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Archive for 18. Oktober 2019


Wenn alles so kommt, wie es die Ausschreibung vorsieht, verläuft die geplante Maut-Autobahn Moskau – Kasan entgegen aller Proteste durch das Landschafts- und Naturschutzgebiet entlang der Kljasma. Immerhin aber zeigt die russische Politik mehr Vernunft in Sachen Ökologie und Sicherheit als hierzulande, indem sie für die Trasse noch vor deren Bau eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h festlegt. Na ja, bevor man in Deutschland ein Limit am Steuer einführt, verteilt man in den USA zur Selbstverteidigung statt teurer Feuerwaffen kostenlose Spritzpistolen.

Straßenbauprojekt bei Nowgorod. So könnte es bald auch in der Region Wladimir aussehen…

Dennoch: Die Entscheidung, auf die Hochgeschwindigkeitseisenbahntrasse zu verzichten und an ihrer Statt eine vierspurige Autobahn zu bauen, bleibt umstritten: Die IHK der Region Wladimir fürchtet, die Streckenführung werde der Wirtschaft nicht die erhofften Impulse bringen, weil sie an den industriellen Zentren vorbeilaufe, und die Umweltschützer zittern um das ökologische Gleichgewicht. Alarm schlägt nun aber auch eine Berufsgruppe, die sich ansonsten aus derartigem Streit eher heraushält. Der Künstlerverband der Region Wladimir, vertreten durch den Maler und Professor an der Universität der Partnerstadt, Wladimir Rusin, wird deutlich:

Wir waren sehr verärgert über die Nachricht. Ich weiß, das wird eine große Straße. Es geht um Infrastruktur, um Rodungen. Diese wunderschönen Orte werden einfach weggebügelt. An ihrer Stelle kommt Lärm, kommt Staub, kommt Gestank. Wir sehen das alles entlang der M7 „Wolga“, die unsere Dörfer durchschneidet. Überall Schutzplanken, Billboards. Die reinste Verhöhnung der Menschen. Man sollte die Strecke besser andernorts verlaufen lassen. Ansonsten gehen unschätzbare Orte verloren.

Anatolij Kuwin. Landschaft, die durch die Autobahn zerstört würde.

Man erkennt zwar unschwer eine russische Variante des Sankt-Florian-Prinzips, aber der Widerstand zeigt doch auch, wie sensibel hier wie dort die Zivilgesellschaft auf Prozesse und Projekte reagiert, an denen sie sich nicht ausreichend beteiligt fühlt. Ob das ausreicht, die neue Autobahn zu verhindern? Eher nicht. Längst ist auch des Russen liebstes Kind – das Auto.

Siehe auch: https://is.gd/NCwhQg

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