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Archive for 16. Oktober 2019


Ganz im nördlichen Teil der Landkreises Wjasniki in der Region Wladimir, etwa 130 km von der Partnerstadt entfernt, ruht still und tief im finstern Tann ein 138 ha großer See, dessen Name, Kschtschara, bereits Rätsel aufgibt, geht seine Bezeichnung doch wohl auf ein Wort einer ausgestorbenen finno-ugrischen Sprache zurück. Als sicher gilt aber, daß es sich hierbei mit 65 Metern um das tiefste Gewässer des Gouvernements handelt, über den karstigen Untergrund möglicherweise mit anderen Teichen in der Umgebung verbunden.

Der fischreiche Naturschatz liegt im Kljasma-Luch-Schutzgebiet mit seinem großen Wildreichtum – von der Wasserspitzmaus und den Baummarder bis zum Elch und Wisent, vom Prachttaucher bis zum Auerhahn – und darf nur nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Dabei gilt der See als Prototyp für die Legende von der Stadt Kitesch. Zu Olims Zeiten soll am Ufer ein Dorf mit einer Kirche gestanden haben, das beim Anrücken von Feinden mit einem schrecklichen Laut im Wasser versank, um dann andernorts wieder aufzutauchen und die Eindringliche in die Irre zu führen. Sogar eine Geisterinsel soll hier über den Wassern schweben. Alles vielleicht gar nicht so abwegig, denn Karstseen brechen tatsächlich von Zeit zu Zeit ein und nehmen mit in die Tiefe, was in ihrer Nähe steht, und Treibholz kann sich durchaus einmal auch zu einem Eiland zusammenfügen.

Nicht verwunderlich deshalb, wenn hier die sowjetische Verfilmung des Wildtöters von James Fenimore Cooper entstand. Nur darf das Wild hier nicht mehr einfach so getötet werden, und auch der Fischfang ist streng reglementiert, denn noch gibt es hier frei nach dem Anglerlatein: Flußkrebse, Barsche, Quappen, Hechte, Haseln, Silberkarpfen, Alande, Ukeleien, Schleien, Gründlinge oder Karauschen. Das möge auch noch lange so bleiben.

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