länger nun brauchte die kunstvolle filmische Montage des Zuckerbäckergrußes zum 25 Jubiläum des Erlangen-Hauses.

Geburtstagstorte der Volkshochschule für das Erlangen-Haus im Januar d.J.

Ausgeliefert jedenfalls, das dokumentiert der professionell gestaltete Streifen, wurde die vom Rathaus Erlangen bestellte Geburtstagstorte an die sprachlos überraschte Irina Chasowa, die Direktorin des Erlangen-Hauses, am 7. Mai, wo, Corona sei’s geklagt, gemeinsam hätte gefeiert werden sollen. Wenn die Erlanger aber schon selbst nicht kommen können, schicken sie wenigstens süße Grüße. Und Anna Schukowa gratuliert den Partnerstädten – mit einem sympathischen Versprecher – zum 25. Jubiläum der Freundschaft sowie Oberbürgermeister, Florian Janik, den sie im Dezember 2017 kennengelernt hatte, nachträglich zur Wiederwahl und zum 40. Geburtstag.

Florian Janik und Anna Schukowa, Dezember 2017

Jetzt aber endlich zum Video, sehenswert, auch wenn man der russischen Sprache (noch) nicht mächtig ist: https://yadi.sk/i/kDPy1MgA1IkjNw

Schwarzwälder Kirschtorte à la Wladimir

Aber es sprechen ja auch die Bilder für sich…

Erlangen-Haus Geburtstagstorte 1

Die „Geburtstagskinder“ Natalia Korssakowa und Irina Chasowa

 

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Eigentlich wäre ich heute zum 75. Jubiläum des Tags des Sieges in Wladimir. Ich hätte eine Delegation aus der Partnerstadt Erlangen begleitet. Vor genau 25 Jahren, am 9. Mai 1995, war ich zum 50. Jahrestag des Kriegsendes auch in Wladimir. Eine von fünf Reisen dorthin in den 90ern, auf der ich viel gelernt habe über Rußland und die Russen. Dafür profitiere ich bis heute und bin sehr dankbar dafür. #niewiederkrieg hat für mich damals eine sehr klare Bedeutung bekommen. Und ich spüre bis heute eine sehr enge Verbindung nach Wladimir und zu den Freunden dort. Deswegen habe ich ein paar alte Dias zum 9. Mai herausgesucht.

So schrieb gestern der Journalist Axel Mölkner-Kappl auf Facebook und fügte dann in einer Notiz für die Blog-Redaktion hinzu:

Ich spüre in diesen Tagen, wie wichtig es ist, daß wir dahinreisen – sobald es die Gelegenheit dazu gibt. Ich freue mich drauf.

Diesen Erinnerungsschatz will der Blog gerne zu heben helfen. Deshalb hier eine Abfolge von Aufnahmen, die ein Vierteljahrhundert alt, aber auch von ungeahnter Aktualität sind.

An bekannten Gesichtern auf dem Bild zu sehen: Andrej Filinow, Journalist und heute Intendant des Lokalsenders Wladimir, Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg und Peter Steger; der Herr, der sich zu dem Kind umdreht, ist Jurij Fjodorow, Vater der Partnerschaft auf russischer Seite. 9. Mai 1995

Erlangen-Haus Jubiläum 11

Andrej Filinow mit seiner Frau Tatjana am 9. Mai 2019

Gabriel Lisiecki vom Erlanger Bürgermeister- und Presseamt und Dietmar Hahlweg legen am Platz des Sieges einen Kranz nieder.  9. Mai 1995

 

Rechts im Bild der Weltkriegsveteran Nikolaj Schtschelkongow. 9. Mai 1995

Erlangen-Haus Jubiläum 7

Der 50. Jahrestag des Großen Sieges. 9. Mai 1995

Ganz bewußt zum 50. Jahrestag des Kriegsendes wurde vor 25 Jahren als Zeichen des Friedens und der Verständigung in Wladimir das Erlangen-Haus eröffnet. Auch hierzu hat Axel Mölkner-Kappl ein Dia ausgegraben und digitalisiert.

7. Mai 1995: Peter Steger, die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, sowie Tatjana Garischina, die erste Leiterin des Erlangen-Hauses; dahinter Percy Gurwitz, Jurij Fjodorow, Frank Hoffer, Deutsche Botschaft Moskau, Gouverneur Jurij Wlassow und Nikolaj Winogradow, Vorsitzender der Regionalduma

Und wenn wir schon bei Botschaften sind. Elisabeth Preuß, die – man kann es kaum anders sagen – eine Seelenverwandtschaft mit Wladimir verbindet, nahm in den letzten Stunden ihrer Amtszeit als Bürgermeisterin auf bewegende Weise Abschied vom Erlangen-Haus. Sicher nur in ihrer politischen Funktion. Sicher nicht als Wahl-Wladimirerin. Aber hören und sehen Sie selbst:

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Heute vor 25 Jahren, am Vorabend zum 50. Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus, eröffneten die beiden Oberbürgermeister, Dietmar Hahlweg und Igor Schamow, das Erlangen-Haus in Wladimir als Botschaft der Bürgerpartnerschaft, der Volksdiplomatie und der Verständigung zwischen Deutschen und Russen. Nach zweieinhalbjähriger Bau- und Sanierungsarbeit einer deutsch-russischen Brigade unter Leitung von Kira Limonowa und Helmut Eichler und einer heute wohl so kaum mehr möglichen Spendenaktion gelang es, am 7. Mai 1995 das einstige Kaufmannshaus, mittlerweile schon fast abrißreif, als Begegnungsstätte einzuweihen, die schon sechs Jahre später vom damaligen Bundespräsidenten, Johannes Rau, mit dem „1. Preis für bürgerschaftliches Engagement in Rußland“ ausgezeichnet wurde. In der Zwischenzeit hatte das Team – zunächst unter Leitung von Tatjana Garischina, später von Jelena Jewtuchina-Tschilimowa und schließlich von Irina Chasowa – mit Hilfe der Volkshochschule Erlangen, namentlich Klaus Wrobel und Reinhard Beer, neben dem Gästetrakt die Deutschkurse in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Moskau derart erfolgreich aufgebaut, daß man ein eigenes, zertifiziertes Sprachlernzentrum etablieren konnte, das jedes Audit mit Bestnoten besteht und als erste Adresse für alle Lernwilligen gilt.

Zoom-Konferenz mit dem Erlangen-Haus

Dies und vieles mehr sollte heute eigentlich mit einer großen Delegation aus Erlangen unter Leitung des soeben im Amt bestätigten Oberbürgermeisters, Florian Janik, gewürdigt und gefeiert werden. Aber wenn der Virus es so will, steht die Partnerschaft ganz still. Nicht ganz! Immerhin gibt es ja das Internet mit den Sozialen Netzwerken, den Blog und neuerdings auch Zoom, ein Medium, das auf Initiative von Tatjana Kirssanowa, der Leiterin der Deutschkurse, dieser Tage erstmals genutzt wurde, um aktuelle Fragen mit den Freunden in Erlangen zu besprechen. Sicher nicht zum letzten Mal.

Florian Janik bei der Aufzeichnung seiner Grußbotschaft

Und es gibt die kleinen Videobotschaften, aufgenommen von TV Мы. Das Team Amil Scharifow – Peter Steger verfügt zwar noch nicht über alle technischen Möglichkeiten und Fertigkeiten, aber die ersten Versuche sind es wert, auch wenn manches Mal der Wind gar zu laut ums Smartphone pfeifen mag. Diese technischen Unzulänglichkeiten bittet das Duo, großmütig zu entschuldigen, und gelobt Besserung.

Amil Scharifow und Siegfried Balleis bei der Aufzeichnung der Grußbotschaft

Immerhin erhalten so neben Dietmar Hahlweg, dem Begründer der Partnerschaft und Visionär des Erlangen-Hauses, auch seine Nachfolger im Amt, Siegfried Balleis und Florian Janik, Gelegenheit, einen Gruß an das Team des Erlangen-Hauses zu richten.

Dietmar Hahlweg bei der Aufzeichnung seiner Grußbotschaft

Aber auch die beiden Stadträtinnen, Birgitt Aßmus und Anette Christian, beide Mitglieder des Vorstands der Stiftung Erlangen-Haus, und Wolfram Howein, Berater und Revisor, sowie Reinhard Beer, stellvertretender Leiter der Volkshochschule und seit einem Vierteljahrhundert Förderer der Deutschkurse, kommen in eigenen Grußbotschaften zu Wort.

Amil Scharifow bei der Aufzeichnung der Grußbotschaft von Reinhard Beer, Wolfram Howein und Anette Christian

Dies alles kann natürlich das geplante Gartenfest im Erlangen-Haus nicht ersetzen, kann nur ein kleiner Trost für die ausgefallenen persönlichen Begegnungen sein, kann lediglich als Versprechen verstanden werden, das Treffen sobald als möglich nachzuholen, denn, wie Dietmar Hahlweg in seinem Grußwort sagt: „Wir brauchen das Erlangen-Haus gerade heute mehr denn je!“

Und so gratuliert denn auch der Blog im Namen all der vielen Gäste aus Erlangen dem liebreizenden Team vom Erlangen-Haus zu der fünfundzwanzigjährigen Erfolgsgeschichte. Man kann ohne jede Übertreibung sagen: Ohne das Erlangen-Haus wäre die Partnerschaft mit Wladimir nicht das, wofür wir alle diese einzigartig intensive und vielseitige deutsch-russische Zusammenarbeit so sehr schätzen. Ihr seid die besten! Молодцы!

Swetlana Schelesowa, Natalia Korssakowa, Irina Chasowa und Tatjana Kirssanowa

Und hier geht es nun zu den Videobotschaften: https://is.gd/ibWNdz und https://is.gd/veqAHA sowie https://is.gd/2F2W69

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Wer Bambus malen will, muß ihn im Herzen haben.

(Fernöstliche Weisheit)

Zunächst möchte ich sehr gerne herzliche Grüße nach Erlangen an alle Blog-Leser richten, die mich noch kennen, mit einigen bin ich leider nicht mehr in Kontakt. Und zwar an Irina Seidner (Gossmann), Kristina Werner, Gerhard Kreitz, Tatjana Parilowa, Georg Schneider und Peter Steger.

 

Heutzutage wird das Thema Berufung, oder, wie es John Strelecky nennt, Zweck der Existenz, oft diskutiert. Ich habe mir auch darüber Gedanken gemacht. Wenn unsere Arbeit da halbe Leben ist, dann sollten wir davon profitieren. Und nicht nur im finanziellen Sinne! Auf welcher Weise kann es begriffen werden, wofür unser Herz schlägt? Die Antwort auf diese Frage habe ich erst vor einigen Monaten gefunden, blieb aber jahrelang meinem Bauchgefühl treu.

Aus meiner persönlichen und sehr subjektiven Sicht ist es die wahre Berufung erst dann, wenn man sich mit einer gewissen Tätigkeit ehrenamtlich und uneigennützig beschäftigen kann. Wenn man Hobbys in einen Job umwandelt und dadurch nicht nur vergütet, sondern auch erfüllt wird. Das klingt märchenhaft, nicht wahr?

Wie die deutsche Sprache klingt, habe ich zum ersten Mal in einem Waldorfkindergarten begriffen, den ich mehrere Jahre lang nach einer damals tapferen Entscheidung meiner lieben Eltern besuchte. Mit 18 absolvierte ich eine Waldorfschule, wo Deutsch als erste Fremdsprache vermittelt wurde. Ungeachtet der unmittelbaren Nähe zur deutschen Kultur sowie anthroposophischen Pädagogik von Rudolf Steiner und zahlreichen Möglichkeiten, mit deutschen Gästen ins Gespräch zu kommen, blieb mein Verhältnis zur deutschen Sprache weiterhin kühl.

2008 wurde ich an der Wladimirer Pädagogischen Universität (die historische Fakultät) immatrikuliert. Zu jener Zeit stand Geschichte im Vordergrund, und Deutsch als Fremdsprache wurde mein zweites Fach im Studiengang. Am Wendepunkt meines Prioritätenwechsels lag die Anmeldung 2010 zu einem allgemeinen B1-Deutschsprachkurs im Erlangen-Haus.

Zwischenfazit 1: Jede bewußt gelernte Fremdsprache gewinnt für dich erst dann an Aktualität, wenn sie zu deinem Lebensbedarf gehört und eine praktische Anwendung in deinem Alltag findet!

Durch den spannenden Lernprozeß und eine kompetente Betreuung meiner Lehrerinnen, Tatjana Kirssanowa und Marina Gailit, wurde die Deutsche Sprache ein Werkzeug, ein Schlüssel zu einer lebendigen Kommunikation.

Zwischenfazit 2: Habe keine Angst vor Fehlern. Statt dessen mach Deine Fehler zu deinen besten Lehrern und wachse daran! Sei begehrlich nach Sprachkenntnissen und setze sie in die Praxis um! Die deutsche Sprache ist ein Werkzeug der Kommunikation und kein Museumsgegenstand.

Ich habe sehr gut meinen ersten B1-Sprachkurs bei Tatjana Kirssanowa in Erinnerung. Vor dem Unterrichtsbeginn sollten wir zwei Fragen beantworten: „Wie geht es Dir/Ihnen?“ und „Was gibt’s Neues?“. Jeder Teilnehmer sollte von einer interessanten Tatsache aus seinem Alltag berichten. Manchmal blieb ich vor der Eingangstür kurz stehen, um meine chaotischen Gedanken in Ordnung zu bringen und ein sinnvolles Ereignis aus meinem Leben als Antwort auf die kommenden Fragen zu formulieren. Vermutlich halten Sie dieses Benehmen für Blödsinn, doch das zeugt, meines Erachtens, von Verantwortung und Selbstdisziplin.

Iwan Nisowzew, Anna Kulakowa, Anastasia Owtscharow, Johanna Großer und Regina Halbfinger, 2017 in Jena

Zwischenfazit 3: Nimm das Erlernen der deutschen Sprache wahr! Erweitere gewissenhaft deine Wortschatz sowie Grammatikkenntnisse. Führe deine Notizen ordentlich, lies sie immer wieder, hefte alle erhaltenen Kopien ab! Denke während des Sprechens. Du trägst in gewissem Sinne eine Verantwortung für deine gesprochenen Gedanken. Es ist ganz gleich, ob es sich um eine Fremdsprache oder um deine Muttersprache handelt.

2010 habe ich an meiner ersten Sprachreise nach Erlangen teilgenommen und bereiste das Heimatland von Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller. Daraus haben sich bereichernde Freundschaften und Bekanntschaften herauskristallisiert, auf die ich bis heute großen Wert lege. Durch diese beeindruckende Reise wurde mein Interesse sowohl an der Vielfältigkeit der deutschen Sprache als auch an der deutschen Kultur geweckt. Deutsche Filme, Literatur, Kommunikation mit Muttersprachlern habe ich seitdem in mein alltägliches Leben einbezogen.

Zwischenfazit 4: Schaffe um dich herum ein kommunikatives Umfeld! Schaue Filme auf Deutsch mit und ohne Untertiteln, höre deutsche Radiosendungen, lies Online-Zeitungen, gründe ein Sprachtandem und setzte deine erworbenen Kenntnisse bei einer Tasse Kaffee oder Tee in die Praxis um. Lerne auf Deutsch zu denken, führe Dialoge mit dir selbst und auch bei Gelegenheit mit Muttersprachlern.

2013 schloß ich mein Studium als Lehrerin für Geschichte und Deutsch als Fremdsprache an der Wladimirer Pädagogischen Universität ab und fuhr für ein Jahr nach Deutschland. Der Wladimirer Euroklub bot mir eine Stelle als Freiwillige in unserer Partnerstadt Jena an. Für diese Gelegenheit bin ich Jelena Guskowa und Cornelia Bartlau sehr dankbar! Während meines Europäischen Freiwilligen Sozialen Jahres sammelte ich wertvolle Erfahrungen. Ich arbeitete in einem Jugendzentrum und organisierte rußlandorientierte Projekte für Jugendliche. Koch- und Länderabende, landeskundliche Spiele, Sprachanimation erweisen sich als besonders erfolgreich. Nebenbei bereiste ich Deutschland, nahm an einem deutsch-tschechischen Filmprojekt teil und knüpfte Kontakte.

Zwischenfazit 5: Sammle verschiedenartige Erfahrungen, reise und erweitere deinen Horizont, dein Bewußtsein. Halte dich auf dem laufenden in bezug auf Europäische Programme und Projekte, knüpfe Kontakte und pflege Freundschaften!

Mein unvergeßlicher Europäischer Freiwilliger Dienst legte die Basis für meine weitere sprachliche und persönliche Entwicklung. Ein paar Jahre widmete ich der Forschung der deutschen Sprache und Literatur. 2017 schloß ich erfolgreich mein Masterstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ab. Als Sprachdozentin für Deutsch als Fremdsprache, Deutsch als Zweitsprache war ich viel in der Türkei und in Deutschland unterwegs. Ich unterrichtete Deutsch in verschiedenen Kontexten und heterogenen Gruppen. Im Moment unterrichte ich online und bin als DaF/DaZ-Dozentin an einem Interkulturellen Zentrum für Bildung und Kommunikation in Rudolstadt tätig.

Meine jetzige Arbeit erfüllt mich und hält mich in einer ständigen Entwicklung. Ich wünsche jedem, seinen Beruf zur Berufung zu machen.

Fazit: Lerne in jedem Alter und bei jeder Gelegenheit! Habe unbedingt Spaß damit!

Mit einem schönen Zitat von Johann Wolfgang von Goethe komme ich zum Ende meines Berichts und danke Dir recht herzlich für die investierte Zeit und Geduld. Hoffentlich kannst Du aus diesem Text Inspiration schöpfen. Viel Erfolg auf Deinem Wege!

Nichts auf der Erde ist ohne Beschwerlichkeit! Nur der innere Trieb, die Lust, die Liebe helfen uns Hindernisse überwinden, Wege bahnen und uns aus dem engen Kreise, worin sich andere kümmerlich abängstigen, emporheben.

Herzliche Grüße aus der Lichtstadt Jena!

Anna Kulakowa

P.S.: Anna Kulakowa wollte ursprünglich in diesem Artikel auch Bernd Uebel grüßen, erfuhr dann aber von dessen Tod, der sie zutiefst erschütterte und schreiben ließ: „Mein Beileid. Ich kannte Bernd seit acht Jahren… Seit meiner ersten Reise nach Erlangen. Ein strahlender Mensch mit einem großen Herzen.“

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Lieber Peter, liebe Freunde in Erlangen,

unser Leben ist voll von Prüfungen. Im Moment ist so eine Zeit. Die Corona-Pandemie hat die ganze Welt fest im Griff. Ostern feiern wir dieses Jahr auch unter nie gekannten Bedingungen. Vieles fällt aus, ganz zu schweigen von langen Reisen, die momentan nicht erlaubt sind. Trotzdem bleiben wir in Gedanken bei Euch, unsere lieben Freunde! Wir drücken Euch ganz fest und wünschen trotz Corona ein Frohes Ostern!

Ostern 1

Unser Erlangen-Haus ist jetzt wegen der Ausgangssperre ganz leer: keine Besucher, keine Hotelgäste und natürlich keine Kursteilnehmer. Doch wir bleiben optimistisch und geben nicht auf: Mit dem Deutschkurs geht es weiter, allerdings  in einem anderen Format, online. Schöne Ostern mit großer Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen

das Team vom Erlangen-Haus

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Während die Infektionszahlen in der Region Wladimir steigen – mittlerweile bestätigen die Behörden zwölf Ansteckungen mit COVID-19 einschließlich ein Todesfall – und die Austauschmaßnahmen zwischen Erlangen und der Partnerstadt naturgemäß auf unbestimmte Zeit ruhen, nutzt der Euroklub die Muße, Wladimirs internationale Beziehungen in Form von Kurzvideos vorzustellen. Gestern hatte nun die Präsentation Erlangens ihre Premiere, freilich in russischer Sprache, aber der Film ist ja auch für das russische Publikum gedacht: https://is.gd/xAUNOj

Erlangen-Haus – geschlossen bis zum 30. April mdB, die Post in den Briefkasten zu werfen und Kontakt per Mail oder Anruf aufzunehmen.

Das mit dem „Ruhen“ kann natürlich bei einer Partnerschaft wie der unseren nicht ganz stimmen. Vielmehr schwingt die Unruh unverzagt weiter. So erhielt das Projekt des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaft an der Universität Wladimir soeben die Zusage zur Fortsetzung seiner Kooperation mit der FAU, und eine für Anfang Mai in Wladimir geplante Ausstellung der beiden Kunstvereine ist nun als Internetpräsentation in Vorbereitung.

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Noch immer gibt es gottlob weder in der Partnerstadt noch in der Region Wladimir einen Fall von Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus. 147 sind das freilich inzwischen landesweit. Aber 155 Menschen – Stand: 9.00 Uhr, 18. März – befinden sich laut Gesundheitsbehörden der RegionWladimir in häuslicher Quarantäne und werden ärztlich überwacht. Am 23. März soll vorsorglich ein „Observatorium“ mit 75 Betten für Verdachtsfälle eingerichtet werden, und 200 Freiwillige mit medizinischer Ausbildung stehen zur Diagnose abrufbereit. Außerdem gibt es im Landkreis Alexandrow ein Zentrum zur Isolierung von bis zu 15 Patienten. Vorsorge für den Ernstfall ist also getroffen.

Unterdessen schließt auch das Erlangen-Haus seine Türen und stellt die Deutschkurse auf Fernunterricht um. Das Team um Irina Chasowa richtet einen Jour-Dienst ein und ist nur noch fernmündlich oder per Mail zu erreichen. Eine sicher richtige Maßnahme, um den Vorsprung gegenüber den Risikogebieten, zu denen ja leider auch Deutschland gehört, zu nutzen. Leider kommt es auch in Wladimir zu all den unschönen Nebenerscheinungen wie Hamsterkäufen, wobei hier das Objekt der Begierde hauptsächlich Buchweizen sein soll.

Manches läuft allerdings noch halbherzig. So bleibt die Gemäldegalerie vorerst noch geöffnet, wenn auch eingeschränkt und unter Auflagen: Weder touristische Gruppen, noch ausländische Staatsbürger oder Besucher mit einer Körpertemperatur über 37,2° C erhalten Einlaß. Außerdem gibt es die Auflage, selbst mitgebrachten Mundschutz zu tragen.

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1985 verstarb achzigjährig in Moskau der Kunsttheoretiker Michail Bachtin, dessen These von „Literatur und Karnveal“ bis heute Einfluß auf die Deutung von Prosa ausübt. Folgt man ihr, war die Karnevalszeit in allen Epochen ein kleiner Sieg über das offizielle Leben. Begleitet von Bildern aus dem Erlangen-Haus deshalb einige Zitate des Gelehrten, die etwas Ernst in die närrische Zeit bringen, die ja auch schon wieder einige Zeit hinter uns liegt.

Karneval 1

Das festtägliche Lachen des Volkes schließt nicht nur das Moment des Sieges über die Furcht vor den Schrecken des Jenseits, vor dem Geheiligten, vor dem Tod in sich ein, sondern auch das Moment des Sieges über jede Gewalt, über die irdischen Herrscher, über die Mächtigen der Erde, über alles was knechtet und begrenzt.

Karneval 2

In der Zeit wurde den Menschen bewußt und sie begriffen, daß das Lachen keine Scheiterhaufen aufrichtet, daß Heuchelei und Betrug niemals lachen, sondern eine ernsthafte Maske anlegen, daß das Lachen keine Dogmen erzeugt und keine Autorität aufrichtet, daß das Lachen nicht von Furcht, sondern vom Bewußtsein der Kraft zeugt, daß das Lachen mit Zeugungsakt, Geburt, Erneuerung, Fruchtbarkeit, Überfluß, Essen und Trinken, mit der irdischen Unsterblichkeit des Volkes, endlich mit der Zukunft und dem Neuen zusammenhängt, daß es ihnen den Weg bahnt.

Karneval 3

Die Darstellungen von Chimären, komischer Teufel, Gauklern mit ihren akrobatischen Tricks, maskierte Figuren und parodistischen Szenen.

Karneval 5

Im Grotesken wächst der Leib über sich hinaus, überschreitet er seine Grenzen; die wichtigsten Körperteile dabei sind: die Nase, der Mund, der Bauch und das Geschlechtsorgan. Zu dem grotesken Leib gehört jedoch noch viel mehr, als diese vier:

Karneval 6

Die wesentlichen Ereignisse im Leben des grotesken Leibes, sozusagen die Akte des Körper-Dramas, Essen, Trinken, Ausscheidungen (Kot, Urin, Schweiß, Nasenschleim, Mundschleim), Begattung, Schwangerschaft, Niederkunft, Körperwuchs, Alter, Krankheiten, Tod, Zerfetzung, Zerteilung, Verschlingung durch einen anderen Leib – alles das vollzieht sich an den Grenzen von Leib und Welt, an der Grenzen des alten und neuen Leibes.

Karneval 7

Es geht nicht nur um den äußeren, sondern auch den inneren Anblick des Leibes: das Blut, das Gedärm, das Herz und die anderen inneren Organe.

Karneval 8

Dem seit dem Mittelalter gültigen Bild vom völlig fertigen, abgeschlossenen, streng abgegrenzten, von außen betrachteten, unvermischten, individuell-ausdrucksvollen Leib steht der groteske Leib gegenüber, ein werdender Leib, der niemals fertig, niemals abgeschlossen ist.

Doch genug des Ernstes der Theorie. Obwohl ja auf einigen Bildern zu erkennen ist, wie ernst bei allem tollen Treiben das Lesen und Schreiben genommen werden. Eben ganz nach Bachtins Motto vom Ernst des Lachens.

 

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