Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 17. März 2019


Es gibt Vorkommnisse, über die man lieber nicht berichten möchte, aber, einer gewissen Informationspflicht auch über die Grenzen der Partnerschaftsarbeit hinaus folgend, Fälle wie dieser, gerade wenn sie bereits überregionale Aufmerksamkeit erlangten, müssen im Blog ihren Platz finden:
Am 13. März wurde am späten Abend in Wladimir auf den Menschenrechtler Boris Uschakow ein Mordanschlag verübt. Das Opfer, auf dem Heimweg nach einem Einkauf, blieb, wahrscheinlich wegen der eigenen Umsicht, unverletzt, weil es sich nach dem etwa 20 Meter entfernten und maskierten Mann umdrehte, der ihm vor der Wohnung aufgelauert hatte und schon nach der Waffe griff. Der Mitarbeiter der Organisation http://www.gulagu.net ließ die Tüten mit den Lebensmitteln fallen und konnte sich gerade noch hinter der Hausecke verstecken, als der erste und einzige Schuß fiel.

Boris Uschakow

Ich versteckte mich hinter dem Geschäft Kinderwelt. Dann fand ich mich plötzlich – ich weiß selbst nicht mehr wie – im Supermarkt auf der anderen Straßenseite wieder. Da kam ich erst wieder richtig zu Bewußtsein und rief die Polizei.

Die habe sich allerdings seltsam verhalten, den Tatort nicht abgeriegelt, die Spuren nur nachlässig gesichert, die Patronenhülse nicht gefunden und den psychiatrischen Notdienst gerufen, weil man meinte, er stehe unter Drogen oder Alkoholeinfluß. Auch ein Termin bei der Kripo am andern Tag sei ergebnislos verlaufen, nach einem Konflikt mit dem zuständigen Beamten habe er das Kommissariat verlassen, ohne etwas unterschrieben zu haben. Nun wolle er den Vorfall von Moskau aus untersuchen lassen.

Der seit 2017 in Wladimir tätige Menschenrechtler glaubt, der Anschlag habe mit seiner Arbeit zu tun. Immer wieder ging er mit Vorwürfen wegen Folterungen seitens der Behörden des Strafvollzugs an die Öffentlichkeit und erhielt auch schon Morddrohungen. In einigen Fällen nannte Boris Uschakow sogar konkrete Namen, die für Menschenrechtsverletzungen in Gefängnissen der Region Wladimir verantwortlich sein sollen. Das könnte, so seine Annahme, dazu geführt haben, einen Auftragsmörder auf ihn anzusetzen.

Zusätzliche Brisanz gewinnt die Sache vor dem Hintergrund des Selbstmordes von Ajub Tuntujew, eines ehemaligen Leibwächters von Achmat Kadyrow, des ermordeten ersten Präsidenten von Tschetschenien. Der Häftling wurde bereits 2008 wegen eines Terrorakts zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt und saß seit 2015 seine Strafe in einer Einzelzelle in Melechowo, Region Wladimir, ab, von wo aus er zwei Beschwerden wegen Folter an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gerichtet hatte.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: