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Archive for 13. Juli 2019


Bereits am 7. Juli verstarb, wie heute einer Traueranzeige in den Erlanger Nachrichten zu entnehmen, Hermann Heinrich, Pastor im Ruhestand. 1992 gehörte der Geistliche zu der Delegation, die sich nach Wladimir aufmachte, um die verschiedenen Glaubensgemeinschaften kennenzulernen und Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu erkunden. Mit dabei Adventisten, Anthroposophen, Katholiken und Pastor Hermann Heinrich als Vertreter der Baptisten. Diese wurden übrigens bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Deutschland aus im Russischen Reich gegründet, hatten viele Verfolgungen zu erdulden, besonders in den Stalin-Jahren, und verloren so immer wieder ihre besten Köpfe. Die Führung der Gemeinden lag deshalb oft in den Händen von überforderten Laien.

Hermann Heinrich, letzte Reihe links im Bild

In Wladimir gab es anno 1992 zwar eine Baracke, die als Kirche diente, und einen älteren Herrn als Pastor, aber ihm folgte ein „schwieriger Mann“ nach – mit Verbindungen zum Geheimdienst und wohl auch in andere Kreise. Jedenfalls verstand er es mit List und Tücke, das Grundstück und die ehemalige Schule, auf Betreiben der Erlanger von der Stadt Wladimir den Baptisten zur Verfügung gestellt, unter seine Kontrolle zu bekommen und die Gemeinde zu spalten. Der Vertrauensmann der Deutschen hatte sich unterdessen hauptsächlich den Baufragen gewidmet, um da für Transparenz zu sorgen, darüber aber nicht mehr die Zeit gefunden, sich auch um die Gläubigen zu kümmern.

Alter Friedhof Wladimir. Sergej Skuraktow

Eine schwierige Situtation für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ende der 90er Jahre reiste der Erlanger Pastor nochmals nach Wladimir, begleitet von Waldemar Hamm, der, aus Kasachstan stammend, nicht nur als Dolmetscher gute Dienste leistete, sondern vor allem auch beide Welten aus eigenem Erleben kannte. Noch bis 2004 blieben die Kontakte bestehen, dann rissen sie ab, nachdem der Vertrauensmann mit seiner Familie nach Deutschland übergesiedelt war.

Alter Friedhof Wladimir. Sergej Skuraktow

Was aber bleibt, ist das viele Gute, das die Erlanger Baptisten für die Gemeinde in Wladimir getan haben: Nicht nur Sachspenden fanden regelmäßig ihren Weg in die Partnerstadt, sondern auch Geld kam allmonatlich in all den Jahren nach Wladimir. Zur Unterstützung der Gemeindearbeit und als Gehaltszuschuß für den Pastor: 300 DM im Umschlag, immer ohne jede Unregelmäßigkeit über das Erlangen-Haus. Ein einziges Mal, so erinnert sich Hermann Heinrich, habe man einen anderen Weg gewählt. Doch der Bote habe die Geldscheine gegen Papierschnipsel ausgetauscht. Religion und Glauben kommen eben nicht ohne Vertrauen aus. Aber vertraut haben die Baptisten von da an nur noch dem Erlangen-Haus.

Alter Friedhof Wladimir. Sergej Skuraktow

Hermann Heinrich war ein besonnener Mensch mit einem ganz besonderen Segen im Herzen. In seiner Gegenwart spürte man das Wirken höherer Mächte. Er wird seiner Gemeinde, seiner Familie und allen, die ihn kannten, schmerzlich fehlen.

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