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Archive for 29. März 2020


Nach den vielen positiven Rückmeldungen auf die kleine Geschichte „Das neue Wort“ von vorgestern heute eine weitere Erinnerung von Wladimir Mioduschewskij, dem Puppenspieler aus Wladimir.

Selbstportrait des bettlägrigen Wladimir Mioduschewskij

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete meine Großmutter im Jugendtheater Moskau, das landesweiten Ruhm genoß. Damals bestand das Publikum hauptsächlich aus Frontsoldaten und Leuten, die im Troß eingesetzt waren, und gegeben wurde ein Programm aus Revuenummern, die in keinem Sinnzusammenhang zueinander standen, weil die Zuschauer oft noch während der Vorstellung ihren Marschbefehl erhielten und neue deren Plätze einnahmen, die gerade vom Einsatz zurückkamen. Mitunter mußten die Konzerte auch wegen eines Bombenangriffs der Nazi-Luftwaffe unterbrochen werden. Überall schossen im Kugelhagel Schneefontänen in die Höhe.

Mioduschewskij

Tamara Mioduschewskaja, Großmutter des Autors, und ihr Vetter, Gennadij Jachnow, während des Zweiten Weltkriegs,

Der Theaterdirektor und meine Großmutter lagen auf dem Bauch, doch die Frau des Leiters, eine berühmte Schauspielerin, lag seltsamerweise auf dem Rücken und blickte durch ihre starke Brille mit den runden Gläsern unverwandt in den Himmel. Ihr Mann bemerkte dies und frage besorgt: „Meine Liebe, warum nur liegst du auf dem Rücken? Das ist doch gefährlicher!“ Worauf sie seelenruhig zurückgab: „Ich will sehen, welcher Mistkerl da auf uns schießt!“ Und alle drei lachten fröhlich und vergaßen ganz, daß um sie her Bomben einschlagen und die Kugeln der deutschen Flugzeuge Schneisen des Todes in die Stadt schlagen.

Lachen kann eben manchmal ganz gleich welche Furcht besiegen. Sogar im Krieg – und in Zeiten des Corona-Virus nicht minder, ist man hinzuzufügen versucht…

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