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Archive for 23. März 2019


Zu erwarten war er schon länger, nun ist der mutmaßlich erste Wolf, vor mehr als 200 Jahren in unserer Gegend ausgerottet, wieder in der Nähe von Erlangen aufgetaucht – und wurde bei Möhrendorf auf der Autobahn totgefahren. Der nächste Isegrimm ist hoffentlich vorsichtiger und überlebt, um auch hier – vielleicht im Sebalder Forst – ein Rudel zu gründen.

Aber wie steht es um den grauen Beutegreifer in den Wäldern um Wladimir? Der Frage ging vor dem Hintergrund der Probleme mit den Angriffen von Meuten verwilderter Hunde auf Menschen kürzlich ein Mitarbeiter von Zebra-TV nach. Im Archiv fand der Journalist dann das Statistische Jahresbuch des Gouvernements Wladimir, wo für die Jahre 1876 bis 1884 vermerkt ist:

Die Wölfe haben sich in den letzten Jahrzehnten derart vermehrt, daß sie viel Schaden anrichten. Die erforderte von der Wladimirer Landesverwaltung kraft Beschluß einer Landtagsversammlung im Jahr 1876 eine Prämie für jeden getöteten Wolf anzubieten.

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Für das Jahr 1855 findet sich im Wladimirer Gouvernementsanzeiger sogar ein Vermerk darauf, im Dickicht um die Seen vor der Stadt trieben Wölfe ihr Unwesen und fielen die dort grasenden Viehherden an. Dieses Verhalten wurde den Raubtieren zum Verhängnis, denn nun setzte ein scharfe Bejagung ein – mit allen Mitteln, von der Hetze mit Hunden über Fallen bis hin zum Abschuß. Die Statistik hält es fest:

Vom 1. August 1878 bis zum 1. August 1879 wurden amtlich 55 getötete Wölfe gezählt, denen man in Anwesenheit der Staatsdiener die Ohren und Ruten abschnitt, die sodann von der Polizei verbrannt wurden.

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In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts nahm die Population stark ab. Erst während des Zweiten Weltkriegs vermehrten sich die Wölfe wieder, weil die meisten Jäger an der Front waren. Es soll sogar zu Angriffen auf Menschen gekommen sein, 1948 in einem Fall tödlich.

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Gleich nach dem Krieg, 1946, lag die Zahl der Abschüsse bei 252 Exemplaren, und von 1951 bis 1953 erlegte man 641 Tiere. 1964 streiften nur noch vier Wölfe durch die Wälder um Wladimir, und zwei Jahre später galt die Spezies in der Region offiziell als ausgelöscht.

Heute rechnet man wieder mit etwa 30 Wölfen, die vor allem in den Kreisen Wjasniki und Gorochowez im Kljasma-Luch-Naturschutzgebiet Elche jagen und sich vom Menschen möglichst fern halten.

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