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Archive for 29. März 2019


Wie vielfältig sich vor allem in den Geisteswissenschaften der Austausch zwischen der Friedrich-Alexander-Universität und der Staatlichen Universität Wladimir gestaltet, zeigt der Besuch von Evelina Winter Anfang des Monats in der Partnerstadt. Die in ihrer Kindheit aus Usbekistan nach Deutschland übergesiedelte Wissenschaftlerin arbeitet am Lehrstuhl für Didaktik des Deutschen als Zweitsprache und koordiniert im Bürgermeister- und Presseamt das Wi.L.D.-Projekt im Rahmen der kommunalen Sprachförderung Erlangens. Hier nun ihr Bericht.

Nach einer eher schlaflosen Nacht – die Aufregung war doch sehr groß, nach 20 Jahren wieder einmal in einer russischsprachigen Umgebung zu sein – ging es um 6 Uhr zum Nürnberger Flughafen. Der Flug verlief recht ereignislos und auch glücklicherweise ohne weitere Turbulenzen, und so landete ich am frühen Nachmittag wohlbehalten in Moskau. Voller Vorfreude begab ich mich in die Innenstadt und wurde von wunderschön erleuchteten Straßen und Plätzen eingeladen, mir die Stadt, die den Tränen nicht glaubt anzuschauen.

Evelina Winter auf dem festlichen Roten Platz

Ich war sogleich hin und weg. Nicht zuletzt dank den überall reichlich präsenten Polizisten fühlt man sich in dieser riesigen Stadt (man braucht eine Stunde vom Flughafen ins Zentrum) sehr sicher und wohl. Hier ein paar Eindrücke aus Moskau.

Mir bot sich nun die Möglichkeit, ein etwas verfrühtes Butterfest (Masleniza), den russischen Karneval, zu erleben, da die Stadt sich sehr gut auf Touristen wie mich vorbereitet hatte. So hatte ich das Vergnügen, sowohl die Eisfläche am Roten Platz bestaunen zu können (ein Überbleibsel vom Neujahrsfest) als auch gleichzeitig im Hintergrund das Masleniza-Lied zu hören, das den Frühlingsanfang einläutet.

Feststimmung auf dem Roten Platz

Auch die Dekoration in Moskau spiegelte den Übergang zwischen Neujahr und Frühling wider. Tannen, die noch mit Kugeln geschmückt sind und gleichzeitig Ergänzung durch die Sonnenbilder finden, das Symbol der Masleniza.

Nach einer zwar kurzen, aber sehr schönen Zeit in Moskau begab ich mich mit dem Zug (Strisch, Mauersegler genannt) nach Wladimir. Dort wurde ich sehr freundlich von Nadeschda Troschina, der Beauftragten für Internationale Angelegenheiten an der Staatlichen Universität, und ihrem Mann in Empfang genommen und zum Erlangen-Haus gebracht. Dieses erwartete mich in vollem Glanz, über und über bedeckt vom Schnee, der wie ich nicht müde wurde, in der folgenden Woche zu erwähnen, mir wahre Freude bereitete. Im Gegensatz zur allgegenwärtigen Meinung der Wladimirer, ich hätte mir besser eine andere Jahreszeit für meine Reise aussuchen sollen, war ich vom Wetter für meinen Besuch begeistert (trotz teilweise -15° C). Davon wissen auch die folgenden Bilder zu berichten.

Erlangen-Haus

Am nächsten Tag begann mein offizieller, seitens der Universität organisierter Aufenthalt in Wladimir. Doch zuerst lernte ich die gute Seele des Erlangen-Hauses (oder besser gesagt eine davon), die Köchin Galina, kennen und lieben, denn diese, die Liebe, geht ja bekanntlich durch den Magen. An jedem einzelnen der nachfolgenden Tage verwöhnte sie uns Hotelgäste mit allerlei leckeren Sachen, wobei sich nie ein Gericht in dieser Woche wiederholte. Auch die Lehrkräfte des Erlangen-Hauses und dessen Chefin, Irina Chasowa, lernte ich an diesem Morgen kennen und fühlte mich sehr warm willkommengeheißen.

Demetrius-Kathedrale

An diesem ersten Vormittag holte mich Natalia Safronowa am Erlangen-Haus ab und führte mich zum historischen Museum der Stadt Wladimir, wo uns eine sehr nette Dame begrüßte und in die Geschichte über die Entstehung Wladimirs informierte. Danach waren wir uns beide einig darin, wie interessant die Führung war, jedoch sollte man diese wohl öfters mitmachen, um die vielen Informationen und vor allem Namen behalten zu können. Nun erhielt ich noch von Natalia eine kleine Stadtführung, wobei wir einen Blintschik (Pfannkuchen) aßen, um uns dann in das Hauptgebäude der Universität zu begeben, wo uns bereits nicht nur die Lehrstuhlinhaberin Tatjana Tjapkina und Nadeschda Troschina, sondern auch der Vizepräsident Alexej Panfilow erwarteten. Darauf war ich an diesem Tag so gar nicht vorbereitet, dabei hätte ich es eigentlich ahnen können: Hierzulande handhabt man solche Besuche anders und wesentlich offizieller als es bei uns der Fall ist. Es entwickelte sich ein sehr angenehmes Gespräch, welches vor allem die unterschiedliche Schulbildung in unseren Ländern beinhaltete.

Das Goldene Tor

Anschließend besprachen wir der Plan für die kommende Woche, und ich machte mich auf in die Innenstadt, um diese zu erkunden und eventuell ein paar Mitbrinsel zu besorgen.

Am nächsten Tag hatte ich einen richtigen Unitag. Ich besuchte einen Kurs, beantwortete Fragen zum Leben in Deutschland und wir stellten vielfältige Vergleiche mit den Studenten an. Nach einer kleinen Mittagspause in der Mensa hielt ich eine Vorlesung zum Thema Methoden, und so neigte sich der Tag dem Ende zu. Wobei den krönenden Abschluß fast jeden Abend ein Gespräch mit der Nachtpförtnerin darstellte. Sie gab mir dann Ratschläge wie diesen: „Man sollte so schnell über das Eis rennen, daß keine Zeit bleibt, um hinzufallen!“

Der Mittwoch war ein Tag voller wunderbarer Ereignisse. So hielt ich zuerst eine weitere Vorlesung an der Uni, danach begleitete mich eine Studentin zum Hauptgebäude. Dort fand ein Konzert zu Ehren des Frauentags am 8. März statt. Dieses war wundervoll inszeniert und ließ mich vollkommen begeistert zurück.

Allerdings bleib nicht viel Zeit, um darin zu schwelgen, da mich bereits die Lehrerinnen im Erlangen-Haus erwarteten. Dort hatten wir die Möglichkeit, uns zu dem Thema Methoden und Deutschvermittlung auszutauschen und einander besser kennenzulernen. Leider war der Zeitrahmen dafür sehr begrenzt, da ich die Ehre hatte, mit der Lehrstuhlinhaberin Tatjana Tjapkina am Abend noch das Theater  zu besuchen. Das Stück „Eine etwas sonderbare Dame“ von John Patrick bereitete uns einen wunderbaren, humorvollen Abend, weshalb wir auch die anschließende Rutschpartie draußen gerne in Kauf nahmen. Ein wirklich wundervoll modern inszeniertes Stück.

Das Schauspielhaus

So flog die Zeit in Wladimir unglaublich schnell vorbei, und kaum, daß man sich versah, war es schon Donnerstag. Noch einmal begann der Tag mit einem Besuch in der Uni, bei dem ich den Studenten diesmal zu einem landeskundlichen Thema (Soziale Strukturen und Steuern in Deutschland) Rede und Antwort stand. Nach der Stunde überraschte die Gruppe nicht nur ihre Dozentin, sondern auch mich mit einem Strauß Blumen zum 8. März. Was für ein wundervoller Feiertag, der auch bei uns ganz schnell eingeführt werden sollte!

Straßenszene in Susdal

Nach dem Seminar erwartete uns (zwei Studentinnen und mich) bereits ein Auto samt Fahrer, das uns nach Susdal bringen sollte, eine der ältesten Städte des Landes und Teil des Goldenen Rings. Dort rutschten wir von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten und genossen die beeindruckende Architektur des 11. und 12. Jahrhunderts sowie die leckeren Piroggen, die wir uns am Ende der Partie redlich verdienten, nachdem wir es geschafft hatten, uns nichts zu brechen und wohlbehalten zum Auto zurückgefunden haben.

Evelina Winter mit ihren russischen Freundinnen in Susdal

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sowie dem Versprechen an mich selbst, sobald wie nur möglich zurückzukommen, wurde ich von Frau Troschina am Freitag in den Zug nach Moskau gesetzt, von wo aus ich den Rückflug nach Nürnberg antrat, natürlich nicht ohne noch ein wenig die Feiertagsstimmung in Moskau mitzunehmen und in nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen, als mich am Kursker Bahnhof die Filmmusik zu eben jenem obengenannten Streifen „Moskau glaubt den Tränen nicht“ (siehe: https://is.gd/MuBxsN) empfing.

Die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz

Evelina Winter

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