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Archive for 12. November 2019


Noch ist es in Deutschland nicht so weit wie in den USA, wo gesetzlich vorgeschrieben sein soll, die Hexen darauf hinzuweisen, ein Besenstiel könne während eines nächtlichen Ausritts unter der Last des Hinterteils brechen. Aber die Klageritis greift auch hier um sich und ergreift nun offenbar auch die weiten russischen Lande.

Und so trug sich denn folgendes zu: Ein Leckermaul aus Jekaterinburg verklagte die Firma Mondelez, die in Pokrow, Region Wladimir, Milka-Schokolade für den russischen Markt herstellt – recht erfolgreich übrigens -, man verwende im Werk nicht, wie auf der Packung angegeben Alpenmilch. Nach zehnjährigem Konsum der Süßigkeit fühle er sich um seinen Genuß betrogen, weil er erst jetzt auf der Packung entdeckt habe, das Naschwerke werde in Kowrow, also in der osteuropäischen Ebene und nicht in den Bergen produziert. Wie, so der vermeintlich Geschädigte, könne es sein, daß „diese Milch von Kühen gegeben wird, die ihr ganzes Leben die frische Gebirgsluft, fette Wiesen und warmes Sonnenlicht genießen“? Und weiter auf der Packung: „Die Zauberwelt der Alpen hilft nicht nur, eine ganz zarte Schokolade herzustellen, sondern auch die Zartheit in jedem zu wecken, wer wenigstens einmal unsere Schokolade versucht hat.“

Diese Werbelyrik hielt der Kläger für eine Lüge und verlangte von der Firma nicht nur die Rückzahlung von 5.000 Rubeln für die von ihm gekauften Tafeln. Mehr noch, er forderte Schmerzensgeld in Höhe von einer halben Million Rubeln und eine Strafe von zweieinhalb Millionen Rubeln. Außerdem solle der Hersteller künftig den Hinweis auf die fiktive Herkunft der Milch weglassen.

Schokolade aus Pokrow

Aber siehe da: Der Hersteller konnte mit Hilfe der Mutterkonzerne  nachweisen HOCHDORF Swiss Nutrition AG und Emmi Schwiez AG nachweisen, daß die Schokolade sehr wohl Alpenmilch enthalte, freilich in pulverisierter Form aus der Schweiz. Somit hat also alles seine Richtigkeit und die Klage wurde abgewiesen, in erster Instanz. Der Fall ging dann auch noch in die Berufung, weil der rechthaberische Herr aus dem Ural meinte, auf der Packung müsse angegeben sein, daß lt. der Anwendung des technischen Reglements der Zollunion zwischen Minsk und Moskau auf die Unschädlichkeit der Milch und des Milchprodukts hinzuweisen sei. Womit wir wieder beim Besenstiel und den Hexen wären. Es ist leider nicht überliefert, womit der Kläger nach seinem Scheitern auch in der zweiten Instanz seinen Appetit auf Süßes stillt. Die Gerichts- und Anwaltskosten dürften ihn in nächster Zeit eher saure Milch schlürfen lassen.

P.S.: Hier noch Artikel im Blog aus dem Jahr 2010, der zwar noch zu aktualisieren wäre, aber Pokrow von seiner Schokoladenseite zeigt: https://is.gd/3yhhby

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