Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 15. Juli 2019


In den russischen Medien wird berichtet, die Regierung plane eine erhebliche Steigerung der Ausfuhr von Heilkräutern. Bis 2035 solle der Export jährlich zehn bis fünfzehn Millionen Dollar erwirtschaften. 25 Agroparks, die 300.000 landwirtschaftliche Betriebe vereinen, wolle man bis dahin eingerichtet haben, wo Anbau und Weiterverarbeitung der Pflanzen vorgesehen sei. Ehrgeizig, wenn man weiß, daß bisher der Anteil dieses Segments am Außenhandel gerade einmal 0,001% beträgt, wie Zebra-TV berichtet. Orientieren wolle man sich vor allem nach China mit seinem großen Bedarf an Ginseng und Spitzwegerich.

Interessanterweise gab es eine solche politische Vorgabe für den Export schon einmal, in der Zeit der Neuen Ökonomischen Politik der noch jungen Sowjetunion in den 1920er Jahren. Beteiligt daran war auch die Region Wladimir, die an die Zeit vor der Revolution anknüpfen wollte, als man von hier vor allem nach Westeuropa in großen Mengen Mutterkornpilze mit seinen 50 verschiedenen Arten verkaufte, die parasitär vor allem in Weizen- und Roggenkulturen gedeihen.

 

sporinya.jpg

Vor allem in der Volksmedizin setzte man die Pilze ein, gegen Kopfschmerzen und für einen verbesserten Blutkreislauf. Die moderne Medizin attestiert ihnen eine Erweiterung der Blutgefäße und eine Senkung des arteriellen Drucks sowie eine beruhigende Wirkung.

licopodium.jpg

Aber auch Bärlappsporen, die in getrocknetem Zustand schmerzlindernd und antiseptisch wirken gingen in den Export. Auch dieses Geschenk der Flora fand vielfältige Anwendung in der Heilkunde: bei Ekzemen, Furunkeln, Verbrennungen, Darmbeschwerden, Bronchitis und Rheuma, um nur einige Beschwerden zu nennen.

ants.jpeg

Sogar Ameiseneier lieferte man ans Ausland. Im 19. Jahrhundert galten sie als Mittel gegen Unfruchtbarkeit. Sie sollen aber auch die Bildung von Muttermilch anregen und bei Dermatitis, Skrofulose oder Muskelfaserschmerzen Linderung verschaffen.

iagody-golubika-malina.jpg

Und natürlich führte man auch Heidel- und Himbeeren sowie Speisepilze aus, ebenso wie Sauerkirschen. Letztere bis an den englischen Hof. In den späten Jahren der Sowjetunion schließlich soll es sogar zu Exporten von tiefgefrorenen Froschschenkeln aus Wladimirer Landen nach Frankreich gekommen sein. Nichts Neues also unter der Sonne der internationalen Handelsbeziehungen der Region Wladimir, wenn nun die Politik sich wieder diesem Bereich zuwendet.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: