Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 3. Februar 2019


Es sind Archäologen, deren Funde auf Fische hinweisen, die in früheren Zeiten die Gewässer der Region Wladimir bewohnten, deren Bestand dort heute jedoch als erloschen gilt. Eine Vielzahl von Haken und Senkbleivarianten weisen darauf hin, daß die Fischerei an der Oka und Kljasma sowie ihren Nebenflüssen viele Menschen ernährte.

kruchki.JPG

 

Schriftliche Aufzeichnungen hingegen gibt es kaum über die Fische, die man fing, und wenn, beziehen sie sich auf die gängigsten Spezies, die regelmäßig auf den Tisch kamen. Darunter drei Arten, die wohl nie mehr in Wladimirs Flüsse zurückkehren: der Russische Stör, der Kaspische Lachs und der Weißlachs.

osetr.jpg

Russischer Stör

Der wegen Überfischung und Zerstörung des Lebensraums ohnehin bereits seltene, auch Waxdick genannte Stör verbringt die ersten drei seiner bis zu 50 Lebensjahre im Süßwasser, bevor er ins Kaspische Meer abwandert und erst zum Laichen wieder zurückkehrt. Aber wie bei all den Staustufen, bei all den Anglern mit und ohne Schein, bei all den Giften und bei all dem Müll in der Wolga?

osetr.JPGKnorpel vom Stör

Wie häufig der Stör früher war, beweisen nicht nur Funde von Knorpeln in allen erforschten Erdschichten seit dem 12. Jahrhundert, sondern auch Einträge in Handelsbücher, aus denen hervorgeht, daß aus der Oka und ihren Nebenflüssen in der Saison 1687/88 allein an einer Fangstelle in der Nähe von Murom fast 6.000 Sterlets erbeutet wurden, darunter auch ein Glattdick, der sich heute ebenfalls im Roten Buch als stark gefährdet wiederfindet. An anderer Stelle liest man von einem Jahresbedarf von 6.000 Stören für ein einziges Kloster, von den anderen Fischen ganz zu schweigen. Bereits im 18. Jahrhundert scheint dieser Raubbau zu einem starken Rückgang der Vorkommen geführt zu haben. Ein Susdaler Chronist jener Zeit bemerkt bereits, es gebe in der Kljasma nur noch Sterlets, aber weder Russische Störe noch Hausen.

losos.jpg

Kaspischer Lachs

Verschwunden ist auch der einst häufige Kaspische Lachs, der ebenfalls über die Wolga bis nach Wladimir wanderte. Doch schon in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde diese Spezies immer seltener. Heute gilt sie in der Oka und Kljasma als erloschen.

beloryibitca.jpg

Weißlachs

In früheren Zeiten wanderte schließlich auch noch der bis zu 20 kg schwere Weißlachs von September bis Februar die 3.000 km vom Kaspischen Meer zum Laichen hoch bis in die Flüsse des Gouvernements Wladimir, denn man fing ihn, laut verschiedenen Aufzeichnungen, in großer Zahl. Tempi passati. Heute versucht man zumindest, den Sterlet wiederanzusiedeln. Aber um den Glattdick, den Russischen Stör, den Kaspischen Lachs und den Weißlachs ist es wohl endgültig geschehen. Und wir lassen es ja auch geschehen, folgen ganz dem alten russischen Sprichwort „Wenn es keinen Fisch gibt, geht auch der Krebs als Fisch durch“. Blöd nur, daß der auch sauberes Wasser braucht, das sich der Mensch ja in Plastikflaschen kaufen kann.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: