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Archive for 10. Mai 2021


Wie schon im Vorjahr, so beging man auch gestern in Wladimir den Tag des Sieges unter den Bedingungen der Pandemie: keine Parade und Umzüge, nur stille Kranzniederlegungen und Erinnerungsveranstaltungen im Internet, eher ein familiäres Gedenken der Opfer. Mehr als 300.000 Mann stellte die Region Wladimir für den Kampf gegen die Wehrmacht, weniger als die Hälfte von ihnen kehrte von der Front zurück. Hundert von ihnen wurden als Helden der Sowjetunion ausgezeichnet, zwanzig von ihnen sogar mit dem Kavaliersorden des Ruhms. Heute leben in der Partnerstadt noch 62 Frontkämpfer.

„Wenn man den Krieg vergißt, beginnt ein neuer. Die Erinnerung ist der größte Feind des Krieges.“ Dieser Spruch von Aristoteles gilt bis heute. Und so gab es denn auch in Erlangen gestern auf dem Zentralfriedhof eine Zeremonie im kleinsten Kreis, der sich unerwartet öffnete. Als wäre es abgesprochen, wartete um die MIttagszeit an den Russengräbern, wo 271 Kriegsgefangene aus dem Ersten Weltkrieg ihre letzte Ruhestätte fanden, Raisa Woite und erklärte sich spontan bereit, ihre ohnehin mitgebrachten Blumen mit Amil Scharifow und dem Ehepaar Nadja und Peter Steger niederzulegen.

Amil Scharifow, Peter Steger und Raisa Woite

Raisa Woite stammt aus Kasan und lebt seit Mitte der 90er Jahre in Erlangen. Doch von den Russengräbern erfuhr sie erst unlängst durch Heinrich Hirschfelder, einem ausgewiesenen Kenner der Erlanger Stadtgeschichte und des hiesigen Kriegsgefangenenlagers aus dem Ersten Weltkrieg. „Es gibt gute Menschen, und es gibt andere Menschen“, lautet ihr Motto. Und hier in Erlangen seien gute Menschen am Werk, so die Botschaft nach Wladimir, die über all die Jahre die Gedenkstätte so pflegen und immer wieder neu bepflanzen. Mögen vom Himmel nie mehr Bomben fallen, so ihr Wunsch.

Den lieben Mitkämpfern, den von ihren Angehörigen unbeweinten Opfern der Pflicht. Von ihren Kameraden 1914 – 19..

Eine bewegende Begegnung – wie eine Fügung, festgehalten von TV Мы. Auch wenn es eines Tages keine Augenzeugen mehr geben wird, die Erinnerung wird bleiben. Wir werden den Krieg nicht vergessen, damit nie mehr ein neuer beginne.

Anatolij Mitrofanow, 9. Mai an der Ewigen Flamme in Wladimir

Mehr zu den Russengräbern finden Sie hier: https://is.gd/E3XACT

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