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Archive for 26. März 2020


Anatolij Gawrilow aus Wladimir war schon immer ein sperriger Autor, mehr ein Schriftsteller für Dichter als für ein breites Publikum. Seine Kurzprosa entwickelt sich in jüngster Zeit zunehmend in Richtung Sprüche wider den Sinn, wie wir ihn zu kennen glauben. Viel zu lesenswert, wie die Literaturredaktion des Blogs meint, um sie dem russischen Leser vorzubehalten.

Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl, gesehen von Wladimir Tschutschadejew

Gehst du?
Ich gehe, ja.
Wohin gehst du?
Einkaufen.
Wie gehst du?
Geht so.
Schwankst du manchmal?
Kommt vor.
Könntest du denn rennen?
Kaum.
Aber du warst doch schon einmal Läufer.
Schon, früher mal.
Kommt es vor, daß du irgendwohin gehst und dann stürzt?
Kommt vor.
Woher, meinst du, kommt das?
Was willst du denn von mir? Wechsle mal das Thema.

***

Christodulow wohnte unweit von der Eisenbahnlinie und arbeitete als Zugrangierer. Das ging soweit ganz gut, bis er plötzlich schlecht sah und hörte und häufig Fehler machte. Man zog ihn noch bis zur Rente mit, und jetzt ist er in Rente, verdient sich etwas mit einer kleinen Landwirtschaft dazu. So weit, so gut. Nur daß er nachts aufspringt und sagt, es sei Zeit, auf die Arbeit zu gehen, doch dann legt ihn seine Frau wieder schlafen.

***

Der heutige Tag ist ganz hell, will sagen Frost und Sonne. Da wünscht man sich nichts mehr, als einzuschlafen.

***

Als Geologe fand ich nichts.

***

Ich versuchte es mit Hirse und Sonnenblumen, mit Mais und einigem anderen, das heißt, ich war ein unruhiger Mensch, immer wollte ich Gäste um mich haben, und alles sollte in bester Ordnung sein, und es war ja auch gut, doch dann bekam ich eine Erkältung und verstarb.

***

Drei Uhr nachts. Ich kann nicht schlafen. Nachts ist der Laden aus irgend einem Grund geschlossen. Offen ist aber, wo man Bier kaufen kann. Und keiner ist da. Und da trinkst du dein Bier zu Trockengebäck und rauchst eine Zigarette mit Tabak vom Don und weißt nicht, was weiter tun, höchstens versuchen, endlich einzuschlafen.

***

In der Nacht hatte es geschneit
Der Handwerker mit Namen Alexander reparierte den Gasanschluß.
Der Schnee ist weg.
Der Wind weht auch nicht mehr.
Er war aus dem Dorf nach Moskau zurückgekehrt.
Dort saß er am Kamin und wußte nicht, was weiter tun.
Im Klo brannte die Glühbirne durch.
Er tauschte sie aus.
Er raucht nicht, trinkt nicht, wenn überhaupt, dann nur hundert Jahre alten Sherry und von dem auch nur ein klein wenig.
Schon gut, der Tag geht zur Neige, ganz wie der Wodka.
Aber lassen wir das lieber.

***

Sie sagt, sie wolle zu Vater und Mutter, die schon lange nicht mehr leben. Sie weint und macht sich Bratkartoffeln.

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