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Archive for 1. Mai 2019


In dreieinhalb statt bisher vierzehn Stunden von Moskau ins 800 km entfernte Kasan, in weniger als einer Stunde von Moskau nach Wladimir – so seit 2013 die Pläne für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke der Eisenbahn, die später einmal bis nach Sibirien weiterführen sollte. Schon für 2015 plante man die Arbeiten mit einem sagenhaften Kostenvolumen von einer Trillion Rubel aufzunehmen, finanziert zu einem Drittel von privaten Investoren und zu zwei Dritteln vom Staat. Ganz so schnell ging es natürlich nicht, aber immerhin stand die Streckenführung durch die Region Wladimir schon fest, öffentliche Anhörungen hatten stattgefunden, alles sah nach einer Umsetzung der Schienenträume von Premier Dmitrij Medwedjew aus. Doch Ende März des Jahres dann das plötzliche Aus. Präsident Wladimir Putin hält die Sache für nicht finanzierbar, erwartet ein zu geringes Fahrgastaufkommen und stellt die Signale nur auf die ebenfalls geplante Hochgeschwindigkeitstrasse Moskau – Sankt Petersburg, die sich wohl schneller refinanzieren ließe. Festgehalten hingegen wird bisher an dem eurasischen Vorhaben eine superschnelle Bahnverbindung zwischen Berlin und Peking mit chinesischem Geld zu bauen. Bisher.

Kaum hatte der Kreml gesprochen, schon zog das Verkehrsministerium neue Pläne aus der Schublade: Eine Maut-Autobahn soll es richten, privat finanziert, zwischen Moskau und Kasan – im Verein mit mehr Billigfliegern. Von Verkehrswende also keine Spur. Es ist als hätte man sich von den Kollegen in Berlin beraten lassen, wo man ja auch über Jahrzehnte auf den Individualverkehr setzte und bis heute Straßen um Straßen baut. Nun liegt die Streckenführung auf dem Tisch, und die Behörde für die Landschaftsschutzgebiete der Region Wladimir erhebt Einspruch: zu groß die Gefahren für bedrohte Fauna und Flora, zu viele Einschnitte in bisher unberührte Natur, zu unkalkulierbar die Folgen für das Grundwasser, zu laut für Anwohner, besonders Laubenpieper und Datschenbesitzer, deren Ruhe wohl bald dahin sein könnte. Aufhalten wird man den Bau wohl nicht können – 2025 schon soll der Verkehr rollen -, weshalb auch nur eine alternative Streckenführung vorgeschlagen wird. Ob sich die Autobahn freilich rechnet und die versprochenen Vorteile für die Wirtschaft bringt, muß sich noch zeigen. Viel Arbeit jedenfalls für alle beteiligten Seiten am Tag der Arbeit. Ein Anlaß aber zum Feiern? Der Verkehrsexperte der Blog-Redaktion macht jedenfalls keinen Hehl aus seiner Enttäuschung darüber, wenn nun zur bereits bestehenden M7 eine parallele Autobahn das Land durchschneidet.

 

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