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Archive for 20. Februar 2020


Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen, und erst recht nicht gilt, was ein gewisser Herr einer faschistoiden Partei wider besseres Wissen über die Periode des Dritten Reiches im Rahmen der deutschen Geschichte absonderte. Die Folgen der Nazi-Diktatur sind längst nicht überwunden, und selbst wenn es immer weniger Zeitzeugen gibt, bleiben Fragen und Wunden bei uns allen zurück, besonders aber bei Hinterbliebenen. Vor allem dann, wenn, wie im Falle von Arthur Biedermann, keine Gewißheit über ihr Schicksal herrscht.

Seit Jahren schon versuchen die Enkelin und ihr Mann, Klarheit über Leben und Tod des Wehrmachtssoldaten zu gewinnen, dessen Spur sich in Wladimir verliert. Zunächst mit Hilfe des Roten Kreuzes, dann über die Städtepartnerschaft. Doch alles, was mit viel Geduld und Warten gelang, war, neben der Akte des Kriegsgefangenen folgende Auskunft des Zentralen Militärarchivs in Moskau zu erhalten:

Auf Ihre Anfrage an das Russische Zentrale Kriegsarchiv können wir Ihnen mitteilen, daß es einen Vorgang und einen Vermerk zu einem polnischen Soldaten der deutschen Armee mit Namen Arthur Otto Biedermann, geb. 1904 in Konkolewo, Polen, gibt. Nach seiner Gefangennahme am 18. April 1945 in der Nähe von Cottbus befand er sich im Kriegsgefangenenlager Nr. 190, Abteilung 29, in der Region Wladimir. Am 9. September 1945 wurde er vom Lager Nr. 190 in das Sonderhospital Nr. 2989 in Kameschkowo, Region Wladimir, verlegt. Am 15. November 1945 wurde er in die Heimat entlassen. Es liegt ein Verzeichnis von kriegsgefangenen Deutschen vor, transportfähig für die Überstellung aus dem Sonderhospital in das Repatriierungslager Nr. 69 in Frankfurt / Oder zur Rückkehr in die Heimat im November 1945 eingestuft. In dem Verzeichnis sind deutsche Kriegsgefangene (aber keine polnischen, wie in Ihrer Anfrage aufgeführt) aufgelistet. Der gesuchte Pole, Arthur Otto Biedermann, geboren 1904, findet sich nicht in dem Verzeichnis. Er fehlt auch im Verzeichnis der Kriegsgefangenen, die aus dem Lager Nr. 190 im November 1945 in die Heimat abtransportiert wurden. Andere Informationen sind nicht vorhanden.

Bei den Verwandten in Frankfurt / Oder bleiben Fragen: Was ist mit diesen Menschen, die nicht in den Listen nach Frankfurt (Oder) aufgeführt sind, geschehen? Wurden die nicht gelistet, oder sind die Listen abhandengekommen? Wohin wurden diese Männer transportiert? Gab es Transporte nach Polen?

Fragen, die vielleicht eine Antwort in Archiven der Partnerstadt Wladimir finden. Fragen, die auch der detaillierte Befragungsbogen (s.u.) des Schützen Arthur Biedermann mit seiner Narbe von einer Blinddarmoperation, den man nachträglich zum Polen deklariert hatte, weil er auf dem Gebiet der jetzigen Republik Polen geboren wurde. Die Vergangenheit ist eben noch lange nicht abgeschlossen. Die Suche geht weiter. Möglicherweise noch lange und mit ungewissem Ausgang.

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