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Archive for April 2019


In den Osterferien setzte die Nadjeschda-Jugend ihren Austausch mit Wladimir fort. Hier der Bericht zu den Begegnungen in Wladimir, Nischnij Nowgorod und Moskau:

Erster Treffpunkt war der Nürnberger Bahnhof. Gemeinsam ging es dann mit dem Zug nach Frankfurt und mit dem Flieger nach Moskau. Am Flughafen Domodjedowo angekommen, warteten schon die ersten russischen Teilnehmer und begleiteten uns in einem Bus direkt nach Ladoga. In dem Freizeitcamp nahe Wladimir sollten wir während der nächsten Tage die meiste Zeit miteinander verbringen. Obwohl es schon spät in der Nacht war, als wir ankamen, begrüßten uns viele vertraute und auch ein einige neue Gesichter.

Ladoga – unser Zuhause nahe Wladimir

Ausgeschlafen und gestärkt durchs Frühstück, lernten sich am nächsten Tag alle Teilnehmer bei verschiedenen Spielen auf dem Gelände kennen. Den ersten Abend grillten und kochten wir und ließen ihn zusammen singend ausklingen.

Für den nächsten Tag ließen sich die russischen Gastgeber ein spannendes,  nicht ganz einfaches und Kooperation verlangendes Spiel einfallen, um die Stadt Wladimir kennenzulernen. Am Abend war ein entspannter Filmabend geplant, der sich auf noch einen weiteren Abend ausweiten sollte und eine gute Basis bot, um über Vorurteile und die Wahrnehmung der russischen Gesellschaft zu diskutieren.

Auch die darauffolgenden Tage boten viele Möglichkeiten, sich untereinander auszutauschen und das Leben unserer Freunde kennenzulernen. Auf einem Besuch an der Staatlichen Universität, an der die meisten hier teilnehmenden Russen studieren, folgte eines der Highlights dieses Austausches, der Besuch des Nadjeschda-Fonds in Wladimir.

Dieser staatlich geförderte Verein kümmert sich um Waisenkinder und bietet ihnen einen Ort, an dem sie ein Leben lang willkommen sind. Zusammen mit den anwesenden Jugendlichen lernten wir die traditionellen russischen Pfannkuchen (Bliny) zuzubereiten, mit einer wahrhaften Künstlerin malten wir Ostereier an und übten einen russischen Volkstanz ein. Klar wurden auch zahlreiche Runden Tischfußball gespielt, wenn schon ein Tisch im Raum steht.

Am Abend gingen wir zusammen in eine Bar, wo wir sehr zu unserer Freude Musikinstrumente vorfanden, und so übertrafen sich die musikalischen Talente in unserer Gruppe gegenseitig. Das erste Geburtstagskind im diesjährigen Austausch wurde, wie es sich hier gehört, auf einem Stuhl sitzend hochgehoben und gefeiert.

Jugendgruppe mit Pfarrer Sergej Sujew

Unser Kosake von letztem Jahr (manche Teilnehmer erinnern sich) besuchte uns diesmal direkt in unserem Camp und zeigte uns einige Trainingsspiele, die jedes für sich kräfteraubend war. Zuletzt durfte noch jeder feststellen, wie schwierig es ist, mit einem Pfeil und Bogen eine Zielscheibe zu treffen. Ausgepowert kam uns die Banja an diesem Abend sehr gelegen!

Hand- und Spanndienste auf dem Gelände der Rosenkranzgemeinde

Am nächsten Tag durften wir an einem russischen Sozialprojekt teilhaben. In kleinen Gruppen besuchten wir Senioren und halfen Ihnen in im Haushalt. Aber nicht nur Fensterputzen, Saugen und Wischen gehörte dazu, sondern auch interessante Gespräche mit den älteren Menschen, die uns einiges aus Ihrem Leben erzählten. Die Wiederholungstäter dieses Austausches, die diesen Programmpunkt schon von den letzten Jahren kannten, trugen diesmal dazu bei, das Gelände der katholischen Gemeinde für den Sommer wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

Wieder vereint, ging es in die Universität, in der wir uns beim Fußballspielen verausgabten, um uns danach von einem professionellen Karate-Meister Übungen zeigen zu lassen, wie wir uns gewaltlos verteidigen können.

Freunde, Familie und ihr Alltag

Besonders erwartet wurde natürlich der darauffolgende Tag. Rent-a-German stand bevor. Nach einer morgendlichen Freizeit in Wladimir teilten sich die deutschen Teilnehmer auf, um einen typischen Alltag ihrer russischen Freunde kennenzulernen. Ein paar hatten die Chance eines der vielen Studentenwohnheime hier von innen zu sehen und  kamen so mit weiteren Studenten zusammen, mit denen sie gemeinsam Borschtsch kochten. Andere besuchten einen Deutsch-Kurs und staunten nicht schlecht, wie viel die Kursteilnehmer schon verstehen und sprechen konnten. Für manche ging es zu Familien nach Hause, wo sie sich definitiv nicht hungrig verabschiedeten.

 

Nischnij Nowgorod – die Börse des Landes

Um noch etwas mehr vom Land sehen zu können, fuhren wir früh am nächsten Morgen gemeinsam mit dem Zug in das etwa 200 km entfernte Nischnij Nowgorod. Die 1,2 Millionen Einwohner zählende Stadt liegt am Zusammenfluß der Oka und der Wolga und ist von großer Bedeutung für die russische Geschichte.

Abfahrt vom Bahnhof Wladimir

Durch eine spannende Stadtführung erhielten wir einen Einblick in die Drehscheibe des russischen Handels. Ein Besuch im Technikmuseum erlaubte uns, die vielen technischen Meisterleistungen hier zu bewundern, und das Arsenal-Museum gab unter anderem einen Vorgeschmack auf die russische Avantgarde. Zum Besuch dieser Stadt gehörte selbstverständlich auch eine Gondel-Fahrt über die Wolga.

Am Abend wurde gemeinsam gekocht, was die Beteiligung aller erforderte. Wir kombinierten Schnitzel mit Gemüse und Salat aus der russischen Küche. Nachdem alle satt und zufrieden waren, wurde unser zweites Geburtstagskind gefeiert.

Zurück nach Moskau

Mit dem Zug ging es wieder nach Moskau. Dort wartete auch einer der russischen Teilnehmer mit seiner Führung über den Roten Platz auf uns und erklärte all die historischen Sehenswürdigkeiten. Den letzten Abend verbrachten wir mit Speis, Trank und vielen tiefen Gesprächen. Denn wir wußten ja, der morgige Tag bedeutete Abschied nehmen.

Vor der Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz

Auch diesmal entstanden wieder viele neue Freundschaften und alte festigten sich. All die schönen Erinnerungen der vergangenen Tage lassen doch sehr auf ein baldiges Wiedersehen hoffen.

Robert Papon

 

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Nach der eher düsteren Seite des Osterfestes heute die ganze Pracht und Herrlichkeit, wie sie die russisch-orthodoxe Kirche als Hüterin der byzantinischen Tradition zu entfalten versteht. Etwa bei der Zeremonie des Osterfeuers, das aus Jerusalem als Zeichen des Lichts, des Lebens und der Auferstehung gestern in der ganzen rechtgläubigen Christenwelt entzündet wurde.

Die ganze Straße vom Goldenen Tor bis zur Mariä-Entschlafens-Kathedrale war gesperrt, und Erzbischof Tichon führt die Prozession an.

Bilder von Wladimir Tschutschadejew, die für sich sprechen. Lassen Sie sie auf sich wirken…

 

 

 

 

 

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Heute, am orthodoxen Osterfest, fahren in Wladimir, wie in wohl fast allen russischen Städten, Busse kostenlos zum Friedhof. Man fragt sich, warum nur ausgerechnet am Tag der Auferstehung, der doch das Leben feiert, der Toten gedacht werden soll. Soll es ja auch gar nicht, wenn es nach der Geistlichkeit ginge, die diesen Brauch, wenn nicht ablehnt, dann doch bestenfalls duldet.

Aber Traditionen prägen das kirchliche Leben doch in vielen Fällen mehr als die reine Lehre sich das wünscht. Der Brauch des Friedhofbesuchs geht nach Ansicht von Historikern bis ins 16. Jahrhundert zurück, als die Mehrheit in Dörfern lebte, die oft zu klein waren, um eine eigene Kirche ihr eigen nennen zu können. Bis heute gibt es ihm Russischen zwei verschiedene Begriffe für das Dorf: zum einen деревня, das so viel bedeutet wie „Rodung“ und село, das man mit „Siedlung“ übersetzen kann und wo es immer auch eine Kirche gab, weshalb man dieses Wort in Übertragungen gern als „Kirchdorf“ wiedergibt. Die Landbevölkerung hatte es mitunter weit bis zum nächsten Gotteshaus mit einem Friedhof, und so verband man den Besuch der Ostermesse aus ganz praktischen Gründen mit dem Totengedenken. In der Sowjetzeit dann, als es zumindest nicht mehr opportun wurde, wenn nicht gar gefährlich, sich öffentlich zum Glauben zu bekennen, lebte der Brauch als stillschweigend toleriertes Zeichen der Verbundenheit mit der Orthodoxie fort.

Walerij Kopjnak: Kirchdörfliches Ostern

Walerij Kopnjak: Kirchdörfliches Ostern

Doch wir lassen heute die Toten ihre Toten begraben und gratulieren lieber zum Fest der Feste mit einem freudigen „Христос воскрес! Christus ist auferstanden!“ auf das die Antwort „Воистину воскрес! Wahrlich, er ist auferstanden!“ folgt, bevor man nach der vierzigtägigen Fastenzeit zur Paßcha, zum Kulitsch und zum gefärbten Ei greift.

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Mit 110 Jahren ist die Fachschule für Pflegeberufe die älteste Ausbildungseinrichtung in Wladimir. Hier erhalten im Verlauf von drei Jahren mehr als einhundert junge Leute die praktischen und theoretischen Voraussetzungen, um an Krankenhäusern im ganzen Land zu arbeiten.

In diesen Tagen beginnt schon einmal der Probelauf zum Jubiläum, das man im Herbst feierlich begehen will. Nicht nur mit einem stolzen Blick in die Vergangenheit, sondern auch mit der Zuversicht, dann bereits einen Austausch mit der Berufsfachschule für Krankenpflege und Krankenpflegehilfe am Malteser Waldkrankenhaus aufgenommen zu haben. Erste Kontakte in diese Richtung sind bereits vielversprechend geknüpft.

Damit das auch so richtig gelingen möge, gibt es schon ein Maskottchen. Nicht von ungefähr mit dem roten Kreuz geschmückt, denn die stellvertretende Leiterin des Instituts, Olga Antropowa, fungiert ehrenamtlich als Vorsitzende des Wladimirer Ortsverbands des Roten Kreuzes, der ja bereits seit 1990 mit Erlangen zusammenarbeitet und derzeit neue Projekte vorbereitet. Aber davon und vom andern Thema später mehr.

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Erstes Schachspiel zwischen Rothenburg und seiner russischen Partnerstadt Susdal

Wie kann man eine Städtepartnerschaft weiterentwickeln? Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen zwei Ländern? Diese Fragen stellte sich auch der Städtepartnerschaftsverein in Rothenburg. Hierauf Antworten zu geben, gehört immerhin zu seinen originären Aufgaben. Schach ist sowohl in Deutschland als auch in Rußland weit verbreitet. Mit Aljochin, Botwinnik, Smyslow, Spasskij, Kasparow oder Karpow können die Russen sogar eine Reihe von Weltmeistern vorweisen. Dieses Denkspiel ist denn auch in den Partnerstädten Rothenburg und Susdal sehr bekannt. An der Kamenka wird dies auf hohem Niveau mehr privat gespielt, während es ob der Tauber einen eigenen Schachklub als Verein gibt. Dort nehmen immerhin vier Mannschaften am Liga-Spielbetrieb teil. Das erste Team macht in der Regionalliga, der vierthöchsten deutschen Klasse, seine Züge. Für Kinder ab sechs Jahren gibt es eine eigene Jugendgruppe, die von erfahrenen Mannschaftsspielern an dieses Brettspiel herangeführt wird.

Alexander Finoschkin und Erwin Bauer mit der Kamera in Susdal

Erwin Bauer, ein aktives Mitglied des Partnerschaftsvereins, hatte nun die Idee dieses sportliche Element verbindend zwischen beiden Städten einzusetzen. Es fanden sich auf der einen Seite schnell gute Freunde aus Susdal, die von dieser Idee begeistert waren, und auch der Rothenburger Schachklub unter der Leitung von Marko Köhl stimmte diesem Vorhaben sehr wohlwollend  zu. Die Umsetzung fand dann Ende Januar im Rahmen der Winterreise statt. Erwin Bauer organisierte in Susdal eine Skype-Verbindung, und in Rothenburg wartet Marko Köhl mit verschiedenen Mannschaftsspielern in ihrem Vereinslokal „Post“ auf den Anruf. Die Technik stand, und das Schachbrett in Susdal wurde via Internet nach Rothenburg live übertragen. Im ersten Spiel standen sich Alexander Finoschkin und der Vereinsvorsitzende, Marko Köhl (2. Mannschaft), gegenüber. Erwin Bauer spielte auf Zuruf von Rothenburg den deutschen Part auf dem russischen Brett. Es entwickelte sich eine spannende Partie, wo man merkte, daß beide Teilnehmer nicht das erste Mal spielten, sondern bereits weitreichende Erfahrung haben. Nach einer Stunde mußte sich der Rothenburger geschlagen geben und reichte dem Kontrahenten virtuell die Hand. In Susdal knallten die Sektkorken. Das Spiel fand in einem Privathaus statt, wo immerhin zwölf Schlachtenbummler anwesend waren. So wurde der erste Sieg für die Russen in diesem Vergleichskampf gefeiert.

Peter Diller und Marko Köhl in Rothenburg

Die Rothenburger sahen dies jedoch sportlich und wollten eine Revanche. Man schickte daraufhin einen Spieler aus der 1. Mannschaft, Peter Diller, ins Rennen. Nach fast zwei Stunden und zu sehr später Nachtzeit gestand dann Alexander Finoschkin seine Niederlage ein.

Für den Ideengeber kam ein ideales Ergebnis zustande, ein Remis. Somit waren alle zufrieden und es wurde wieder ein kleiner Baustein für die deutsch-russische Völkerverständigung gesetzt.

Erwin Bauer

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Eine Frage, die den Blog immer wieder beschäftigt und die auch jüngst Thema des Journalistenaustausches war, ein Problem, buchstäblich brandaktuell, weil in der Nähe der Kreisstadt Gus-Chrustalnyj wieder einmal eine Müllhalde auf der Fläche von einem Hektar in Flammen stand und man dort nach einer neuen Deponie sucht. Auch das nächste Treffen von „Prisma“ im Juni wird sich der Sache annehmen, und nun bringt Amil Scharifow, Mitglied dieses Gesprächsforums, seine Gedanken zu der Problematik von seinem jüngsten Besuch in Wladimir mit:

Wie russische Medien berichten, fanden in den letzten Wochen in einigen Städten zum Teil nicht-genehmigte „Müllproteste“ statt. Auf die Straße gingen Menschen u.a. in der Region Archangelsk, wo sich die Demonstrationen vor allem gegen die Errichtung von Deponien für den Abfall aus Moskau richteten. Die Region Archangelsk ist flächenmäßig so groß wie Deutschland und liegt am Weißen Meer mit Zugang zum Arktischen Ozean.

Protest in der Stadt Archangelsk: „Wir sind gegen Mülldeponie im Norden“, „Nein zum Moskauer Müll“. Bild: 29.ru

Die Idee der Errichtung von Deponien für den Müll aus der Hauptstadt außerhalb der Moskauer Region sorgt auch in anderen Gouvernements für Aufregung. Menschen in den benachbarten Regionen haben die Sorge, auch vor ihrer Haustüre könnten Mülldeponien für den Abfall aus Moskau entstehen. Wenn man durch die Straßen Moskaus spaziert, sieht man, wie sauber die Stadt weitestgehend ist. Tatsächlich sei die Metropole laut einer nicht-oppositionellen Umweltorganisation sauberer als andere Städte und Regionen der Russischen Föderation. Die Umweltorganisation „Зелёный патруль“ (Grüne Patrouille) veröffentlicht regelmäßig eine Liste der ökologischen Bewertung der russischen Regionen. In dieser Liste liegt Moskau (Stadt) unter den Top 10, während die Moskauer Region die 80. Position von 85 Plätzen einnimmt. Die drei letzten Ränge belegen zwei Regionen aus dem Uralgebirge, Swerdlowsk und Tscheljabinsk. Bei der Bewertung werden mehrere Kriterien, darunter auch die Verschmutzung durch die Schwerindustrie berücksichtigt, was für die ökologische Lage in den beiden letztplatzierten Regionen eine wichtige Rolle spielen dürfte. Die Region Wladimir kommt in der Liste übrigens auf Platz 55.

Neben Moskau findet sich auch Sankt Petersbug unter den zehn saubersten Gebietskörperschaften, was man dadurch erklären könnte, daß die Großstädte im Wohngebiet verständlicherweise keine Schwerindustrie haben. Außerdem kann man vermuten, daß die Zentren ihren Müll in den Nachbarregionen entsorgen, was die weit abgeschlagene Position der Moskauer Region auf der Liste zum Teil erklären dürfte.  Anscheinend gibt es im Umland von Moskau keinen Platz mehr für den Müll aus der Metropole, weshalb hierfür neue Abnehmerregionen gesucht werden. Dabei kommen sogar Regionen wie Archangelsk, die über tausend Kilometer von Moskau entfernt liegen, als möglicher Deponieort in Frage.

So erfährt man aus den Medien wie in privaten Gesprächen auch in der Partnerstadt, womöglich könne auch die Wladimirer Region als Standort für Deponien aus der Hauptstadt dienen. Anscheinend hat der Abfallnotstand in Moskau bei den Menschen eine Art neuer Sensibilisierung für die Themen Müll und Umwelt hervorgerufen. In Wladimir jedenfalls machen sich die Bürger und Politiker nun auf kommunaler und regionaler Ebene Gedanken zur Frage Trennung und Verarbeitung von Müll, und man möchte sich dazu mit Erlangen austauschen. Bei all der Diskussion um Verwertung und Trennung von Abfällen, sollte man aber auch auf das Thema Müllvermeidung ein besonderes Augenmerk legen. Aus der Stadt Moskau kann man zwar den Müll Hunderte von Kilometer wegfahren, damit die Stadt sauber aussieht. Wenn man aber in der Provinz mit dem Zug fährt, fallen neben der schönen Natur auch zum Teil vermüllte Bahngleise auf. Es viele Initiativen, die landesweit, mitunter auch mit patriotischen Aufrufen, die Umwelt schützen wollen, wie auf dem Bild der süddrusischen Stadt Georgijewskij zu sehen:

„Leute, werft den Müll nicht überall hin! Die ist doch eure Heimat“ Bild: georgievsk.info

Sobald die Verarbeitung und Vermeidung von Müll wirtschaftlicher werden, können auch die Bahngleise in den Provinzen wie die Moskauer Innenstadt aussehen.

                                                                                                              Amil Scharifow

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Seit fünf Jahren besteht der Austausch der Boxer zwischen Erlangen und Wladimir. Über die Osterfeiertage reiste nun Igor Krotter mit einem zehnköpfigen Team, bestehend aus Kämpfern des TV 1848 und weiteren Meistern ihres Fachs aus verschiedenen Regionen Deutschlands, in die Partnerstadt, um am ersten „Pokal der vier Föderationen“ – Russische Föderation, Deutschland, Polen und Usbekistan – teilzunehmen. Die Kämpfe wurden als „Wanderveranstaltung“ für alle Altersklassen in Wladimir und in den beiden Kreisstädten Murom und Kowrow mit je neun Duellen ausgetragen.

Igor Krotter, 2. v.l., mit seinen Trainerkollegen

Zunächst sah es ganz gut aus für die deutschen Sportler, nicht dank ihrer Schlagkraft, sondern, wie der Rheinländer Marcel Mangold verriet, „weil wir ständig in Bewegung blieben, um schneller als der Gegner zu sein; die Beinarbeit ist besonders wichtig beim Boxen.“ Und so stand es denn auch nach den ersten drei Kämpfen 2:1 für Deutschland. Doch dann schlugen die Russen buchstäblich zu, drehten die Sache und siegten mit 6:3. Sogar der deutsche Meister, Deniel Krotter, der im Vorjahr in Wladimir erfolgreich trainiert hatte, mußte sich hier geschlagen geben.

Deniel Krotter, mehrfacher deutscher Meister, fand hier seinen russischen Meister

Der Spätaussiedler Igor Krotter kennt beide Boxsysteme und weiß, wo die Schwächen der deutschen Verbände liegen:
Unsere Jungs, die deutsche Meister werden, kommen nicht in eine Auswahlmannschaft wie in Rußland, sondern sie boxen in ihren Vereinen unter der Anleitung ihres dortigen Trainers weiter.

Igor Krotter, links im Bild, und sein Team

Mit dem Gesamtergebnis aber kann das deutsche Team zufrieden sein: Nach den Gastgebern der zweite Platz. Rang drei und vier belegten die Polen und Usbeken.

Zufrieden ist auch Sergej Schtschedrin, der diesen Austausch so erfolgreich initiierte, weiterhin betreut und auch als Photograph begleitet:
Wir wollten von Anfang an ein Vier-Länder-Turnier veranstalten, wobei die Deutschen das polnische Team mitbrachten und wir die Usbeken zusätzlich einluden. Unser Ziel war es, verschiedene Schulen und Methoden zusammenzubringen. Dazu suchten wir auch nach einem Partner im Osten. In diesem Jahr also boxten wir hier bei uns, im nächsten Jahr geht es nach Polen, 2021 treffen wir uns in Deutschland und dann folgt Usbekistan als Gastgeber.

Gruppenbild mit Fahnen

Das Resümee für alle: Ein Turnier, das sich gut in den jährlichen Wettkampfplan fügt, ein gutes Training für die bevorstehenden Duelle und eine gute Erfahrung im internationalen Ring. Was will man mehr? Ein weiterer Sieg für die Partnerschaft war die Begegnung allemal, zumal die nächsten Runden ja schon wieder eingeläutet sind.
Unter Verwendung von Material des Senders TV6

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Allein an einem Tag gehen bis zu 50 Meldungen bei der Feuerwehr in Wladimir ein. Alle Jahre wieder im Frühling. Kaum ist der Schnee geschmolzen, kaum ist der Boden einigermaßen trocken, schon brennen die Raine und Hänge, die Wiesen und Auen.

Da helfen offenbar keine Verschärfungen der Strafen, das Bußgeld kann gar nicht hoch genug sein: Es bleibet dabei: Feuer frei – auf etwa 20 ha allein am Wochenende in den Kljasma-Auen bei Wladimir.

Und so hängen über Wladimir und Susdal Wolken aus Rauch und Qualm, die Menschen bekommen Atembeschwerden, vom Schaden für Flora und Fauna ganz zu schweigen. Die Unsitte scheint unausrottbar zu sein. Ungeachtet aller administrativen Maßnahmen seitens des Gouvernements, seit dem 19. April der Feuergefahr besonders streng entgegenzutreten.

Manchmal wendet sich die Pyromanie auch gegen die Zündler selbst: So verbrannte eine ältere Frau in Kirschatsch auf ihrer Datscha bei lebendigem Leib, als sie Gartenabfälle anzündete und ihre Kleider Feuer fingen, und in einem Dorf der Region Wladimir fielen gleich ein paar Häuser den Flammen eines Flächenbrands zum Opfer.

Susdal an der Kamenka

Habhaft wird man der Brandstifter nur selten, allerdings vermutet man bei größeren Flächen immer öfter deren Besitzer als Täter, die mit Hilfe der Flammen ihre häufig unbestellten Felder von Verkrautung und Verbuschung befreien, für die sie Strafe zahlen müssen. Da könnte vielleicht helfen, das Legen von Bränden deutlich teurer zu machen als das Land brachliegen zu lassen. Nur gut, daß nach dem ersten Regen wieder Gras darüber wächst.

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Es irrt, wer glaubt, sonntags herrsche im Erlangen-Haus Ruhe. Da gibt es nämlich Privatunterricht für alle, die unter Woche aus beruflichen Gründen keine Zeit für die Kurse haben, oder wenn man besonders schnell vorankommen möchte – wie Andrej Ottowitsch Rod, der öfter seinen Vater und die Verwandtschaft in Fürth besucht und dort, in Franken, nicht immer mit offenem Mund danebenstehen will, wenn die Unterhaltung auf Deutsch geführt wird.

Rod

Andrej Rod

Über sich selbst mag der Universitätsdozent nicht viel erzählen. Wichtiger ist ihm die jüngere Familiengeschichte, die der so vieler Rußlanddeutschen ähnelt und dann doch wieder so ganz eigene Züge trägt. Der Vater, Andrej Ottowitsch, wurde am 5. Mai 1932 im Kirchdorf Schidlowo, Region Donezk, ja, dort geboren, wo nun schon seit fünf Jahren Krieg herrscht. Fast wie 1941, als die Eltern mit den beiden älteren Söhnen per Zug in die Region Pawlodar evakuiert wurden, während der Großvater, Otto Rod, schon 1938 in die Knochenmühle des Gulags geriet und 1942 in einem Lager bei Nischnij Nowgorod, damals Gorkij, der Willkürherrschaft zum Opfer fiel. 1994 siedelten Andrejs Eltern und Schwestern nach Deutschland aus und ließen sich in Fürth nieder. Etwas später folgte auch der Bruder, Otto Ottowitsch. Und dann ist da noch die Geschichte von Irina Rod, veröffentlicht 2016 in der Moskauer Deutschen Zeitung, die eine erstaunliche Biographie offenbartrod-3

Noch eine, den männlichen Zweig der Familie betreffende Tradition sei angemerkt: Die Vornamen Andrej (Andreas) und Otto werden immer alternierend vergeben und weitervererbt.

Andrej und Otto Rod

Andrej und Otto Rod in Fürth

Gleich, wo Sie Andrej Rod einmal begegnen, ob in Wladimir oder Fürth, sein Deutsch wir dann sicher schon wesentlich besser sein, denn die Muttersprache seiner Ahnen erlernt er im Erlangen-Haus bei Tatjana Kirssanowa. Qualität hat ja schließlich einen Namen.

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Die Brandkatastrophe von Notre Dame in Paris bewegt auch die Menschen in Wladimir. Zumal die Partnerstadt eine besondere Beziehung zu dieser Kathedrale hat. Im Jahr 2007 nämlich schenkte Patriarch Alexij II nach einem Gebet vor der Dornenkrone Christi dem Gotteshaus eine Kopie der Gottesmutter von Wladimir. Lange bangte man um die Ikone, doch nun, zum orthodoxen Palmsonntag und zum westkirchlichen Ostern, kommt die erfreuliche Bestätigung: Das Bildnis wurde kein Raub der Flammen, es ist unversehrt unter den geretteten Werken der sakralen Kunst.

Gottesmutter von Wladimir in Notre Dame. Photo: pravmir.ru

Anlaß zur Freude, Anlaß aber auch für einen näheren Blick auf das Bild vom Typus „Umilenije“, was so viel bedeutet wie „erbarmende Rührung und mitfühlende Hinwendung“, da Mariens Blick als Vorausschau auf das Leiden des Sohnes gedeutet wird, das dann seinerseits – und damit der Bezug zum heutigen Fest – in der Auferstehung seine Auflösung, seine Erlösung und Vollendung findet. Keine Ikone ist wichtiger für die russische Sakralkunst wie die Identität des Landes als die Wladimirer Gottesmutter, keiner werden so viele Wundertaten zugeschrieben, keine steht mit mehr Legenden in Verbindung.

Gottesmutter von Wladimir in der Tretjakow-Galerie

Gemalt wurde das Bild angeblich vom Evangelisten Lukas auf dem Holz des Abendmaltisches und soll dann von Jerusalem nach Konstantinopel gelangt sein. Forscher datieren die Entstehung freilich ins frühe 12. Jahrhundert im Zweiten Rom, von wo aus die Ikone wohl um 1135 nach Kiew gelangte. Gesichert ist, daß Andrej Bogoljubskij die Gottesmutter 1155 mit in den Norden nahm und in seiner neuen Hauptstadt Wladimir in der Mariä-Entschlafens-Kathedrale verehren ließ. 1395, nach dem Mongolensturm und dem Fall des Zentrums der Alten Rus, verbrachte man die Ikone nach Moskau, wo sie vom 15. Jahrhundert an bis 1918 in der nach Wladimirer Vorbild im Kreml erbauten Mariä-Entschlafens-Kathedrale ihren Platz fand. Im Zuge der Oktoberrevolution profanisierte man das Bild nach einer kurzen Station im Historischen Museum 1930 in der Tretjakow-Galerie, wo die Ikone bis heute zu bewundern ist, während in Wladimir nur eine Kopie verblieb – und der Gründungsmythos der Stadt. Eigentlich nämlich wollte ja Andrej Bogoljubskij weiter nach Rostow Welikij, doch die Pferde scheuten kurz vor Wladimir, dem Fürsten erschien die Gottesmutter, und der Herrscher erbaute ihr zu Ehren vor der Stadt seine Residenz in dem nach ihm benannten Bogoljubowo. Und mit dieser eben dieser Gottesmutter, die wegen ihrer artistischen Ausführung auch kunstgeschichtlich von kaum zu überschätzendem Wert ist, verbindet man später den Sieg über die Mongolen, und angeblich soll sie sogar im Dezember 1941 vom Flugzeug aus – auf Befehl des Kremlherrschers – ihren Schutzmantel über Moskau ausgebreitet haben, um den Vormarsch der Wehrmacht aufzuhalten. Eine Glaubensbild eben, ein Gnadenbild, das jetzt aus dem Inferno von Paris gerettet wurde – und vielleicht ja auch geholfen hat, dort Schlimmeres zu verhindern. Frohe Ostern also!

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