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Archive for Februar 2020


Allmählich geht es an die Substanz, gerät die kritische Masse der Männer in der Region Wladimir unter Existenzdruck. Die Statistik ist da unbarmherzig. Die neuesten Zahlen, veröffentlicht dieser Tage, weisen nämlich für Anfang 2019 an männlichen Einwohnern 619.000 aus, die 747.000 Frauen gegenüberstehen. Es bleibt also, wie nun schon seit zwei Jahren in Folge, bei einer hohen Geschlechterdifferenz mit 1.000 Männern auf 1.206 Frauen.

Besonders betrifft diese Disproportion die Altersgruppe von 16 bis 59 Jahre, also die arbeitsfähigen Männer, die von 395.200 auf 388.200, also um 7.000 Personen, abnahm, während der Anteil ab 60 Jahren konstant bei 17% blieb, wobei sich dieses Segment in absoluten Zahlen um 2.200 erhöhte. 4.412 Männer in der Region Wladimir sind über 85 und 69 über 100 Jahre alt.

Die Zahlen belegen aber auch, daß Jahr für Jahr mehr Männer, vor allem im Alter zwischen 20 und 49 Jahren, anderswo ihr Glück suchen. 9.200 waren es insgesamt, die ihrer Wladimirer Heimat den Rücken kehrten, 300 mehr als im Vorjahr. Besonders schade dabei: Die meisten kehren, wenn überhaupt, erst im Rentenalter zurück.

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Gestern feierte Jelena Guskowa Geburtstag, die „Euro-Mama“, wie die Leiterin des Euro-Klubs in Wladimir von ihren Jugendlichen genannt wird. Und da platzt doch mitten in die Feier eine ebenso unerwartete wie hocherfreuliche Nachricht: Die Euro-Werkstatt in Jena, seit Jahren treu mit dem Euro-Klub in Wladimir verpartnert, erhielt den Zuschlag für die Worshop-Reihe „Twin City-Booster“, ausgeschrieben vom Deutschen Städtetag, der – das sei augenzwinkernd angemerkt, gute Englischkenntnisse voraussetzt – u.a. in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt ein Projekt von Brains & Bridges initiiert hat, das Städtepartnerschaften unterstützt, lokale Aktivitäten fördert und den internationalen Austausch über die aktuellen Standards hinaus ermuntert. Nach dem Start eines „BarCamps“ für Twin City-Aktivitäten entwickelt das Programm neue Formate, Leitfäden und Best Practices. Für 2020 bietet das Twin City Lab zwei Städtepartnerschaften die Möglichkeit, ihren Austausch mit einer Reihe von Workshops und Veranstaltungen in jeder der Partnerstädte zu intensivieren und auszubauen.

Euro-Klub

Und hier ein Zitat aus dem Schreiben nach Jena und Wladimir, das gestern auch die Redaktion des Blogs erreichte:

Haben Sie noch einmal vielen Dank für Ihre Bewerbung für unsere Workshop-Reihe „Twin City-Booster”. Nach eingehender Prüfung aller Bewerbungen von Städtepaaren aus Deutschland, Rußland, Belarus und der Ukraine haben wir heute überaus gute Nachrichten für Sie!

Ihre Bewerbung war erfolgreich. Jena und Ihre Partnerstadt Wladimir sind als eines der Pilotstädtepaare des Twin City Labs ausgewählt worden.

Wir freuen uns, in diesem Jahr Ihre Städtepartnerschaft aktiv begleiten und entwickeln zu können.

Mit unserer Workshop-Reihe „Twin City Booster” unterstützen und coachen wir Städtepartnerschaften, identifizieren mit den Teilnehmern neue Themen, erkunden noch ungenutzte Potenziale Ihrer Städte, aktivieren lokale Communities und begleiten die Akteure bei der gemeinsamen, partizipativen Gestaltung und Umsetzung von Projekten. Zudem unterstützen wir Sie bei der Implementierung neuer Formate und bei der Integration neuer Akteure in Ihre Städtekooperationen.

Damit dies gelingt, sind eine gute Vorbereitung und Analyse der lokalen Bedingungen ebenso nötig wie produktive Begegnungen und eine offene ‘Mitmach’-Kultur im Rahmen der Workshops und Arbeitsphasen. Deshalb stellen wir das Wissen, die Expertise und die Gestaltungspotentiale der beteiligten Akteure und Initiativen in den Mittelpunkt. In allen vier Workshops fußt unsere Moderationsarbeit und Prozeßgestaltung auf Open-, Space-, Design-Thinking und erfahrungsorientierten Elementen, gepaart mit profundem Know-how in den Bereichen Partnerschaftsentwicklung, Networking, Prozeß- und Event-Management sowie interkulturellem Austausch. Unsere Arbeitssprachen sind Englisch, Russisch und Deutsch.

Bevor wir in jeder Stadt mit einem Kick-off starten und dann mit dem ‘Match & Sprint’-Workshop und ‘Sprint & Succeed’-Workshop in das gemeinschaftliche Tun kommen, besucht das Twin City Lab-Team für einige Tage die Städte, um Sie und einige Akteure kennenzulernen und die Stadt selbst zu erkunden.

Das Programm ist auf das ganze Jahr angelegt, und der Blog wird die einzelnen Schritte immer wieder aufmerksam verfolgen, ist die Zusammenarbeit zwischen Jena und Wladimir doch ein Sproß der Partnerschaft Erlangen-Wladimir. Schön, wie der nun grünt und blüht!

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Nach dem überwältigenden Erfolg der fünf Folgen im ZDF mit je 45 Minuten Sendedauer startet heute in den Kinos – in Erlangen im Cinestar – die 120minütige Zusammenfassung dieses kolossalen Werks von Freddie Röckenhaus und Petra Höfer unter dem Titel „Rußland von oben“ – mit atemberaubenden Bildern der einzigartigen landschaftlichen Vielfalt und des sagenhaften Artenreichtums des größten Flächenstaates der Erde, der sich über elf Zeitzonen erstreckt, und in dem Deutschland gut 50 Mal Platz fände, um nur einige der Superlative zu nennen.

Wladimir von oben

Ob auch Wladimir oder Susdal von oben zu sehen sein werden, soll hier ungesagt bleiben. Machen Sie sich besser selbst ein Bild und schwelgen Sie in Musik und Aufnahmen mit einem Klick hier: https://is.gd/HmByLI

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So später der Schnee heuer fällt, so rechtzeitig, um den Winter auszutreiben. Während bei uns ab heute Schluß mit lustig ist, steuert der russische Karneval, bekannt als Butterwoche, seinem Höhepunkt entgegen. Bei allem ausgelassenen Treiben gilt allerdings der Grundsatz: Kein Fest ohne feste Regeln. Die tolle Zeit nennt sich hier „Masleniza – Butterwoche“, was darauf hinweist, daß vor der vierzigtägigen österlichen Fastenzeit, die sogar den Verzehr von Milchprodukten untersagt, noch einmal so richtig geschlemmt werden darf, freilich bereits ohne Fleischgenüsse. Was in heidnischer Zeit (das war eben noch ein „Heidenspaß“!) eine Woche vor und eine Woche nach der Tag- und Nachtgleiche gefeiert wurde, hat das Christentum gar streng auf sieben Tage verkürzt.

Masleniza von Dmitrij Cholin

Dennoch hielt sich vieles aus jenen fernen Zeiten, zum Beispiel der Brauch, Pfannkuchen zu backen, die als Symbol für die Sonne gedeutet werden. Als Vorbereitung auf die Fastenzeit darf nur noch Fisch gegessen werden – und natürlich, wie der Name sagt, alles mit viel Butter und Käse, gern auch Kaviar. Doch auch die einzelnen Tage haben ihre je gesonderte Bedeutung:

Masleniza: Jeder Wochentag ist ein besonderer Tag

Der Montag ist der „Rüsttag“, wo im ganzen Land die Jahrmarktsbuden aufgebaut werden und die Pfannkuchen (Bliny) auf den Tisch kommen. Übrigens ging der erste Pfannkuchen immer an die Armen, damit diese Kraft genug hatten, für die armen Seelen zu beten.

Der Dienstag gilt als „Spieltag“, wo die Jugend ruhig einmal über die Stränge schlagen darf.

Der heutige Mittwoch hält „Leckeres“ bereit; der Schwiegersohn geht zur Schwiegermutter, um sich Pfannkuchen abzuholen, trifft dort aber oft auch unerwartet andere Gäste…

Der Donnerstag läßt alle feiern. Ein Volksfest, wie es sein soll mit Schlittenfahrten, Tänzen, ausgelassenem Treiben.

Masleniza von Dmitrij Cholin

Der Freitag führt wieder die jungen Männer zur Schwiegermutter, wo sie sich einen ganzen Abend lang bewirten lassen können.

Der Samstag gehört den Schwägerinnen, die von den jungen Bräuten nach Hause eingeladen werden und nicht ohne ein Geschenk wieder heimgehen.

Der Sonntag steht für die gegenseitige Vergebung, um die man einander für während des Jahres angetanes Unrecht bittet, bevor man die Fastenzeit antritt und in effigie für den Winter eine Strohpuppe verbrennt und deren Asche zu Grabe trägt, aus der im Frühjahr die frische Saat hervorwachsen soll.

Masleniza mit dem Ensemble Rus in Erlangen 2016

Doch das heißt nicht, daß alles in Butter sei. Seit vergangenem Sonntag spitzt sich die Lage vor der Mülldeponie bei Alexandrow weiter zu. Da ganz offenbar entgegen allen Regeln und Verträgen weiterhin Abfälle aus Moskau ihren Weg in die Region Wladimir suchen und finden, nehmen seit Sonntag, dem „Tag des Verteidigers der Heimat“, Aktivisten unter dem Motto „Verteidiger der Mülldeponie von Alexandrow“ die anrüchige Sache selbst in die Hand und blockieren – 15 bis 60 Mann hoch – rund um die Uhr die Zufahrt. Durchgelassen werden nur Fahrzeuge mit einheimischen Nummern. Größere Konflikte gab es bisher nicht, die Moskauer Laster kehren zumeist mit ihrer unwillkommenen Fracht wieder um, aber die Behörden rufen dazu auf, die Sperrungen aufzuheben, weil sie vor allem nachts und wegen der winterlichen Straßenverhältnisse Unfälle fürchten. Außerdem solle man die gerichtlichen Entscheidungen abwarten.

Doch klein beigeben wollen die Verteidiger des Müllbergs nicht, zumal sie nach eigenen Angaben Unterstützer in Moskau haben, die Informationen über Abfalltransporte weitergeben. Man will den Gegner zermürben und mit spielerischer Taktik schlagen:

Es liegt allein in unseren Händen, konsequent zu bleiben und den Sieg mittels gesetzlichem Vorgehen zu erringen. Die Müllkutscher zeigen Nerven und machen unüberlegte Schritte, indem sie den Verkehr stören und damit negative Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wir sind stärker und härter, unser Stehvermögen reicht allemal, um sie am Schachbrett zu schlagen, so sehr sie uns auch in den Ring oder auf die Matte zerren wollen.

Wie auch immer die Sache weitergeht, das Thema wird die Agenda auch dieses Jahres bestimmen. Solange die Politik keine Lösungen bietet, könnten – auch hierzulande – all die kleinen Sünderlein ja mal bei sich anfangen und beim Müll fasten. Aber bitte nicht nur vor Ostern!

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Gestern nacht gegen drei Uhr schlief Günter Kuhne ebenso unerwartet wie friedlich und ohne Schmerzen in Gera für immer ein. Dabei hatte doch der so lebensfrohe und kregle Weltkriegsveteran Anfang Dezember noch seinen russischen Kameraden, Nikolaj Schtschelkonogow, zum „sozialistischen Wettbewerb“ herausgefordert, um gemeinsam mit dem einstigen Feind die 100 Jahre vollzumachen und sich noch mindestens einmal wiederzusehen. Nun wird es bei diesem letzten Treffen vor gut drei Monaten bleiben.

Günther Kuhne und Nikolaj Schtschelkonogow, Dezember 2019

Der Thüringer, Günter Kuhne, wie sein Freund aus Wladimir Jahrgang 1926, gehörte zu der Generation, die als Kanonenfutter an die bereits verlorene Front geschickt wurden, zunächst in die trügerische Adrennenoffensive, dann, nach einer Zwischenstation in Remagen und bei Hannover, verwundet ins Hilfslazarett Rostock, das er im März 1945 verließ, um im Sportlazarett von Neustrelitz, Brandenburg, eine Reha zu machen. Der Angehörige der Hitler-Jugend Waffen-SS ging noch an zwei Krücken, als er vom Stabsarzt gemustert und mit den von abgrundtiefem Zynismus zeugenden Worten „Sie brauchen nicht laufen können, Hauptsache Sie können im Loch stehen und schießen!“ für tauglich erklärt wurde. Mit einem zusammengewürfelten Haufen wurde der Kriegsversehrte von Nauen bei Berlin aus ohne Stammeinheit Richtung Oder verfrachtet, um die längst verlorenen Rückzugskämpfe bei Halbe zu unterstützen. In dieser schlimmsten Kesselschlacht nach Stalingrad standen 2.100.000 Rotarmisten gerade einmal 200.000 Wehrmachtssoldaten gegenüber. Marschall Georgij Schukow hatte die Kapitulation angeboten, aber General Theodor Busse lehnte ab und setzte auf die 4. Panzerarmee. „Doch wir hatten keine Chance!“ erinnerte sich Günter Kuhne. „Im Kessel bin ich zum Glück in Gefangenschaft geraten!“ Immerhin noch besser, als zu den 30.000 toten deutschen Soldaten zu gehören, die auf dem Schlachtfeld blieben, ohne den Vormarsch der Roten Armee aufhalten zu können.

Günter Kuhne, August 2016 in Erlangen; ganz links im Bild sein Kamerad, Philipp Dörr, ebenfalls Kriegsgefangener in Wladimir

Bis Juli 1948 arbeitete Günter Kuhne in der Schlosserei des Traktorenwerks in Wladimir, bevor er an den Wolga-Don-Kanal weitergeschickt wurde, von wo er Anfang 1950 in die Heimat zurückkehrte. Ohne Groll gegen die Sowjets („Russen“ zu sagen, war in der DDR jener Tage nicht opportun), von Beginn an zur Aussöhnung bereit, auch wenn die niedrigen Mannschaftsgrade, zu denen er ja gehörte, nie in den aus seiner Sicht ohnehin zweifelhaften Genuß kamen, in die den Parteibonzen vorbehaltenen Zirkel der offiziellen deutsch-sowjetischen Freundschaft aufgenommen zu werden.

Günter Kuhne, März 2016 in Jena

Nach der Friedlichen Revolution, deren Früchte Günter Kuhne gern gegen Kritik verteidigte, betätigte er sich im Veteranenverband und nahm dann auch früh Kontakt zum Kreis der Wladimirer Kriegsgefangenen um Friedhelm Kröger auf, wo er sich mit seinem verschmitzten Humor nur Freunde machte. Klagen war nicht seine Sache. Nur ein Umstand verdroß ihn sehr: Das völlige Desinteresse von Schulen seiner Heimatstadt an einer Begegnung mit ihm als Zeitzeugen. Und nun ist es zu spät dafür… Umso freudiger ergriff der Versöhner unserer Völker jede Gelegenheit – etwa bei der Vorstellung des Bandes „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ in Jena oder bei den Interviews mit Schülern an der Franconian International School in Erlangen -, seine Lebenserfahrung und seine Mission mitzuteilen: „Haltet Freundschaft mit den Russen, bewahrt den Frieden, es gibt nichts, was kostbarer wäre!“

Günter Kuhne hat nun seinen ewigen Frieden gefunden. Seine Mahnung sollten wir zeit unseres Lebens beherzigen. Und das mit dem „sozialistischen Wettbewerb“? Der Geraer war ein guter Verlierer, und er hätte wohl mit einem schelmischen Lächeln gesagt: „Nicht traurig sein, man kann nicht immer gewinnen. Ich bin dankbar für mein glückliches Leben. Es hätte ja schon vor 75 Jahren zu Ende sein können, damals in jenem Loch, in das man mich schickte…“

Mehr zum Verstorbenen, der nun seiner Frau folgt und einen Sohn hinterläßt, im Blog u.a. hier https://is.gd/sg1uul und da https://is.gd/XAsPKG

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Vom 11. bis 16. Mai laden die russisch-orthodoxen Gemeinden von Nürnberg und Erlangen zu einer Pilgerreise ein, die nach Wladimir, Bogoljubowo, Susdal, Sergijew Possad und Moskau führt. Nicht weniger als 37 Heiligtümer, Kirchen und Klöster stehen auf dem Besuchsprogramm, und übernachtet wird im orthodoxen Pilgerzentrum unserer Partnerstadt, zu dem hier im Blog am Ende des Eintrags vom 14. Dezember 2016 https://is.gd/CbTDri zu lesen ist.

Auch wenn sich das Angebot inklusive Flug, Transfers, Unterbringung mit Halbpension und Führungen vor Ort zum Preis von 549 Euro (Kinder zahlen lediglich 299 Euro) hauptsächlich an russischsprachige Gemeindemitglieder richtet, könnte sich ein Anruf bei Julia Schlening unter 0911/5679391 durchaus lohnen. С Богом! Gott befohlen!

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Wintergäste kommen, auch wenn der Winter ausfällt, wie dieses Jahr nicht nur hierzulande, sondern in der ganzen zentralrussischen Tiefebene geschehen, in der auch Wladimir liegt. Die Rede ist von Seidenschwänzen, Zugvögeln aus dem hohen Norden, wo es zwar auch längst nicht mehr so kalt ist, wie dort üblich, wo es aber in der dunklen Jahreszeit vor allem an Futter fehlt.

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Die Seidenschwänze leeren die Büsche von Beeren, besetzen die Kronen der Ebereschen und flöten und singen, daß es eine wahre Freude ist. Im Russischen nennt man diese Nomaden der Lüfte denn auch „свиристели“, was man mit „Schalmeienvogel“ übersetzen könnte.

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Die Schwärme der übrigens sehr zutraulichen Vögel bleiben freilich nur solange der Vorrat an Beeren reicht. Ist der aufgebraucht, zieht die geflügelte Karawane weiter – manchmal bis nach Mitteleuropa und – auf der skandinavischen Linie – sogar bis nach England.

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Nicht von der Eberesche allein nährt sich der Piepmatz, er pickt auch gern nach Moosbeeren, Wacholderbeeren, nach den Früchten des Weißdorns, während er die aus Nordamerika eingeführte Apfelbeere nur ungern zu sich nimmt.

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Aber auch an Äpfeln, die an den Bäumen hängengeblieben sind, tut sich der Seidenschwanz gütlich.

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In den nächsten Wochen wird das Futter wieder knapp. Auf die Beeren haben es ja auch die Amseln und Drosseln abgesehen. Im März und April ziehen die Schwärme der Seidenschwänze denn auch wieder in die borealen Wälder zurück.

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Dort, im hohen Norden, brüten sie auf alten Nadelbäumen und zeigen dann im kommenden Winter der nächsten Generation den Weg ins gelobte Land der Beeren, um sich dann wieder weiter zu vermehren. Und das hoffentlich noch lang mit Schalmeienklang.

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So gesehen und beobachtet von Zebra-TV.

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In ihrem 70. Lebensjahr verstarb am 15. Februar die ehemalige Stadträtin und Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Erlangen-Höchstadt, Jutta Helm. Ihr politisches und soziales Wirken in der Heimat ist weithin bekannt, weniger schon kennt man ihr Engagement in und für Wladimir. Nach einem ersten Kennenlernbesuch der Partnerstadt 1999 kehrte sie drei Jahre später, begleitet von Ruth Sych, zurück, um sich die sozialen Einrichtungen Wladimirs genauer anzusehen. Ganz ihrem karitativen Credo verpflichtet, beließ es die Kommunalpolitikerin nicht dabei, Einblick in das russische Fürsorgesystem zu nehmen, sondern sie startete eine eigene Aktion zur Anschaffung von Rollstühlen und Gehhilfen für ein Pflegeheim und empfing natürlich auch in den Räumen der AWO Delegationen aus Wladimir, die sich über das hiesige Sozialwesen informieren wollten.

Jutta Helm und das Quartett von Igor Besotosnyj im Dezember 2011

Ihre große Liebe galt allerdings dem Quartett von Igor Besotosnyj, das Jutta Helm immer wieder – auch in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Seniorenbeirats – zu Auftritten in Begegnungsstätten einlud. Und dann ist da noch etwas, von dem kaum jemand weiß. Als Ende 2000 der Jungunternehmer, Alexander Juswik, mit einem großen Auftrag und wenig Geld, aber ausgestattet mit einem Empfehlungsschreiben seines Oberbürgermeisters, Igor Schamow, nach Erlangen kam, um bei den Stadtwerken gebrauchte Busse für den maroden ÖPNV in Wladimir zu kaufen, war es Jutta Helm, die einen Zahlungsaufschub bei der Sparkasse vermittelte. Dank ihr rollte das erste Dutzend gebrauchter Busse der ESTW AG schon wenige Wochen später, Anfang 2001, gen Wladimir und fuhr dort Rubel für Rubel ein, bis die Schuld nebst Zinsen nach Jahresfrist vereinbarungsgemäß getilgt war. Der Vertrauensvorschuß hatte sich ausbezahlt.

Jutta Helm hat sich um die Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir verdient gemacht. Ihr gebührt ein ehrendes Andenken.

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Im vergangenen Jahr zählte die offizielle Statistik 2,3 Millionen Einreisen aus der Volksrepublik China in die Russische Föderation, davon anderthalb Millionen Touristen. Zahlen, die heuer wegen des Corona Virus sicher nicht erreicht werden, denn Peking hatte bereits Ende Januar touristische Reisen seiner Bürger ins Ausland begrenzt, und seit Anfang Februar gelten verschiedene Beschränkungen. Moskau schloß seine gut 4.000 km lange Landgrenze zum Reich der Mitte, an den Übergängen wurden Gesundheitsüberprüfungen verstärkt, und die Zugverbindung zwischen den Hauptstädten ist unterbrochen; nur der Warenverkehr rollt weiter. Flugreisende werden zentral an einem Moskauer Terminal Scheremetjewo abgefertigt, die Anzahl ist Flüge reduziert.

Doch nun gilt seit gestern nacht ein generelles Einreiseverbot für alle Staatsbürger Chinas, die aus touristischen oder privaten Gründen, zur Bildung und Ausbildung sowie zur Arbeit ins Land hätten kommen wollen. Ausgenommen sind nur Geschäftsleute, Bürger anderer Staaten und Transitreisende.

Russisch-chinesische Begegnung in Susdal

Ein kleines Stück von diesem Fremdenverkehrskuchen landete auch in der Region Wladimir. In den letzten fünf Jahren wuchs die Zahl chinesischer Touristen beständig. 2016 zähle man 16.000, 30% mehr als im Vorjahr. Damals startete man das Wohlfühlprogramm „China Friendly“, betonte die freundschaftlichen Beziehungen zum großen Nachbar im fernen Osten und lud sogar eine Gruppe von chinesischen Bloggern ein, die in ihrer Heimat Wladimir und Susdal bekannter machen sollten. 2018 lief das Projekt des Landesmuseums an, wonach man plante, die Besucherzahlen zu verdoppeln – mit einer Adaption der Homepage, Wegweisern, Audi-Guides und speziell geschulten Fremdenführern. Im vergangenen Sommer machte der Gouverneur der Region diese Frage sogar zur Chefsache. Doch just sein für Tourismus zuständiger Stellvertreter goß nun Wasser in den Wein. Zwar seien in den ersten neun Monaten 2018 die Zahlen der chinesischen Reisenden erneut gestiegen, doch deren Beitrag zur Wirtschaft werde überschätzt. Wörtlich, wie bei Zebra-TV nachzulesen:

Was stellten die chinesischen Touristen bei uns dar? Massen, die im Bus Instantnudeln aus ihren eigenen Schüsseln essen. Sie ließen kein Geld da, nur Müll. Es gab auch einen geringen Anteil von reichen Chinesen, die kamen, um Geld auszugeben. Die Delle wird sich wieder ausgleichen, sie werden wieder gesund und kommen zurück. Der Hauptstrom reiste an, vergnügte sich, flanierte, warfen ihren Müll weg und fuhren wieder davon. Wirtschaftlich bleibt da leider wenig hängen. Der Bus fährt durch, der Fremdenführer – wenn er denn ein richtiger ist – verdient sein Geld. Wir erwarten deshalb keinen großen Einbruch, so schlimm wird es schon nicht.

Unterdessen gehen russische Fachleute davon aus, daß sich COVID-2019 nicht von selbst erledigt, sie rechnen vielmehr mit einer veritablen Epidemie. Derlei Atemwegserkrankungen treten nämlich wellenartig auf. Und im Herbst könnte ein zweiter Ausbruch auch Rußland treffen, zumal sich das Virus noch immer weltweit ausbreitet. Wenn dann epidemiologisch alles überstanden ist, wird man sehen, wie sich nicht eben chinesenfreundliche Einlassungen wie oben auf das Miteinander von Einheimischen und Fremden auswirkt.

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Die Vergangenheit ist nicht abgeschlossen, und erst recht nicht gilt, was ein gewisser Herr einer faschistoiden Partei wider besseres Wissen über die Periode des Dritten Reiches im Rahmen der deutschen Geschichte absonderte. Die Folgen der Nazi-Diktatur sind längst nicht überwunden, und selbst wenn es immer weniger Zeitzeugen gibt, bleiben Fragen und Wunden bei uns allen zurück, besonders aber bei Hinterbliebenen. Vor allem dann, wenn, wie im Falle von Arthur Biedermann, keine Gewißheit über ihr Schicksal herrscht.

Seit Jahren schon versuchen die Enkelin und ihr Mann, Klarheit über Leben und Tod des Wehrmachtssoldaten zu gewinnen, dessen Spur sich in Wladimir verliert. Zunächst mit Hilfe des Roten Kreuzes, dann über die Städtepartnerschaft. Doch alles, was mit viel Geduld und Warten gelang, war, neben der Akte des Kriegsgefangenen folgende Auskunft des Zentralen Militärarchivs in Moskau zu erhalten:

Auf Ihre Anfrage an das Russische Zentrale Kriegsarchiv können wir Ihnen mitteilen, daß es einen Vorgang und einen Vermerk zu einem polnischen Soldaten der deutschen Armee mit Namen Arthur Otto Biedermann, geb. 1904 in Konkolewo, Polen, gibt. Nach seiner Gefangennahme am 18. April 1945 in der Nähe von Cottbus befand er sich im Kriegsgefangenenlager Nr. 190, Abteilung 29, in der Region Wladimir. Am 9. September 1945 wurde er vom Lager Nr. 190 in das Sonderhospital Nr. 2989 in Kameschkowo, Region Wladimir, verlegt. Am 15. November 1945 wurde er in die Heimat entlassen. Es liegt ein Verzeichnis von kriegsgefangenen Deutschen vor, transportfähig für die Überstellung aus dem Sonderhospital in das Repatriierungslager Nr. 69 in Frankfurt / Oder zur Rückkehr in die Heimat im November 1945 eingestuft. In dem Verzeichnis sind deutsche Kriegsgefangene (aber keine polnischen, wie in Ihrer Anfrage aufgeführt) aufgelistet. Der gesuchte Pole, Arthur Otto Biedermann, geboren 1904, findet sich nicht in dem Verzeichnis. Er fehlt auch im Verzeichnis der Kriegsgefangenen, die aus dem Lager Nr. 190 im November 1945 in die Heimat abtransportiert wurden. Andere Informationen sind nicht vorhanden.

Bei den Verwandten in Frankfurt / Oder bleiben Fragen: Was ist mit diesen Menschen, die nicht in den Listen nach Frankfurt (Oder) aufgeführt sind, geschehen? Wurden die nicht gelistet, oder sind die Listen abhandengekommen? Wohin wurden diese Männer transportiert? Gab es Transporte nach Polen?

Fragen, die vielleicht eine Antwort in Archiven der Partnerstadt Wladimir finden. Fragen, die auch der detaillierte Befragungsbogen (s.u.) des Schützen Arthur Biedermann mit seiner Narbe von einer Blinddarmoperation, den man nachträglich zum Polen deklariert hatte, weil er auf dem Gebiet der jetzigen Republik Polen geboren wurde. Die Vergangenheit ist eben noch lange nicht abgeschlossen. Die Suche geht weiter. Möglicherweise noch lange und mit ungewissem Ausgang.

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