Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 10. Februar 2019


Wie stark sich das Umweltdenken in der russischen Zivilgesellschaft entwickelt, zeigt derzeit die Debatte um das in der Region Wladimir gelegene und „Opolje“ genannte Gebiet, das zu großen Teilen aus der fruchtbaren und zumeist intensiv genutzten Schwarzerde besteht. Ein gutes Dutzend führender Wissenschaftler und namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, hinter denen etwa die Geographische Gesellschaft oder Naturschutzverbände stehen, wandten sich unlängst in einem offenen Brief an Gouverneur Wladimir Sipjagin und warnten, diese ertragreichen Böden etwa im Landkreis Susdal liefen Gefahr, durch falsche Nutzung durch die Besitzer und verantwortungslose Entscheidungen der Behörden zu stark ausgelaugt zu werden und ihre Regenerationskraft zu verlieren. Besonders weisen die Unterzeichner des Schreibens auf die Pläne hin, dort den Bestand der Milchkühe auf 7.000 Tiere auszuweiten und eine Schweinezucht mit 60.000 Exemplaren aufzubauen. Damit nicht genug: Beklagt wird auch der Landfraß durch Datschensiedlungen und Gewerbegebiete. Gehe diese Entwicklung so weiter, bringe man nicht nur nachhaltige Landwirtschaft in Bedrängnis, sondern gefährde auch die archäologischen Schätze an der Nerl und bringe die gesamte ökologische Situation in eine Schieflage.

Die Forderung an die Politik lautet denn auch, diesen landesweit einzigartigen nördlichen Schwarzerdgürtel mit einer Ausdehnung von etwa 30 km von Süd nach Nord und 70 km in Nordostrichtung unter Landschaftsschutz zu stellen und keine Genehmigungen mehr für weitere Tiermastbetriebe und Baumaßnahmen auszustellen.

Die Antwort von Gouverneur Wladimir Sipjagin ließ nicht lange auf sich warten und fiel so aus, wie sie wohl auch ein Politiker hierzulande formuliert hätte: mit Verständnis für die Initiative, aber auch deren Ablehnung unter Verweis auf die Versorgung der Bevölkerung, das Bruttosozialprodukt, die Arbeitsplätze im ländlichen Raum und die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen. Erfreulich jedoch in dem Antwortschreiben: Wladimir Sipjagin schlägt vor, zu der Frage einen Dialog zwischen Gegnern und Befürwortern der Entwicklungsmaßnahmen aufzunehmen und eine „ausgewogene Entscheidung über das weitere Schicksal der Opolje-Böden zu erarbeiten“.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: