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Archive for Juni 2019


Zum Ausklang des Monats wieder einmal eine Kollektion des Wladimirer Malers Georgij Parfjonow. Zur Erinnerung: Der Juni war und ist nicht überall nur brüllend heiß und staubtrocken. Es gab und gibt ihn auch farbensatt und lichtfeucht mit einer wohltemperierten Sonne.

Juni-Etüde

 

Heißer Junitag

Blühender Juni

Weidenröschen

Pfingstrosen

Es zieht sich zu

Abendstimmung im Juni

Juni-Rhapsodie

Abende im Juni

Juniwiesen

Pusteblumen

Im Juni am Fluß

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Seit dem Zusammenbruch der UdSSR bröckeln Macht und Einfluß der Gewerkschaften. Einst staatlich und ideologisch gelenkte Massenbewegungen, fehlt es heute an Mitgliedern und Durchsetzungskraft. Dem soll nun in der Region Wladimir ein Feiertag zu Ehren der Vertreter der Arbeitnehmerinteressen entgegenwirken, ein Vorhaben, das allerdings im Landtag des Gouvernements, der Duma, durchaus kontrovers diskutiert wurde. Vor allem aus den Reihen der Kommunisten war zu hören, die Gewerkschaften seien viel zu passiv, hätten es versäumt bei der Umstrukturierung von Betrieben in Erscheinung zu treten oder gar etwas gegen Entlassungen zu tun. Ein Abgeordneter merkte sogar an, die Pilotengewerkschaft in Deutschland lasse im Notfall sogar bis zum Stillstand der Lufthansa kommen, wenn sie der Auffassung sei, ihre Ziele noch nicht vollständig erreicht zu haben. Und sogar in China werde keine Entscheidung in einem Betrieb getroffen, ohne die Gewerkschaften einzubeziehen.

Dem arbeitenden Menschen einen würdigen Lebensstandard!

Am Ende stimmten dann doch 24 der 40 Mitglieder für den neuen – nicht arbeitsfreien! – Feiertag der Gewerkschaften, der ab dem nächsten Jahr immer am 15. November begangen werden soll. Das vielfach vorgetragene Argument, so könne es gelingen, dieser gesellschaftspolitisch so wichtigen Organisation wieder zu Aufmerksamkeit und Ansehen zu helfen, überwog schließlich die Skepsis, die sich auch an einer Zahl landesweit ablesen läßt: 1990 zählte der Allrussische Gewerkschaftsverband noch 54 Mio. Mitglieder, heute sind es keine 20 Mio. mehr.

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Jetzt gibt es ihn doch noch nachgereicht, den Bildbeweis aus Düren zum gestrigen Beitrag über die XV. deutsch-russische Städtepartnerkonferenz. Nach dem Verlust der Kamera des Blog-Bildreporters konnte Jewgenij Sacharjewitsch vom Quartett WladJenaTeam aushelfen.

Peter Steger, Monika Tharann und Bill Boerum

Das gibt auch Gelegenheit zu einem schriftlichen Nachtrag. Die Arbeitsgruppe 6 mit dem Thema „Zivilgesellschaft gestaltet Städtepartnerschaften – Wege der Verständigung – Wege zum Frieden“ bot unter der Moderation von Monika Tharann, der Geschäftsführerin der Stiftung West-Östliche Begegnungen nämlich nicht nur Gelegenheit zur Vorstellung des Dreiecks Erlangen-Wladimir-Jena. Eingeladen waren auch Abdul Kahn, stellv. Vorsitzender des Stadtrats von Coventry in England und Mitglied im internationalen Städtenetzwerk Peace Messenger Cities, und Bill Boerum aus Washington, Vorsitzender a.D. der Sister Cities International. Gerade weil während des Kongresses so manche Spitze gegen die Politik Großbritanniens und der USA zu hören war, hätten die Beiträge der beiden Politiker mehr Aufmerksamkeit und ein größeres Podium verdient. Wer weiß denn schon, daß Stalingrad, das heutige Wolgograd, und Coventry sich als Symbole der Zerstörungswut im Zweiten Weltkrieg noch vor der Kapitulation des Dritten Reiches partnerschaftlich verbanden? Und wo liest man sonst von den Aktionen der Verständigung mit russischen Kommunen seitens amerikanischer Organisationen. Eine Volksdiplomatie, eine Bürgerverständigung, die es kaum in die Schlagzeilen schafft, dafür aber Menschen zusammenbringt, die im Innersten zusammenhalten, was den Frieden jenseits der großen Politik möglich und erlebbar macht.

Thomas Stroukov, Jewgenij Sacharjewitsch, Alina Wedechina, Elisabeth Preuß, Peter Steger, Jewgenia Bykowskaja und Jekaterina Ragusina

Und damit sind wir wieder beim WladJenaTeam, das es nun mit seinem eigenen Kanal auf youtube https://is.gd/fOewMK selbst in der Hand hat, auf sich aufmerksam zu machen – mit der administrativen und politischen Unterstützung von Alina Wedechina in Wladimir und, soweit erforderlich, auch seitens ihrer Erlanger Kollegin, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß. Und inhaltlich nehmen die Jugendlichen von der Tagung in Düren sicher das Thema „75 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus“ als Anregung mit nach Hause, um zu dieser 2020 anstehenden Frage einen eigenen Beitrag zu gestalten.

Mehr Bilder und Berichte zu der Konferenz, die gestern zu Ende ging, finden Sie hier auf der Facebook-Plattform des Deutsch-Russischen Forums, des bewährten und verdienten Ausrichters der Veranstaltung: https://is.gd/2YZ1C5

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Nach einer eher orientierungslosen Diskussionsrunde mit dem Titel „Quo vadis, deutsch-russische Beziehungen?“, die sich über weite Strecken auf dem deutungsvollen Feld der Politik oder besser deren Scheitern an den Fragen Krim und Ostukraine verlor, nahmen die sieben Arbeitsgruppen der XV. deutsch-russischen Städtepartnerkonferenz schon am frühen Nachmittag ihre Fachgespräche und Diskussionen auf – von der Energieeffizienz über die digitale Stadt, Strategien einer nachhaltigen Entwicklung, der Zusammenarbeit in Wissenschaft, Kultur und Sprachförderung bis hin zu Inklusion und Teilhabe sowie dem Block „Zivilgesellschaft gestaltet Städtepartnerschaften“. In dieser Gruppe durfte auch der Partnerschaftsbeauftragte, Peter Steger, einen Kurzvortrag darüber halten, wie es zum Dreieck Erlangen-Wladimir-Jena kam und was diese trilaterale Verbindung auszeichnet. Da ist in erster Linie der bereits in den 90er Jahren aufgenommene Jugendaustausch zu nennen, und der legte gestern auch gleich richtig vor. Unter den 60 nach Düren eingeladenen Jugendlichen, die noch bis morgen tagen, fand sich nämlich auch ein Quartett aus Jena und Wladimir zusammen – mit dem Ergebnis:  Wir brauchen eine gemeinsame deutsch-russische Informationsplattform, das WladJenaTeam, damit man sich in beiden Städten durch u.a. Soziale Netzwerke über gemeinsame Programme informieren kann und auf diese Weise motiviert wird, selbst zu den Projekten beizutragen. Auf youtube ist denn auch schon ein Anfang gemacht, der hier mit einem Klick einsehbar ist: https://is.gd/fOewMK

Aber das eine ist es, eine virtuelle Welt zu schaffen, das andere – realiter zusammenzuarbeiten, sprich Begegnungen zu organisieren. Aber auch da braucht einem nicht bange zu sein: Schon im August kommt die nächste Jugendgruppe des Euroklub aus Wladimir zur Eurowerkstatt nach Jena und fast parallel eine weitere Delegation im Austausch mit der katholischen Jugend nach Erlangen. Beide übrigens unabhängig voneinander, ohne voneinander zu wissen, wie sich gestern im Gespräch herausstellte. Aber dafür gibt es ja jetzt die Informationsplattform. Wir werden sehen. Apropos sehen: An Aufnahmen vom gestrigen Tag sehen Sie ja heute eher wenig, denn dem Berichterstatter ist auf der Heimreise mit der Bahn bei einem verspätungsbedingt längeren Zwischenhalt am Fernbahnhof Flughafen Frankfurt die Kamera nebst Speicherchip abhanden gekommen.

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Gestern abend fand die Eröffnungsveranstaltung der XV. Deutsch-Russischen Städtepartnerkonferenz im Aachener Krönungssaal mit einer Festrede von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet statt.

Armin Laschet

Michelle Müntefering, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Dr. Michail Schwydkoj, Sonderbeauftragter des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale kulturelle Zusammenarbeit, Außenministerium der Russischen Föderation, Matthias Platzeck, Ministerpräsident a.D., Vorsitzender des Vorstands, Deutsch-Russisches Forum e.V., Wolfgang Spelthahn, Landrat des Kreises Düren und Sergej Netschajew, Außerordentlicher und Bevollmächtigter Botschafter der Russischen Föderation, hielten Grußworte.

Krönungssaal zu Aachen in voller Besetzung

Unter dem Motto „Wege der Verständigung: Partnerschaften als Mittler des Deutsch-Russischen Dialogs“ werden sich heute und morgen mehr als 700 Vertreter von Städten und Gemeinden, zivilgesellschaftlichen Organisationen, Politik und Wirtschaft aus beiden Ländern in sieben Arbeitsgruppen miteinander austauschen.

Elisabeth Preuß und Matthias Platzeck

„Die Konferenz steht in der langen Tradition einer vertrauensvollen städteverbindenden Zusammenarbeit mit Rußland. Sie setzt ein klares Signal für die versöhnende Kraft des Bürgerdialogs in Europas Städten und Gemeinden“, betonte Matthias Platzeck.

Martin Hoffmann, geschäftsführender Vorstand des Deutsch-Russischen Forums

Die deutsch-russische Städtepartnerkonferenz wird alle zwei Jahre wechselnd in Deutschland und in Russland ausgetragen und vom Deutsch-Russischen Forum e.V., dem Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften e.V. und der Stiftung West-Östliche Begegnungen in Zusammenarbeit mit der Internationalen Assoziation der Partnerstädte in Moskau durchgeführt.

Im Westen nichts Neues? Durchaus! Hier, im Länderdreieck Deutschland, Belgien und Niederlande, wo Karl der Große sein Reich einte, hier, ganz im Westen der Bundesrepublik, bekannte sich mit Armin Laschet ein westdeutscher Ministerpräsident mit ganzem Herzen zum deutsch-russischen Dialog und erinnerte an den Handelsweg, der schon im Mittelalter von Brügge via Aachen bis nach Nowgorod führte, heute noch immer nachzufahren auf der B1, die sogar das Brandenburger Tor passiert. Hier, wo Winston Churchill schon 1955, ausgezeichnet mit dem Karlspreis, betonte, Europa sei ohne die Sowjetunion und die Russen nicht zu denken und gestalten.

Michelle Müntefering

Da hat es dann schon besonderes Gewicht, wenn Staatsministerin Michelle Müntefering öffentlich überlegt, ob es nicht sinnvoll sei, in ihrem Außenministerium eine Stelle zur Koordination der deutsch-russischen Städtepartnerschaften einzurichten. Denn, bei all dem, was die beiden Staaten derzeit politisch trennt – und die Rednerin wurde da durchaus deutlich -, komme es doch vor allem darauf an, das Verbindende zu stärken.

Chor aus Mytischi

Das kann natürlich nur die Unterstützung der vielen Aktiven in den mittlerweile knapp über einhundert deutsch-russischen Kommunalpartnerschaften – zwei neue Vereinbarungen wurden an dem Abend unterzeichnet – finden und macht Hoffnung auf mehr politische Aufmerksamkeit und Begleitung dieser zivilgesellschaftlichen Verbindungen.

Jewgenij Sacharjewitsch, Elisabeth Preuß, Jekaterina Ragusina und Jewgenia Bykowskaja von der Jugendorganisation Euroklub Wladimir

Und es ist auch ein Versprechen an die Jugend, die in einem eigenen Forum eine ganze Woche lang gemeinsame Projekte erarbeitete und sich unter anderem auch über gemeinsame Aktionen zum Thema Klima- und Umweltschutz einigten, am bisher heißesten Tag des Jahres in Deutschland und vor dem Hintergrund von Fridays for Future fast schon zwingend. Der Euroklub aus Wladimir hatte eigens eine dreiköpfige Delegation nach Aachen und Düren entsandt, die gemeinsam mit einem jungen Mann aus Jena – darauf wird noch zurückzukommen sein – ein eigenes Medienprojekt initiierte.

Kurt Förster, Elisabeth Preuß, Sergej Sacharow und Erwin Bauer

Und es ist ein Auftrag an die Kommunalpolitik, der ja gottlob nicht nur in Erlangen, Rothenburg o.d.T., Susdal und Wladimir ernst genommen wird. Und so folgten denn neben Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Bürgermeister Kurt Fuchs und Erwin Bauer vom Partnerschaftsverein in Rothenburg auch Referentin Alina Wedechina, seit sechs Jahren im Rathaus Wladimir für die Städtepartnerschaft zuständig, und Stadtdirektor Sergej Sacharow aus Susdal, vormals Oberbürgermeister von Wladimir, der Einladung nach Nordrhein-Westfalen.

Alina Wedechina, Jonas Eberlein und Elisabeth Preuß

Schön, wenn man dann auch die Früchte der Partnerschaftsarbeit ernten kann. Jonas Eberlein, 2005 im Rahmen eines musikalischen Austausches des Ohm-Gymnasiums erstmals in Wladimir und später von Moskau aus immer wieder ideenreicher Gast in der Partnerstadt – auch als Teilnehmer am ersten Halbmarathon im Jahr 2017, ist jetzt als Dolmetscher für die Jugenddelegation des Kongresses tätig. Und Sergej Siwajew, in den 90er Jahren stellvertretender Bürgermeister von Wladimir und jetzt Professor für Urbanistik in Moskau, nimmt als Fachmann für kommunale Energiesparmaßnahmen mit einem eigenen Beitrag an der Tagung teil.

Sergej Siwajew und Elisabeth Preuß

Viele bekannte Gesichter also bei der Konferenz, aber auch nicht weniger viel Neues im Westen Deutschlands, im Herzen Europas, wo auch Rußland nun endlich angekommen ist, wo es hingehört seit alter Zeit und heute erst recht.

Mehr Bilder zum gestrigen Abend unter: https://is.gd/Dlyc6c

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Heute beginnt in Düren die XV. Städtepartnerkonferenz, von der ab morgen im Blog zu berichten sein jetzt. Auf dem Programm steht auch ein Vortrag des Partnerschaftsbeauftragten zum Thema Partnerschaftsdreieck Erlangen-Wladimir-Jena. Und da will es der Zufall, daß gestern – wie eine Vorlage – Thomas „Kaktus“ Grund, Streetworker im Ruhestand, wieder einmal eine Reminiszenz an seine aktive Zeit im deutsch-russischen Jugendaustausch via Facebook veröffentlichte.

Bewegungsküche aus Jena in Wladimir

2008 war ich wie alle zwei Jahre mit einer Jugendgruppe aus Jena in Wladimir. Darunter waren auch Jugendliche aus der Bewegungsküche.


Beim obligatorischen Susdal-Wochenende, die Gruppe war gerade beim Trainieren, erreichte mich die Botschaft, Anton, der Chef der Suzdal Motors Rocker, wolle mich gerne treffen.

Er fragte mich, ob ich nicht eine Band kenne, die beim Festival in Susdal spielen würde. Natürlich hatte ich eine Gruppe in petto und sagte für 2010 zu. Als ich schon wieder bei der Probe war, erschien Anton nochmals und überreichte mir einen Suzdal-Motors-Aufnäher.

Wie alle Ausländer mußten auch wir uns anmelden. Leider waren in der zuständigen Postfiliale gerade alle Mitarbeiterinnen mit Rumhängen und ihren Fingernägeln beschäftigt, so daß wir noch zur Hauptpost rammeln mußten. Übrigens, da der Drucker defekt war, hatten wir alle Formulare in doppelter Ausführung mit Kugelschreiber auszufüllen.


Als 2010 Green Melön in Susdal spielen sollte, war ich leider mit der Bewegungsküche in Frankreich. Sandy versprach mir, die Band zum Flughafen zu kutschieren. Gewagtes Unternehmen, denn ich hatte zwar die Zusage, daß sie in Moskau abgeholt werden. Aber was, wenn doch nicht?

Ich vertraute und gewann. In dieser Zeit tobten gerade Waldbrände in der Region Wladimir, und Susdal war total verraucht. Aber es wurde ein totaler Erfolg, da die Band vor dem Headliner „Aria“ spielen durfte.

Thomas „Kaktus“ Grund

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Hierzulande ist er kaum bekannt: Georgij Nisskij (1903 – 1987), einer der großen Meister in der Sowjetunion, derzeit leider auch in seiner Heimat kaum beachtet. Gut, daß sich da Wiktor Baraschkow aus der Partnerstadt in einem Aufsatz dem Künstler zuwendet und auch ein Werk vorstellt, das eng mit Wladimir verbunden ist.

Es handelt sich um eine Landschaft, die sich heute unter die Rubrik „Zeichen der Zeit“ einreihen ließe. Zu sehen ist Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl mit dem Auto im Vordergrund, das den Maler vor Ort brachte, sowie mit der Stromleitung im Hintergrund. Dem Künstler kam es offensichtlich darauf an, das alte Gotteshaus und die Spuren der Gegenwart zu einem dynamischen Bild zusammenzufügen. Für den heutigen Betrachter freilich ist auch das bereits wieder Geschichte. Denn mit dem Auto bis zur Kirche zu fahren, ist längst streng verboten, und vor kurzem baute man auch die Stromleitung ab, während das Bauwerk nachts angestrahlt wird.

Der Religionswissenschaftler Wiktor Baraschkow kommt übrigens im Juli wieder nach Erlangen, um seine Forschungen zum Thema „Kunst und Kirche“ fortzusetzen, die er im Vorjahr bei seinem ersten Besuch bereits zu planen begonnen hatte: https://is.gd/ES9o3N

 

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Zu Ehren der Gefallenen und Vermißten des Großen Vaterländischen Krieges entzündete man gestern auf dem Platz des Sieges in Wladimir 78 Kerzen. Tatjana Oserowa erinnerte mit folgendem Text an die Schrecken des Krieges, mit dem die Wehrmacht am 22. Juni 1941 die UdSSR überzogen hatte:

Können Sie sich vorstellen, was wir in unserer Nachkriegskindheit für Träume hatten? Alle Erwachsenengespräche drehten sich ja um ihn, um den Großen Vaterländischen Krieg, der so viele Verwandtenschicksale verkrüppelt, uns die liebsten und besten Angehörigen genommen hatte. Wir nahmen diese Familienerzählungen regelrecht mit ganzem Herzen auf. Und wenn in den Kinderspielen und Kinderzeichnungen diese Thema der Russen und Deutschen noch immer fortlebt, wenn bis heute in den Alben rotbesternte Flieger den Himmel durchkreuzen und Panzer mit dem faschistischen Hakenkreuz herumfahren, wie war das dann erst zu unserer Zeit!

Wie wir Pioniere uns da unsere Heldentaten an der Front vorstellten. Was wir uns da für Schliche einfallen ließen, um das rote Banner zu retten, den Feind in eine Falle zu locken, die Partisanen vor einer tödlichen Gefahr zu warnen. Weil einfach alle Filme, Bücher und Erzählungen in den Lehrbüchern davon handelten. Die Jungs in unserer Klasse fragten in den Büchereien ausschließlich nach Geschichten über den Krieg und Späher, es gab kein anderes Thema für sie.

Der Traum, der mich in der Kindheit verfolgte und quälte ging so. Unsere Stadt wird von den Deutschen eingenommen, alle Angehörigen sind bereits tot. Ich, das kleine Mädchen, bin alleine und verstecke mich in einem Schuppen hinter Holzscheiten, unter einem Heuhaufen. Dann kommen die Deutschen herein und prüfen mit ihren Bajonetten, ob da nicht jemand zu finden sei. Die scharfe Klinge trifft mich, aber wunderbarerweise gelingt es mir, mit einem Tuch das Blut an ihr abzuwischen. Sie gehen wieder… Ich bin gerettet, bleibe am Leben! Aber ich möchte nichts mehr, als von dort davonlaufen – mit einem wilden Schrei des unerträglichen Schreckens und Grauens.

So litten die Kinder der Kriegszeit, von den Erwachsenen Kriegsteilnehmern ganz zu schweigen. Sie blieben auch in ihren Träumen noch lange im Krieg, kämpften weiter Seit an Seit mit ihren Angehörigen, die in den Krieg gezogen waren und nicht mehr zurückkehrten.

Weltkriegsveteran Nikolaj Schtschelkonogow und Gouverneur Wladimir Sipjagin am 22. Juni 2019 im Gespräch auf dem Platz des Sieges

Eine jener wunderbaren Wendungen der Geschichte: Die Autorin heiratete später den Deutschdozenten Genrich Oserow, der die Städtepartnerschaft maßgeblich gestalten half, und ihre Tochter Natalia sollte, engstens mit Erlangen verbunden, zu einer der führenden Germanistinnen Wladimirs werden.

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für uns, auch für Sie – so lauteten am 22. Juni 1941 um 4.30 Uhr in Moskau die Worte von Wjatscheslaw Molotow an Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, den deutschen Außenminister in Moskau, nachdem dieser dem damaligen Vorsitzenden des Rats der Volkskommissare und späteren Außenminister die Mitteilung gemacht hatte, der Führer habe befohlen, der durch die UdSSR und England bestehenden Bedrohung „mit allen zur Verfügung stehenden Machtmitteln entgegenzutreten“. Da hatte der größte Vernichtungs- und Eroberungskrieg aller Zeiten bereits begonnen.

Niemand mache mehr den Fehler, die Worte von Faschisten und Nationalsozialisten nicht ernst zu nehmen. Adolf Hitler hatte alles schon in „Mein Kampf“, und 1939 verkündete er öffentlich:

Alles was ich unternehme, ist gegen Rußland gerichtet; wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen, und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden.

Alles, was wir heute unternehmen, muß auf den Frieden gerichtet sein. Nie mehr ein so großes Unglück!

Am 22. Juni 2011 sprach Wolfgang Morell, der soeben seinen 97. Geburtstag feierte, als erster deutscher Kriegsteilnehmer in Wladimir auf dem Platz des Sieges bei der Gedenkfeier zum Überfall der Wehrmacht auf die UdSSR und wandte sich in russischer Sprache mit folgenden Worten an die in den frühen Morgenstunden versammelten Menschen:

Wolfgang Morell, Iwan Mochow, Sergej Sacharow, Andrej Schochin, Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Preuß, 22. Juni 2011

Liebe Wladimirer, liebe Freunde,

als letzter wendet sich an Sie ein deutscher Zeitzeuge jenes verhängnisvollen Tages vor 70 Jahren, der uns den Anlaß für diese Gedenkstunde gibt. Ich hatte damals gerade das Gymnasium abgeschlossen und wartete auf meine Einberufung. Ich erinnere mich noch ganz klar an den 22. Juni 1941. Es war ein strahlender Sonntag, noch früh am Morgen, als mich meine Mutter mit dem Ausruf weckte: „Jetzt greifen die Unseren Rußland an.“

Ein lastendes Gefühl ergriff die ganze Familie… Ungefähr gegen 8.00 Uhr trat unser Propagandaminister Goebbels im Radio auf und behauptete, die Wehrmacht sei mit ihrem Angriff nur einer sowjetischen Aggression zuvorgekommen. Viele Deutsche – ich meine sogar die Mehrheit – glaubte ihm. Wir, meine Familie, wir glaubten ihm nicht! Warum?

Mein Bruder, damals Soldat bei der Artillerie an der deutsch-sowjetischen Grenze in Ostpreußen, hatte unter anderem die Aufgabe, das Schußfeld im Osten zu dokumentieren. Wir waren also informiert über den Gang der Dinge… Doch was ich damals noch nicht ahnen konnte, war, daß ich ein halbes Jahr später in Kriegsgefangenschaft geraten würde. Die Gefangennahme war für viele Soldaten an der Ostfront, so auch für mich, etwas, das man sich in den dramatischsten Farben ausmalte. Ich verdanke mein Leben nur dem Versagen meines Karabiners!

Ich blieb am Leben, erkrankte aber schon bald. Zu meinem Glück brachte man mich ins Militärhospital nach Wladimir, das damals in der Lunatscharskijstraße lag. Hier pflegte man mich innerhalb von sechs Monaten wieder gesund, als wäre ich einer von den eigenen Leuten, ein Rotarmist. Deshalb sage ich voller Überzeugung: In Wladimir hat man mir das Leben zurückgegeben! Hier vollzog sich auch die Kehrtwende – von Mißtrauen und Feindschaft hin zu Verständigung, Partnerschaft und Freundschaft. Für mich liegt ein tiefer Sinn darin, daß ausgerechnet die Stadt, deren Bewohnern ich für immer zu Dank verpflichtet bleibe, eine Partnerschaft mit meiner Heimatstadt Erlangen pflegt.

Wir haben hier voll der Achtung der Opfer gedacht, die jener unglückselige Krieg auf beiden Seiten forderte. Bitte lassen Sie uns an dieser Stelle gerade auch besonders der Kameraden beider Seiten gedenken, die in Gefangenschaft ums Leben kamen und jetzt die ewige Ruhe gefunden haben. Danke!

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Wie die drei schönsten Wörter der russischen Sprache klingen, hören Sie hier. Sachar Usenko, der im November 2016 beim Newcomer Festival in Erlangen als jüngster Gastsänger aller Zeiten aufgetreten war und es mittlerweile in seiner Heimat zu landesweitem Ruhm gebracht hat, bat vor laufender Kamera in Wladimir Passanten darum, jemanden anzurufen und zu gestehen: „Ich liebe dich!“ Mehr ist da nicht zu sagen. Einfach hier klicken: https://is.gd/zAiB6V und dabei das Bild von Othmar Wiesenegger genießen.

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