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Archive for 31. Januar 2020


Es ist jenes besondere Licht, das die Ikonen von Andrej Rubljow zum Erstrahlen bringt, ein Leuchten, das tief von innen kommt und das der russische Wandermönch ebenso wie sein deutscher Bewunderer, der evangelische Pfarrer und Jenas Oberbürgermeister, Albrecht Schröter, auf den Schöpfer, auf Gott zurückführt. Eine innig-transzendente Verbindung zu Wladimir ist da vor fast genau sechs Jahren entstanden, die schon in der Studienzeit des Theologen gründet, als der spätere Politiker zu der russischen Sakralkunst forschte. Und dann dem Geheimnis der göttlichen Schönheit gegenüber, in Wladimir, in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale, in einem Augenblick der Zurückgezogenheit, außerhalb des Protokolls und Programms seines offiziellen Besuchs. Das hält zusammen. Über Ämter und Fristen hinaus.

So im Blog am 7. April 2015 zum 60. Geburtstag von Albrecht Schröter zu lesen, einen Monat vor seiner zweiten Reise in die Partnerstadt, und nun auf „Wiedervorlage“ zum Rückblick auf den gestrigen Vortrag des Altoberbürgermeisters von Jena im gut gefüllten Großen Saal der Erlanger Volkshochschule im Rahmen der Russisch-Deutschen Wochen zum Thema „Ikonen – ein Schlüssel zum Verständnis“.

Albrecht Schröter

Der gelernte Krankenpfleger, dem als Kind einer bekennend religiösen Familie der direkte Weg zum Studium verbaut war – Albrecht Schröters Vater kam vor genau 70 Jahren zum Theologiestudium nach Erlangen – ließ sich am „Institut für Konfessionskunde der orthodoxen Kirchen“ an der Universität seiner Heimatstadt Halle an der Saale, geprägt von dessen Gründer, Konrad Onasch, vom Geist der Ikonen ergreifen. Wobei es in den sechs Jahren neben der Wissenschaft vor allem eines zu begreifen galt: Die Seminare, Vorlesungen und Forschungen sind wichtig und geben das Rüstzeug zum Verständnis. Verstehen wird man das Bild, von dem das orthodoxe Christentum so geprägt ist, aber erst bei der Betrachtung mit dem Blick der Liebe.

Albrecht Schröter und Elisabeth Preuß

Und so ist denn auch der Schlüssel zum Verständnis, den der Gast mitbringt, die innere Haltung, weniger der rationale Ansatz einer Interpretation, als vielmehr der emotionale Zugang zur Darstellung. Denn es geht bei allen Ikonen, gleich aus welchem Jahrhundert, gleich ob für den liturgischen, privaten oder öffentlichen Raum geschaffen, gleich ob im Herrgottswinkel klappbar aufgestellt oder bei Prozessionen mitgetragen, immer um das eine: das liebende Auge.

Andrej Rubljow: Wladimirer Gottesmutter

Bis weit zurück in den Bilderstreit der Ikonodulen und Ikonoklasten, bis zum Propheten Daniel und seinem „Alten an Tagen“, wie Gott da bezeichnet wird, führt der Vortrag zurück und zieht die Linie von der Kaiserverehrung der Römer bis zu der in Byzanz entstanden Gottesmutter, die ihren Weg bis nach Wladimir und schließlich in die Tretjakow-Galerie in Moskau fand. Technik und Stil, Aufbau und Deutung, Perspektiven und Motive – nichts kommt zu kurz in dieser Stunde voller Wirklichkeit des Jenseits, in dieser Einführung in die heiligen Bilder, die Himmel und Erde verbinden, das Fenster zu Gott öffnen, durch das der Höchste seinerseits den Menschen anblickt – in wechselseitiger Liebe und Zuwendung.

Andrej Rubljow: Dreifaltigkeit

Eine Stunde kann nicht genug sein für die Fülle der Ewigkeit, für die Vielfalt der Ikonen. Mancher im Publikum hätte sich denn auch gewünscht, länger bei der einen oder anderen Ikone zu verweilen. Desto dankbarer war man dann für die eingehende Betrachtung der Dreifaltigkeit von Andrej Rubljow mit ihrer feinsinnigen Wahl der Farbgebung und der Komposition des dreifachen Kelches oder der Schilderung des Acheiropoieton, des nicht von Menschenhand geschaffenen Urbilds der Ikonographie.

Albrecht Schröter im Gespräch

Eine Wissenschaft für sich, könnte man sagen, die gestern abend aber vor allem eines schaffte: Herzensbildung und – Albrecht Schröter sei Dank! – einen spirituellen Höhepunkt der Russisch-Deutschen Wochen, die zum ersten Mal in ihrer zehnten Auflage das Geheimnis der Ikonen thematisierten, ohne es zu profanisieren.

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