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Archive for 1. März 2020


Ein gutes Jahr ist Erzbischof Tichon nun im Amt. Grund genug für den Oberhirten der Diözese Wladimir-Susdal, am 10. Februar eine Pressekonferenz zu geben, bei der er sich allerdings Ärger einhandelte. Er hatte nämlich die Anastasia-Bewegung und Scientology als „totalitäre Sekten“ bezeichnet, deren Führer er für „kriminelle Personen“ halte. Er kenne diese Religionsgemeinschaften noch aus seiner Zeit als Bischof von Nowosibirsk, wo man eine Sektenberatung eingerichtet habe. Daher wisse er, daß ein Mitglied von Scientology bis zu elf Jahre brauche, um sich von der Bewußtseinskontrolle zu befreien.

Erzbischof Tichon und sein deutscher Amtsbruder Mark in der russ.-orth. Gemeinde Erlangen, November 2019

Diese Aussagen – ganz im Geiste des Jesus-Wortes „Eure Rede aber sei: Ja! Ja! Nein! Nein! Was darüber ist, das ist vom Übel.“ -, die sicher auch der Überzeugung der katholischen und evangelischen Kirche entsprechen, veranlaßten nun Scientology zu einer Gegendarstellung, in der darauf hingewiesen wurde, man sei weder verboten noch eine „Sekte“, und die 60 Gruppen, über die ganze Russische Föderation verteilt, träten für eine „Zivilisation ohne Wahnsinn, Verbrechen und Krieg ein, wo die geeigneten Menschen sich entwickeln und die ehrlichen Menschen zu ihrem Recht kommen und der Mensch dafür frei sei, sich hoch hinauf zu erheben.“

Eine Stellungnahme der Mitte der 90er Jahre entstandenen russischen Anastasia-Bewegung, die auch im Westen wegen ihrer völkisch-rechtslastigen und antisemitischen Elemente von Sektenbeauftragten ausgesprochen kritisch beurteilt wird, liegt bisher nicht vor.

Jedenfalls feiern die orthodoxen Christen heute den Sonntag der Vergebung als Vorbereitung auf die vierzigtägige Fastenzeit. Ob die Indulgenz auch im Fall dieser Andersgläubigen Anwendung findet, erscheint freilich eher fraglich, stehen sie doch eindeutig außerhalb der rechtgläubigen Gemeinschaft. Da kann es kein Wanken geben. Aber von Mensch zu Mensch einander zu verzeihen, fordert ja schon das alle Christen verbindende „Vater unser“ mit seinem „… wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ – heute und alle Tage.

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