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Archive for 3. August 2019


Gestern nahmen in Weiden Familie, Angehörige und Freunde Abschied von Otmar Krafft, dem Fuhrmann der Partnerschaft. Der 1934 geborene Diplom-Ingenieur hatte von seinem 1978 in Tennenlohe gegründeten Unternehmenssitz aus zehn Jahre lang, von 1989 bis 1999, das erste Gemeinschaftsunternehmen mit Wladimir, eine Spedition, betrieben und gehörte damit zu den Pionieren der städtepartnerschaftlichen Wirtschaftskontakte, die leider auch im Falle von Otmar Krafft auf jenem „steinigen Feld“, um einen Ausdruck von Altoberbürgermeister Siegfried Balleis zu verwenden, auf das häufig nur Mühe und Arbeit zu verwenden war, ohne viel Ertrag einzufahren. So trennte sich denn auch der Oberpfälzer von dem Joint-Venture und verkaufte es an Swetlana Schelesowa, die seit 1995 die Geschäfte vor Ort aus dem Erlangen-Haus heraus geleitet hatte. Mehr zu dieser Unternehmensgeschichte hier: https://is.gd/Z6U6qG

Otmar Krafft im Gespräch mit Oberbürgermeister Sergej Sacharow, seinem seinerzeitigen Geschäftspartner, Wjatscheslaw Morosow, und seiner Vertrauten, Swetlana Schelesowa, im Mai 2015 in Wladimir

Doch geblieben ist Otmar Krafft die Freundschaft mit den Russen. Niemand wird zählen können, wie viele Male er, allein am Steuer seines Mercedes oder eines Lkw, die 2.500 km lange Strecke zwischen Erlangen und Wladimir zurücklegte, nicht nur der Geschäfte wegen, sondern mit dem Ziel, seine Russen wiederzusehen. Denn er hätte mit dem Marchese in dem Roman „Verdi“ von Franz Werfel ausrufen können: „Die Russen! Ich kenne sie. Sie sind ein liebenswürdiges Volk.“ Dabei beließ es der Unternehmer nicht bei Gefühlen. Otmar Krafft, stets präzise und zuverlässig von seiner Tochter Ellen Procher bei der ungemein komplexen Bürokratie unterstützt, half bei all den notwendigen Transporten während der Bauphase des Erlangen-Hauses und ließ auf seine Sattelschlepper so manche Palette an humanitärer Hilfe für die Partnerstadt zuladen, auch wenn das zusätzliche Probleme beim Zoll verursachte. „Das kriegen wir schon hin“, lautete in solchen Fällen seine zupackende Devise. Seneca sagte einmal: „Nichts erfreut die Seele so wie eine treue und liebevolle Freundschaft.“ Wenn das stimmt, gilt auch: „Nichts schmerzt die Seele so wie der Verlust eines treuen und liebevollen Freundes“. Otmar Krafft war für viele Menschen in Wladimir, Erlangen und natürlich in seiner Heimatstadt Weiden ein solcher Freund.

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