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Archive for 6. Februar 2019


Nach der vorhergehenden, drei Tage währenden Anreise nach Wladimir mit SWISS kehrte ich am Donnerstag vergangener Woche reumütig zu Aeroflot zurück, die uns auch pünktlich und sicher nach Moskau brachte. Es gibt nichts zu berichten, außer: Es klappte alles. Mein langbeiniger Mann durfte sogar ohne Aufpreis einen Platz mit mehr Beinfreiheit besetzen. Ich kann Aeroflot nur empfehlen, auch das elektronische Einchecken am Tag vorher war einfach.

Insgesamt ist der russische öffentliche (Nah-)Verkehr in klar und gut geregelt, auch Nichtsprachkundige können problemlos die Automaten bedienen. Der Automat für den Flughafenexpress rät Pärchen unaufgefordert gleich dazu, zwei Karten in einem Vorgang zu kaufen, 850 statt 1.000 Rubel, auf Hin- und Rückweg gerechnet, macht das schon wieder einen Cappuccino aus.

Es werden sogar Antworten auf Fragen gegeben, die man gar nicht gestellt hat, die aber gestellt hätten werden können:

So leuchtet uns beim Automat des „Aeroexpress“ folgendes entgegen, wenn man sich anschickt, einen 1.000-Rubelschein einzuführen: „Ja, der Automat gibt Wechselgeld heraus.“

Das beruhigt, und wenn dann die 150 Rubel auch nicht in den schweren 10-Rubelmünzen, sondern als drei Scheine im Ausgabefach liegen, freut man sich doppelt. Bei der Deutschen Post soll es ja immer noch Restgeld in Briefmarken geben…

Ein Verbundfahrschein für Metro, Tram, Bus, Oberleitungsbus und S-Bahn

In der Metro dasselbe: Automaten in sehr einfacher Sprache und klarem Design. In der U-Bahn dann ein Bild, wie wir es aus allen Transportmitteln in aller Welt kennen: Alle schauen auf ihr Mobiltelefon. Alle? Nein! Eine unbeugsame Moskowiterin löst Kreuzworträtsel auf Papier, das aus Sowjetzeiten zu stammen scheint.

Für die Züge zwischen Moskau und Wladimir gilt das oben Gesagte: Schon zu Hause kann man die Fahrkarten bequem ausdrucken, zu jedem Ticket gehört selbstverständlich ein Sitzplatz. Die Wagen halten am Bahnhof an einem fixen Punkt, weshalb auch jeder genau dort steht, wo sein Waggon tatsächlich zum Stehen kommt. Im Zug werden heißer Tee, Plätzchen etc. an den Platz gebracht. Stauraum für Gepäck ist reichlich vorhanden. Nach jedem Zustieg wird der Boden gewischt, was im Winter auch notwendig ist.

Alles verläuft in Ruhe, und egal ob auf Fahrten von Moskau nach Wladimir oder zwischen Wladimir und Nischnij Nowgorod: Niemals habe ich Gedrängel oder eine „angezeigte, geänderte Wagenreihung“ erlebt.

Auf der DB-Rückfahrt von Frankfurt nach Erlangen am Montag dann das krasse Gegenteil: In Frankfurt Hauptbahnhof drängte eine große Menge in den schon vollen Zug. Zwei Probleme trafen aufeinander: Der Zug war nur halb so lang, wie er sein sollte, und viele Reisende fuhren ohne Reservierung.

Die Dringlichkeit und Dramatik der Durchsagen steigerte sich von: „Wir bitten unsere Kunden, freiwillig auszusteigen“ (was keiner machte) über: „Wir bitten Sie, freiwillig auszusteigen, sonst kann der Zug nicht losfahren, weil wir für Ihre Sicherheit nicht garantieren können“ (keiner rührte sich) über „Jeder Kunde, der aussteigt, erhält im Kundenzentrum einen Gutschein über 25 Euro“ (jetzt kam Bewegung in die Sache). Der Höhepunkt war aber: „Wenn jetzt nicht ausreichend viele Kunden den Zug freiwillig verlassen, dann wird er von der Polizei geräumt.“ Irgendwann ging es dann los, mit großer Verspätung natürlich. Die Reisenden solidarisierten sich, kamen ins Gespräch, und jeder hatte eine Geschichte zu erzählen. Da konnte ich dank RZD (Russische Eisenbahn) gut mithalten…

Auch wenn in Stoßzeiten die Busse in Wladimir manchmal überfüllt sind, läuft der Nahverkehr recht gut. Viele Busse stammen nach wie vor noch aus Deutschland. „Wagen hält“, das weckt heimatliche Gefühle. Altersschwäche wird durch Ausgestaltung mit Plakaten oder Plüschtieren wettgemacht. Die Lage des Erlangen-Hauses ist ideal, in und aus der Innenstadt führen viele Linien, weshalb man nie auf einen Fahrplan schauen braucht. Ob es einen gibt, weiß ich gar nicht.

15 Minuten zu Fuß vom Erlangen-Haus entfernt liegt der Busbahnhof, von wo es nach Susdal, Alexandrow, Murom oder in andere Städte geht. Nach Susdal fährt alle 30 Minuten ein Bus. Man wird, einmal eingestiegen, sogleich als Tourist erkannt und erhält (sicherlich) gute Ratschläge, die ich nicht verstehe und wegen meiner immer noch rudimentären Sprachkenntnisse nur mit „спасибо“ beantworten kann.

Marschrutkas schließlich, kleinere Busse, haben ein ganz eigenes Geldsystem: Der Fahrer hat meist einen Besteckkasten, wo er das Geld offen liegen hat. In meinem Fall wies er mir den Platz neben sich zu, im Winter oft der einzige Platz mit Aussicht, da wegen des wässrigen Schlammes aus den Straßen die seitlichen Scheiben fast undurchsichtig sind.

Das ist nicht nur schade, sondern erschwert auch bei den regulären Stadtbussen das richtige Aussteigen erheblich, wenn man sich die Namen der Haltestellen nicht eingeprägt hat. Von Vorteil ist hier die Durchsage der kommenden und der nächsten Haltestelle, wodurch man weiß, wann man auszusteigen hat.

Und die Moral von der Geschicht: Im öffentlichen Verkehr lernt man Land und Leute kennen!

Elisabeth Preuß

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