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Archive for September 2019


Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 4

Über sieben Brücken mußt Du gehen; auch in Walaam.

Ich hatte meinen letzten Teil mit dem bevorstehenden Mittagessen beendet. Nein, das stimmt nicht. Mit dem Bild meines Enkels. Der ist da gerade mal hereingeschneit, und ich habe mich natürlich, wenn auch räumlich weit entfernt, unheimlich darüber gefreut. Da ich noch leicht erkältet bin, habe ich ihn noch nicht gesehen. Aber bald.

Nun zurück nach Karelien und die Insel Walaam. Nach dem Mittagessen ging es planstabsmäßig weiter mit der Entdeckung der Inselgeheimnisse. Womit wir nicht gerechnet hatten, diesmal zu Fuß. Ich glaubte, das gehe perpetuum mobile. Das war aber nur mein Wunschdenken. Ohne Energie, in diesem Fall die körperliche Energie, geht nichts. Auch nicht hier. Über Stock und Stein, auf unbefestigten Waldwegen und teilweise provisorischen Laufstegen mußte unser Grüppe die Ochsentour überstehen.

Also ich meine mal, daß sich die berühmten Models hier auf den Laufstegen die zarten Füßchen gebrochen hätten. Zum Glück waren sie nicht dabei. Bergauf und bergab leitete uns die Führerin durch ein Labyrinth von Wegen. Unsere Gruppe bestand aus Chinesen und Russen und mir. War trotzdem schön. Wir besichtigten die vielen kleinen Kirchen auf der Insel.

Nach etwa einer halben Stunde Fußmarsch zog ein richtiges Unwetter auf. Der Wind heulte, der Regen prasselte nur so nieder, und der Wald knirsche im Gehölz. Wir fanden Unterstand bei einer Kirche. Das war genau hier.

Unter dem Vordach. Und soll ich Ihnen etwas sagen? Plötzlich verschwanden die Chinesen in unserer Gruppe. Was war denn passiert? Auf meine Frage erhielt ich zur Antwort, Chinesen hätten Angst vor Regen und Unwetter. Ich habe das einfach mal geglaubt. Aber komisch war schon, daß der junge Reisebegleitet der Chinesen nicht davonlief. Er blieb bei uns. Er nannte mir seinen Namen, da er auch etwas Englisch konnte. Eine Wiedergabe des Namens ist mir allerdings unmöglich. Vielleicht könnte sich ein chinesischer Professor an den Namen erinnern. Ich leider nicht.

Jetzt blieben nur noch die Reiseleiterin, meine beiden Freunde, zwei russische Paare und ich mit dem jungen Chinesen übrig. Eine überschaubare und eher angenehme Gruppe.

Der Chinese erzählte, er studiere in Sankt Petersburg. Er spricht perfekt Russisch und kommt von der chinesischen Seite Tibets. Dort wohnt er in 2.000 m Höhe über dem Meeresspiegel. Er ist ein sehr angenehmer Mensch, offen, aufgeschlossen und respektvoll im Umgang. Da soll noch mal jemand was über unsere Jugend sagen.

Nach einiger Zeit des Abwartens gingen wir trotz Unwetter weiter. Die Kleidung hielt stand.

Sie kennen das Lied: „Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm, es hat vor lauter…“

Es war kein Männlein, dem wir begegneten. Auf jeden Fall waren wir trotz Regen, der etwas nachgelassen hatte, irritiert über liebliche Geigenklänge, die unsere Ohren streichelten. Und dann! Ein paar Schritte weiter: „Eine Frauchen steht im Walde mit ihrer Geige…“ Warum sie da stand, dort spielte im Schutz des Waldes, weit und breit keine Zivilisation in Sicht? Wir wissen es nicht. Dennoch entlockte Sie Ihrer Geige zauberhafte und märchenhaft wunderschöne Klänge, als wollte Sie uns damit verzaubern. So etwas hatte ich auch noch nie erlebt.

Wir gingen weiter und ließen uns von dem Zauber der Musik nicht einfangen. Vielleicht eine richtige Entscheidung, damit wir nicht wie Hänsel und Gretel gefangen werden.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie merken es schon, man kann gar nicht alles berichten und erzählen. Es sind einfach Tausende von Eindrücken, die mir gefallen haben, die mich aber auch sehr bewegen.

Über Stock und Stein und über provisorische Laufstege ging es bis zum Ende der Besichtigung. Es war eine richtige Wallfahrt.

Um 18.00 Uhr hatten wir den etwa zehn Kilometer langen Spaziergang, nein Abenteuergang, beendet. Wir waren kurz vor dem Schiff. Da kam ein Mann aus unserer Reisegruppe auf mich zu. Wir kannten uns natürlich vom Sehen und den gemeinsamen Erlebnissen, und ich war schon versucht zu denken, er sei ein Agent. Er fragte nämlich: „Günther, kak dela?“ – „Wie geht’s?“

Ein weiterer Moment der Freude für mich. Es war wirklich herzlich und interessiert gefragt, uns so verabschiedeten wir uns auf unbestimmte Zeit.

Ganz ehrlich, beide Waden und Füße schmerzten von dieser Ochsentour. Aber wer gibt das schon gerne zu! Unsere Reiseleiterin ging immer leichtfüßig, und da war mir klar, sie ist bestens trainiert. Na, ich halt nicht, und ich meine, einige andere auch nicht. Egal.

Wir waren zurück auf dem Schiff. Ich war aus Erfahrung klug geworden und heizte die Bude gleich leicht ein. Das war viel angenehmer. Um Schlag 19.00 Uhr starteten die Motoren. Es ging zurück in den Hafen nach Sankt Petersburg. Wie immer, gab es um 20.00 Uhr das Abendessen. Aber wo fand das Kapitänsessen statt? Mit Empfang etc.? Na hier nicht. Das gibt es wohl bloß auf der AI…

Egal. Wir verbrachten noch einen schönen Abend in der Bar. Es gab nette Kontakte mit den Anwesenden, und keiner störte sich an meiner Herkunft. Auf dem Schiff waren mehrere Deutsche. Das höre ich natürlich. Also mehr so Preußen. Denke, diese haben die Lokalitäten auf dem Schiff nicht so genutzt und sind pflichtbewußt ins Bett gegangen. Habe ich auch gemacht. Aber später.

Das Schiff steuert im Ladogasee seinen Kurs zurück nach Sankt Petersburg. Der Wellengang ist ruhig und unmerklich. In ca. zwölf Stunden sollten wir wieder im Venedig des Nordens sein.

Ich habe sehr ruhig und gemütlich in diese Kajüte geschlafen. Man darf halt nicht so anspruchsvoll sein und sollte die harte Spanplatte unter dem Bett als Gitterrost akzeptieren.

Zurück im Sankt Petersburg, gab es gegen 8.00 Uhr noch ein Frühstück auf dem Schiff. Dann Check-out mit der Option, eine Fahrt nach Kronstadt zu buchen. Das machten wir. Natürlich! Oder so, weil wir Lust dazu hatten. Unsere Heimreise nach Wladimir war erst für den Nachmittag gebucht.

Wen es interessiert, davon im fünften Teil etwas mehr.

Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen allen noch eine angenehme und schöne Woche.

Günther Allinger

 

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Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 3

Ogschdoch´n is bei da Färdder Kärwa. (Angestochen ist das erste Faß Bier bei der Kirchweih in Fürth), und ich schreibe wieder. Aus Fürth, Sie wissen schon, da wo die IKEA ist. Soll keine Schleichwerbung sein.

Das Kloster in Walaam dürfte zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert erbaut worden sein. Nur der Herrgott weiß, wann genau. Nach Bränden, Vertreibung und Zerstörung wurde der Wiederaufbau auf Ukas Peters des Großen 1715 eingeleitet. Im 18. Jahrhundert wurde auf der Insel viele Einsiedeleien errichtet. Erst in den 1890er Jahren kehrte das kirchliche Leben zurück. Das Gotteshaus ist heute der Verklärung Christi geweiht. Die Weltkriege machten Walaam zu einer menschenleeren Region. Erst in Friedenszeiten kam wieder Leben auf die Insel, und man gestaltete das Kloster neu. Trotz Bombardement blieb viel erhalten. Wie bereits berichtet, hat natürlich die Sowjetzeit viel zerstört. Mehr als der Krieg.

Heute erfreut sich Walaam seiner Rolle als Magnet für viele Touristen, und das christliche Leben der russisch-orthodoxen Kirche blüht auf. Dabei handelt es sich um einen Archipel, der aus einer Hauptinsel und etwa vierzig kleineren Inseln besteht. Leider kann man nicht alles in der Kürze der Zeit besuchen. Dennoch bin ich etwas traurig, den angrenzenden Onegasee nicht gesehen zu haben.

Die natürliche Vegetation ist einmalig. Ich bin kein Profi, aber vieles ist einfach ohne Einmischung des Menschen gewachsen. Denke, sie haben auch kein Insektenproblem wie wir in Westeuropa. Dennoch sieht man kaputte und tote Bäume. Vielleicht ist das ökologische System auf dieser Insel sehr gesund. Auch wenn man teilweise anderes sieht, z.B. hier auf dem Bild in einem Fjord. Da sieht man Parasiten oder auch symbiotisches Leben. Letztlich stirbt der Baum.

Und wissen Sie noch was? Die karelische Birke. Ja, ich habe sie gesehen, aber nicht so beachtet. Der Baum ist etwas ganz Besonderes. Sie unterscheidet sich nur wenig von den anderen Birken. Aber ihr gemasertes Holz gehört zum teuersten der Welt, das nicht wie üblich verkauft wird, sondern einen Kilogrammpreis hat. Na, halt was für Reiche und nichts für uns.

Karelien ist riesig. Wir haben viel zu wenig Zeit. Es reichte nicht für einen Besuch der Hauptstadt Petrosawodsk. Da muß ich noch mal hin. Es ist in der Tat ein Land wie man sich das Paradies vorstellt.

Jetzt aber mal zurück, denn wir sind noch am Vormittag der Inselbesichtigung, und es geht zum Mittagstisch auf das Schiff. Schon etwas stressig hier.

Zwischendurch informiert: Das ist eine Extratour, die mir natürlich besonders gefallen hätte. Aber vielleicht komme ich ja wieder. Eine gigantische Aktion, ein gigantisches Bauwerk. Eine gigantische, unmenschliche Ausbeutung. Wohl auch ein Verbrechen gegen alle internationalen Vereinbarungen. Vielleicht sollte ich nicht darüber informieren. Vielleicht aber gerade deshalb. Einerseits macht es mich sehr betroffen, und andererseits sollte das nicht verschwiegen werden.

Es geht um den „Weißmeer-Ostsee-Kanal“. Schon mal davon gehört? Bereits in den 30er Jahren hat man begonnen. Der Sowjetisch-Finnische Krieg brachte Verzögerungen. Danach folgte der 2. Weltkrieg. Das Projekt blieb unvergessen.

Man bezeichnete es als „Denkmal der Epoche des Stalinismus“. Gut, der Weißmeerkanal ist einzigartig. Die Idee stammt bereits aus dem 16. Jahrhundert. 1932 wurde das Projekt beschlossen und bestätigt. Bereits aber am 16. Oktober 1931 begann man mit den Felsarbeiten und schon 1933 befuhren die ersten Schiffe den Kanal. Dieses Bautempo ist 160.000 Zwangsarbeiter zu verdanken. Die Sterberate betrug neun Prozent. Die Idee der massenhaften Nutzung von kostenloser Arbeitskraft wurde hingenommen.

Der Kanal funktioniert seit 1993 mit permanenter Sanierung seit dieser Zeit. Er hat eine Länge von 227 Kilometer.

Der Panamakanal steht eigentlich in seinem Schatten. Aber das ist alles nicht so wichtig. Hohe Technologie fordert immer Menschen. Und hier sollte unser Interesse sein. Wo gibt es den Mittelweg? Egal ob Strafgefangene oder arme Tagelöhner. Wir haben eine Verantwortung für die Menschen. Ich habe kein Rezept, aber Mißbrauch darf niemals toleriert werden.

Jetzt gehen wir mal zum Mittagstisch, und bald geht es weiter mit meinem Bericht.

Schon toll. Ein Schiff der ehemaligen DDR mit Auszeichnung und Goldmedaille. Was will man mehr. Alles hat gepaßt.

Liebe Leserinnen und Leser, Sie kennen mich jetzt schon. Luxus ist geil aber nicht notwendig. Also auf dem Schiff gab es nichts Notwendiges.

Ja, der Nachmittag dieses Tages fehlt. Der war crazy, aber auch interessant und verdammt anstrengend. Aber für meinen Freund auch etwas erotisch. Hoffe, man darf hier darüber sprechen. Es ist ja nichts passiert. Denke ich. Oder doch?

Gerade erreicht mich die Nachricht, daß ich Opa geworden bin.

Günther Allinger

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Vor viereinhalb Jahren stand Otmar Koch, begleitet von seiner Frau Anni, an dem Ort, wo sein Vater mutmaßlich Ende August 1947 auf dem Gelände des Wladimirer Traktorenwerks beigesetzt wurde, und besuchte zusammen mit dem Weltkriegsveteranen, Philipp Dörr, jene Kirche, wo der Wehrmachtssoldat einquartiert war, der seine Familie nie mehr sehen sollte.

Peter Steger und Otmar Koch

„Möglich wurde das nur dank dem Blog“, erinnert sich der Künstler dankbar. „Ich war beseelt von dem Gedanken, das Grab meines Vaters zu finden, aber erst eine Frau aus der weiteren Verwandtschaft, der ich von meinen Plänen berichtete, fand die Verbindung zwischen Erlangen und Wladimir und machte mich auf die Städtepartnerschaft und den Blog aufmerksam. Was da daraus entstanden ist – unglaublich!“

Otmar und Anni Koch mit der Arbeit von Kirill Wedernikow im Skulpturengarten Tennenlohe

Das Ehepaar aus der Wachau verfolgt zwar seither regelmäßig den Blog, erfuhr aber erst gestern in Erlangen vom elften Geburtstag dieses Mediums der deutsch-russischen Verständigung. Wieder so eine Fügung und Wendung, wie sie nur das Leben und der Blog bereithalten. Und so wurde der gestrige Tag unversehens zur kleinen Feier einer vom Blog gestifteten Freundschaft fürs Leben.

Mehr zu Otmar Koch und zum gestrigen Tag unter: https://is.gd/ZwAIeG und https://is.gd/Dlyc6c

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Heute gibt es drei Geburtstage zu feiern: den elften des Blogs, den 79. von Heinrich Niemann, Ehrenprofessor der Staatlichen Universität Wladimir, und den 80. von Wolf Peter Schnetz, der sich 1981 zusammen mit Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, wie er selbst einmal sagte, in der Verständigung und Aussöhnung mit der Sowjetunion und Rußland „auf dem richtigen Weg“ sah. Als wie richtig sich dieser Weg der Annäherung und des Austausches erweisen sollten, konnten sich damals nicht einmal diese beiden großen Visionäre des deutsch-russischen Dialogs vorstellen. Aber sie machten sich auf diesen Weg, unbeirrt und zielstrebig, ungeachtet aller Hindernisse, nachlesbar hier im Archiv des Blogs: https://is.gd/EPfXgC

Wolf Peter Schnetz

In einem Gespräch mit dem Granden der Städtepartnerschaft, Wiktor Malygin, Germanistikprofessor, Vorsitzender des Freundeskreises Wladimirer Schauspielhaus und Vorstandsmitglied des Erlangen-Hauses, um nur einige Funktionen zu nennen, meinte Wolf Peter Schnetz: „Am Ende blieben vielleicht ein paar Gedichte.“ Auch wenn er durchaus nicht nur nebenher poetisch verdichtete Prosa schreibt, war und bleibt die Lyrik wesentliche Ausdrucksform des promovierten Germanisten aus Regensburg, der im Ruhestand in seine Heimat zurückkehrte und in seiner Zeit als Referent von 1973 bis 2000 das Kulturleben Erlangens prägte wie niemand sonst – mit den internationalen Schriftstellertreffen, dem Poetenfest, dem Comic Salon, dem Figurentheaterfestival…

Manche Menschen schlägt man mit ihren eigenen Worten, einen Lyriker ehrt man am besten mit seinen eigenen Versen, mit Gedichten wie diesem, übertragen von seiner bereits verstorbenen Kollegin aus Wladimir, Julia Alexandrowa:

September

An solchen Tagen saß ich oft / in alten Gärten. Ein leichter Wind. / Septemberlicht. Den Schatten sah ich wandern / unter Apfelbäumen…

В такие дни сидел я часто / в садах старинных. Лёгкий ветер / и свет сентябрский. Я движение теней / под яблонями видел…

Manchmal ein Brief

Manchmal ein Brief. / Federleicht / im sandweißen Umschlag, / leichter / als der luftigste Vogel, / wenige Gramm.

Aufgewogen / gegen / die Schwere der Welt, / ein freundlicher Gruß / aus der Ferne.

Ein Brief / kann Berge versetzen.

Иногда письмо

Иногда письмо. / Лёгкое, как пёрышко, / в белом, как песок конверте, / легче птицы в воздухе, / несколько граммов.

Защита от всех / тягот мира, / дружеский привет / издалека.

Письмо / может сдвигать горы.

Wiktor Malygin und Wolf Peter Schnetz, August 2018

So einen Brief schickte nun auch Wiktor Malygin an die Redaktion des Blogs:
Mein langjähriger, echter Freund, Wolf Peter Schnetz, begeht heute seinen 80. Geburtstag. Wir kennen uns seit längerer Zeit. In meinem Gedächtnis bleibt er auf immer als ein kluger, eleganter Mann, der nicht nur schön schreiben, sondern auch  ausdrucksvoll und überzeugend reden kann. Seine originellen und poetisch reichen Gedichte zitierte ich mehrmals für meine Studenten, und sie haben immer großen Anklang gefunden.
Lieber Freund! Bleib gesund und munter auf viele Jahre!

Dietmar Hahlweg und Wolf Peter Schnetz, 1981 in Moskau

Wer mehr über diesen vorausblickenden Wegbereiter der Partnerschaft und sein fortlebendes Werk der Volksdiplomatie erfahren möchte, gebe in der Suchfunktion des Blogs das Stichwort „Wolf Peter Schnetz“ ein, wer seine lyrische Welt entdecken möchte, greife am besten zur Anthologie „Täglich ein Wunder. Gedichte aus 40 Jahren.“
P.S.: Heute feiert noch jemand Geburtstag, eine Mitarbeiterin der Volkshochschule, die eher im Hintergrund der Partnerschaft mit Wladimir Gestalt gibt: Edith Kaluza, deren Portrait demnächst in Ihrem Blog folgt.

 

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Gedanken zum Herbst von Anatolij Gawrilow, dem hier im Blog schon des öfteren zitierten Autor der knappen Worte:

September, regnerisch, kalt. Bald stellen sie die Fernheizung an. Andernorts liegt schon Schnee, herrscht Frost. Andernorts hat es 40 Grad plus. Mir ist nach schlafen. Auf dem Fensterbrett stehen Blumen. Es dunkelt. Im Herbst wird es früh dunkel und spät hell. Irgendwie kommt der Specht nicht mehr geflogen. Es ist schon dunkel. Leg dich hin und schlaf.

Herbstliches Haus, gesehen von Michail Mojsejantschik

Heute ist schon wieder der 25. September und draußen ist es dunkel aber noch nicht alle schlafen ich zum Beispiel weil ich mich tagsüber ausschlief trinke ich jetzt Tschatscha und niemand erfährt davon na und dann sehen wir weiter obwohl da ist null Sehen.

Heute ist schon der 25. September 2019 und fast fünf Uhr irgendeiner Zeit und bereits um neun Uhr am heutigen Tag kommt der Gasmann nichts Besonderes natürlich braucht man die Satzzeichen nicht setzen wie er kommt so geht er du warst ja selbst auch einmal im der Versorung der Bevölkerung mit Flüßiggas zugange und warst bisher noch nicht im Bolschoj dafür auf dem Pawelezker Bahnhof und auf anderen Bahnhöfen unserer Heimat.

Das Wetter ist wie gestern. Die Nachrichten sind wie gestern. Eh klar, daß das alles einmal endet. Derweil leb weiter.

Zwei Uhr nachts, keine Spechte, keine Quanten, nur das Fenster, der Diwan, die Decke, das Kissen, und man muß weiterschlafen, aber es geht irgendwie nicht, und es kommen wieder Gedanken an die Spechte, die Quanten und Bären, die es in unseren Wäldern gibt, weshalb ich einen Wodka trank und mich schlafen legte.

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Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 2

In Sankt Petersburg fahren wir bei miesem und kaltem Wetter schnell via Transferhaltestelle zu den Schiffen im Hafen. Nur gut, wenn man lesen kann. Der Transfer beginnt erst in ca. zweieinhalb Stunden.

Hinab in den Untergrund – gigantisch!

Eine interessante Station mit dem Namen „Proletarskja“. Also die Straße der Proletarier. Hatte das was mit uns zu tun? Sollten wir uns vielleicht schämen wegen der Kreuzfahrt, oder dient der Straßenname nur der Erinnerung? Egal wir hatten keine Idee. Aber nicht egal war die lange Wartezeit. Andererseits hatten wir auch Hunger. Es gab noch nichts zu essen. Wir fragten uns nach einem Lokal durch und landeten in einer einfachen Kantine. Diese war von außen nicht erkennbar. Das Essen war einfach, aber gut und schmackhaft und für Petersburger Verhältnisse sehr billig. Dort vertrieben wir uns noch ein wenig die Zeit, bis wir wieder zum Transferbus aufbrachen. Wir haben das Teil, also den Bus, irgendwie erkannt, was auch den Einheimischen schwerfiel, und los ging es in den Hafen.

Der Busfahrer zum Hafen war flott unterwegs. Man konnte glauben, er werde verfolgt. Aber die fahren da alle eher etwas schneller. Aber der Blick aus dem Bus bei der Anfahrt. Einfach schön.

Das war bereits der Vorgeschmack auf unsere Schiffsreise.

Es folgten das Eincheckprozedere und die Kabinenzuweisung. Verdammt, waren diese Dinger klein. Ich konnte mich kaum umdrehen, geschweige denn meinen Koffer öffnen. Irgendwie habe ich es dann doch geschafft. Ein Blick aus dem Kabinenfenster hat für alles entschädigt.

Jetzt starteten die Motoren. Es war ca. 19.00 Uhr, und wir sollten die ganze Nacht unterwegs sein. Und so war es dann auch. Um 20.00 Uhr gab es ein Abendessen. Pünktlich, wie geplant.

Also danach gleich ins Bett gehen, wäre eine Schande gewesen. Die See, also der Ladogasee, war etwas unruhig, und wir schaukelten auch ohne Wodka. Übrigens: Der Ladogasee dürfte zu den größten Binnenmeeren gehören. Er speist die Newa, also den Strom, der durch Sankt Petersburg fließt. Und wer ihn gesehen hat in seiner Größe, Breite und Tiefe, kann ein wenig ermessen, wie riesig der Ladagosee sein muß.

Und er ist riesig. Die Überfahrt zur ersten Insel Walaam dauerte rund 13 Stunden. In der Mitte des Sees sieht man am Horizont rund herum nur Wasser. Ein Gefühl, als sei man auf einem der Weltmeere. Und die See war doch leicht unruhig. Nicht schlimm.

Tief schwarz präsentiert sich die See. Ein Zeichen oder Hinweis auf ihre Tiefe. Der Ladogasee ist teilweise über 200 Meter tief. Wir haben Scherze gemacht und überlegt, was man hier alles „tiefer“ legen kann. Hier kann sich aber jeder jetzt seine eigenen Gedanken machen.

Irgendwann ging es nach ein paar Getränken und netten Gesprächen in der Bar in die Kajüte. Verdammt kalt war es zwischenzeitlich hier. Das Fenster, eine Einfachverglasung. Ich holte mir gleich die zweite Decke. Trotzdem fror ich die ganze Nacht wie ein Hund, der im Winter des Hauses verwiesen wurde. Und eine Erkältung habe ich mir auch gleich eingeholt. Ich steckte meine Nase unter die Decke, um der kalten Luft vom Fenster zu entgehen. Es half etwas. Schlafen ging auch, da die Wellenbewegung wie das Schaukeln im Schaukelstuhl wirkte. In der Frühe habe ich mich dann mal mit der Klimaanlage im Schiff beschäftigt. Und siehe da, Sie werden es jetzt nicht glauben oder schon, ich hätte die Kabine auch heizen können. Man sagt ja „Gott bestraft die kleinen Sünden sofort“. Ich bin mir nur keiner Sünde bewußt. Eine Bewandtnis wird es schon haben.

Und da liefen wir dann auch schon in den Hafen der Insel Walaam ein.

Fortsetzung folgt.

Günther Allinger

 

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Bericht von Günther Allinger über sein neues Abenteuer in Rußland, Teil 1

Was? Sie denken, ein U-Boot in der Kirche? Was ist das denn für ein Blödsinn! Kirchen sind friedliche Orte für das Gebet und die Heiligenverehrung. Kriegswaffen oder Kriegsmaschinerie hat dort nichts zu suchen. Sie kennen sicherlich das Sprichwort „Es gibt nichts, was es nicht gibt“. Und dies gilt nicht nur bei uns, sondern, ich meine, in besonderer Weise auch in Rußland. Hier ist mein Bildbeweis.

Aber ich denke, dazu später mehr. Ich hoffe, ich konnte Sie schon ein wenig auf neue Überraschungen einstellen.

Los ging es, wie so oft, am Frankfurter Flughafen. Der wird ja auch immer größer und verrückter. Der Check-In erfolgte wieder mit modernster Elektronik. Da legst du nur noch deinen Ausweis in so einen Schacht. Der scannt dich ab, und schon geht’s durch die Paßkontrolle. Willkommen im digitalen Zeitalter Web 4.0.

Über Flug und Kontrollen berichte ich nicht weiter. Ihr kennt das alles. Angekommen in Scheremetjewo stand ich lange an der Paßkontrolle. Lange? Nein, ewig! Bitte haltet mich nicht für einen Rassisten oder sonst was. Das bin ich beileibe nicht. Besonders an Flughäfen habe ich allerdings festgestellt, wenn du Japaner oder Chinesen vor dir hast, dann ist das ein zeitliches Problem. Das dauert ewig. Zu guter Letzt habe ich dann die Kontrollspange gewechselt. Natürlich hatte ich mich vorher überzeugt, daß hier nur irgendwie europäisch wirkende Leute standen. Das war mein Glück.

Ich rannte, wie die Schnecke mit Turboantrieb, damit ich den Aero Express nach Moskau erreiche. Es hat funktioniert. Minuten vor der Abfahrt konnte ich einsteigen. Am Weißrussischen Bahnhof angekommen, ging es gleich ab in die Metro zum Kursker Bahnhof in den Sapsan.

Ich sage euch, dieser Bahnhof wurde schon wieder erweitert und umgebaut. Zunächst stand ich da, wie der Ochs vorm Berg. Mein guter Orientierungssinn war mir da hilfreich. Drei befragte „Schwarzjacken“ schickten mich in drei verschiedene Richtungen. Gut, daß ich mich auf mein Gefühl und Orientierung verlassen habe. Ehrlich muß ich sagen, daß mich zuletzt, als ich dem Ziel in den Katakomben sehr nahe war, ein Mann im schwarzen Kampfanzug begleitete. Ihm bin ich dann doch sehr dankbar.

Jetzt geht’s los zu unserem Basislager in Wladimir. Den Zug habe ich übrigens auch gerade mal so noch rechtzeitig erreicht. Die sind da absolut pünktlich. Nicht so wie bei uns.

Im Zug beindruckte mich sehr, als plötzlich eine Frau mit Staubsauger auftaucht und die Böden reinigt. Hier wird Service „groß“ geschrieben. Super. Ich denke, in Deutschland wird der Service zwischenzeitlich doch arg vernachlässigt. Dies ist aber eine persönliche Feststellung.

Gegen 22.30 Uhr kam ich gut im Basislager an. Wenn auch kaputt und müde von der langen Reise. Aber das ist immer so. Und dann mußt du dich einfach noch versorgen lassen. Mit Brot, Grünzeug, Wurst, Kaffee, Wasser und Wodka. Alles andere wäre eine Beleidigung. Und gerade deshalb verehre ich diese Menschen.

An diesem Abend – und zur zeitlichen Orientierung, es war der 09.09.19 – kam auch noch die Botschaft der Reiseagentur, die Fahrt nach Karelien werde um einen Tag verkürzt. Tja, da stehst du wie ein Depp da und mußt das halt akzeptieren, bzw. das Beste daraus machen. Auch das ist Rußland. Du wirst in Ruhe und Geduld geschult. Auch nicht verkehrt.

In Wladimir war es ausgesprochen mild, ich will sagen warm. Dies motivierte nach dem Registrierungsprozedere und der späteren Anreise nach St. Petersburg einen Besuch der Datscha zum gemeinsamen Grillen.

Grillkohle und Fleisch nebst Zutaten waren schnell organisiert. Ein russisches Schalschlick ist einfach besonders lecker. Ein kleiner Schluck feinsten Wodkas rundet das abendliche Essen ab.

So und nun ging es am nächsten Tag, leider schon um 7.00 Uhr, vom Wladimirer Bahnhof nach St. Petersburg. Die Fahr war für rund sechs Stunden terminiert. Und was soll ich sagen? Es wird euch nicht überraschen, daß wir pünktlich in St. Petersburg angekommen sind. Vom Bahnhof suchten wir dann die Transferverbindung zum Schiff.

Fortsetzung folgt.

Günther Allinger

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