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Archive for 4. Oktober 2019


Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 6

Liebe Leserinnen und Leser,

es wird höchste Zeit, zum Ende zu kommen, bevor es langweilig wird und Sie sagen „Oh Gott, der schon wieder“. Also bemühe ich mich jetzt, jede Langatmigkeit zu überwinden. Wir sind ja auch nicht mehr in Karelien, diesem kleinen Paradies. Protzteufel ist das aber auch schade. Ich hatte es Ihnen erzählt. Der Reiseveranstalter hatte mal kurzer Hand das Programm geändert. Auch das ist Rußland. Akzeptiere und schweige. Oder beschwere dich direkt beim Kremlchef. Andere Alternativen hast Du da nicht.

Also die Änderung sah vor, einen Ausflug mit dem Bus nach Kronstadt zu machen. Natürlich nur wer wollte. Alternativ gab es Besichtigungstouren in Sankt Petersburg. Wir entschieden uns für Kronstadt. Ich hatte, ganz ehrlich gesagt, keine Ahnung, weshalb meine Freunde sich dafür entschieden. Ich sollte es später erfahren.

Gegen 9.00 Uhr ging es los mit dem Bus. Wir fuhren in Richtung der skandinavischen Grenze. So stand es auf den Hinweisschildern. Schnell waren wir auf einer sechsspurigen Autobahn, die natürlich nachts beleuchtet wird. Dann ging es lange durch ein Waldstück. Links und rechts nur Wald. Ich denke, hier habe man halt schnell mal eine Schneise zum Bau der Autobahn geschlagen. Nach geraumer Zeit durchfuhren wir viel freies Land. So weit das Auge reicht. Das sind meine Glücksmomente. Freiheit ohne Ende. Ja, auch gefährlich oder gar tödlich in diesem Land. Aber trotzdem ganz einmalig. Wunderschön. Doch nur, wenn man keine anderen Gedanken hat. So funktioniert es prima.

In der Ferne kam dann Wasser auf uns zu. Immer noch auf dieser Autobahn mit dem Richtungshinweis Skandinavien.

Welches Wasser dachte ich? Na ganz einfach, die Ostsee. Und wie kommt man von der Ostsee weiter nach Skandinavien oder Finnland? Na, Sie werden sagen, mit dem Schiff.

Aber wir wollten ja nur nach Kronstadt. Also haben die Sowjets oder auch andere für uns einen Kanal, nein einen Deich, durch die Ostsee gebaut. Ja, der Deich war einfach da, mit Befestigung, Beleuchtung, Straßenschildern und natürlich einer Zugbrücke. Die Schiffe müssen ja irgendwie durch.

Wow, kilometerweit links und rechts Wasser. Ja, ein befahrbarer Deich. Ich will das jetzt ökologisch nicht bewerten. Es war einfach einmalig. Klasse.

40 km vor der Grenze kamen wir dann in Kronstadt an. Schlechtes und regnerische Wetter begleitete uns. Aber egal. Unsere Gruppe hielt gemeinsam durch. Auch eine gute Erfahrung.

Sie sehen schon: Kronstadt ist ein militärischer Stützpunkt und gehört administrativ zu Sankt Petersburg, wenn auch weit entfernt.

Früher gab es hier nur eine Festung. Mit dem Damm durch die Ostsee wurde sie mit der Stadt verbunden.

Der Kronstädter Pegel dient übrigens als Bezugsgröße für weite Teile Osteuropas.

Die Stadt wurde als Marinestützpunkt von Zar Peter I im Jahr 1703 an der Ostsee gegründet. Damals verteidigte der Ort den Zugang zur Hauptstadt vom Meer her. Die anderen Himmelsrichtungen wurden mit Küstenbatterien, also diesen schrecklichen Dauerfeuergranaten, versehen. Die Geschichte ist wechselhaft, verbunden mit Meutereien und Aufständen.

Ich bin dankbar, nicht zu dieser Zeit dort gewesen zu sen. Die Ostsee war wohl rot vor Blut, die Menschen halb tot und abgewrackt wir ein altes Schiff. Aber Menschenleben zählten noch nie im Krieg. Es schaudert mich. Und das Wetter hier tut das Seine dazu: Regen, Kälte und starker Wind.

Dieser Mensch hier wird als Eindecker der Nordmeere verehrt. Da er Mitglied der Marine war, durfte er diese Entdeckung nie für sich in Anspruch nehmen. So wird das zumindest erzählt. Ich meine, das hier war Peter der Große in Kronstadt.

Lange Zeit herrschte hier Sperrgebiet. Zutritt war nur mit einem Passierschein möglich. Erst seit 1996 dürfen Touristen in die Stadt. Und jetzt wir!

Sehr geehrte Leserinnen und Leser, jetzt komme ich auf den ersten Teil meiner Geschichte zurück. Ein U-Boot in der Kirche.

In Kronstadt gibt es eine Kathedrale, die wie ich denke, speziell für die Seeleute gebaut wurde. Übersetzt heißt sie deshalb auch „Meereskirche“. Hier ein paar wenige Eindrücke von der Schönheit des Gotteshauses.

Wie überall hier war die Kirche in der Sowjetzeit zunächst ruiniert und als Lagerraum mißbraucht worden. Heute steht sie in neuem Glanz als Halt und Glauben, als Hoffnung und Wiederkehr der Marinesoldaten zur Verfügung. Ich meine, ihre ursprüngliche Aufgabe kann sie wieder voll und ausnahmslos erfüllen.

Nach Kronstadt ging es am Nachmittag zurück. Den Weg brauche ich nicht mehr beschreiben. Sie müssen ihn sich nur rückwärts denken.

Ich bin Patriot

Die letzten Stunden in St. Petersburg sind es, denke ich, nicht wert erneut in einem eigenen Kapitel aufgriffen zu werden. Obwohl die Stadt natürlich unschlagbar schön und einzigartig ist.

Aber am Rande doch eine kleine Beobachtung. Am Flughafen Pulkowo wie auch auf Moskaus Scheremetjewo konnte ich das neue Design der Aeroflot bewundern. Modern, aufgeschlossen und professionell. So war auch der Flug hin und zurück.

Liebe Leserinnen und Leser, ich danke für Ihre Begleitung während meiner Ausführungen. Es sind ganz persönliche Eindrücke und Erfahrungen. Vielleicht manchmal zu sehr gespickt mit ironischen Anmerkungen. So bin ich halt, und es soll ja auch Spaß machen, solche Berichte zu schreiben.

Mein Wunsch im kommenden Jahr ist eine Reise in den Kaukasus. Dann lesen Sie wieder von mir. bis dahin sage ich danke für Ihr Aufmerksamkeit.

Ihr Günther Allinger

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