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Archive for August 2019


Die meisten in Wladimir kennen sie nur als die Witwe ihres 2002 verstorbenen Mannes, des deutsch-russischen Künstlers Pjotr Dik, die sich bis heute um dessen graphisches Erbe kümmert und Ausstellung um Ausstellung organisiert, dabei spielt Kira Limonowa als vielfach ausgezeichnete Architektin für die Städtepartnerschaft mit Wladimir eine im Wortsinne aufbauend-konstruktive Rolle. Unter ihrer kundigen Leitung nämlich erstand das baugeschichtlich wertvolle Erlangen-Haus buchstäblich aus Ruinen. Zusammen mit ihrem Erlanger Gegenpart, Helmut Eichler, achtete sie während der Arbeiten von 1993 bis zur Eröffnung 1995 auf jedes Detail und lieferte – wer wollte da widersprechen – ein Meisterwerk dafür ab, wie man alte Bausubstanz – ein ehemaliges Kaufmannshaus aus dem späten 19. Jahrhundert, jahrzehntelang als Gemeinschaftsunterkunft heruntergewohnt – wieder sinnvoll nutzen kann.

Nicolas Celoro, Kira Limonowa, Jekaterina Zwetkowa und Peter Steger im Mai 2018

Bis heute steht Kira Limonowa bei den immer wieder notwendigen Unterhalts- und Renovierungsarbeiten dem Team vom Erlangen-Haus beratend zur Seite und sorgt so dafür, daß diese Schaltstelle der Städtepartnerschaft auch nach bald 25 Jahren nicht erhalten bleibt, sondern immer noch ansprechender und einladender wird. Für die Baumeisterin stellte dieses Heim der deutsch-russischen Begegnung den krönenden Abschluß ihrer beruflichen Karriere dar. Im Ruhestand bleibt ihr die „Erlanger Botschaft“ das Anliegen einer tiefen Freundschaft und Verbindung zwischen Deutschen und Russen, was es zu bewahren gilt. Dafür – nicht nur heute, an ihrem 80. Geburtstag, zu dem der Blog herzlich gratuliert – ein großes Dankeschön!

Und für alle des Russischen mächtigen Leser eine Trouvaille aus dem Netz: In dieser zwanzigminütigen Reportage aus dem Jahr 1982 sieht man nicht nur ein winterliches Wladimir aus einer präpartnerschaftlichen Zeit, sondern man begegnet auch späteren Akteuren des Austausches, dem Chorleiter Eduard Markin und Igor Stoletow, dem ehemaligen Vorgesetzten von Kira Limonowa: https://is.gd/3YtBWq

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„Kino ist von allen Künsten die wichtigste.“ Dieses Diktum von Wladimir Lenin macht man sich auch in der russischen Partnerstadt zu eigen. Dort nämlich gibt es das landesweit einzige „Umsonst-und-Drinnen-Kino“, das gestern seinen achten Geburtstag feierte. Gegründet von dem Unternehmer und Politiker – er soll zu den reichsten seiner Zunft gehören – innerhalb des von ihm eingerichteten Begegnungszentrums „Barmherzigkeit und Ordnung“, laufen hier vor allem an Wochenenden und an Feiertagen Streifen für Familien, viele Zeichentrick- und Märchenfilme, aus der Sowjetzeit wie aus der Gegenwart, aus heimischer Produktion wie von ausländischen Regisseuren. Mehr als eine halbe Million Besucher wurden seit 2011 in dem Saal mit 280 Plätzen gezählt.

Das Begegnungszentrum „Barmherzigkeit und Ordnung“

„Kino ist ein wichtiges Instrument zur Erziehung und Bildung des Menschen, diese Kunst beeinflußt seine Weltanschauung,“ meinte bei der Geburtstagsfeier eine Besucherin. Womit wir wieder bei Wladimir Lenin wären, freilich mutatis mutandis und des Superlativs beraubt.

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Die Anmeldungen für die Herbstkurse am Sprachlernzentrum des Erlangen-Hauses laufen auf Hochtouren. Parallel werden offene Stunden nach dem Programm des Goethe-Instituts „Brücke zur deutschen Universität“ angeboten. 30 Interessierte nahmen zum Erstaunen des Teams um Irina Chasowa daran teil. Deshalb ist für den September schon wieder eine solche Veranstaltung geplant. Überdies kommt die Regionale Kinderbücherei mit einer eigenen Gruppe zu diesem Programmpunkt ins Erlangen-Haus.

Und für alle, die es noch immer nicht wissen, hängt am Parkplatz des Einkaufszentrums Globus seit wenigen Tagen und noch den ganzen September hindurch ein Banner mit Werbung für die Deutschkurse am Erlangen-Haus. Gut so, denn ein französisches Sprichwort sagt, selbst der liebe Gott lasse für sich die Glocken läuten.

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Gerade einmal acht Jahre ist sie alt und trägt den Namen Diana Preobraschenskaja, den man sich merken sollte, wenn man sich für Schach interessiert. Seit ihrem fünften Lebensjahr betreibt die Schülerin aus Wladimir das Spiel der Könige und gewann bereits ein Jahr darauf die regionalen Meisterschaften für Mädchen bis neun Jahre. Zug auf Zug ging es dann weiter: Vizemeisterin der Russischen Föderation in der obersten Liga bis elf Jahre, und jetzt tritt sie schon zum zweiten Mal in Riga zur Europameisterschaft für Kinder und Jugendliche von acht bis achtzehn Jahren an, die noch bis zum 30. August läuft.

Diana Preobraschenskaja

Zuvor aber holte sich die Prinzessin am Brett gerade eben auch noch in Minsk den Titel der Weltmeisterin im Blitzschach in ihrer Altersklasse. Von neun Partien entschied die Wladimirerin acht für sich, eine endete mit Remis, womit sie mit einem Punkt Vorsprung ihre Gegnerin aus Vietnam auf den zweiten Platz verwies. Ach ja, und China steht auch noch auf dem Turnierplan – mit der Weltmeisterschaft.

Klaus Strienz (links im Bild) und Sibylle Menzel (Bildmitte, hintere Reihe) mit den Gästen aus Krasnogorsk

In Höchstadt a.d.A. gingen gestern die ersten Schachwochen zu Ende. Mit dabei, auf Initiative von Sibylle Menzel und Klaus Strienz vom Freundeskreis, nicht nur Großmeister Helmut Pfleger, sondern auch eine Jugendgruppe aus Krasnogorsk, die prompt auch zwei Sieger stellte, im Schnellschach unter 47 Teilnehmern aus 18 Städten der vierzehnjährige Dmitrij Jemeljanenko, der alle sieben Partien gewann und Matwej Malych in der Altersgruppe bis zwölf Jahre. Man darf gespannt sein, wenn im November auch ein Schachteam aus Erlangen in Krasnogorsk am Zug ist. Wladimir wird zu diesem Turnier auch eine Gruppe schicken. Vielleicht sogar mit Diana Preobraschenskaja.

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An der Sprachreise vom 3. bis 12. August, von der hier später noch die Rede sein wird, nahm auch Harald Luft, Musiklehrer am Marie-Therese-Gymnasium, teil. Einen ganzen Nachmittag verbrachte er an der Kinderkunstschule Nr. 3 mit deren Leiter, Alexander Sneschin, und der stellvertretenden Direktorin für die Verwaltung, Tatjana Matwejewa.

Harald Luft und Alexander Sneschin

Alexander Sneschin, der dem Kollegen aus Erlangen die Klassenräume und die beiden Konzertsäle zeigte, berichtet von einem anregenden Gespräch, an das er gern zurückdenke.

Tatjana Matwejewa und Harald Luft

Da ist es besonders schade, daß der Austausch des MTG mit Wladimir schon vor fünf Jahren eingestellt wurde. Aber, wer weiß, vielleicht gibt die Musik ja neue Impulse für ein Miteinander. Frei nach William Shakespeare könnte man sagen: „Wenn die Musik der Städtepartnerschaft Nahrung ist, spielt weiter!“

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Was haben die beiden Begriffe miteinander zu tun, Die berühmte russische Weltrekordfliegerin der 30er Jahre, Polina Ossipenko, und das 6o Jahre später entstandene Erlangen-Haus, als Zeichen und Zentrum der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir. Eigentlich nix!

Aber wie ein Bühnensprecher immer eine Überleitung zum nächsten Stück finden muß, egal wie unterschiedlich die Darbietungen sind, so habe ich mich auch bemüht. Aber eigentlich ist es mir in den Schoß gefallen. Während meiner letzten Reise in die Partnerstadt, Anfang August, wohnte ich wieder bei unserer langjährigen Familienfreundin, Tatjana Parilowa. Und sie wohnt an der Ecke der Straßen P. Ossipenko und Mir (Straße des Friedens). Die Bushaltestelle vor ihrer Tür ist auch nach P. Ossipenko benannt.

Da ich jeden Tag Unterrichtsstunden im Erlangen-Haus hatte, konnte ich wählen: mit dem Ringbus 28 in ca. 16 bis 20 Minuten zur Haltestelle „Sportschule“ – 100 Meter vom Ziel entfernt – oder zu Fuß in 18 Minuten ganz einfach immer die Polina-Ossipenko-Straße entlang. Luftlinie würde die Straße im Garten des Erlangen-Hauses landen, wäre da nicht das Lybjed-Stadion im Weg. Meistens habe ich mich für den Fußmarsch entschieden und dabei auch so einiges entdeckt. Ich habe mir gedacht, vielleicht interessiert es den einen oder die andere, wie so ein ganz normaler Fußweg aussieht, und deshalb habe ich ihn an verschiedenen Stellen photographiert.

Wenn ich morgens aus dem Haus in den sehr großen Innenhof trat, sah ich einen Trupp von Rentnern, die mit Besen und Eimern die ganze Anlage sauber hielten.

Eine sinnvolle Tätigkeit, weil es sonst kaum Beschäftigungsangebote für die Pensionisten gibt. Und in der Landeskunde lernte ich, daß sich viele Menschen vor der Pension fürchten, weil sie dann nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit machen sollen. Da lauert natürlich der Alkohol im Hintergrund und wartet auf seine unheilvolle Chance. In vielen Köpfen herrscht außerdem das frühere Dogma vor, nur der arbeitende Mensch sei ein nützlicher Mensch. Ein Umdenken findet, wenn auch langsam, statt. So gibt es in Moskau schon Initiativen für die Pensionäre, um sich kostenlos mit Joga, Tanzen, Computer, Sport, Kunst u.s.w. zu beschäftigen. Im Sommer findet das in öffentlichen Parks statt. Infos bekommt man unter www.mos.ru/city/projects/dolgoletie .Dolgoletie bedeutet „hohes Alter“. Ein richtiger Weg meine ich.

Zur Haltestelle P. Ossipenko: Wie an vielen Haltestellen, gibt es auch hier einen Minimarkt mit frischestem Obst und Gemüse, gerade geerntet und garantiert „bio“, denn für Agrochemie hat niemand Geld, Gott sei Dank. Pilze gab es immer erst ab Mittag, da dann die Sammler aus den Wäldern zurückkamen.

Etwas weiter die Straße herunter befand sich links die Schule Nr. 33 und rechts das Lehrer-College.

Aber es war August und damit Ferienzeit, und alles war verschlossen.

Die ganze Straße entlang sieht man die neuen silbernen Fernwärmeleitungen. Der Verkehr wird dadurch nicht gestört, da sie sich kunstvoll über die Straßenkreuzungen schwingen.

Einfach gelöst ist auch der Regenrinnenabfluß. Das Wasser strömt direkt auf den Gehsteig und von da auf die Straße. Überschwemmungen gibt’s aber trotzdem nicht, da sich die Polina Ossipenko kontinuierlich zum ehemaligen Flußbett der Lybjed senkt.

Dieses Flußbett existiert heute nicht mehr. Es mußte einer modernen Schnellstraße weichen. Die frühere Gouverneurin, Swetlana Orlowa, hat sich damit ein Denkmal gesetzt.

Bevor ich die Schnellstraße überquere, komme ich noch an einem großen Second-Hand-Laden vorbei, der im 1. Stock angesiedelt ist, und rege frequentiert wird. Nach Überquerung der Schnellstraße geht es auf vielen Treppenstufen bergauf.

Und es ist, nicht nur hier, mit den Schienen an die Rollstuhl- und Radfahrer gedacht.

Am oberen Ende der Treppe befindet sich das Eingangstor zum Lybjed-Stadium.

Hier habe ich zu jeder Zeit dort Leichtathleten trainieren gesehen. Es scheint sehr beliebt zu sein.

Nur einen Steinwurf weiter kommt die berühmte Sportschule, die u.a. den vielfachen Olympia-Turn-Goldmedaillengewinner, Nikolaj Andrianow, hervorbrachte.

Wiederum nur einen Steinwurf entfernt, liegt das exklusive Restaurant Blackwood (oder Schwarzwald?)

Hiervor parkten oft teure Limousinen, deren Chauffeure bei den Wagen blieben. Ich habe einen Augenblick abgepaßt, in dem kein solches Gefährt parkten, denn vielleicht hätten sie ja ein Photo nicht so gerne.

Und hier um die Ecke liegt schon die Große-Nischegorodskaja-Straße, an der, 200 Meter weiter, an einem Einkaufstempel vorbei

das Erlangen Haus liegt. Damit habe ich mein Ziel erreicht und fühle mich fast wie zu Hause, dank der guten Atmosphäre im Erlangen-Haus!

Hans Gruß

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Wie schnell es manchmal gehen kann: Anfang Juli hatte das Ehepaar Heinz und Elvira Gerhäuser eine Einladung der Staatlichen Universität zur Teilnahme an einer wissenschaftlichen Tagung angenommen https://is.gd/u8FvX6 und dabei neben dem Bildhauer Igor Tschernoglasow vor allem Jewgenia Kulikowa kennengelernt. Bei diesem Treffen der fränkischen Künstlerin und der russischen Dozentin für Keramik, Design und Architektur muß es zu einer kreativen Initialzündung gekommen sein, denn nach einem intensiven Austausch von Informationen und Vorstellungen per Internet folgte Jewgenia Kulikowa dem Ruf nach Waischenfeld, um ihre Gastgeberin zwei Wochen lang darin zu unterweisen, wie man am besten Tonformen vorbereitet, die ihrer Glaskunst später Form und Gestalt verleihen sollen. Ein Meisterinnenkurs eben.

Jewgenia Kulikowa, Heinz und Elvira Gerhäuser, Igor und Sergej Tschernoglasow

Und dann kommt gestern auch noch der Großmeister der Wladimirer Kunstszene mit seinem Sohn für einige anregende Stunden hinzu. Beide hängen noch einige Tage an das Symposium im Skulpturenpark von Tennenlohe dran, um Museen und Kirchen zu besichtigen und neue Inspirationen zu sammeln. Igor Tschernoglasow examinierte einst die damalige Studentin Jewgenia Kulikowa, dann verloren sich die beiden aus den Augen; erst die Städtepartnerschaft brachte sie nun wieder zusammen.

Elvira Gerhäuser und Jewgenia Kulikowa

Wo aber zwei oder drei sich im Namen der Kunst versammeln, da ist die Inspiration mitten unter ihnen. Und so nimmt es denn auch nicht wunder, wenn schon nach kurzer Zeit nicht nur über all die Feinheiten und Nuancen der verschiedenen Techniken, sondern auch über Möglichkeiten gesprochen wird, wie man in Zukunft mehr gemeinsam machen könnte. Gern auch unter Einbeziehung der Naturwissenschaften, die, wie der ganzheitlich denkende, ehemalige Direktor des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen und Mitentwickler des MP3-Systems, meint, von diesem Dialog mit der Kunst viel lernen können.

Wie das gehen könnte macht seine Frau, die selbst Kinder in Kunst unterrichtet, bereits vor: die Grenzen der Materialien überschreiten, Fusionen herstellen, Mischformen gestalten.

Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse dieser neuen Zusammenarbeit – und erst recht auf die Früchte der Ideen, die da gestern in der ruhenden Mitte der Fränkischen Schweiz zu keimen begannen. Es wird vielleicht länger dauern als die wenigen Wochen Vorbereitung auf den Meisterinnenkurs, aber die Geduld wird sicher belohnt.

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