Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Mai 2019


Ob in Sachen Bildung oder Internetnutzung, in vielen Bereichen blickt man gern nach Skandinavien. Nun machen die Finnen wieder einmal vor, wie es besser geht. Laut Zebra-TV nämlich hat Suomi in Wladimir ein Büro des weltweit operierenden VFS Global eingerichtet, wo man Visa beantragen kann, leider nur für Finnland. Dies erspart allen, die nach Kerawa, in die finnische Partnerstadt, oder sonstwohin zwischen Helsinki und Utsjoki reisen möchten, die lästige Fahrt nach Moskau, also Zeit und Geld.

Da sollte es doch auch möglich sein, ein Visazentrum in Wladimir zu eröffnen, wo die Sichtvermerke für die Schengen-Staaten beantragt werden können. Wenigstens bis endlich einmal visafreier Verkehr auch zwischen Wladimir und Erlangen eingeführt ist. Immerhin will sich jetzt Dirk Wiese, der Beauftragte der Bundesregierung für die zivilgesellschaftlichen Kontakte mit den Nachfolgestaaten der UdSSR für die Aufhebung des Visumzwangs für Jugendliche einsetzen.

 

Read Full Post »


Wie klein die Welt der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir ist, beweist nachfolgender Bericht von Rolf und Rotraud Steidel.

Vor genau einem Jahr waren meine Frau und ich zum Urlaub auf Rhodos. Dabei besuchten wir im Zentrum der Insel auch das Kloster Moni Thari, ein einsam gelegenes, stimmungsvolles und bedeutsames Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert mit einer sehr eindrucksvollen Ikonostase. Lange saßen wir im Kirchenraum, wobei uns ein Ehepaar auffiel, das einige der Ikonen küßte. Ich vermutete, es handele sich um ein russisches Paar. Nachdem ich gerne mit Menschen aus anderen Ländern spreche, ging ich auf die beiden zu, und meine Vermutung bestätigte sich. Eine sprachliche Verständigung war nicht möglich. Wir konnten aber deutlich machen, daß wir schon einmal mit unserem Chor von St. Sebald in Wladimir waren. Hier war das Eis gebrochen, denn das Paar machte uns deutlich, daß sie selbst aus der Partnerstadt stammten.

Das Ehepaar aus Wladimir und Rotraud Steidel

Mühsam kramten wir aus unserem sehr geringen, verschütteten Wortschatz einige russische Wörter hervor, und wir alle spürten, wie schade es ist, sich nicht austauschen zu können. Wir sangen dann zweistimmig in slowakischer Sprache das Lied „Prídi ty, šuhajko, rano k nam“. Und es klang recht russisch! Da sang die Dame plötzlich in gutem, verständlichem Deutsch ohne jeden Akzent das Lied von der „Weißen Friedenstaube“.

Rolf Steidel

Uns beide hat dies sehr, sehr bewegt und gerührt. Wir umarmten uns ganz spontan und fest. Das war/ist Völkerverständigung. Wir versuchten dann noch, deutlich zu machen, daß wir im Laufe des Jahres 2018 einen Chor aus Wladimir bei uns zu Gast in Erlangen haben würden, konnten dies aber nicht erklären. Bei den vorweihnachtlichen Konzerten in Kirchenehrenbach und Herz Jesu mußten wir immer wieder an diese Begegnung im Kloster Thari denken.

Rolf Steidel

Read Full Post »


Ich heiße Kirill Solotorewskij und bin promovierter Augenarzt, angestellt bei der Privatklinik Optikstile in Wladimir. Vom 6. bis 17. Mai hospitierte ich an der Augenklinik in der Partnerstadt Erlangen, eine der größten ihrer Art in Deutschland mit 80 Betten und sieben OP-Sälen. Die gibt die Möglichkeit, jährlich 38.000 ambulante und 6.000 stationäre Patienten zu versorgen.

An Werktagen nimmt die Klinik Patienten je nach ihrer Erkrankung auf: montags Grauer Star, dienstags Grüner Star, mittwochs Netzhauterkrankungen, donnerstags Erkrankungen der Wimpern und Tränengänge, freitags Hornhauterkrankungen. Darüber hinaus leistet man hier Nothilfe und konsultiert schwierige Fälle. Wie ich sehen konnte, verfügt die Klinik über ein breites Spektrum von diagnostischer Apparatur, die erlaubt, so gut wie jede erdenkliche Pathologie des Auges bereits im Frühstadium zu erkennen, sehr häufig sogar noch bevor sie auffällig wird. Operiert werden hier neben dem Grauen und Grünen Star verschiedene Arten der Keratoplastik; darüber hinaus findet die vitreale Chirurgie breite Anwendung.

Ich möchte mich herzlich bei all jenen bedanken, die mir bei der Organisation der Hospitation am Universitätsklinikum Erlangen halfen. Ich konnte eine unschätzbare Erfahrung machen, indem ich die Arbeit meiner deutschen Kollegen beobachtete und mich mit ihnen austauschte.

Kirill Solotorewskij

s. auch: https://is.gd/5dw8Kg

Read Full Post »


Rainer Glas reist zum dritten Mal nach Wladimir. Bereits in den 90er Jahren nahm er Kontakt zur Partnerstadt auf, lud immer wieder junge Gäste aus Wladimir zu seinem Internationalen Jazz Workshop ein, veranstaltete eine Tournee für die Big Band der Universität. Und nun tritt er mit seiner Formation Sounds of the Orient beim Jazz-Festival in Wladimir auf.

Wer dieses außergewöhnliche Ensemble das nächste Mal bei uns hören will, braucht etwas Geduld. Am 9. August spielt die Combo ab 20.00 Uhr in der Sophienhöhle. Aber jetzt gehört erst einmal Wladimir die Vorfreude. Und der Blog-Gemeinde bald der Rückblick auf die Tour.

Read Full Post »


Eine Blitzumfrage in der Redaktion des Blogs ergab: Niemand hat auch nur eine Staffel von „Game of Thrones“ gesehen. Vom Hörensagen weiß man natürlich von der Unzufriedenheit mancher Fans dieser Serie mit dem Ausgang der Saga aus einem fiktiven Mittelalter, aber Hören und Sehen vergehen einem schon, wenn der Verdruß sogar die Partei „Kommunisten Rußlands“ ergreift und diese sogar eine Änderung des Schlusses fordern. Ganz nach dem Motto: Ende nicht gut, alles schlecht. Oder, wie das schon Wilhelm Busch dräute: Wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe!

In Abstimmung mit der Parteispitze in Moskau hat sich nun jedenfalls der Vorsitzende des Regionalverbands der Kommunisten Rußlands in einem Brief an die Produzenten der Serie mit der Bitte gewandt, die letzte Folge wegen „einer nicht durchdachten Linie des Sujets, des Mangels an unerwarteten Wendungen und der stellenweise nicht richtig ausgearbeiteten schauspielerischen Leistung“ noch einmal zu drehen. Mehr noch:

Wir sind entsetzt darüber, wie unter Einsatz von kolossalen finanziellen und menschlichen Ressourcen die Macher der Serie im Wesen die Bitten der Fans ignorierten und den Weg einer trivialen Konzeption und eines Minimalismus von kreativen Ideen einschlugen. Wir meinten, Sie haben das Bild des Königs der Nacht nicht im vollen Umfang offenbart und das Schicksal von Daenerys sowie von John Snow und ihrer Freunde und Gefolgsleute auf nur niedrigem Niveau entwickelt. Nach dem Ausgang der letzten Folge bleibt ein Gefühl der Unzufriedenheit und des Mangels an einem Konzept, an logischen Schlüssen und einer moralischen Komponente. Es fehlt der umfassende und philosophische Blick auf die Helden und Ideen der Serie insgesamt.

Am besten wäre es, so der Verfasser des Schreibens, wenn man bei der geforderten Neuauflage die Kulturabteilung der Kommunistischen Partei der USA einbezöge. Auch erklärt der Brief, warum gerade Kommunisten diese Produktion so gerne sehen, denn hier könne man sehen, wozu monarchische Regimes führen können. Außerdem habe man wohl die aus den „Steuerabgaben einfacher amerikanischer Arbeiter und unterdrückter Neger generierten Mittel wahrscheinlich nicht in der gebührenden Weise verwendet“.

Politische Partei – Kommunisten Rußlands

Im Gespräch mit Zebra TV, das den Brief auch in voller Länge abdruckte, bestätigte Andrej Nikolskij, der Vorsitzende des Regionalverbands der Kommunisten Rußlands, das Schreiben per E-Mail an die Produzenten und Regisseure abgesandt zu haben, nicht als Provokation, wie er betonte, sondern als „politischen Kampf für die Rechte seiner Wähler, unter denen es nicht wenige Anhänger der Show gebe“.

P.S.: Die Partei besteht formal seit 2012 und versteht sich als Alternative zur Kommunistischen Partei, der sie gegenwärtig nicht zutraut, wieder an die Macht zu kommen. Selbst freilich blieben die Kommunisten Rußlands bisher bei allen Wahlen stets deutlich unter der Fünf-Prozent-Marke, sind also weder in der Staatsduma noch in Regionalparlamenten vertreten.

trones_1.jpg
trones_2.jpg

Read Full Post »


Der Erfolg hat viele Väter. Die Mütter werden gern vergessen. Die Städtepartnerschaft Erlangen-Wladimir ist – das bestätigte eben erst wieder der Regionalbeauftragte der Deutschen Botschaft in Moskau, Sebastian Reichle – so ein Erfolg mit vielen Vätern – zuvorderst Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, Klaus Wrobel, Claus Uhl oder Wolf Peter Schnetz und Eike Haenel, um nur die Gründerväter zu nennen. Und es gibt eine Mutter dieses Erfolgs, Heide Mattischeck, die heute ihren 80. Geburtstag feiert, zu dem der Blog ihr mit den besten Wünschen dieses Bild aus Bogoljubowo vor den Toren der Partnerstadt widmen will.

Bogoljubowo

Morgenstimmung in Bogoljubowo

Die aus Berlin stammende Wahlfränkin stand 1983 an der Seite von Dietmar Hahlweg bei der ersten Delegation aus Erlangen in Wladimir und stellte bei einer Zigarette im Zwiegespräch mit Michail Swonarjow, dem damaligen Stadtoberhaupt, eine Gemeinsamkeit fest, die sie mit dem Gastgeber zutiefst verband: Beide hatten den Vater im Krieg verloren, beide wollten vor allem eines, nie wieder Krieg zwischen Deutschen und Russen – und überhaupt nirgendwo. Dieser aus dem eigenen Erleben herrührende Friedenswille ist es denn auch, der die einstige Stadträtin und Bundestagsabgeordnete bis heute Freundschaft mit Wladimir halten läßt.

Dietmar Hahlweg, Heide Mattischeck und Ursula Rechtenbacher, 2009

Doch lesen Sie hier https://is.gd/TYWueA, was sie selbst über ihre Verbindung zu Wladimir schreibt. Ein zeitlos gültiges Zeugnis der großen alten Damen der Partnerschaft, ungeachtet einiger heute so nicht mehr gültigen aktueller Bezüge.

Read Full Post »


„Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr“ sagt sich Wassilij Nikitinskij aus Wladimir und behauptet denn auch, sein Blog werde von den besten Menschen des Planeten gelesen. Wenn Sie auch zu diesem erlesenen Kreis gehören wollen, empfiehlt sich ein Klick auf diesen Link: http://nikitinskiy.com/ob-avtore

Wie auch immer, man findet dort neben vielen anderen Reisereportagen auch einen Bericht zu einem Kloster, das kaum ein Wladimir-Reisender zu sehen bekommt, obwohl es unweit von Pokrow liegt, unmittelbar an der Strecke zwischen Moskau und Wladimir. Ein Schwenk dorthin würde sich durchaus einmal lohnen…

IMG_0240 copy.jpg

Es war im 16. Jahrhundert, als sich in der Nähe der bereits damals bestehenden Landstraße zwei Mönche niederließen und eine kleine Kirche auf einer Insel bauten. Mit der Zeit gewann der Ort an Anziehungskraft, die örtliche Bevölkerung unterstützte die Ordensleute, und so entstand das heutige Frauenkloster im Wwedenskijsee. IMG_0244 copy.jpg

Zwei Brücken verbinden den Komplex mit dem Festland, die wichtigere und große ist sogar befahrbar, allerdings nicht für Gäste.IMG_0198 copy.jpg

Ein sicherer Stand mit schönem Ausblick.
IMG_0200 copy.jpg

Der See selbst ist fast rund, wie die meisten stehenden Gewässer in der Region Wladimir. Ein Umstand, der mit der Karstlandschaft zusammenhängt.IMG_0204 copy.jpg

Von der Betonbrücke aus sieht man auch den Holzsteg.
IMG_0205 copy.jpg

Kurz zur Geschichte: Den Segen zur Erhebung in den Rang eines Klosters gab Zar Peter I. Nach dem Aufblühen der Gemeinschaft unter Abt Sergij setzte unter seinem Nachfolger im Amt, Pater Nektarij, ein rascher Niedergang ein. Er hatte die neue Kirche und die Glocke für den Spottpreis von 28 Rubeln an die umliegenden Kirchdörfer verschachert. Wie durch ein Wunder kam der Besitz aber auf die Insel zurück, und man baute anstelle der Holzkirche ein Gotteshaus aus Stein. Im 19. Jahrhundert errichten die Mönche dann eine neue, Nikolaus dem Wundertäter geweihte Kirche, einen Wohntrakt mit den Zellen, einen Bau für den Abt und am Seeufer ein Pilgerheim. Nach der Oktoberrevolution kam hier alles zum Erliegen, im Kloster richteten die Sowjets ein Altenheim, eine Anstalt für Waisenkinder und schließlich sogar ein Frauengefängnis ein. Erst Anfang der 90er Jahre erfolgte die Rückgabe an die Kirche und die Auferstehung des Klosterlebens. Seit 1995 leben hier Nonnen. Besonders verehrt wird hier das Grab eines der Äbte, des Paters Kleopa, der zu den Lokalheiligen zählt.

IMG_0206 copy.jpg

Zwei Kirchen schmücken heute die Kirche, die eine Nikolaj dem Wundertäter geweiht, die andere der Allerheiligsten Gottesmutter. Und rund herum wird im Garten gewerkelt.IMG_0207 copy.jpg

Als männlicher Gast, so der Autor, sollte man freilich mit seinem Objektiv nicht zu nahe herankommen und sich lieber in Richtung des Holzstegs aufmachen.IMG_0208 copy.jpg

So kommt man am neuen Glockenturm vorbei.
IMG_0209 copy.jpg

Und geht weiter zur Kirche aus dem 19. Jahrhundert, die derzeit renoviert wird.
IMG_0210 copy.jpg

Am Steg angelangt, hört und sieht man ganze Schwärme von Möwen.IMG_0212 copy.jpg

Mit all ihren Hinterlassenschaften…
IMG_0214 copy.jpg

Von hier dann der Blick zurück.
IMG_0215 copy.jpg

Und von hier könnte man dann rübergehen zu einem der „Lost Places“ der Region Wladimir, dem geschlossenen Bau der einstigen Sonderanstalt für minderjährige Mädchen mit gemeingefährlichem Verhalten.IMG_0216 copy.jpg

Das Frauenkloster soll einen Gegenentwurf dazu gegründet haben, ein Kinderheim mit dem Namen „Arche“, das der Blogger allerdings nicht zu Gesicht bekam.IMG_0218 copy.jpg

Noch einmal geht es zurück auf die Insel.
IMG_0222 copy.jpg

Und dann eröffnet sich der Blick auf eine Kapelle im Wasser, die allerdings geschlossen war.
IMG_0223 copy.jpg

Wieder Möwen, die überall an den Gebäuden und auf dem Gelände nisten.
IMG_0224 copy.jpg

IMG_0226 copy.jpg

Da der Blogger früh am Morgen gekommen war, traf er nur eine ältere Nonne und zwei Bauarbeiter aus Usbekistan an.
IMG_0227 copy.jpg

Das Wetter hätte besser sein können, aber man kann sich vorstellen, was hier an klaren Tagen für eine Morgendämmerung oder Abendstimmung möglich ist.IMG_0229 copy.jpg

Ein Landesteg?
IMG_0230 copy.jpg

IMG_0232 copy.jpg

IMG_0233 copy.jpg

Landschaftsdesign.
IMG_0234 copy.jpg

Verbote.
IMG_0235 copy.jpg

Photo- und Videoaufnahmen in der Kirche werden nicht gutgeheißen.
IMG_0236 copy.jpg

Das Haus der Äbtissin. Still und sauber.
IMG_0238 copy.jpg

Hier gibt es, später am Tag, etwas zu essen, vor allem für Pilger und Besucher. Das Kloster hat auch eine eigene kleine Molkerei.IMG_0239 copy.jpg

Der Apostel Johannes nannte Klöster einmal „Inseln der Gottesliebe“. Hier, an diesem See, darf man diesen Ausspruch wörtlich nehmen.IMG_0240 copy.jpg

Also: Bei der nächsten Fahrt nach Wladimir oder von der Partnerstadt zurück nach Moskau einfach hier abbiegen https://is.gd/w0deEH und – reif für die Insel – eine halbe Stunde dem lieben Gott näher sein.

Read Full Post »

Older Posts »

%d Bloggern gefällt das: