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Archive for 1. Februar 2020


Irgendwann bei 130 hatte Reinhard Beer, stellvertretender Leiter der Volkshochschule gestern beim Russischen Abend im Großen Saal zu zählen aufgehört, und als das Superhirn der Russisch-Deutschen Wochen dann mit einem c.t. gegen 19.15 Uhr die Veranstaltung eröffnete, war ihm die Erleichterung anzumerken, daß alle zumindest einen Notsitz gefunden hatten. Wie nun aber dieses Treffen mit seinem umfangreichen Festprogramm und dem Schwerpunkt „25 Jahre Erlangen-Haus“ hier im Blog unterbringen? Die Redaktionsleitung entschied sich dazu – hoffentlich im Sinne der Leserschaft – die Berichterstattung als Fortsetzungsgeschichte zu gestalten und mit der Eröffnungsrede von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß zu beginnen, die den wohltemperierten Ton des Abends, die freundschaftlich gestimmte Atmosphäre der Zusammenkunft vorgab:

Bernadette Rosenkranz und ihr Flöten-Quartett der Sing- und Musikschule

Geht Ihnen auch das Herz auf, wenn Sie an Wladimir denken? Sind 2.379 km weit? In Zeiten des Eisernen Vorhangs war die Strecke zwischen Erlangen und Wladimir nahezu unüberwindbar, heute reisen wir zu Hunderten zu unseren Freunden in Wladimir oder Erlangen, manche – ganz nach Erlanger Art – mit dem Rad, wie etwa Peter Smolka.

Peter Smolka

Eines stimmt damals wie heute: Wer sich traut, in die Welt der Freundschaft mit Wladimir einzutreten, dem wird eine Wundertüte unerwarteter und berührender Erlebnisse zuteil:

Manchmal hängt tatsächlich der Himmel voller Geigen, wenn Musiker aus Erlangen und Wladimir zusammen auftreten; daß viele Köche nicht den Brei verderben, merkt man bei den Festen, und daß wir nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen, erfährt man, wenn man das Fortkommen jener begleitet, die zum ersten Mal als Schüler und dann immer wieder in die Partnerstadt reisen.

Konsul Andrej Matwijenko schneidet zusammen mit den Bürgermeisterinnen Susanne Lender-Cassens und Elisabeth Preuß die Geburtstagstorte an

Jeder Staat, und sei er noch so mächtig, besteht letztlich aus den Menschen, die in den Städten und Dörfern das Gemeinwesen bilden und leben. Auch wenn staatstragende Entscheidungen in nationalen Parlamenten getroffen werden und die Staatsführungen mal durch rauhe, mal durch glatte See segeln, immer sind es auch die Menschen, junge oder alte, die die Zeitläufte eines jeden Landes mit Geschichten und mit Geschichte füllen.

Städtepartnerschaften haben nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, Menschen aus unterschiedlichen Ländern zueinander zu führen, und zwar unabhängig davon, ob es in der großen Politik stürmt oder die Sonne scheint. Ich kann dies selbstbewußt sagen, denn beide Außenminister, Heiko Maas und Sergej Lawrow, haben mehrfach betont, stabile Städtepartnerschaften seien immer wichtig, in politisch bewegter See aber noch wichtiger. Das Wort „Volksdiplomatie“ drückt das wunderbar aus, und die Ergebnisse dieser „Diplomatie der Abertausenden“ kann sich sehen lassen.

Erlangen und Wladimir, das heißt Heizkessel montieren, Busse überführen, Menschenwürde leben im Roten Kreuz, und: gemeinsam feiern und lachen.

Erlangen und Wladimir, das heißt aber auch, zu akzeptieren, daß es – welch Wunder – woanders anders ist, daß hier Selbstverständliches drüben ganz anders verstanden werden kann. Erlangen und Wladimir, das heißt, zu leben, was wir im Stadtmotto führen, nämlich offen zu sein für das andere in der Partnerstadt.

Erlangen und Wladimir, das heißt also eine echte Bürgerpartnerschaft zu leben, die von Begegnungen in den Botschaften, von Jubiläen über Bürgerreisen, von Schulaustausch, beruflichen Kooperationen, kulturellen Begegnungen bis zu privaten Kontakten alles lebt. Engmaschig, fachkundig, weltoffen, vertrauensvoll, zuverlässig und freundschaftlich sind Adjektive, die unsere über 30jährige Geschichte beschreiben.

Es gibt aber – zum Schluß – zwei Herzensangelegenheiten, Alleinstellungsmerkmale, die ich mit Überzeugung als geschichtsträchtig bezeichnen möchte.

Die Hüter der Geburtstagstorte, Reinhard Beer und Peter Steger

Das ist zum einen das Erlangen-Haus, dessen Jubiläum wir dieses Jahr feiern. Dieses einladende, freundliche und gemütliche Haus zeigt, wie unsere beiden Länder am gleichen Ort auf Augenhöhe und Hand in Hand bestehen können: Für Wladimirer wie für Erlanger ist das Erlangen-Haus Heimat im besten, weil zusammenführenden Sinn dieses Wortes.

Es gibt in unserer Städtepartnerschaft noch ein zweites, das uns tief im Herzen berührt (manchmal zu Tränen) und das mit Fug und Recht als Kompendium des Friedens bezeichnet werden kann und muß: Ich spreche von dem Werk „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ und der damit einhergehenden Erinnerungs- und Friedensarbeit mit russischen wie deutschen Veteranen.

Komm wieder

Denn dies muß in unseren Gedanken, Worten und Taten immer ganz oben stehen: Nie wieder darf von deutschem Boden Diskriminierung, Rassenwahn, Krieg und Völkermord ausgehen.

Bis zum heutigen Tag ergreife ich die ausgestreckten russischen Hände mit Dankbarkeit und fühle mich als Bürgermeisterin, aber vor allem als Deutsche, der Friedensarbeit verpflichtet. Mы будем всегда работать для мира у дружбы. Es bleibt dabei: Erlangen und Wladimir werden immer für den Frieden und die Freundschaft arbeiten.

Fortsetzung folgt

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