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Archive for 15. November 2018


Das ganze Ensemble Rus trauert um unseren Freund, den künstlerischen Leiter der Folkloregruppe Ihna. Lange vor dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer verstand es Eike Haenel als talentierter Organisator und Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, über den Kulturaustausch die ersten Schritte zur Aufnahme von freundschaftlichen Verbindungen zwischen unseren Völkern zu unternehmen. Wir werden nie vergessen, wie es ihm im Frühjahr 1989, ungeachtet aller seinerzeitigen Einschränkungen, gelang, eine Gastspielreise für das Ensemble Rus durch ganz Deutschland (von Cuxhaven bis München) zu organisieren. Schon der Grenzübertritt von der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik Deutschland – wir kamen mit dem Bus aus Aussig an der Elbe, unserer böhmischen Partnerstadt – hatte es damals in sich: Das Umladen des Gepäcks und der Instrumente vom einen in den anderen Bus verlief per Hand und Pkw-Anhänger, weil es keine Einfahrtserlaubnis für die Erlanger Abholer gab. Später spielte unser Freund die entscheidende Rolle bei der Vermittlung des Kontaktes zur Konzertdirektion Schlote, mit der wir viele Jahre unsere Deutschland- und Europatourneen machten. Viel wichtiger aber als all dies: Für immer bleiben in unserem Gedächtnis das sonnige Lächeln und der vorausschauende Blick dieses lichtdurchströmten Menschen lebendig. Wir bewahren ihm ein würdiges Andenken und wünschen ihm die ewige Ruhe.

Nikolaj Litwinow, künstlerischer Leiter des Ensembles Rus

Eike Haenel, Nina Peschkowskaja, Dietmar Hahlweg und Nikolaj Litwinow, November 2017

Wladimirez und Ihna verbindet schon seit mehr als dreißig Jahren, seit 1987, eine enge Freundschaft. Wir sind Eike sehr dankbar dafür, denn er gab damals den Anstoß zu unserem Austausch. Er war ein ausgesprochen guter, anständiger und recht strenger Leiter… Wir hatten immer wieder Gelegenheit bei Proben seiner Ihna anwesend zu sein und konnten sehen, mit welcher Liebe und Warmherzigkeit die Mitwirkenden Eike begegneten. Was mich persönlich an unserem Freund immer besonders berührte, waren seine selbstlose Hingabe und Liebe zur Sache, die er erledigte. Er dachte sich keine Tänze aus, sondern er suchte sie anhand von historischem Material. Alles, was es da in der alten Zeit gab, übertrug er detailgetreu in sein geliebtes Ensemble. Auch unser Lieblingstanz, der „Schwerttanz“ wurde nach historischen Vorlagen rekonstruiert. Und dann war da noch dieser ganz eigene Wesenszug von Eike… Wenn er uns bei einer Probe zusah und ihm ein Tanz besonders gefiel, klatschte er nicht, sondern sagte still: „Noch einmal.“ Die Truppe war noch nicht zum Verschnaufen gekommen, aber er sagte es so, daß wir diese Nummer ohne zu murren wiederholten. Das konnte übrigens nicht nur bei Proben passieren, sondern geschah so sogar einmal bei einem Konzert in Erlangen. Wir werden unseren lieben Freund nie vergessen. Er war ein wirklich guter Mensch.

Mit viel Liebe für ihn, das Ensemble Wladimirez aus Wladimir

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Silvia und Landulf Jäger mit Nina Peschkowskaja, 2015 in Wladimir

Mit Eike Haenel, der einen Monat nach seinem 80. Geburtstag am vergangenen Sonntag verstarb, verliert tatsächlich nicht nur sein Ensemble den Gründer und ehemaligen Leiter, der Ihna vor 61 Jahren – in Worten: einundsechzig – zum tanzenden und klingenden Instrument der Völkerverständigung machte, sondern auch die Partnerschaft Erlangen-Wladimir hat einen Verlust zu beklagen, der schmerzt wie kaum ein anderer. Der aus Pommern stammende Impresario und Gastgeber für Ensembles aus aller Welt zeichnet zum einen verantwortlich für die – wie man heute sagen würde – Willkommenskultur des von ihm geprägten Freizeitamtes des Stadt Erlangen und nutzte zum andern bereits 1984 die Gelegenheit, mit einer Delegation des Stadtjugendrings in die noch unbekannte sowjetische Partnerstadt zu reisen. Zurück aus Wladimir kam Eike Haenel mit einer neuen Freundschaft, die ihn über drei Jahrzehnte mit Nina Peschkowskaja und deren Ensemble Wladimirez verbinden sollte, mit dem Ihna erst in diesem Jahr wieder gemeinsam auf Tournee war, dieses Mal im Baskenland. Welch ein Vermächtnis dieses großen Mannes der Aussöhnung zwischen Ost und West, welch ein Erbe, das wir antreten. Danke dafür, lieber Freund! Wir müssen es freilich erst noch erwerben, um es zu besitzen.

Die Trauerfeier findet am Freitag, den 23. November, um 15.00 Uhr im Bestattungshaus Utzmann, Marie-Curie-Str. 40, statt.

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