Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 9. November 2018


Seit die Slawistik an der Friedrich-Alexander-Universität vor zehn Jahren aufgelöst und nach Bamberg verlegt wurde, fehlt dem wissenschaftlichen Austausch zwischen Erlangen und Wladimir eine wesentliche Komponente. Umso erfreulicher, wenn nun schon seit 2016 Julia Obertreis, Leiterin des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, Kontakte zur Staatlichen Stoletow-Universität pflegt. Hier nun ihr Bericht über ihren mittlerweile schon dritten Besuch an der Partnerhochschule.

Am 7. November traf die Professorin den Rektor der Universität, Ansor Saralidse, sowie ihre Historikerkollegin, Jelena Petrowitschewa, Leiterin des Lehrstuhls für Geschichte Russlands, zu einem Meinungsaustausch. Der Rektor kennt Deutschland auch von privaten Reisen recht gut und betonte im Gespräch, die internationale Vernetzung sei ihm ein wichtiges Anliegen. Auch die neueste Monographie, von der die Besucherin ein Exemplar für die Universitätsbibliothek mitgebracht hatte, nahm er mit großem Interesse zur Kenntnis.

Anschließend fand ein Gespräch mit Doktoranden und Magistranden des Lehrstuhls von Prof. Petrowitschewa statt, die sich unter anderem für Karrierewege und die Wahl von Forschungsthemen an deutschen Universitäten und die Struktur der Studiengänge an der FAU interessierten. Man war hier sehr erstaunt zu hören, ein Lehrstuhl im Fach Geschichte in Deutschland bestehe häufig nur aus zwei Stellen, der Professur  und einer Assistenz. Denn hier haben die Lehrstühle bis zu 20 und mehr Mitarbeiter und ein sehr breites inhaltliches Profil, das im Falle von Prof. Petrowitschewa die gesamte Geschichte des Landes inklusive der Regionalgeschichte abdeckt. Auch eine Vertreterin der Abteilung für internationale Beziehungen der Universität, Nadeschda Troschtschina, war zugegen und wies auf die bereits bestehenden Austauschmaßnahmen für Studierende und Dozenten hin. Sie ermunterte die anwesenden Mitarbeiter, diese aktiver zu nutzen; unter anderem werden dreimonatige Forschungsaufenthalte an deutschen Universitäten vom Deutschen Akademischen Austauschdienst finanziert, und das ist doch eine große Chance, auch wenn man sich dafür – was vielen offenbar schwerfällt – für drei Monate von der Familie entfernt.

Ansor Saralidse, Jelena Petrowitschewa und Julia Obertreis

Um 12.00 Uhr präsentierte Prof. Obertreis in einem modernen Hörsaal einem größeren Publikum aus Studenten und Doktoranden der Geschichte ihre im letzten Jahr in englischer Sprache erschienene, auf langjähriger Forschung basierende Monographie über Baumwollanbau und die Modernisierung der Bewässerung in Zentralasien unter russisch-sowjetischer Herrschaft („Imperial Desert Dreams. Cotton Growing and Irrigation in Central Asia, 1860-1991“). Die Rückmeldungen dazu zeigten, wie groß das Interesse an der hierzulande noch recht neuen Forschungsrichtung Umweltgeschichte ist. Die Erlanger Wissenschaftlerin sagte deshalb zu, dazu einen Beitrag für die Universitätszeitschrift im Bereich Geisteswissenschaften (Vestnik VlGU – Social’nye i gumanitarnye nauki) zu schreiben.

Julia Obertreis mit Auditorium

Am Nachmittag traf sich Julia Obertreis mit ihrer Professorenkollegin, Irina Lapschina, Inhaberin des Lehrstuhls für Allgemeine Geschichte, das heißt vor allem Geschichte des Westens, hier mit einem Schwerpunkt auf den USA im 20. Jahrhundert. Auch hier gab es, in weniger formeller Atmosphäre, einen Austausch mit Doktoranden und Mitarbeitern und viel Interesse an der Forschung des Gastes sowie an neuesten Entwicklungen an deutschen Universitäten. Auch politische aktuelle Themen kamen zur Sprache, etwa der Aufstieg der AfD und die aktuellen persönlichen und beruflichen Beziehungen der Mitarbeiter zur Ukraine, die sich erfreulicherweise nicht verschlechtert zu haben scheinen.

Der Nachmittag endete mit einem schönen Spaziergang auf der Spasskaja-Straße, einem Besuch in einem sehr gemütlichen Bücher-Antiquariat („Bukinist“) sowie einem georgischen Abendessen im Chinkali-Haus (Хинькальный Дом). Wie so oft entstehen die besten Ideen im ungezwungenen Austausch: Für nächstes Jahr wurde vereinbart, eine zweite studentische Video-Konferenz zu veranstalten, diesmal zum Thema Rivalität im Kosmos („Space Race“) im Kontext des Kalten Krieges – ein Thema, das mit Jurij Gagarin, dem Sputnik-Schock und der ersten Mondlandung 1969 auf großes Interesse der Studierenden auf beiden Seiten stoßen wird.

Julia Obertreis

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: