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Archive for 2. April 2019


Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus nach Bogoljubowo, besichtigten das dortige Kloster und wanderten zur außerhalb gelegenen Mariä-Schutz-und-Fürbitt-Kirche. Mit Freude stellte ich dabei fest, daß auf Rußlands Wiesen doch noch einige Pflanzen mehr blühen als in Deutschland. Dementsprechend mehr Schmetterlinge waren auch überall unterwegs. Selbst in Wladimir trafen wir auf deutlich mehr Schmetterlinge als in Erlangen.

Mariä Schutz und Fürbitt an der Nerl

Zum Wochenwechsel hin änderte sich auch das Wetter. Es kühlte etwas ab, und es zog sich immer mehr zu. Da der Montag noch trocken sein sollte, nutzten wir den Tag um nach Susdal zu fahren und die Partnerstadt von Rothenburg ob der Tauber zu erkunden. Es ist wirklich idyllisch, wie sich die historischen Gebäude in die Landschaft schmiegen, wobei man den Tourismus deutlich merkt. Die Innenstadt machte mehr den Eindruck eines Museumsdorfes als den einer belebten Kleinstadt.

Die Kamenka bei Susdal

Nach zwei weiteren Tagen in Wladimir, die vom Wetter her zu keinen größeren Unternehmungen einluden, ging es für uns zurück nach Moskau, wo uns zum Glück besseres Wetter erwartete, das auch die nächsten Tage über anhielt. Bereits in Wladimir hatten wir in der Touristeninformation einen Flyer von „Moscow me“ gefunden, ein Büro, das englischsprachige Führungen durch die Hauptstadt anbietet. Unter anderem hat man auch eine kostenlose Führung im Programm.

Abschied von Wladimir

Neugierig meldeten wir uns online an und erwarteten, es werde sich vermutlich eine große Gruppe einfinden. Tatsächlich hatten sich an diesem Tag aber nur mein Mann und ich angemeldet, weshalb wir eine sehr interessante und spannende, private Stadtführung bekamen. Da uns diese so gut gefallen hatte (was sich im Trinkgeld widerspiegelte), buchten wir für den Abend gleich noch eine weitere Führung – diese allerdings gegen Gebühr –, und auch diesmal waren wir die einzigen Teilnehmer. Der Guide sah „minimal“ überrascht aus, uns so bald wiederzusehen.

Die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz

Am Samstag statteten wir dem riesigen Souvenirmarkt Ismajlowo einen Besuch ab. Matrjoschka-Puppen so weit das Auge reicht. Dazwischen unzählige Tücher, Handwerkskunst und Essen. Der Markt teilt sich dabei in drei Bereiche: den Souvenirmarkt, einen Art Jahrmarkt und einen Trödel- und Antiquitätenmarkt. Dort findet man selbstgestrickte Strümpfe neben Taucherglocken und diese wiederum neben Pistolen und Maschinengewehren. Ein spannendes und interessantes Allerlei, in dem man wunderbar Mitbringsel für die Lieben daheim einkaufen kann (wobei sich die Mitnahme eines Maschinengewehrs nach Deutschland als schwierig gestalten dürfte).

Der Ismajlowo-Markt

Der Sonntag war grau und feucht, doch den verbrachten wir kurzerhand mit dem Besichtigen der unterirdischen Paläste, sprich den wirklich pompösen und beeindruckenden U-Bahnstationen. Gleich 22 von diesen nahmen wir uns an diesem Tag vor.

Die Metro

Es folgten krankheitsbedingt zwei ruhige Tage, an denen keine Aktivitäten möglich waren. Als es dann endlich wieder etwas besser ging, nahmen wir uns das Historische Museum vor. Auch dieses ist sehr prachtvoll gestaltet, und auch wenn es meist keine englische Beschriftung der Ausstellungsstücke gibt, erhält man doch die wichtigsten Informationen über den englischen Audioguide.

Das Bolschoj

Für den letzten Tag in Moskau hatten wir noch eine Führung durch das Bolschoj-Theater gebucht. Für den Besuch einer Vorführung waren wir leider zu spät dran. Hier sollte man frühzeitig Karten buchen. Auch die Führung war gut besucht, und es gibt nur wenige Plätze. Man sollte also rechtzeitig buchen, wenn man das Gebäude von innen besichtigen möchte. Die Führung dauerte ca. eine Stunde, in der man durch alle möglichen Räumlichkeiten geführt wurde und einige historische Details zum Gebäude erfuhr.

Das Auferstehungstor auf dem Roten Platz

Rußland ist ein spannendes Land voller Gegensätze. Während Moskau den Charme einer überaus gepflegten, modernen Weltmetropole versprüht, in die hohe Summen investiert werden, sieht es außerhalb der Metropole ganz anders aus.

Moskau an der Moskwa

Ein gutes Beispiel ist hier der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV): Während in Moskau moderne Linienbusse auf breiten, gut erhaltenen Straßen verkehren, findet man in Wladimir fast ausschließlich ausrangierte Busse aus Deutschland – oftmals an Aufklebern wie „Bitte nach hinten durchgehen“ oder „Bitte nicht mit dem Fahrer sprechen“ erkennbar –, die ihre besten Zeiten schon lange hinter sich haben (löchrige Böden, die teilweise mit Blech verstärkt wurden, damit die Fahrgäste nicht hindurchbrechen. Nichtsdestoweniger konnte man in etlichen Bussen durch Löcher im Boden die Straße darunter begutachten und alte, qualmende, stinkende Dieselmotoren bestaunen, die über von Schlaglöchern gespickte Straßen rumpeln. Dafür ist der öffentliche Personennahverkehr in Wladimir mit ca. 30 Rubel pro Fahrt (~0,38 €) unschlagbar günstig für deutsche Verhältnisse. In Moskau kostet eine Tour schon 55 Rubel (~0,69 €) – für deutsche Verhältnisse immer noch spottbillig; wenn man allerdings das Lohnniveau außerhalb von Moskau bedenkt, durchaus teuer.

Die Christ-Erlöser-Kathedrale

Die kommunistische Vergangenheit zeigt sich überall an Gebäudeverzierungen, Statuen von Lenin (im Gegensatz zu Stalin scheint Lenin in der Bevölkerung noch ein gewisses Ansehen zu genießen, so zumindest unser subjektiver Eindruck nach Gesprächen mit Einheimischen) und steht im Gegensatz zum erstarkten Kapitalismus, der sich vor allem in Moskaus Innenstadt in Form von unzähligen Luxuskaufhäusern, Premiumautos und ähnlichem zeigt.

Die Kluft zwischen arm und reich ist tief und ausgeprägt und manifestiert sich nicht nur zwischen einzelnen Menschen, sondern auch zwischen Städten und Regionen, was unweigerlich zu Spannungen führen wird. Land und Leute sind komplex mit einer bewegten Vergangenheit und einer Gegenwart voller Gegensätze, was dieses Land durchaus zu einem einzigartigen und besonderen Reiseziel macht.

Eva Gruber

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