Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 28. März 2020


Bei seiner überraschenden und außerplanmäßigen Ansprache an sein Volk zum Thema Corona-Krise mahnte Präsident Wladimir Putin sich nicht auf das russische „Das-Wird-Schon“ zu verlassen, sondern die Sache ernst zu nehmen. Neben vielen Anweisungen zum weiteren Vorgehen und der Verschiebung des Referendums zur Verfassung im April verkündete das Staatsoberhaupt für die kommende Woche landesweiten Urlaub für alle. Genau das entwickelt sich nun zum Schreckensszenario für die Region Wladimir, die bisher noch immer keinen einzigen Infektionsfall meldet, denn die Moskowiter strömen nun in Massen auf ihre Datschen in die Nachbarregionen oder mieten sich dort bei Privatleuten für längere Zeit ein. Die Gefahr dabei: Die Hauptstadt gilt mit ihren mehr als 700 Infizierten – von insgesamt derzeit gut 1.000 bestätigten Corona-Fällen in der ganzen Russischen Föderation – als Brandherd der Pandemie, zumal jetzt sogar ein Patient aus dem Kreml gemeldet wird. Nun will man verständlicherweise in der Partnerstadt und im ganzen Gouvernement alles unternehmen, um die Infektion nicht aus Moskau zu importieren. Nur wie? Ein Abriegelung wie in Helsinki oder eine strenge Meldepflicht wie in Jena für Ankömmlinge wie Heimkehrer, gibt es (noch) nicht. Die Hotels werden zwar gerade angewiesen, keine Gäste mehr aufzunehmen, ein Schritt, zu dem sich das Erlangen-Haus bereits vor Tagen entschlossen hatte, aber wie verhindern, daß die Hauptstädter ihre Datschen beziehen oder sich privat einmieten? Man weiß ja nicht einmal, um welche Größenordnung es sich handelt. Hunderttausende Gäste könnten es in jedem Fall werden. Es könnte also eng auf den Dörfern werden, zumal auch viele Familien aus Wladimir ihre älteren Angehörigen auf die Datscha umquartieren. Ab 65 Jahren nämlich steht man ab sofort unter häuslicher Quarantäne, und Minderjährige dürfen nicht mehr ohne Begleitung ihrer Eltern in die Lebensmittelgeschäfte. Ab heute sind dann auch alle gastronomischen Betriebe geschlossen, ebenso die Handelszentren, Schönheitssalons, Zahnarztpraxen – und Banjas. Für Museen und andere Kultureinrichtungen sowie Sportstätten gilt diese Einschränkung schon länger. Und – Moskaus oberster Virologe warnt eindringlich, sich jetzt aufs Land zu flüchten, wo man möglicherweise die einheimische Bevölkerung ansteckt und wo die Tests nebst medizinischer Versorgung – besonders wichtig beim Auftreten der ersten Symptome – nicht gewährleistet ist.

Dynamik der täglichen Neuansteckungen zum 27. März mit 1.036 infizierten Personen insgesamt

Bleibt, Wladimir zu wünschen, daß die Maßnahmen wirken. Immer noch hat man hier einen wichtigen Zeitvorsprung, der auch entschlossen genutzt wird. Dennoch steht zu befürchten, daß angesichts der landesweiten Fallzahlen die Partnerschaft bald in Mitleidenschaft gezogen wird. Deshalb von hier aus Erlangen der Wunsch nach Wladimir: Nehmt die Sache ernst, schützt Euch und bleibt gesund!

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: