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Archive for Juli 2019


Heute nimmt die Partnerstadt Abschied von dem letzten Großmeister der Wladimirer Malschule, Walerij Kokurin, der zusammen mit den bereits verstorbenen Kim Britow und Wladimir Jukin ein Dreigestirn von landesweiter und internationaler Strahlkraft gebildet hatte.

Walerij Kokurin

1930 in Wladimir geboren, widmete der Künstler nach seiner Ausbildung in Pereslawl-Saleskij ab 1954 auch den Großteil seines Schaffens der Heimatstadt, wo er zunächst als Restaurator tätig war.

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Schon 1956 nahm Walerij Kokurin an allen Ausstellungen der Region Wladimir teil, und vier Jahre später wurde er bereits in den Künstlerverband der UdSSR aufgenommen. 1960 war auch das Jahr, als er erstmals zusammen mit Wladimir Jukin und Kim Britow in Moskau ausstellte. Damals sprach man erstmals von der „Wladimirer Schule der Landschaftsmalerei“ und von den „Wladimirer Impressionisten“, Begriffe, die bis heute geläufig sind und das Schaffen einer ganzen Generation von Künstlern aus der Partnerstadt prägten.

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Bei all seiner Reisetätigkeit durch das Land entstanden doch seine besten Arbeiten dort, wo die Farben aus den Melodien seiner geliebten „Wladimirer Landstraßen“. Die Vaterstadt und das Wladimirer Land wurden für ihn zur wichtigsten Quelle der Inspiration. Deshalb gehören zu seinen Herzensthemen die Darstellungen der Provinz und die mit dem Skizzenblock erkundeten Ecken der Heimat. Sein Wladimir versteht er, aus einem unerwarteten Blickwinkel zu sehen. In seinen Stadtansichten zeigt der Künstler oft ganz charakteristische Objekte des modernen Lebens vor dem Hintergrund der patriarchalen Wladimirs. Er ist auf der Suche noch der Begegnung von Altem und Neuem und versucht, dem Betrachter sein Empfinden vom Eindringen der Geschichte in die Gegenwart zu vermitteln. Walerij Kokurin arbeitet nie nach einer Schablone, vervielfältigt keine gelungene Komposition. Vielmehr ist jedes seiner Bild individueller Natur und trägt die große Arbeit der Suche nach jenen Gefühlen in sich, die sich nicht mit einfachen Worten ausdrücken lassen und die der Künstler doch uns allen näherbringen möchte.

So auf der Homepage des Wladimirer Künstlerverbands zu lesen, der mit Walerij Kokurin seinen Patriarchen verliert, dessen Arbeiten erstmals bereits 1987 auch in Erlangen zu sehen waren.

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Auf Einladung von Prof. Ludmila Suschkowa von der Staatlichen Universität Wladimir war ich vom 1. bis 5. Juli 2019 erneut in Wladimir. Die Anreise erfolgte zusammen mit Prof. Heinz Gerhäuser und seiner Frau Elvira. Die Tage waren gefüllt mit einem dichten Programm von Gesprächen mit Fachkollegen und Besuchen in Einrichtungen der Universität sowie einigen Gängen durch die Stadt. Hier ist die positive Entwicklung in Stadt und Universität seit meinem letzten Besuch 2012 besonders zu erwähnen. Es gibt neue Straßen, neue Wohnblocks, gepflegte Anlagen und Plätze, Renovierungen in den Gebäuden, Departments und Außenanlagen der Universität, gut eingerichtete und gut besuchte Restaurants mit umfangreicher Speisekarte, in russischer Sprache.

Heinrich Niemann, Elvira Gerhäuser, Ludmila Suschkowa, Igor Tschernoglasow und Heinz Gerhäuser

Der Präsident der Universität Erlangen-Nürnberg hatte je einen Brief an den Rektor der Universität Wladimir und an Prof. Suschkowa, unsere langjährige und geschätzte Kooperationspartnerin, mitgegeben. Diese konnten bei einem Gespräch mit dem Rektor übergeben werden, was dankend und sehr positiv aufgenommen wurde. Weitere Gespräche gab es mit dem Prorektor für Forschung, der Leitung des Akademischen Auslandsamtes, sowie Leitung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einiger Institute und Departments. Es gab zeitgleich eine Tagung zum Thema „Perspective Technologies in Tools of Information Transfer“; die Tagungssprache war Russisch. Wir hatten eine ausgezeichnete Übersetzerin, konnten aber wegen anderer Termine nur kurz an der Tagung teilnehmen.

Eine Umorganisation an der Universität sei erwähnt; Fakultäten sind abgeschafft und durch Institute ersetzt, ein Institut gliedert sich in Departments. Die Mittelzuweisung an die Institute erfolgt auf der Basis von Studentenzahlen. Der Hirsch Index wird als eine Kenngröße für die Qualifikation angesehen. Es besteht ein großes Interesse an Kooperationen, vor allem durch gemeinsame Projekte.

Den russischen Kolleginnen und Kollegen danke ich für interessante Gespräche, freundschaftliche Kontakte und Gastfreundlichkeit sowie ganz besonders für die aufgewendete Zeit. Der Aufenthalt im Erlangen-Haus war wieder sehr angenehm, wenn auch eigentlich nur zum Übernachten.

 

Prof. em. Dr. Heinrich Niemann, Ehrenprofessor der Universität Wladimir

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In einem Wladimirer Haushalt wird nichts weggeworfen. Schon gleich gar kein Brot. Bleibt einmal etwas übrig, wird daraus im Handumdrehen ein warmes Frühstück oder, wenn Gäste da sind, eine Süßspeise feinster Güte. Nennen wir sie Armer Ritter aus Wladimir.

Man nehme gern schon älteres Weißbrot, Brötchen oder Hefezopf und schneide Scheiben mit einer Dicke von einem bis eineinhalb Zentimeter Stärke, die in einem Suppenteller kurz von beiden Seiten in Milche getaucht werden. Betonung auf „kurz“, damit es keinen Brei ergebe. In einem zweiten Teller dreht und wendet man die angefeuchteten Scheiben in Zucker und brät sie dann in zerlassener Butter bei mittlerer Hitze an, bis sich eine goldbraune Kruste gebildet hat. Wichtig: Die Temperatur darf nicht zu hoch sein, weil der Zucker sonst anbrennt und das Brot nicht aufgebacken wird. Ist es andererseits nicht heiß genug, könnte das Ergebnis eher matschig ausfallen.

Für zehn Portionen braucht man 800 g Aprikosen oder Zwetschen und Pflaumen, denen man, entkernt, 50 bis 100 g Zucker beigibt – zur Abrundung des Geschmacks auch eine Prise Zimt – und dann fünf bis sieben Minuten bei mittlerer Hitze aufkocht und abkühlen läßt.

Serviert wird der heiße Arme Ritter – zum köstlichen Abschluß eines Gastmahls – mit den Früchten, einer Kugel Eis, bestreut mit gemahlenem Mohn.

Soll es freilich zum Frühstück schnell gehen, schmeckt der Arme Ritter auch weniger aufwendig, sprich ohne all die Zutaten. „Probieren und genießen“, kann man da raten!

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Immer einmal wieder war die Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchung, doch mit der Studie von Bianca Creutz aus dem Jahr 2018 gibt es erstmals auch eine Masterarbeit, die einen Vergleich zwischen fünf deutsch-russischen Paaren wagt und dabei fragt, wie sich die zwischenstaatlichen Krisen der drei vergangenen Dekaden auf die kommunalen Beziehungen auswirkten. Wie nicht anders zu erwarten: ganz unterschiedlich, gleich ob August-Putsch, Tschetschenien- und Georgien-Kriege, Kosovo, LGBT oder der Streit um die Krim und Ost-Ukraine. Je lebendiger die Kontakte, so das Fazit, desto mehr gehen die Partnerstädte auf verschiedenen Ebenen auf die Krisen ein, thematisieren sie, suchen nach Foren der Verständigung, wie etwa Erlangen und Wladimir mit der Gesprächsplattform „Prisma“, auch wenn sie, die Krisen, gar nicht auf lokaler Ebene zu lösen sind.

Gerhard Kreitz und Bianca Creutz

Klar strukturiert und übersichtlich – zur Begriffsklärung der „Städtediplomatie“ sogar in Form eines Werkstattgesprächs – stellte die auf Einladung des Freundeskreises Wladimir eigens aus Berlin angereiste Sozialwissenschaftlerin am Freitagabend im Club International der Volkshochschule ihre Thesen vor und regte damit auch eine lebhafte Diskussion mit dem deutsch-russischen Publikum über Möglichkeiten und Grenzen der Volksdiplomatie an.     Bemerkenswert dabei eine Stimme aus der Gruppe des Erlangen-Hauses, die darauf verwies, man sei doch ohne derartige Begegnungen im Rahmen von Städtepartnerschaften zu 99% auf die Medien angewiesen. Dank dieser Verbindung aber können man Deutschland hautnah aus eigenem Erleben kennenlernen. Und Deutschlehrerin Jekaterina Ussojewa ergänzte: „Die anderen russischen Sprachlernzentren beneiden uns um unsere engen Kontakte zu Erlangen. Für uns ist diese Partnerschaft ein Geschenk.“ Sicher ein gegenseitiges. Und: Die Wissenschaft hat festgestellt, wie Partnerschaft in Krisen hält.

Nachzulesen gibt es die Masterarbeit von Bianca Creutz hier: https://is.gd/DI7bBY

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Sie hatte es schon angedeutet, ihr Ruhestand sei nicht mehr fern. Und dann kam es doch so unvorbereitet und überraschend: Christine Delfs verabschiedete sich gestern von ihrer vierten Klasse, von ihrer Heinrich-Kirchner-Schule, von dem Projekt, das sie fast zwei Jahrzehnte lang betreute. Seit 2000 nutzte die Grundschullehrerin den Unterricht auch dazu, ihren Kindern den Stoff zu vermitteln, aus dem das Leben gewoben ist, ihre Kleinen im Geist des Miteinanders und Füreinanders zu erziehen, sie erspüren zu lassen, was es bedeutet, etwas für andere zu tun. Diese anderen, die Patienten des Kinderkrankenhauses Wladimir, wurden Klasse für Klasse, Jahrgang für Jahrgang den Erlanger Schülern zu vertrauten, zu anvertrauten Altersgenossen. Auch wenn es nie zu persönlichen Begegnungen kam, kennt man einander, hört voneinander, interessiert sich füreinander und hilft einander. Und sei es mit nur kleinen Beträgen.

Christine Delfs mit ihrer 4c an der Heinrich-Kirchner-Schule

Begonnen hatten die Aktionen mit der freiwilligen Abgabe des Taschengeldes im Advent für die Nöte der kranken Kinder in der Partnerstadt. Dann entstand die Idee – ebenfalls immer in der Vorweihnachtszeit -, in der Pause von daheim mitgebrachte Leckereien zu verkaufen und den Erlös für Wladimir zu spenden. Einmal, vor nunmehr zehn Jahren, kam es sogar zu einem Projekt gemeinsam mit Soroptimist International, wo Karten und Bilder zu Gunsten des Kinderkrankenhauses verkauft wurden, siehe hier: https://is.gd/FNXxT2 – Und nun, zum Ausklang, kamen noch einmal einhundert Euro zusammen, eingenommen aus der Versteigerung von Zeichnungen, die sich im Lauf der Jahre im Schulschrank von Christine Delfs angesammelt hatten. Nun sind die Bilder unter die Leute gekommen und erzählen ihre wunderbare Geschichte von deutschen Kindern, die russischen Kindern helfen – und von russischen Kindern, die deutschen Kindern eine Freude bereiten. So gelingt Erziehung, so kann Schule fruchten: Beispiel und Liebe – sonst braucht es nichts, weder Technik noch pädagogische Theorien. Danke dafür und до свидания, Frau Delfs!

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Auch der mittlerweile zwölfte zweiwöchige Deutschkurs an der Volkshochschule in Folge ging gestern für die Gäste aus dem Erlangen-Haus mit einem von der Wladimirer Gruppe gestalteten Abschiedsabend zu Ende. Ein wenig vorgezogen, denn nach Hause brechen die 16 zumeist jungen Besucher ja erst am Montag wieder auf. Aber heute heißt es zum letzten Mal die Schulbank im Club International drücken und das eigens zusammengestellte Lehrprogramm abzuschließen, bevor das Wochenende noch Ausflüge nach Bayreuth und in die Fränkische Schweiz bringt, zusammen mit dem Freundeskreis Wladimir, der sich von Besuch zu Besuch mit seinen Angeboten immer weiter steigert.

Iwan Schtscherbakow

Die Gäste wissen das zu schätzen und sind denn auch voll des Lobes für die Volkshochschule und Reinhard Beer, den „Vater dieser Sommerkurse“, den Freundeskreis Wladimir und natürlich besonders für die Familien, bei denen man sich „wie die eigenen Kinder fühlen“ durfte, wie es die mitgereiste Deutschlehrerin aus dem Erlangen-Haus, Jekaterina Ussojewa, so anrührend ausdrückt. Und so durften sich gestern abend, dem bisher heißesten Tag in der Wettergeschichte Erlangens, die Gastgeber entspannt zurücklehnen und genießen, was ihnen die russische Dankbarkeit zu bieten hatte. Iwan Schtscherbakow – Sie erinnern sich, der Feuermann? – brachte sogar einen in der Küche von Heidi und Jürgen Binder selbstgebackenen Apfelkuchen mit, der sinnbildlich für die liebevolle Phantasie steht, mit der die Gäste zu Werke gingen.

Wie sehr die Kommunalpolitik in Erlangen diese Bürgerpartnerschaft schätzt, erlebte die Gruppe dann aber auch, als Bürgermeisterin Elisabeth Preuß die Pause der Stadtratssitzung nutzte, um allen ihre Anerkennung auszusprechen und auf die unverzichtbare Bedeutung der Volksdiplomatie hinzuweisen. Dabei gehört die Politikerin selbst zum engen Kreis dieser Verständigung über die Grenzen hinweg, denn immer wieder nimmt sie selbst Besucher aus Wladimir bei sich auf. So auch dieses Mal in Person von Jekaterina Ussojewa.

Elisabeth Preuß vor dem Auditorium im Club International

Seit Juni vergangenen Jahres gehört die Germanistin, die in Sankt Petersburg studierte und dann in ihre Heimatstadt zurückkehrte, zum sechsköpfigen Dozententeam am Sprachlernzentrum des Goethe-Instituts in Wladimir. Zum ersten Mal ist sie nun – nach zwei vorgelagerten Besuchen in Berlin – in Erlangen und leitete nicht nur die Gruppe souverän, sondern führte auch ebenso selbstischer wie sympathisch durch das deutsch-russische Unterhaltungsprogramm des Abends.

Jekaterina Ussojewa und Elisabeth Preuß

Auch Igor Rjaschtschenko kennt Deutschland von früheren Besuchen und kam nun zum ersten Mal in die Partnerstadt, wo Matthias Utzschneider ihm Kost und Logis mit nicht ausgeschlossener späterer Freundschaft bietet. Der Sänger seinerseits kennt Wladimir vom vorjährigen Auftritt seines Chores „Vocanta“ und will der nicht mitgereisten Frau des Gastes helfen, vielleicht einmal mit ihrem Puppentheater nach Erlangen zu kommen. Wenn man so hineinhört in die Gespräche, ist ohnehin immer wieder zu vernehmen, wie da auch ganz neue Verbindungen entstehen, die in der Zukunft die Städtepartnerschaft auf ihre Weise prägen dürften. Denn, das sei nie vergessen: Wer an diesen Sommerkursen – gleich auf welcher Seite – teilnimmt und mitwirkt, spielt stets auch eine Rolle im deutsch-russischen Miteinander und der Gestaltung von Beziehungen zwischen unseren Städten und Ländern.

Igor Rjaschtschenko und Matthias Utzschneider

Zum Kanon des Unterrichtsprogramms gehört von Beginn an die Stadt-Rallye, bei der die Kursteilnehmer in zumeist dreiköpfigen Teams ausschwärmen, um im „gemischten Doppel“ im Praxistest Erlangen zu erkunden und – dieses Mal – 18 Fragen zu beantworten, von denen die nach der täglich über die Städtepartnerschaft berichtenden Internetquelle noch die einfachste war. Die Siegertroika schaffte dabei etwas, das es so bisher nicht gegeben hatte: Das Trio machte keinen einzigen Fehler und holte alle 18 Punkte. Dazu war übrigens auch folgendes Rätsel zu lösen: „Es hat zwei Flügel und kann doch nicht fliegen. Es hat einen Rücken und kann doch nicht liegen. Es trägt eine Brille und kann doch nicht sehen. Es hat ein Bein und kann doch nicht stehen. Zwar kann es laufen, aber nicht gehen.“ Hätten Sie es gewußt? Kleine Denkhilfe für Literaturfreunde: Es handelt sich um ein Organ, dem Nikolaj eine seiner klassischen Grotesken widmete.

Artjom Isjumow, Jekaterina Tatarnikowa, Nadeschda Stachowskaja und Reinhard Beer bei der Verleihung des 1. Preises

Lew Kopelew, der Weltkriegsveteran, Autor und große Friedensstifter zwischen Russen und Deutschen, meinte einmal, ein guter Wille könne vieles leisten, auch den bösen Gewalten widerstehen und sie sogar bewältigen. Diesen guten Willen zeigten am gestrigen Abend alle. Möge er nicht der letzte seiner Art gewesen sein!

Erlangen-Haus 12

Siehe auch: https://is.gd/2sAgrM und https://is.gd/9VBTuU

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So verabschiedet sich Daniel Gossel, Leiter des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde, in seinem Rückblick, erschienen im aktuellen Jahresbericht, auf das Wirken von Heinz Römermann, Leiter der Russischabteilung, der sich am morgigen Freitag in den Ruhestand verabschiedet. Mit ihm verliert auch die Städtepartnerschaft einen „hidden champion“ und Pionier des deutsch-russischen Austausches der ersten Stunde. Bereits im Mai 1982 trat der Russist in die Dienste des Instituts und unterstütze zusammen mit seiner Mentorin, Ludmila Holub, die ersten Schritte von Erlangen und Wladimir aufeinander zu. Was immer es ab 1983 für das Rathaus Erlangen an Unterlagen aus Wladimir zu übersetzen gab, ging über seinen Schreibtisch, wo er ebenso akribisch und zuverlässig arbeitete wie in seinen Klassen, wo ihm sogar Gäste aus der Partnerstadt später bescheinigen sollten, er beherrsche die russische Grammatik besser als so mancher Muttersprachler – und es gebe weder hier noch dort jemanden, der diese knifflige Materie besser als er vermitteln könne.

Heinz Römermann und Daniel Gössel mit den Gaststudenten aus Wladimir: Jelena Uwarowa, Wladislaw Anufrijenkow und Maria Agejewa, April 2019

1988 kam die erste Wladimirer Studentengruppe vom damaligen Pädagogischen Institut, der heutigen Staatlichen Universität, nach Erlangen und wurde von Heinz Römermann auch außerhalb der Klassenräume aufmerksam betreut. 1991 und 1993 unterrichtete der Dozent als Austauschpädagoge in der Partnerstadt, und 1992 begleitete er noch eine Gruppe aus seinem IFA nach Wladimir. Längst brauchen die Gruppen keine mitreisende Betreuung mehr, aber sie kommen mit unfehlbarer Präzision seit jenem fernen 1988 Jahr für Jahr, die Russen im Frühjahr, die Deutschen im Herbst. Gerade eben bereitet sich wieder ein Trio aus Erlangen auf die Reise nach Wladimir vor. Diese gut dreißigjährige Tradition des pädagogischen Austausches ist einzigartig nicht nur in der Partnerschaft, sondern sicher auch für die deutsch-russischen Hochschulkontakte insgesamt. Preiswürdig! Bei zurückhaltender Schätzung nahmen insgesamt etwa 250 junge Leute aus beiden Städten an den Begegnungen teil, die ihrerseits ja ihre Erfahrungen wieder mit ihren Kommilitonen teilen. Aber das ist dann schon die höhere Mathematik der Partnerschaft, in der auch noch die Arithmetik der von 1996 bis 2018 sechs von ihm organisierten Russisch-Symposien zu berücksichtigen wäre, an denen immer auch Gastdozenten aus Wladimir beteiligt waren.

Heinz Römermann beim Russisch-Symposium 2018

Erlangen und Wladimir schulden Heinz Römermann, der nie viel Aufhebens um seine Person machte, ein riesiges Dankeschön für seine unerschütterliche Beharrlichkeit und stille Mühewaltung im Geist des wissenschaftlichen Miteinanders und der Völkerverständigung. So schwer es fällt, ihn zu verabschieden, so sicher darf man sein, daß der begnadete Sprachvermittler seine Mission in gute Hände legt, die sein Werk erfolgreich fortsetzen. Auf Wiedersehen, Heinz Römermann!

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