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Archive for 18. November 2018


Wer am Donnerstag Abandoned Land auf der Kellerbühne des E-Werks erlebt hatte, war vorgewarnt: Aus Wladimir kam zum neunten Mal in Folge eine Band, die zu hören und zu sehen ein Erlebnis ist. Aber auch unvorbereitet begriff das Publikum im vollen Clubsaal gestern zum Abschluß des 41. Newcomer Festivals vom ersten Song an: Die Russen spielen Metal so, als hätten sie diese harte Gangart der Rockmusik erfunden.

Und so brauchte denn Jewgenij Golowin zu Beginn des Auftritts seine Frage „Erlangen, can you hear me?“ nicht zu wiederholen. Dem Frontmann der Band aus der Partnerstadt schallte dröhnende Zustimmung entgegen. Und, das sei vorweggenommen, am viel zu frühen Ende forderte – und bekam – der tobende Saal „one more song!“.

Andrej Trubin, Jewgenij Golowin, Andreas Küchle und Anton Goldow

Der Besuch war freilich auch gut vorbereitet. Die Erlanger Band Repellent hatte sich nicht nur während ihrer Wladimir-Tournee im Oktober mit Abandoned Land angefreundet, man war auch übereingekommen, sich musikalisch auszuhelfen. Nachdem nämlich klar war, daß der Schlagzeuger Pjotr Ragusin nicht mit nach Deutschland würde reisen können, heuerte man Andreas Küchle an, der nur zwei Wochen Zeit bekam, die Stücke alleine zu proben.

Andrej Trubin war aber dann schon vor dem Auftritt voll des Lobs: „Unser Freund hat die Songs so gut drauf wie unsere eigener Mann, so gut, daß wir nur eine einzige Probe brauchten, bei der jeder Taktschlag stimmte.“ Wie das stimmte, war dann auch beim Konzert zu hören: Als gehörte Andreas Küchle tatsächlich zur Stammbesetzung des Quartetts.

Andreas Küchle

Und dann, ganz gegen Ende des Konzerts, nahm auch noch Jonas Hack die Stöcke in die Hand, der ganz spontan schon am Donnerstag die Lücke am Schlagzeug bravourös gefüllt hatte. So klingt Partnerschaft, das ist der Sound, aus dem die musikalische Freundschaft zwischen Erlangen und Wladimir gemacht ist.

Andrej Trubin und Anton Goldow

Überhaupt, liest man all die Berichte aus neun Jahren Austausch im Rahmen des Newcomer Festivals, gibt es keinen Zweifel: Diese Begegnungen gehören zum Wertvollsten der Städtepartnerschaft, bringen vor allem junge Menschen zusammen, die sich ansonsten nie getroffen hätten und die nun oft nicht nur musikalische Freundschaften fürs Leben schließen oder zumindest Erfahrungen machen können, die ihr Leben reicher machen.

Sänger und Gitarrist Jewgenij SLAYER Golowin nach dem Konzert

Als denn auch Stephan Beck, Leiter des Amtes für Soziokultur und von Beginn an guter Geist dieses Austausches, in Vertretung der erkrankten Bürgermeisterin, Susanne Lender-Cassens, verkündet, wer den begehrten Publikumspreis gewonnen hat – die Progressive Metalcore-Band Impvlse -, gratuliert Repellent: „Ihr werdet es nicht bereuen, nach Wladimir fahren zu können!“

Abandoned Land 21

Stephan Beck und Moderator Claudio Großner

Fahren zu können, das bleibe hier nicht unerwähnt, verdanken die Siegerbands dem Amt für Soziokultur, das diesen Austausch großzügig unterstützt, nicht nur finanziell, sondern mit großem Aufwand auch organisatorisch – mit Herzblut.

Stephan Beck, Abandoned Land und Impvlse

Aber auch die russische Seite genießt diesen Austausch. Gitarrist Andrej Trubin war schon bei der allerersten Band, No Trouble, 2009, in Erlangen und freut sich nun wie ein kleiner Junge, seine „deutsche Heimat“ wiederzusehen mit all dem Bekannten und Neuen.

Abandoned Land mit Andreas Küchle in der Mitte

Damals hatte der Leadgitarrist von den deutschen Freunden eine Platte geschenkt bekommen – „Back in the USSR“ -, noch in der UdSSR erschienen, die er jetzt zurückbringt. Eine lange Reise hin und zurück für die LP und hoffentlich ein gutes Omen für das weitere Hin und Her der Rockgruppen aus Erlangen und Wladimir.

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