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Archive for 2. Oktober 2019


Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 5

Vorab eine zerknirschte Anmerkung der Blog-Redaktion: Aus Versehen sind Teil 4 und Teil 5 in der Reihenfolge vertauscht worden. Was Sie also heute lesen, hätte bereits vorgestern erscheinen sollen. Wir bitten um Nachsicht und wünschen wieder viel Freude an der ganz eigenen Günther-Allinger-Prosodie.

Wenn es ein Paradies auf Erden gibt, dann ist Karelien auf jedem Fall mit dabei. Ja, ich denke, dies kann man ohne Übertreibung sagen, auch wenn ich nicht alles gesehen habe.

Die Insel Walaam ist ein echtes Biotop. Wunderschön und naturbehalten. Ich kann heute nicht ausschweifen, denn heute beginnt in Fürth die Michaelis Kirchweih. Wissen Sie was das bedeutet? Liebe Leserinnen und Leser, ich verzichte zugunsten der Berichterstattung auf dieses Event. Okay, Sie haben es geahnt. Ist mir auch nicht so wichtig.

Nach der Ankunft wurden wir in Gruppen aufgeteilt. Eigentlich sollte es mit einem kleineren Boot in die Fjorde der Insel gehen. Dem Veranstalter wurde es an diesem Tag aber bei dem Seegang zu gefährlich, und man brachte uns mit zahlreichen Kleinbussen zu den Sehenswürdigkeiten.

Der erste Halt war in der Nähe des dortigen Klosters.

Auf der Insel leben etwa 100 Mönche und ca. 50 Privatpersonen. Die beiden im Bild mögen mir die geheime Aufnahme verzeihen. Schauen Sie doch mal auf die linke Schulter. Der Mann hat immer seinen Proviant dabei: getrockneten Fisch. Ja, schon ein uriges Leben hier. Man muß es halt auch mögen. Ich denke Streß haben Sie nicht.

Das Kloster dort ist sehr groß und überwiegend renoviert, bzw. saniert. Es macht einen guten Eindruck, und man vermutet dort eigentlich keine so große Glaubensmannschaft. Es ist ein großes, schönes und ruhiges, ja, besinnliches Areal. Zunächst halten wir uns im Freien auf und besichtigen einige bedeutsame Orte, z.B. den Friedhof.

Große Steine dienen als Grabsteine. Bemalt, beschriftet mit den Daten des Verstorbenen. In der Regel einfache Mönche, die hier beerdigt wurden. Für Äbte oder Höhergeweihte gibt es dann Grabstätten mit einem großen Stein und einem Kreuz. Alleine über diesen besonderen und einmaligen Friedhof könnte man eine eigene Geschichte scheiben. Aber ich will Euch ja nicht langweilen.

Ein Durchgang im Kloster selbst eröffnete uns kleine Einblicke in das Leben der Mönche. Es gibt dort einen kleinen Laden, wo Touristen wie Mönche einkaufen, und es gibt eine besonders großartige Fischräucherei. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Auf wirklich einfachstem Niveau produzierte Fische aus dem Ladogasee in Spitzenqualität. Ich habe diesen Duft noch immer in der Nase. Auch wenn ich kein Fischliebhaber bin, dort wurde ich zu einem.

Ja, liebe Leser, das sind riesige geräucherte Forellen.

Warum haben wir eigentlich keine gegessen? Eine Schande, wie ich meine. Wir waren satt vom Frühstück, und das Mittagessen erwartete uns. Wenn ich wieder dort hinkomme, weiß ich, was ich zu tun habe.

Schließlich besuchten wir natürlich die Kathedrale. Eine komplett restaurierte Kirche. Sie wissen ja, daß in der Sowjetunion alle Kirchen weiß übertüncht und als Lagerräume verwendet wurden. Figuren, künstlerische Werke, Stuck usw. wurden zerstört. Heute bezeichnet man das als Frevel, damals war das üblich. Ich will nicht urteilen, dazu gehören immer Menschen, die eine Ideologie vertreten. Aber wir leben nicht die Vergangenheit, sondern gestalten die Zukunft. Das ist doch, was wir wollen. Eine gute, konfliktfreie Zukunft ohne Idealismus sondern mit mehr Naturalismus.

Es ist unglaublich, was die Mönche und ihre Helfer hier geleistet haben. Diese Kirche war wirklich mal eine Lagerhalle. Weiß übertüncht. Teilweise zerstört und von der Welt unbeachtet. Umso größer die Freude über dieses unschätzbare Engagement.

Ich will Sie jetzt nicht länger aufhalten als nötig, erzähle aber noch eine kleine Begebenheit. Als ich mich intensiver in der Kirche umsah, entdeckte ich im Mittelschiff auf einer Höhe von rund zehn Metern eine Malerin. Vielleicht eine Künstlerin, vielleicht eine Nonne. Sie arbeitete an einem kleinen Detail „in dieser Höhe“ aus der Heiligengeschichte. Ich glaube, kein Mensch, außer ein Professor oder Bischof oder der Pope selbst hätte diese kleine unfertige Stelle entdeckt.

Alles wird hier eben vervollständigt. Eine wunderbare Einstellung, die für Frieden, Gemeinsamkeit, Hilfsbereitschaft und das Lebe steht.

Ich bin dankbar für diese ersten Eindrücke. Bald geht es weiter, und ich hoffe, Sie sind noch interessiert.

Günther Allinger

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