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Archive for 31. März 2019


Vom 5. bis 8. September 2018 fand die 9. Internationale wissenschaftliche und praktische Konferenz über die „Ökologie der Einzugsgebiete von Flüssen“, veranstaltet durch die Staatliche Universität Wladimir, in Susdal statt. Der historisch bedeutsame Ort liegt circa 40 km nördlich der Partnerstadt an der Kamenka, die sich in weiten Schleifen durch das kleine Städtchen schlängelt.

Eva Gruber, Mitarbeiterin im Amt für Umweltschutz und Energiefragen in den Aufgabenbereichen Natur- und Gewässerschutz, erhielt durch die Stadt Erlangen die Möglichkeit an der Konferenz teilzunehmen und einen eigenen, kurzen Vortrag (auf Englisch) zu halten.

Obwohl die Konferenz für vier Tage angesetzt war, fanden nur am 6. und 7. September Vorträge statt. Am 5. September stand eine Stadtführung durch Susdal auf dem Programm, und der 8. September war als Abreisetag vorgesehen. Da die Stadtführung nicht verpflichtend war und zudem nur auf Russisch stattfinden sollte, wurde dieser Tag als Anreisetag gewählt und auf die Führung verzichtet.

Eindrücke aus der Metro

Von Nürnberg aus ging es über Frankfurt in Richtung Moskau, wo ein Deutschstudent aus Wladimir meinen Mann und mich bereits am Flughafen erwartete, um uns dann durch das Labyrinth der Moskauer U-Bahn bis zum Kursker Bahnhof zu lotsen. Da der nächste Zug erst einige Stunden später fahren sollte, nutzten wir die Zeit um eine Kleinigkeit zu essen. Gegen 18.30 Uhr kamen wir dann im Erlangen-Haus in Wladimir an. Die Begrüßung war herzlich, und Wolfram Howein, der gerade ebenfalls vor Ort war, gab bei einem gemeinsamen Abendessen in der Innenstadt hilfreiche Hinweise für den ersten Aufenthalt hierzulande: Restaurants mit englischen Speisekarten in Wladimir, das Überqueren von Straßen (nur an Ampeln und Zebrastreifen) und die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel (Zahlung bei einer speziellen Person im Bus, nicht beim Fahrer) sowie Informationen über Wladimir, Land und Leute im allgemeinen, um nur einiges zu nennen.

Susdal

Am 6. September begann dann die 9. Internationale Gewässerkonferenz, veranstaltet von der Universität Wladimir. Mit dem Taxi ging es zum Hotel Puschkarskaja Sloboda in Susdal. Schon bei der Anmeldung stellte sich die Kommunikation auf Englisch als schwierig heraus. Alle Teilnehmer erhielten ein Buch über das Einzugsgebiet der Kljasma, an der auch Wladimir liegt. Dieser Band ist der erste seiner Art auf dem russischen Markt, wie die Autorin in ihrem Vortrag auf der Konferenz stolz erklärte. Die Tagung fand in einem eng bestuhlten Raum im Keller des Hotels statt. Dort wurde mir „meine“ Dolmetscherin vorgestellt, die für mich die Vorträge aus dem Russischen ins Englische übersetzen sollte. Nach der Begrüßung durch Vertreter der Universität begann die Konferenz mit der bereits erwähnten Vorstellung des Buches, das sich detailliert mit der Geologie, der Entstehung, der Flora und Fauna des Einzugsgebietes der Kljasma aber auch mit den Funden historischer Nachweise früher menschlicher Besiedlung sowie aktueller Nutzung durch den Menschen beschäftigt. Nach etwa eineinhalb Stunden begannen dann die eigentlichen Vorträge. Die Konferenz war dabei in verschiedene Themenblöcke aufgeteilt, wobei sich hier schon bald zeigte, wie etliche Beiträge, die erst zu einem späteren Zeitpunkt und einem anderen Thema eingeplant waren, vorgezogen wurden, da manche Referenten noch andere Verpflichtungen hatten. Leider übersetzte die Dolmetscherin ausschließlich auf Nachfrage, was ein ständiges Frage-und-Antwort-Spiel nach sich zog. Das ständige Nachhaken zum Inhalt einer Powerpoint, zu einem Referat oder dazu, warum sich die Teilnehmer nach einem Vortrag auf einmal stritten und gegenseitig anbrüllten, war auf Dauer ziemlich ermüdend, und viele interessante Inhalte gingen sicherlich verloren, da die Übersetzung oftmals sehr allgemein gehalten war. Da hatte ich mir deutlich mehr erhofft, denn die Vortragstitel klangen durchaus interessant.

Vorbereitung auf die Konferenz

Am frühen Nachmittag stand dann mein Vortrag über Biber im städtischen Umfeld am Beispiel der Stadt Erlangen auf dem Plan. Ich sagte einige Sätze zu der jeweiligen Powerpointfolie, dann war die Dolmetscherin an der Reihe, die alles ins Russische übersetzte. Die Resonanz im Nachhinein war sehr positiv. Während der anschließenden Kaffeepause fanden sich etliche Teilnehmer bei mir ein und erzählten mir von ihren ganz eigenen Biberproblemen. Ich lernte dabei unter anderem: Die Biber wandern hier abhängig von der Jahreszeit und lassen sich im Winter gerne in größeren Gruppen in der Nähe von Städten nieder, während sie sich im Sommer über das ganze Land verteilen. So ein Verhalten wurde bei Bibern in Deutschland bisher nicht beobachtet – kein Wunder, sind doch unsere Winter bei weitem nicht so kalt, rauh und lang wie in den russischen Weiten. Für uns alltägliche Lösungen wie das Anbringen von Maschendraht rund um Baumstämme, um diese vor Verbiß zu schützen, stießen gleichermaßen auf Interesse und Unverständnis. Die einen äußerten sich begeistert, weil sie nun endlich wissen, wie sie ihre Obstbäume schützen können, andere wiederum äußerten ihr Unverständnis, warum man dem Biber verwehre, seinem natürlichen Verhalten nachzugehen. Leider blieb keine Zeit für eine tiefere Diskussion darüber.

Konferenzraum

Tatsächlich zeigte sich schon sehr bald, die Zeit werde nicht für alle Vorträge reichen, denn es gab sehr viele Referate, und die Planung war sehr optimistisch gestaltet. Und obwohl noch sehr viele Vorträge fehlten, die für den Tag geplant waren, wurde die Veranstaltung tatsächlich auch noch früher beendet. Mir wurde noch gesagt, für den nächsten Tag sei keine Dolmetscherin vorhanden, allerdings werde der Mitarbeiter des Organisationskomitees, mit dem ich bereits im Vorfeld Kontakt hatte, etwas für mich übersetzen.

Blick auf Wladimir

Mit dem Taxi ging es zurück nach Wladimir – eine Fahrt, die von Raserei und riskanten Überholmanövern geprägt war und noch dazu das doppelte wie am Morgen kosten sollte. Ich war auf alle Fälle sehr froh, als ich endlich am Erlangen-Haus aussteigen konnte. Nachdem sich meine Nerven wieder etwas beruhigt hatten, ging es zu Fuß zum Abendessen in die Innenstadt, die wir aufgrund der frühen Dämmerung wie bereits am Vortag nur bei Dunkelheit besichtigen konnten.

Blick auf die Kljasma-Auen

Tag zwei der Konferenz. Wieder ging es mit dem Taxi nach Susdal, und wieder zahlte ich nur die Hälfte von dem, was mich die Rückfahrt am Tag zuvor gekostet hatte. Die Anzahl der Teilnehmer war drastisch zurück gegangen. Der Raum war nur noch halb besetzt. Obwohl mein neuer „Dolmetscher“ nicht so gut Englisch sprach wie seine Vorgängerin, übersetzte und erklärte er deutlich mehr von dem, was in den Vorträgen referiert wurde. Zugegeben, der Google-Übersetzer war dabei eine wirklich große Hilfe. Auch diesmal wurde die Veranstaltung früher geschlossen, obwohl noch knapp ein Drittel der Vorträge fehlte. Für den Nachmittag war eine Exkursion nach Wladimir und Bogoljubowo angesetzt.

Boboljubowo

Eigentlich wollten mein Mann und ich zusammen daran teilnehmen. Im Vorfeld wurde auch bestätigt, dies sei möglich. Wie sich nun aber vor Ort herausstellte war die Führung zu einem Sonderpreis geplant, der nur für Russen galt. Wir hätten teilnehmen können, hätten uns dann aber nicht unterhalten dürfen. Die Entscheidung fiel dann auch relativ leicht, nicht an der Exkursion teilzunehmen. Nach einer herzlichen Verabschiedung ging es mit dem Taxi wieder zurück nach Wladimir.

Lenin-Denkmal vor der historischen Bank auf dem Kathedralenplatz von Wladimir

Auf diese Art und Weise hatten wir nun einige Stunden Zeit, um das erste Mal seit Ankunft Wladimir bei Tageslicht besichtigen zu können, wobei wir uns erst einmal auf die Hauptstraße konzentrierten. Am nächsten Tag zogen wir gleich morgens bei herrlichem Wetter los. Es war für russische Verhältnisse zu der Jahreszeit noch sehr warm.

Die Altgläubigen-Kirche mit dem neuen Springbrunnen

Zu unserem Glück fand an diesem Tag auch ein City-Halbmarathon statt, weshalb die Straßen für Autos gesperrt waren. Insbesondere nach dem Lauf hatte man so die einmalige Gelegenheit, Bilder vom Goldenen Tor von der Straßenmitte aus machen zu können. Während unseres Aufenthalts in Wladimir waren wir abends in verschiedenen Restaurants essen. Am besten hat es uns aber im „Vegan Bro“ gefallen und geschmeckt. Das Essen war superlecker, und während vegane Restaurants in Deutschland meist relativ teuer sind, war das Essen dort auch für russische Verhältnisse sehr günstig.

Fortsetzung folgt.

Eva Gruber

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