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Archive for 17. Mai 2020


Für eine der vielen Begegnungen im Rahmen des Austausches mit Wladimir begänne jetzt allmählich die Hochphase der Vorbereitung: den Besuch des Kinderensembles von „Rus“. Statt dessen hier nun ein Rückblick des Gründers und Künstlerischen Leiters der Gruppe, Witalij Antonow, Preisträger vieler allrussischer und internationaler Festivals sowie des russischen Kulturministeriums, Verdienter Künstler Rußlands. 

1995 besuchte unser Tanz- und Gesangskinderstudio „Rus“ zum ersten mal das wunderschöne Erlangen. Damals waren wir noch eine ganz neue Kulturtruppe, gegründet 1989 von seinem künstlerischen Leiter, Witalij Antonow, der bis heute dem Ensemble vorsteht. Da es unsere erste Auslandsreise war, bereiteten wir uns gewissenhaft und mit allem Ernst auf die Tournee vor und studierten sogar das Volkslied „Wohl unter Linden“ ein.

Gabriele Lindner, Dieter Meiner, Witalij Antonow und Hildegard Meiner

Als wir dann in Erlangen ankamen sahen wir uns einem ganzen Gebirge von lächelnden Gesichtern gegenüber und erlebten ein derartig freundschaftliches Willkommen, daß wir angenehm schockiert waren. Und diese Freundlichkeit der Erlanger begleitete uns über die ganzen zehn Tage unseres Aufenthalts hinweg bei unseren Auftritten wie bei den vielen Ausflügen mit ihrer Fülle an Interessantem für die Kinder ebenso wie für die erwachsenen Betreuer, Musiker, Gesangspädagogen und Tanzlehrer.

Ein Wimmelbild u.a. mit Michail und Lydia Petrow, Nikolaj Litwinow, Fritz Wittmann, Witalij Antonow, Leonhard Plack und Brunhilde Hummich

Wir traten in Schulen auf, spielten in Altersheimen, in Konzertsälen, auf Kirchweihen und wo auch sonst noch. Dabei kamen wir viel mit den Einheimischen zusammen und hatten auch einen Empfang im Rathaus bei Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg. Übrigens kam, als mir im Juli 2004 die Auszeichnung „Verdienter Künstler Rußlands“ verliehen wurde, als eines der ersten Gratulationsschreiben ein Brief von Oberbürgermeister Siegfried Balleis, ein Dokument, das ich bis heute dankbar aufbewahre.

Dolmetscherin Nadja Loktjewa und Witalij Antonow

Bei den vielen Ausflügen in die Umgebung mit all ihren alten Burgen kamen wir auch nach Nürnberg, wo wir den großartigen Tiergarten besuchten, wo uns besonders das Delfinarium beeindruckte. Geleitet wurden diese Touren von Karl Heinz Lindner, einem Profi in solchen Dingen und besonders aufmerksamen Menschen. Dabei kam es natürlich auch zu vielen Überraschungen und Entdeckungen. Besonders im Gedächtnis ist mir ein Vorfall in Nürnberg geblieben, als unser Fahrer den Bus an einem Ort abstellte, wo das, wie sich später herausstellte, verboten war. Als wir abends nach unseren Unternehmungen zurückkamen, war unser Bus weg. Man hatte ihn abgeschleppt. Karl Heinz fuhr zur Polizei, wo er eine Strafe in Höhe von 500 DM bezahlen mußte, bevor man uns den Bus zurückgab. Dabei wäre die Strafe noch höher ausgefallen, wenn die Polizei nicht, weil wir aus Erlangens russischer Partnerstadt kamen, einen Nachlaß eingeräumt hätte. Diese und all die anderen Kosten unseres Aufenthalts trugen die Stadtverwaltung Erlangen und der Stadtverband Kultur, dessen Leiter Karl Heinz Lindner damals war.

Lydia Petrow, Witalij Antonow und Karl Heinz Lindner

In Erlangen selbst nahm uns Lydia Petrowa unter ihre Fittiche. Sie fuhr, häufig begleitet von Herbert und Brunhilde Hummich, im Bus mit, spazierte mit uns durch die Stadt, erzählte und zeigte alles. In jeder Hinsicht ist sie eine ganz liebe, gutherzige, gesellige und wunderbare Frau, ein hochanständiger und einfühlsamer Mensch. Wir sprechen noch immer oft von ihr in den höchsten Tönen. Unsere Gruppe schätzte sich jedenfalls sehr glücklich, sie und ihren Mann, Michail Petrow, damals in Erlangen kennengelernt zu haben.

Witalij Antonow mit Dominik und Peter Steger

Eingeladen aber hatte uns Peter Steger, der auch für unser Programm insgesamt verantwortlich zeichnete. Ich kenne Peter schon sehr lange, mehr als 25 Jahre. Er ist ein stets pünktlicher, aufmerksamer und guter Mensch, immer einsatzbereit, in Maßen streng und dabei nie ungerecht. Man könnte ihn als einen Menschen mit feinem Geschmack charakterisieren. Aber trifft das nicht auf alle echten Franken zu? Wir unterhalten jedenfalls eine besondere Beziehung zu ihm. Dank ihm wurden die Verbindungen zwischen unseren Partnerstädten über all die vielen Jahre hinweg ausgesprochen freundschaftlich und warmherzig.

Witalij Antonow und seine Frau Swetlana mit Michail Firsow

Nach dieser ersten Reise kam ich als Mitglied anderer Delegationen noch öfter nach Erlangen und verspürte dabei immer die große Gastfreundschaft der Deutschen. Einige Jahre nach unserer ersten Tournee kamen wir noch einmal mit dem Kinderstudio in unsere geliebte Partnerstadt, wo uns vor allem Angelika Balleis einen unvergeßlichen Pizza-Abend schenkte. Bei all den vielen weiteren Gastspielen von Frankreich und Italien bis Österreich und Slowenien, die wir später gaben, bleiben doch die Eindrücke aus Erlangen prägend, denn hier begann für uns alles.

Nun hatten wir zusammen mit Peter Steger für diesen Sommer die dritte Erlangen-Tour für die Kinder-Rus geplant. Doch die Umstände, die derzeit die ganze Welt auf den Kopf stellen, lassen es nicht zu. Wir lassen uns aber die Hoffnung nicht nehmen, diesen Besuch später nachholen und noch einmal Gast in unserer geliebten Partnerstadt sein zu können.

Antonow Möhrendorf

Auftritt in Möhrendorf

Nochmals herzlichen Dank an alle, die uns noch kennen, in Liebe und Hochachtung für unsere deutschen Freunde!

Witalij Antonow

Als kleiner Trost für die entgangenen Auftritte hier drei Mitschnitte von Konzerten der singenden, tanzenden und musizierenden Kinder: https://yadi.sk/i/22Kl_6xlhIkYKQ und https://yadi.sk/i/U7SO8yF7FVEnhg sowie https://yadi.sk/i/RPsBunxed7RJiQ, angesagt von Witalij Antonow

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