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Archive for 14. Januar 2020

Laßt die Bären los!


Fast zehn Jahre hatten sie ohne vernehmliches Murren und Knurren, nur mit stummem Brummen, auf ihrer Fensterbank im Plastikzwinger verbracht. Ebenso schweigsam wie genügsam. Genug, wie die Bärenrechtlerin, Renate Winzen, eine wahre Jeanne d’Arc der Fauna, gestern bei einem Kontrollbesuch des Partnerschaftsbüros im Erlanger Rathaus meinte. Ultimativ schleuderte die ehemalige Sonderbeauftragte für die Wissenschaftskontakte mit Wladimir dem Sachbearbeiter für Internationales entgegen: „Geben Sie den Bären Freiheit, Sire!“

Renate Winzen vor der Befreiung der Trostbären

Und siehe da, der städtische Bedienstete zeigte ein Einsehen. In Zeiten, wo kaum noch ein Zirkus seinem Publikum einen Bären aufbinden will und jeder Zoo über ein größeres Gehege für Meister Petz nachdenkt, sollten auch Trostbären artgerecht gehalten, wenn nicht gleich ganz freigelassen werden. Und so kam es, wie es kommen mußte: Mischka und Grischka strampelten sich los von ihrer Hülle und ließen sich zunächst zur Kuschelpflege des Pelzes auf den Armen ihrer Befreierin nieder.

Renate Winzen nach der Befreiung der Trostbären

Nun wollen wir hoffen, daß die beiden nicht zu Problembären werden. In diesem eher unwahrscheinlichen Fall würden sie zwar nicht gleich zum Abschuß freigegeben, aber zurück in ihre Bärenschanze müßten sie wohl schon. Aber wer will daran schon denken, wenn man das Pärchen so traut vereint, Tatze an Tatze sitzen sieht mit Blick auf die weite Welt.

Mischka und Grischka mit Blick nach draußen

Schon hört man, frei nach dem phantasmagorischen Schlußkapitel des Romans „Laßt die Bären los!“ von John Irving Dialoge wie diesen:

In Erlangen gibt’s Bären. – Wirklich? – Mhm. Bären. – Aber Schaden haben sie nicht angerichtet? – Diese Bären doch nicht. Das sind komische Bären. – Seltene Brillenbären? – Also, da weiß ich nix von. – Aber vermehren sie sich? – Davon weiß ich auch nix. Aber sie sind sehr nett zueinander, wissen Sie. – Mhm. Ich weiß.

Und der Archivar des Blogs weiß: Es handelt sich um Nachkommen der kinderlieben Trostbären, die im Dezember 2010 in Erlangen massenhaft auftraten und nach Wladimir wechselten, wie hier nachzulesen: https://is.gd/1gbNSF

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