Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 10. Oktober 2019


Nur im weitesten Winkel der Wahrnehmung hatte ich Wladimir als unsere Partnerstadt registriert – bis die Anfrage von Peter Steger mich neugierig machte und Wladimir das erste Mal in meinen Fokus rückte. Der sehr kurzfristige Versuch, für das Pleinair im August noch Jugendliche „aufzutreiben“, scheiterte – was im Nachhinein betrachtet gut war. Aber dazu später.

Sehr gerne nahm ich die Herausforderung an – trotzdem alleine zu reisen, dieses „Jugendkunst-Spektakel“ mitzuerleben und zu checken, ob und wie es Ansatzpunkte für die Jugendkunstschule Erlangen geben könnte.

Einschub:

Da 2019 das Jahr der russischen Kontakte sein sollte, wurde parallel die Anfrage einer russischen Jugendkunstschule über die Kulturidee an mich herangetragen, im Rahmen der Langen Nacht, bei der die JuKS im Kinderprogramm aktiv ist, unseren Raum für eine Ausstellung im Nachtprogramm zur Verfügung zu stellen.

Annette Rollenmiller 11

Kurz vor der Reise nach Wladimir, stellte sich heraus, daß es in der Zeitplanung der Dienstreise ein kleines Zeitfenster (Freitagnachmittag, am Anreisetag) gab, das ich sogleich nutzte, um diese Jugendkunstschule in der „Nähe“ (zweistündige Fahrt) von Moskau zu besuchen.

Freitag: Anreise – Moskau – Besuch Jugendkunstschule „Obraz“ – Roter Platz

Abgeholt am Flughafen von der Leiterin der Jugendkunstschule, begrüßt von Mitarbeiterinnen der Einrichtung, dem Bürgermeister und Bergen von leckeren „Butterbroten“ (in Rußland sind das ziemlich üppige Sandwiches).

Mangels Sprachkenntnisse lief die Kommunikation über Singen, Tanzen und Lachen – schön, wie schnell man mit „politischen Entscheidungsträgern“ Kontakte knüpfen kann, wenn die Sprache fehlt. Das machte im positiven Sinn wirklich „sprachlos“.

Trotzdem: Schon bei der ersten Begegnung eine Punktlandung –  …auf russisch – ganz viel Herz, Freude, Vertrautheit!

Als ob dieser russische „Teil“ mir irgendwie schon immer gefehlt hatte, spürte ich eine wahnsinnig tiefe, kulturell-menschliche Verbindung. Ich freue mich schon sehr, diese Ausstellung in den Räumen der JuKS am 19. Oktober 2019 zeigen zu können und natürlich auf ein Wiedersehen mit dem russischen Team!

Nach dem Besuch der Jugendkunstschule wurde ich von der Leiterin der Jugendkunstschule und einer Teilnehmerin mit Englischkenntnissen nach Moskau zurückbegleitet und konnte dort noch den Roten Platz besichtigen. Meine Begleiterinnen lotsten mich dankenswerterweise durch das etwas verwirrende Metro-Netz.  Ein langer Tag – ereignisreich. Moskau wirkte auf mich offen – ganz Weltstadt. Im Hinterkopf natürlich die Schlagzeilen über Demonstrationen u.a.  Ich fühlte mich wohl, (obwohl oder weil) alles präsent war: die Geschichte des Kriegs, die Flamme für die Gefallenen. Und doch… dominierte bei meinem ersten Eindruck: die Gegenwart, die Menschen! Die Lebendigkeit. Meine Erste Reise nach Rußland!

Annette Rollenmiller und der Maler Sergej Jermolin

Samstag, 17. August:  Fahrt nach Wladimir – Jury-Sitzung – Eröffnungsabend

Am Samstag ging es dann zum eigentlichen Ziel der Reise: nach Wladimir.

8 Uhr Abfahrt am Hotel „Kosmos“, das ich mir praktischerweise für die Übernachtung ausgesucht hatte. Fast fünf Stunden benötigten wir für die Fahrt mit dem Auto (die Rückfahrt mit dem Zug war mit zwei Stunden deutlich schneller). Grund, das schon von mir am Vortag festgestellte Phänomen: „Russian Rush Hour“, das scheinbar nicht an bestimmte Uhrzeiten gebunden ist.

Ich lernte meine beiden supernetten Ansprechpartnerinnen kennen: Anna (meine Übersetzerin) und Jelena (verantwortlich für die Organisation des Pleinairs u.v.m.).

Es gab ein Ankommen im strömenden Regen, der noch bis zum Abend andauern sollte und das Überqueren so mancher Straße (gerade auch bei der Abendveranstaltung) zu einem echten Abenteuer machte. Auch der Gedanke an „Pleinair“ ab Sonntag  – mit den vielen Teilnehmern im öffentlichen Raum – machte so ein bißchen nachdenklich und suchte nach Plan B.

Bereits am Samstagnachmittag wurde ich offiziell in die Jury-Sitzung mit eingebunden. Ich lernte die sehr netten weiteren Mitglieder der Jury und ein sehr straffes Programm intensiver Jury-Arbeit kennen.

Länderkarte der Teilnehmer am 18. Internationalen Peinair junger Künstler in der Region Wladimir-Susdal

Am Samstag dann die Eröffnungsveranstaltung: mit Bühnenshow und Moderatoren, die hochprofessionell fast den Eindruck einer Fernsehsendung vermittelten. Sehr beeindruckend war vor allem, daß Delegationen aus der ganzen Welt angereist waren. Hut ab!

Sonntag: 18. August: Jury Sitzung – Meisterklassen

Am Sonntag nach einem üppigen Frühstück (ich staunte nicht schlecht darüber, was alles am Buffet zu finden war!) wurde die Jury Sitzung fortgesetzt – echt harte Arbeit. Sitzung? Eigentlich saßen wir auch nie!

Mitveranstalterin Aida Dynnikowa, N.N. und Annette Rollenmiller

Das Thema des Wettbewerbs: „Wo beginnt die Heimat?“ wurde im Vorfeld von Hunderten von Teilnehmern bearbeitet und zugesandt. Ergebnis waren Tausende (?) von Arbeiten, die gesichtet und sortiert wurden. Es gab eine mehrstufige Auswahl. Den inhaltlichen Diskussionen konnte ich leider nicht folgen, lernte aber die Worte für „gut“ und für „schlecht“, wobei „schlecht“ immer noch sehr, sehr gut war! Es fanden sich supergute Arbeiten darunter, die ich da zu Gesicht bekam. Ich war sehr beeindruckt von der Qualität.

Übrigens: Das Wetter klarte rechtzeitig zum Start der Außeneinsätze auf. Es wurde trocken und steigerte sich bis zur Abreise letztlich noch zu einem richtig heißen Sommerwetter.

Nach einem Besuch in der Kathedrale in Wladimir (sehr, sehr beeindruckend!!) wurde das Theaterstück „Kathedrale“ besucht. Es waren wunderbare visuelle Eindrücke und eine sehr professionelle Darbietung eines regionalen Puppentheaters.

Abends starteten die Meisterklassen mit Bildnis eines Freundes und des Baums des Lebens. Ich nahm als Zaungast teil und staunte über die enorme Energie der teilnehmenden Jugendlichen, die ja bereits tagsüber schon fleißig in der Stadt gemalt hatten.

Montag, 19. August: Susdal – viele Kirchen – viele Äpfel

Am Montag starteten wir mit dem Bus nach Susdal und waren alle beeindruckt von Kreml und Kathedrale, vor allem von deren großer Anzahl. Unser Standort – auch für den Blitz-Mal-Wettbewerb – war schließlich das „Erlöser-Euthymius-Koster“, das ich mit einer Mitreisenden ausführlich besichtigen konnte. Das Apfelfest, das innerhalb der Klostermauern stattfand, war ein großes Kulturereignis mit Verkaufsständen, natürlich Äpfeln in jeder erdenklichen Form, selbstverständlich einer Apfelkönigin und einer Bühnenshow.

Singende Mönche und andere gute Interpreten sorgten für einen ausgesprochen unterhaltsamen und inspirierenden Nachmittag. Die Teilnehmer des Pleinair-Festivals hatten sich überall auf dem Gelände verstreut und versuchten, die Stimmung und das Ambiente in ihren Bildern einzufangen.

Die „Blitz-Jury“ fand dementsprechend auch im Mauerwerk des Klosters statt.

Weiter ging es zum Pleinair nach Bogoljubowo – stichpunktartig: eine historische Wiese, ein Kloster, wunderschöne Eindrücke auf einem Pfad über die Wiese auf die Kirche zuzulaufen, Abendhimmel – alle verteilten sich im Gelände, zeichneten, malten – traumhaft!

Abends: wieder Meisterklassen im Hotel. Dieses Mal habe ich die Angebote in einem anderen Hotel besucht und mir einen Workshop mit einer besonderen Drucktechnik angesehen.

Dienstag, 20. August: Fahrt nach Gorochowez – Blitzwettbewerb

Eine längere Fahrt dieses Mal – 155 km – nach Gorochowez. Hier wurden wir mit einer folkloristischen Darbietung empfangen. Aber nur ganz kurz – dann tanzten wir alle selbst. Verschiedene Tanzspiele auf der Wiese, die immer schneller wurden, heizten uns bei sommerlichen Temperaturen ganz schön ein. Viel Lachen, viel Spaß!

Danach erneut ein, dieses Mal etwas längerer Blitzwettbewerb. Ich staunte schon wieder: soviel Energie! Obwohl es sehr heiß war, schwärmten die Teilnehmer aus den Bussen aus, suchten sich einen Platz zum Malen. In einer kleinen Gruppe (von fünf Personen) besichtigten wir die Stadt und besuchten ab und zu die malenden Teilnehmer an den verrücktesten Orten. Unglaublich mit welcher Geschwindigkeit hier beeindruckende Bilder entstanden.

Hier warf ich – wie meine vier Begleiterinnen – ein Geldstück in die Kljasma, ganz entgegen meinem Umweltbewußtsein, als Zeichen, daß ich wiederkomme.

Dann wieder – Jury – Preisverleihung. Soweit ich das richtig erinnere, sprachen der Bürgermeister und andere Redner. Auch ich sollte unvermittelt ein paar Worte sagen. Improvisation ist alles! – Und eine gute Übersetzerin!

Fortsetzung folgt.

Annette Rollenmiller

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: