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Archive for 2. März 2020


Heute im Blog nach dem Schicksal von Arthur Biedermann – siehe https://is.gd/SGarkA – ein weiterer Fall eines Wehrmachtssoldaten, dessen Verbleib nach der Entlassung aus der Gefangenschaft in der Region Wladimir möglicherweise für immer ungeklärt bleibt. Schwiegersohn und Tochter von Hermann Fritz Meyer zu Altenschildesche, geboren am 24. Mai 1907 in Hamm hatten sich an den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes gewandt, von wo sie dieser Tage folgende Antwort erhielten:

Sehr geehrte Frau Menke, wir danken für lhre Anfrage vom Oktober 2019 und teilen lhnen nach Prüfung unserer Unterlagen folgendes mit: Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes hat in den zurückliegenden Jahren weitere Unterlagen aus Archivbeständen der Russischen Föderation erhalten, unter denen wir auch eine Akte zu lhrem Vater, Hermann Meyer zu Altenschildesche, feststellen konnten. Aus der in Russisch abgefaßten Gefangenenakte geht hervor, daß Hermann Meyer zu Altenschildesche am 8. Mai 1945 in sowjetische Gefangenschaft kam und am 24. Juni 1945 im Lager Nr. 190, Abteilung Nr. 29, registriert wurde. Unserer Kenntnis nach befand sich das Lager Nr. 190/29 damals in Gus-Chrustalnyj, Region Wladimir, Sowjetunion. Außerdem ist in der Akte ein Aufenthalt lhres Vaters im Lager Nr. 190, Abteilung Nr. 4, in Anopino, Region Wladimir, registriert. Die Akte enthält abschließend den Vermerk, daß Hermann Meyer zu Altenschildesche am 15. November 1945 zur Entlassung in die Heimat verlegt wurde.

Hermann Fritz Meyer mit seiner Frau Anna, die im Jahr 2000 verstarb, ohne je wieder geheiratet zu haben

Unseren Erkenntnissen nach wurden in den Jahren 1945/1946 vor allem kranke und arbeitsunfähige Kriegsgefangene repatriiert. Durch die mangelnde, teilweise gänzlich fehlende medizinische Betreuung, die minderwertige Verpflegung, sanitären Mißstände und katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Lagern stieg die Zahl der Kranken und damit Arbeitsunfähigen sprunghaft an. Viele Kriegsgefangene waren schwer chronisch erkrankt, litten z.B. an Tuberkulose, Ruhr, Dystrophie 2. oder 3. Grades. lm Verlauf des oft wochenlangen Transportes in die Heimat waren viele dieser völlig entkräfteten Menschen so hinfällig geworden, daß sie unterwegs oder bei ihrer Ankunft in Deutschland verstarben bzw. sofort in ein Lazarett eingeliefert werden mußten. Viele heimkehrende Kriegsgefangene verstarben, ohne daß ihre Personaldaten festgehalten wurden.

Hermann Fritz Meyer

ln Frankfur/Oder sind Tausende unbekannte Heimkehrer bestattet worden. Da Hermann Meyer zu Altenschildesche tatsächlich nie heimkehrte, liegt die Vermutung nahe, daß er entweder auf dem Transport oder bei Ankunft in Frankfurt/Oder verstarb. ln unseren Archiven konnten wir darüber leider keine Heimkehreraussagen feststellen. Die lhnen vorliegenden Briefe mit Heimkehraussagen können die Annahme verstärken, daß lhr Vater nach seiner Ankunft in Frankfurt/Oder gleich ins Lazarett gekommen sein könnte und dort unmittelbar nach seiner Ankunft verstorben ist. Auch ein fehlender Vermerk in der Akte zu seiner Übergabe an das Lager Nr. 69 in Frankfurt/Oder sowie ein fehlender Entlassungsschein aus dem Heimkehrlager in Gronenfelde würden dafür sprechen. Diese Vermerke zu Ankunft, Übergabe und Entlassung wurden in der Regel bei der Ankunft in Frankfurt/Oder gemacht, jedoch nicht immer. ln der Anlage zu diesem Schreiben finden Sie eine Kopie der zitierten Akte. Leider können wir lhnen keine Übersetzung anbieten. Als Übersetzungshilfe fügen wir lhnen eine Übersicht über den Aufbau des Fragebogens bei. Des weiteren finden Sie in der Anlage eine lnformation zu Kriegsgefangenenlagern in Wladimir, Anopino und Frankfurt/Oder, die in Form eines sogenannten ,,Lagerspiegels“ im Ergebnis von Heimkehrerbefragungen erstellt wurde. Wir bedauern sehr, daß wir das Schicksal lhres Vaters, Hermann Meyer zu Altenschildesche, nicht endgültig klären können.

Hermann Fritz Meyer

Zu einem späteren Zeitpunkt wird der Blog auch noch besagte Anlagen sowie die Beschreibung des Lagers Frankfurt/Oder von Wolfgang Buwert, Herausgeber und Mitglied des Historischen Vereins zu Frankfurt/Oder, veröffentlichen. Heute aber nur die Frage an die Veteranen unter den Lesern des Blogs, ob sich jemand an Hermann Meyer erinnert, sei es aus seiner Zeit in Gus-Chrustalnyj bzw. Anopino, oder vom Heimtransport – 75 Jahre nach Ende des Krieges.

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