Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Mai 2019


Gestern feierten die elften Klassen an allen russischen Schulen ihren Abschluß. In Wladimir zogen 1.583 Jugendliche durch die gesperrte Hauptstraße, tanzend, singend, feiernd – und in die traditionelle Festtracht gekleidet, die Mädchen mit weißen Schürzen, roter Schärpe und gern auch weißem Band im Haar, die Jungs im weißen Hemd mit roter Schärpe.

Dieses Fest „Letzter Gong“ genannt, wird seit Sowjetzeiten begangen und gehört bis heute zum Schulleben wie bei uns die Naschtüte.

Wladimir Sipjagin und seine Tochter Jelisaweta

Auch Gouverneur Wladimir Sipjagin hatte Grund zu feiern: Seine Tochter Jelisaweta war unter den Schulabgängerinnen, und diese Freude teilte er denn auch via Facebook mit der ganzen Welt.

Und wir? Wir genießen einfach noch einige Bilder von Zebra TV, die zeigen, um welch ein fröhliches Fest es sich da handelt.

Read Full Post »


Wer gestern morgen die Nachrichtenticker der großen russischen Agenturen verfolgte, konnte das Fürchten lernen. Von einem Antiterroreinsatz in der Region Wladimir sprachen die Schlagzeilen. Und tatsächlich gingen die Sicherheitskräfte in der Kreisstadt Koltschugino, gut 70 km nordwestlich von Wladimir gelegen, um 0.35 gegen eine Terrorzelle vor, die im Verdacht stand, einen Anschlag zu planen.

1.mp4_snapshot_00.01_2019.05.22_06.34.24_0.jpg

Das Haus, in dem sich die Verdächtigen aufhielten, wurde umstellt, nachdem die Nachbarn alle evakuiert waren. Die zwei mutmaßlichen Islamisten folgten nicht der Aufforderung, sich zu ergeben, sondern eröffneten selbst das Feuer. Beim folgenden Schußwechsel kamen die beiden Angreifer gegen 5.00 Uhr ums Leben, bei den Sicherheitskräften gab es gottlob keine Opfer.

2.mp4_snapshot_00.26_2019.05.22_06.35.59_0.jpg

Offenbar standen die jungen Männer in Kontakt mit ausländischen Terrorgruppen, in deren Auftrag sie aktiv werden sollten. Dafür fanden sich denn auch in dem Haus eindeutige Indizien: Waffen, Munition, einsatzbereiter Sprengstoff aus Eigenproduktion und extremistisch-religiöse Schriften.

operativnoe_video4.mp4_snapshot_00.51_2019.05.22_06.37.12_0.jpg
operativnoe_video4.mp4_snapshot_00.33_2019.05.22_06.36.57_0.jpg

Nun läuft die Fahndung nach weiteren Mitgliedern der Gruppe und mögliche Verbindungsleute zu anderen Terrorzellen im In- und Ausland.

Um 9.30 Uhr hoben die Behörden den Ausnahmezustand in Koltschugino auf, und Gouvereur Wladimir Sipjagin dankte den Behörden für den erfolgreichen Einsatz, mahnte aber auch die Bevölkerung, weiterhin wachsam zu bleiben, denn die Bedrohung durch islamistischen Terror sei, wie jetzt wieder einmal bewiesen, keine Angelegenheit, die irgendwo in fernen Ländern zu gewärtigen sei, sondern alle überall jederzeit betreffen könne. Leider wahr – hier wie dort und allerorts.

Read Full Post »


Gestern besuchte Sebastian Reichle, Beauftragter der Deutschen Botschaft Moskau für die Region Wladimir, im Rahmen seines ersten offiziellen Besuchs in der Partnerstadt auch das Erlangen-Haus. Der vierunddreißigjährige Diplomat interessierte sich lebhaft für die Organisation der Deutschkurse, die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und natürlich die Partnerschaft insgesamt. Er zeigte sich beeindruckt von Umfang und Intensität der Zusammenarbeit zwischen Wladimir und Erlangen und bedauerte sehr, daß es in seiner Heimatstadt Stuttgart keinen derart vielfältigen Austausch mit Samara gebe.

Natalia Korssakowa und Sebastian Reichle im Intensivkurs

Da das Programm des Gastes eng getaktet war, blieb leider nur wenig Zeit für das Gespräch, aber immerhin nutzte er noch die Gelegenheit für ein Treffen mit einer Gruppe aus dem Intensivkurs des Niveaus A2, die gerade Unterricht hatte.

Alexander Dunjuschkin

Leider konnte Sebastian Reichle nicht im Erlangen-Haus übernachten, da derzeit der Heizkessel, vor 25 Jahren von der Firma Niersberger gespendet und seither von der Firma Pillipp gewartet, auf Vordermann gebracht wird. Auf dem Bild kann man sehen, wie der Kesselraum bereits neu gefliest ist. Nach Abschluß der Arbeiten schaltet sich der Kessel je nach Außentemperatur automatisch ein und aus und arbeitet damit ökonomischer, zuverlässiger und ökologischer, zumal es dann auch in jedem Stockwerk – Keller, erste und zwei Etage – ein geschlossenes Heizsystem geben wird. Zu sehen ist hier Alexander Dunjuschkin, ein von der Firma Buderus zertifizierter Monteur.

Tatjana Kirssanowa und Swetlana Schelesowa im Gespräch mit Sebastian Reichle

Zurück zum Antrittsbesuch des Diplomaten, der bereits vorgestern mit dem Frühzug aus Moskau gekommen war und der zunächst gleich weiter nach Gus-Chrustalnyj reiste, um dort das mit deutscher Beteiligung gegründete Unternehmen Bautex zu besuchen. Der Nachmittag war dann für ein Treffen mit Oberstadtdirektor Andrej Schochin im Rathaus und mit der Staatlichen Universität sowie einen Stadtrundgang reserviert. Gestern dann noch neben den Begegnungen im Erlangen-Haus ein Empfang im Weißen Haus, der Staatskanzlei der Region Wladimir, und der Besuch der Schule Nr. 23 mit ihren intensiven Verbindungen zu Erlangen, bevor es am Abend wieder zurück nach Moskau ging.

Irina Chasowa

Read Full Post »


Wenn sich zwei Berufskollegen treffen, dann redet man nicht selten über den gemeinsamen Beruf. Und wenn sich zwei Ärzte aus Wladimir und Erlangen treffen, dann tauscht man sich erst recht über berufliche Themen aus. So war es auch als Anfang des Monats der Augenarzt Kirill Solotorewskij zu einem zweiwöchigen Austauschbesuch aus der Partnerstadt nach Erlangen kam und sich mit Stadtrat Jürgen Zeus traf. Der Gast, der in der Augenklinik der FAU hospitierte, pendelt als Augenspezialist zwischen Moskau und Wladimir. In Moskau arbeitet er in einer Hornhautbank, und in Wladimir ist er in einer privaten Augenklinik tätig.

Wenn man die Gelegenheit hat, sich mit einem Ophthalmologen ohne Termindruck zu unterhalten, kann man auch über die Vor- und Nachteile der Brille reden. Es gibt sicherlich einige Nachteile beim Brillentragen wie beispielsweise, wenn man den Backofen aufmacht und den Kuchen sich näher anschauen möchte oder, wenn man im Regen mit dem Rad fährt. Demgegenüber kann man als Vorteil für das Brillentragen neben den ästhetischen Gründen auch die Tatsache werten, daß das Augenglas dem Träger einen klaren Blick verschafft.

Jürgen Zeus und Kirill Solotorewskij

Im Zuge des Gesprächs zwischen den beiden Ärzten kam heraus, daß die Brille medizinisch gesehen keine Schwäche darstellt und sogar cool sein kann. In einigen Kulturkreisen assoziiert man das Brillentragen manchmal mit Blindsein, und dies ist nicht selten negativ behaftet. Aber „schlimmer als blind zu sein, sei nicht sehen wollen“ soll Wladimir Lenin einmal gesagt haben. Für eine Augenlaseroperation müßten jedenfalls viel mehr Gründe vorliegen, als ein kurzfristig fehlender Durchblick in der Küche mit offener Backofentür.

Amil Scharifow

Read Full Post »


Michail Malyschew gelang am 15. Mai in der Nähe des Dorfes Schukowa im Landkreis Sudogda ein seltenes Bild mit einem Schwarm Grauer Kraniche. die Vögel stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Fauna; 2014 zählte man knapp über 2.000 Exemplare in der gesamten Region Wladimir.

Stark zurückgegangen ist die Population bereits in der Sowjetzeit, als man viele Sümpfe trockenlegte, um neues Ackerland zu gewinne. Mittlerweile hat sich der Bestand erholt und stabilisiert, die Vögel kommen nicht nur im Umland von Sudogda vor, sondern auch in den Landkreisen Kameschkowo, Wjasniki und Gorochowez sowie im Nationalpark Meschtschjora. Bald, Ende Mai, beginnen die Männchen ihren „Balztanz“, der allerdings wohl gar nicht, wie lange angenommen, mit dem flügelschlagenden Springen auf der Stelle die Weibchen beeindrucken soll, sondern den Platz für das künftige Nest vorbereiten soll, wo dann später ein bis zwei Eier bebrütet werden. Hoffentlich weiter erfolgreich, damit der Kranich eines Tages aus den Roten Zahlen komme. Einstweilen empfiehlt der Literaturredakteur des Blogs die Lektüre der Erzählung „Frühe Kraniche“ von Tschingis Aitmatow.

P.S.: Ganz Bayern kommt auf kaum zehn Brutpaare. Immerhin, denn bereits im 19. Jahrhundert galt der Kranich hierzulande als ausgestorben.

Read Full Post »


Unter den 620 namentlich bekannten Fließgewässern der Region Wladimir findet sich auch ein Bach im Landkreis Wjasniki mit der ungewöhnlichen Bezeichnung „Edon“, die weder nach slawischen noch nach den hier häufigen finno-ugrischen Wurzeln klingt. Die Zeitung „Prisyw“ machte sich nun daran, die etymologische Quelle des Zuflusses des Tetruch zu suchen und kam zu folgendem Ergebnis:

Ortsschild Edon

Es gibt einen männlichen Vornamen Edon mit albanischen Wurzeln, und in Ohio sowie 400 km südwestlich von Paris gibt es Ortschaften, die so heißen. Doch lassen sich hierzu ebensowenig Bezüge herstellen wie zur gleichnamigen chinesischen Firma.

Bach Edon

Ein Blick ins Archiv führt da weiter. Bis Ende des 18. Jahrhunderts trug der Bach nämlich den Namen Edom. Und diesen Begriff – er bedeutet „rot“ – kennt man natürlich aus dem Alten Testament von Esau, der die rote Speise seines Bruders Jakob zu essen wünschte und vor allem vom Königreich der Edomiter. Siehe hierzu: https://is.gd/8A1C4r

Altes Haus in Edon

Der Geographie – gleich ob Dorf, Stadt, Gewässer oder Erhebung – biblische Namen zu geben und damit Nähe zum Heiligen Land zu schaffen, war, wie überall auf der Welt, nach der Christianisierung durchaus üblich. Am bekanntesten ist Neu-Jerusalem an der Istra bei Moskau, in Sergijew Possad gibt es die Einsiedeleien Bethanien und Gethsemane. Im Landkreis Kameschkowo der Region Wladimir liegt sogar ein Dorf namens Edem am gleichnamigen Fluß, die russische Variante des paradiesischen Gartens Eden.

Biberburg am Edon

Wie auch immer: Der Bach Edon (früher Edom), der unweit des gleichnamigen Dorfes in den schwer zugänglichen Wäldern um Wjasniki entspringt, ist ein wahres Paradies für Biber, die hier mit ihren Burgen ihr ganz eigenes Reich schaffen. Der Ort selbst führt seine Geschichte bis ins frühe 17. Jahrhundert zurück.

Die Werkstore von Edon

Groß war er wohl nie: Noch 1905 zählt man hier ganze elf Gehöfte, doch in dem Jahr baut hier ein Unternehmer eine Textilfabrik, die von den Sowjets später verstaatlicht wird und Edon zu einem Arbeiterparadies macht, welches das ganze Umland in Lohn und Brot bringt, bis dann nach dem Zerfall der UdSSR der Niedergang einsetzt und 2004 sich die Werkstore endgültig schließen.

Was der Autor des Artikels im Prisyw nicht wissen kann: In der Passionszeit war in Halle an der Saale „Wer ist der, so von Edom kömmt?“ zu hören, und um von Erlangen aus in die Händel-Stadt zu kommen, darf man durch das Paradies der Partnerstadt Jena ziehen. So klein ist die Welt der Christenheit. Wo auch immer Sie diesen Beitrag lesen: einen gesegneten Sonntag!

Read Full Post »


Die Blumenpflanzarbeiten sind in vollem Gange. Wer Wladimir aus früheren Jahren kennt, weiß zu schätzen, wie sich die Partnerstadt von Frühling zu Frühling immer schöner herausputzt. Auf 7.500 qm sollen heuer mehr als 350.000 Blumen blühen, statistisch also etwa für jeden Einwohner eine Pflanze. Alle übrigens aus eigener Zucht: Begonien, Dahlien, Salbei, Petunien, Studentenblumen, Zinnien, Buntnesseln und viele andere. Auf 200 qm gegenüber der Staatskanzlei sollen sogar Rosen das Auge erfreuen. Außerdem sind mehr als 300 Blumenampeln und neue -skulpturen geplant, etwa einen Blütenspringbrunnen an der vor eineinhalb Jahren eröffneten Straße zur Umfahrung des historischen Stadtkerns, der Lybjedtrasse.

Anregungen zu all dem Blumenschmuck holte sich Wladimir übrigens auf der Insel Mainau, zu der die Partnerstadt bereits 2001, vermittelt über Erlangen und Jena, Kontakte aufnahm. Mehr zu dieser Geschichte unter: https://is.gd/fnWPMf

Read Full Post »

« Newer Posts - Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: