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Archive for 20. Mai 2020


Die russische Tiefebene in der auch Wladimir auf seinem Hügel über der Kljasma liegt, ist nicht eben bekannt für ihre Erhebungen. Flach geht es da zu, so weit das Auge reicht. Das höchste der Gefühle sind da schon die Erdwellen zwischen der Partnerstadt und Susdal. Aber bergiges Gelände oder gar alpine Felsen? Fehlanzeige.

Sollte man zumindest meinen, bis man in den Landkreis Sudogda kommt, von wo aus dem Einzugsbereich des gleichnamigen Flusses ein großer Teil des Trinkwassers für Wladimir kommt. Hier nämlich, etwa 40 km südöstlich der Gouvernementshauptstadt findet man tatsächlich Berge oder zumindest Steilhänge.

Einer Überlieferung nach soll hier einst ein Räuberdorf gestanden haben, dessen Bewohner – zumindest deren männlicher Anteil – als ausgesprochen grausam galt. Auch gegen die eigenen Leute, sprich die Frauen und Kinder. Diese nun nutzen laut Sage einen Beutezug ihrer Männer und Väter, um sich aus dem Staub zu machen. Nach ihrer Rückkehr fanden die Herren den Ort verlassen vor und machten sich stante pede auf, um den Entflohenen nachzujagen. Freilich vergeblich, was die Räuber nur noch wütiger machte.

Mit der Zeit verschwand die Siedlung, doch der Ort behielt seinen schlechten Ruf und wurde Djukino genannt, was frei mit „Wildhausen“ wiedergegeben werden kann.

Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts begann man hier mit dem Abbau von Kalk; später verfiel der Steinbruch. Erst Anfang der 90er entdeckte man dann, was sich hier für ein einzigartiges Biotop entwickelt hatte, und man richtete ein Landschaftsschutzgebiet ein, wo zum Beispiel der seltene Frauenschuh blüht.

Die Steilwände gelten als weit und breit die einzigen und werden deshalb gern von Kletterern besucht. Es muß ja nicht immer der Kaukasus sein, wenn man Sudogda vor der Haustüre hat.

Zusammengestellt nach Material von Anna Trufakina

 

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