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Archive for 10. August 2019


Den Umstand, daß ein Polizist sich kürzlich zum Priester weihen ließ, nahm Nikolaj Liwschiz, Chefredakteur der Online-Zeitung „Prisyw“, zum Anlaß, einem zu recherchieren, welche Berufswahl dem russisch-orthodoxen Klerus erlaubt ist, der ja nicht, wie hierzulande, die Absicherung durch die Kirchensteuer genießt. Tatsächlich gibt in der Kanzlei der Wladimirer Erzdiözese zu diesem Behufe ein Papier, das bereits im Vorjahr mit dem etwas sperrigen Arbeitstitel „Berufe, die vereinbar und unvereinbar sind mit dem Priestertum“ diskutiert wurde. Kategorisch ausgeschlossen ist demnach für einen Kirchenmann etwa eine Karriere als Schauspieler, Militärangehöriger oder Staatsdiener. Eher säuerlich äußert sich das Manifest gegenüber dem Unternehmertum. Es gilt zwar als eher anrüchig, aber wenn es nicht zu Lasten der Spiritualität gehe, könne man es – in Gottes Namen! – durchaus betreiben. Allerdings nicht im Bereich von Banken und Versicherungen, die zu den Tabuzonen zählen. Ganz anders die Medizin, in der man sich mit dem Segen des Bischofs betätigen kann, „wenn die Arbeit als Arzt oder Krankenpfleger gute Früchte trägt“. Ein Metier, das freilich so seine Gefahren birgt, denn sollte ein ärztlicher Fehler zum Tod eines Patienten und damit auch zu einer Anklage und Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung führen, ziehe das auch den Verlust des geistlichen Amtes nach sich. Noch sind die Regeln nicht verabschiedet, in den Gemeinden diskutiert man den Kanon noch. Gänzlich unvereinbar mit dem Dienst in der Kirche sind aber auch Aktivitäten im halbseidenen Milieu der Bars und Kasinos sowie einschlägig übelbeleumundeter Lasterhöhlen.

P. Innokentij und Oleg Wladimirow am Grab von Oleg Popow in Egloffstein, Juli 2019

Unbeanstandet hingegen läßt der spirituelle Knigge das kreative Schaffen – von der Journalistik bis zur Kunst. Immerhin wurde in diesem Jahr Bischof Innokentij von Alexandrow und Jurjew-Polskij in der Region Wladimir zum Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Künste ernannt. Und, wie kürzlich hier im Blog berichtet, bereitet der Photograph und Graphiker im Dienst des Herrn für 2021 seine dann schon dritte Ausstellung im Rahmen der Städtepartnerschaft vor. Ganz im Geiste eines Wandermönchs wie Andrej Rubljow, der ja auch ein Künstler in der Kutte war. Beides natürlich – damals wie heute – nur für Gottes Lohn.

Siehe dazu auch: http://www.facebook.com/peter.steger.5492

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