Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 11. Januar 2019


Niemand brauchte gestern abend im Kulturpunkt Bruck frieren, aber nicht alle hatten noch Platz in dem überfüllten Saal gefunden, einige wurden wegen Überfüllung wieder hinaus in die dunkle Kälte geschickt, bevor Walter Költsch – zum zweiten Mal in Erlangen – seinen live kommentierten Reisefilm „Eiskalt – Mit dem Fahrrad durchs Baltikum nach Rußland“ vorstellte. Ein Roadmovie, der von Erlangen über Görlitz, via Masuren, Tallinn, Sankt Petersburg und Jaroslawl – auch auf manchen zum Teil unpassierbaren Umwegen – bis nach Susdal, Wladimir und Moskau führt und in gut zweieinhalb Stunden eine Strecke von etwa 4.000 km mit Bildern und Eindrücken bewältigt, die den Zuschauer nicht nur an überwältigenden Landschaften und faszinierenden Städten teilhaben läßt, sondern vor allem an stets offene und hilfsbereite Menschen so hautnah heranführt, daß man deren Atem zu spüren meint, ihrer Seele so nahe kommt, als wäre man ihnen selbst begegnet.

Walter Költsch

Ein etwa zwanzigköpfiger Trupp war es, der kurz vor Ostern 2013 Peter Smolka auf seiner am Ende viereinhalb Jahre dauernden und sich über 80.000 km erstreckende Tour de Friends um die Welt mit Stationen in allen Partnerstädten Erlangens begleitete, im Gepäck Grußbotschaften vom damaligen Oberbürgermeister, Siegfried Balleis, an seine Kollegen auf dem ganzen Erdenrund. Das erste Ziel, Wladimir, erreichten dann aber nur noch vier: besagter Peter Smolka, Gertrud Härer, Jörg Gruner und eben Walter Költsch, der diese Reise nach zweijähriger, unfallbedingter Zwangspause mit zwei geschienten und genagelten Unterarmen antrat, und für den die Fahrt zur bisher kältesten werden sollte.

Getrud Härer, Anneliese Martin, Walter Költsch und Peter Steger

Warum die kälteste, erklärt sich rasch: Im Knoblauchsland erfror in jenem Frühjahr 2013 das Gemüse, in der Fränkischen Schweiz lag Schnee, und bis weit über das Baltikum hinaus hatte die Equipe mit winterlicher Witterung und vor allem einem eisigen Gegenwind zu kämpfen. Aber wiedergeben läßt sich das nur anhand der Bilder des Films, anhand der kopfschüttelnden Menschen am Wegrand und anhand der Frage: „Warum tut ihr euch das an?!“

Nadja Steger

Seine Antwort wird Walter Költsch noch einmal, am 14. November, geben, wenn er um 19.30 Uhr im Redoutensaal mit seinem Vortrag das diesjährige Fernwehfestival eröffnet. Wer diesen einzigartigen Film bisher noch nicht gesehen hat, sollte sich diese vielleicht letzte Gelegenheit nicht entgehen lassen. Eine jedenfalls wird wieder, dann schon zum dritten Mal, im Publikum sitzen, die zur ersten Vorführung fast schon hatte zwangsverpflichtet werden müssen, bis sie – bereits im Vorspann – bemerkte, daß einige kurze Sequenzen auch Piszowo zeigen, jenes Städtchen auf halber Strecke zwischen Jaroslawl und Wladimir, wo ihr Vater geboren wurde und sie als Kind immer wieder die Ferien verbrachte. Mehr als zwanzig Jahre hatte Nadja Steger dieses kleine Stück Heimat nicht mehr gesehen, und nun das: Peter Smolka, Deutschlands wohl bekanntester Weltumradler, Gertrud Härer, eine der weltweit besten Langstreckenläuferinnen, Jörg Gruner, mit seinem Wisch-Handy der findigste Pfadfinder zwischen Franken und dem Ural und – bei all den Pannen – unverzichtbare Fahrradmonteur, sowie Walter Költsch, der unübertroffene Chronist und kurzweiligste Kommentator von Extremtouren rund um den Globus – ausgerechnet dieses Dreamteam legt einen Zwischenhalt in dem russischen Allerweltsdorf Piszowo ein, das für die Wahlerlangerin für immer ein Teil ihrer Kindheit bleibt. Das verbindet – und verpflichtet bis zum nächsten Auftritt von Walter Költsch, zu dessen Homepage mit all den übrigen Terminen und Themen es hier geht, ohne Frostbeulen und Schneegestöber, zum Mitreisen: https://walters-verrueckte-reisen.de

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: