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Archive for 21. Februar 2020


Im vergangenen Jahr zählte die offizielle Statistik 2,3 Millionen Einreisen aus der Volksrepublik China in die Russische Föderation, davon anderthalb Millionen Touristen. Zahlen, die heuer wegen des Corona Virus sicher nicht erreicht werden, denn Peking hatte bereits Ende Januar touristische Reisen seiner Bürger ins Ausland begrenzt, und seit Anfang Februar gelten verschiedene Beschränkungen. Moskau schloß seine gut 4.000 km lange Landgrenze zum Reich der Mitte, an den Übergängen wurden Gesundheitsüberprüfungen verstärkt, und die Zugverbindung zwischen den Hauptstädten ist unterbrochen; nur der Warenverkehr rollt weiter. Flugreisende werden zentral an einem Moskauer Terminal Scheremetjewo abgefertigt, die Anzahl ist Flüge reduziert.

Doch nun gilt seit gestern nacht ein generelles Einreiseverbot für alle Staatsbürger Chinas, die aus touristischen oder privaten Gründen, zur Bildung und Ausbildung sowie zur Arbeit ins Land hätten kommen wollen. Ausgenommen sind nur Geschäftsleute, Bürger anderer Staaten und Transitreisende.

Russisch-chinesische Begegnung in Susdal

Ein kleines Stück von diesem Fremdenverkehrskuchen landete auch in der Region Wladimir. In den letzten fünf Jahren wuchs die Zahl chinesischer Touristen beständig. 2016 zähle man 16.000, 30% mehr als im Vorjahr. Damals startete man das Wohlfühlprogramm „China Friendly“, betonte die freundschaftlichen Beziehungen zum großen Nachbar im fernen Osten und lud sogar eine Gruppe von chinesischen Bloggern ein, die in ihrer Heimat Wladimir und Susdal bekannter machen sollten. 2018 lief das Projekt des Landesmuseums an, wonach man plante, die Besucherzahlen zu verdoppeln – mit einer Adaption der Homepage, Wegweisern, Audi-Guides und speziell geschulten Fremdenführern. Im vergangenen Sommer machte der Gouverneur der Region diese Frage sogar zur Chefsache. Doch just sein für Tourismus zuständiger Stellvertreter goß nun Wasser in den Wein. Zwar seien in den ersten neun Monaten 2018 die Zahlen der chinesischen Reisenden erneut gestiegen, doch deren Beitrag zur Wirtschaft werde überschätzt. Wörtlich, wie bei Zebra-TV nachzulesen:

Was stellten die chinesischen Touristen bei uns dar? Massen, die im Bus Instantnudeln aus ihren eigenen Schüsseln essen. Sie ließen kein Geld da, nur Müll. Es gab auch einen geringen Anteil von reichen Chinesen, die kamen, um Geld auszugeben. Die Delle wird sich wieder ausgleichen, sie werden wieder gesund und kommen zurück. Der Hauptstrom reiste an, vergnügte sich, flanierte, warfen ihren Müll weg und fuhren wieder davon. Wirtschaftlich bleibt da leider wenig hängen. Der Bus fährt durch, der Fremdenführer – wenn er denn ein richtiger ist – verdient sein Geld. Wir erwarten deshalb keinen großen Einbruch, so schlimm wird es schon nicht.

Unterdessen gehen russische Fachleute davon aus, daß sich COVID-2019 nicht von selbst erledigt, sie rechnen vielmehr mit einer veritablen Epidemie. Derlei Atemwegserkrankungen treten nämlich wellenartig auf. Und im Herbst könnte ein zweiter Ausbruch auch Rußland treffen, zumal sich das Virus noch immer weltweit ausbreitet. Wenn dann epidemiologisch alles überstanden ist, wird man sehen, wie sich nicht eben chinesenfreundliche Einlassungen wie oben auf das Miteinander von Einheimischen und Fremden auswirkt.

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