Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 17. Juni 2019


Dieser Tage kommt Natalia Wan mit ihrem zwölfjährigen Sohn Alexander nach Erlangen. Zu einer Verwandten auf Besuch, die sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen hat, da sie mit ihrer Familie in Kasachstan lebt. Die Verbindung liegt drei Generationen zurück, als zwei Schwestern sich trennten. Die eine zog in den Hungerjahren der frühen Sowjetunion nach Kasachstan, die andere ließ sich in Wladimir nieder. Da ist es doch vielleicht einmal zu hören interessant, was sich die eine Enkelin sich  so von ihrem ersten Besuch in Deutschland erwartet, wo ihre Verwandte nun auch schon über ein Jahrzehnt lebt. 

Natalia Wan

Welche Vorstellungen habt ihr von Deutschland, was ist Deutschland für Euch?

Etwas ganz Neues, das wir noch nie sahen, eine ganz andere Kultur, wir sind ja in Asien zu Hause. Jetzt würden wir gern alles sehen: Wie die Menschen leben, denken.

Alexander, warum willst Du mitkommen?

Ich will sehen, wie sich Deutschland von Kasachstan unterscheidet.

Wo warst Du schon?

In Georgien. Da hat es mir gefallen. Es gab keine so großen Unterschiede. Über Deutschland habe ich schon einige Sendungen gesehen, die mir sehr gefallen haben. Besonders die Parks, wo man Fahrrad fahren kann. Die Würstchen würde ich gern probieren und überhaupt die Küche.

Ist Deutschland für Euch vor allem Geschichte, oder Autos, oder Landschaft?

Mehr etwas Technologisches, höher entwickelt, aber wir wissen auch, daß es nicht nur hochtechnologische Städte gibt, sondern viel Natur. Da gibt es vielleicht sogar mehr schöne Orte als bei uns in Kasachstan.

Ihr sprecht ja nicht Deutsch, wie meint Ihr, daß man sich Euch gegenüber verhält.

Ich denke, das ist ein gastfreundliches Land. Ich glaube nicht, daß man uns gegenüber feindselig eingestellt sein wird. Ich denke, bei Euch weiß man über Kasachstan sehr wenig. Eine Kollegin war schon einmal dort und bekam lauter Fragen gestellt, etwa zur Größe des Landes. Kasachstan ist ja fünf Mal größer als Frankreich, aber das ist kaum bekannt. Über Flüchtlinge hört man viel, aber das ist nicht mehr das große Thema. Wir machen uns deswegen jedenfalls keine Sorgen. Da gibt es bestimmt mehr Kriminalität bei uns in manchen Stadtvierteln.

Und die Küche?

Natürlich wissen wir von dem guten Bier. Wir haben in Alma-Aty ein Restaurant „München“. Wir freuen uns auf die Würstchen, den Strudel, die Haxen…

Habt Ihr ein wenig Angst vor der Reise?

Nein, überhaupt nicht, selbst wenn es enttäuschend werden sollte. Wir sind ganz offen, haben keine Vorurteile, wollen einfach sehen, was da so kommt.

30 Jahre sind seit unserem letzten Treffen vergangen. Wir kamen damals aus Wladimir zu Euch auf Besuch. Jetzt erwarten wir Euch.

Ich wollte ja schon damals einmal nach Westeuropa, träumte immer von Spanien, aber das trat dann in den Hintergrund. Dennoch blieb Deutschland immer auf meinem Wunschzettel. Wir haben uns so lange nicht gesehen. Jetzt möchte ich Dich wiedersehen und natürlich das Land, in dem Du lebst. Bis bald.

Wie ist das mit dem Fahrrad? Könnt Ihr Euch vorstellen, hier zu radeln?

Alexander: Das würde ich sehr gern machen. Ich mag den Gestank von Autos nicht. Mama: Ich will gern fahren, ich kann es, wenn das schneller und billiger ist, gerne. Nur bitte nicht bergauf, es sollte eben sein.

Alexander, kennst Du Deutsche aus Geschichte oder Gegenwart?

Friedrich Nietzsche kenne ich, von dem stammt der Satz, was uns nicht umbringt, macht uns stärker; E.T.A. Hofmann, da war noch jemand, aber den habe ich jetzt vergessen. Fußballer interessieren mich nicht so. An Firmen kenne ich BMW, Mercedes, Golf, Puma, Adidas, die beiden Brüder, die früher zusammenarbeiteten, sich dann aber trennten.

Aber sie wissen nicht, daß Herzogenaurach gleich bei Erlangen liegt.

Und die Oma, was meint die zu Eurer Reise?

Sie freut sich riesig, daß wir fahren und uns wiedersehen. Sie ist zufrieden, daß die Familienbande wieder hergestellt sind.

Das Interview wurde via Skype geführt.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: