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Archive for 12. Februar 2019


Die Kulturredaktion des Blogs wies ja schon des öfteren auf die Bedeutung des russischen Autors Daniil Charms hin, den zu lesen man sicher nicht müde wird, wenn man sich gern schwindelfrei auf sprachliche Grenzgänge einlassen will. Nun bietet sich aber sogar die höchst seltene Gelegenheit, das Stück „Anicula“ nach der Erzählung „Die Alte“ in Erlangen auf der Bühne zu erleben – in russischer Sprache, aufgeführt von der Truppe ArtiSchocken in Zusammenarbeit mit dem Russischen Theater Nürnberg und dem hiesigen Verein Brücken.

Die Aufführung unter der Regie von Radik Golowkow dauert eine Stunde und vierzig Minuten ohne Pause und ist an drei Abenden hintereinander zu sehen: am Freitag und Samstag, den 22. und 23. Februar, jeweils um 19.30 Uhr und am Sonntag, den 24. Februar um 17.30 Uhr im Kultursaal des Siemens-Gebäudes, Luitpoldstr. 49, zum Preis von 18 Euro bzw. 12 Euro im Vorverkauf, der wegen des geringen Platzangebots – nur 35 Sitze – dringend empfohlen wird:


Fr., 22.02. https://www.frankentipps.de/veranstaltung253778
Sa., 23.02. https://www.frankentipps.de/veranstaltung253779
So., 24.02. https://www.frankentipps.de/veranstaltung253780

Das Stück führt zurück ins Jahr 1939, nach Leningrad, genauer gesagt – nach Sankt Petersburg, in der Majakowskijstraße, genauer gesagt – in die Nadeschdinskajastraße, wo plötzlich ein Künstler, genauer gesagt – ein Poet zum Leben erwacht und mit ihm sein wundersamer Freund Sakerdon, das nette Fräulein mit den leuchtend braunen Augen, die lischpelnde Maria Wassiljewna, ein Lokomotivführer und sogar ein Wurstverkäufer.

Oder findet das alles nur im Kopf des Poeten statt? Die schreckliche Alte jedenfalls, die der Künstler, genauer gesagt – der Poet, leichtsinnig nach der Uhrzeit gefragt hatte, stirbt. Frech und rücksichtslos, mitten in des Poeten Zimmer. Ja, die Alte stirbt. Aber nicht ganz. Gott sei Dank schafft sie es, bevor sie stirbt, dem Künstler, nein, dem Poeten eine Wanduhr zu zeigen und damit seine Frage nach der Zeit zu beantworten. Allerdings fehlen dieser Uhr… Doch das ist schon nicht mehr wichtig. Wichtig ist nun, die Leiche schnell loszuwerden, bevor die Nachbarn davon Wind bekommen und den Hauswart rufen. Denn wenn der erst Bescheid weiß, ist auch das Gefängnis nicht mehr weit. Vielleicht ist es am besten, die Alte, im Moor zu versenken. Oder lieber doch nicht?

Der Künstler, von Angesicht zu Angesicht mit einer unergründlichen Macht. Nicht seine Zeit. Nicht sein Raum. Aber das Bedürfnis, sich fortzubewegen, ist zu groß. Ebenso wie die Notwendigkeit, etwas zu schaffen, das bleibt. Sei es auch bloß eine Erzählung über einen Wundertäter, der keine Wunder tut. Ja, diese Macht ist so alt wie die Welt, wie jene Alte mit der Uhr. Und ihr Name ist Anicula.

Noch Fragen? Dann anrufen bei Jelisaweta Schloßberg unter 0176-647 246 87

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