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Archive for 11. März 2020


Alle sprechen von Corona, der Blog auch.

In den letzten Stunden gingen erste Absagen von Gruppen aus Wladimir ein, die in den nächsten Tagen und Wochen in Erlangen erwartet wurden. Verständlich, denn es gibt zwar kein Verbot, nach Deutschland zu reisen, doch wer von da – und erst recht natürlich aus Italien oder Frankreich – zurückkommt, hat eine zweiwöchige Quarantäne zu Hause einzuhalten, Schüler dürfen in der Zeit nicht ins Klassenzimmer, Erwachsene nicht an ihren Arbeitsplatz. Auch Touristen aus den Risikoländern mit dem Ziel Moskau sind gehalten, sich 14 Tage lang selbst zu isolieren. Bei der Einreise wird automatisch Fieber gemessen…

Wie viele am Corona-Virus Erkrankte gibt es in Rußland?

Vor allem die Hauptstadt, wo gestern drei weitere Infektionen gemeldet wurden, alles Rückkehrer aus Italien, will sich vor dem Virus schützen. Offiziell zählt man aktuell in der Russischen Föderation zwanzig bestätigte Fälle. Am 5. März hatte Moskaus Oberbürgermeister, Sergej Sobjanin, einen Erlaß unterzeichnet, wonach in der Zwölf-Millionen-Metropole erhöhte Alarmbereitschaft gilt. Und schon sind dort auch bis Mitte April die ersten Großveranstaltungen mit mehr als 5.000 Teilnehmern abgesagt. Ob das ebenso für die Parade zum 75. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland am 9. Mai gilt (der amerikanische Präsident hat seine Teilnahme bereits abgesagt), kann derzeit niemand voraussagen. Regierungssprecher Dmitrij Peskow beantwortete die Frage eines Journalisten zu dem Thema lediglich mit dem Hinweis, das Organisationsteam unter Leitung des Präsidenten arbeite planmäßig weiter an der Vorbereitung der Feierlichkeiten.
Die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer hat zu dem Thema einige nützliche Hinweise zusammengestellt, freilich ohne Gewähr, denn die Dinge ändern sich stündlich: https://is.gd/Nqdl8s

Nochmals, wie schon hier im Blog ausgeführt: In der Region Wladimir gibt es bisher keinen einzigen Corona-Fall. Allerdings bereitet man sich auf den Fall der Fälle vor. Und angesichts der geringen Zahlen – zwanzig landesweit – zahlt sich die frühe Abriegelung gegenüber China, Südkorea oder den Iran aus, und man hat so gerade auch in den Regionen wertvolle Zeit gewonnen, um das Gesundheitssystem auf eine hoffentlich nicht eintretende Epidemie vorzubereiten.

Angesichts der Lage müssen derzeit alle, die in die Partnerstadt reisen wollen – gleich, ob von hier nach dort oder umgekehrt – für sich selbst und ihre Gruppe das Risiko abwägen. Noch bleiben die Flug- und Bahnverbindungen bestehen. Auch das Auswärtige Amt äußert sich in der Hinsicht eher schmallippig und spricht keine generelle Reisewarnung aus, wie hier nachzulesen: https://is.gd/IL8A3v

Dennoch wird Corona den Austausch mit Wladimir nicht unberührt lassen, zumal nun auch noch wegen des enormen Preisverfalls von Rohöl der Rubel in die Knie geht und gegenüber dem Euro auf einen Kurs von jenseits 1:80 abstürzt. Anstatt der gewohnten Reiseberichte, gibt es deshalb wohl in nächster Zeit im Blog eher eine Art Dekamerone – freilich jugendfrei – zu lesen. Ob es, wie im Original 100 Geschichten werden, sei dahingestellt, aber mehr als zehn Tage werden es bestimmt.

Und nebenher kann man ja auch das Frauen-Dekameron von Julia Wosnessenskaja zur Hand nehmen, das 1985 erschien und von zehn jungen Frauen berichtet, die gemeinsam auf der Entbindungsstation einer Leningrader Klinik liegen und soeben erfahren haben, daß das Haus unter Quarantäne gestellt wurde und sie zehn Tage länger in seinen Mauern ausharren müssen, wovon natürlich nicht alle erbaut sind. Aber da kommt einer aus ihrer Mitte die Idee, eine Begebenheit zu wiederholen, die der Feder eines gewissen Florentiner Dichters entstammt – mag sie nun Legende sein oder auf Wahrheit beruhen -, nämlich zehn Tage lang zur Zerstreuung sich einander Geschichten zu erzählen…

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